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  1. Moderation

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Bei uns war es das zweite Kind, das mehr am täglichen Leben und unseren Möglichkeiten zur Lebensgestaltung verändert hat als das erste. Das sie, das kann man sagen, grundlegender verändert hat.
    Beim ersten konnte, auch wenn das Kind ein Elternteil involvierte, das andere noch Zeit und Raum. für sich haben. Das erste Kind war auch von der tiefenentspannten Sorte. Da konnte ich die verbreitete Wahrnehmung, dass sich mit der Ankunft des Kindes alles verändert, auch nicht nachvollziehen. Auch Überforderung, Übernächtigung, signifikante Selbstzweifel, Beziehungsprobleme, Verlust von Unabhängigkeit und was man sonst so oft von jungen Eltern hört, konnte ich nicht bestätigen.
    Ich dachte, wir hätten's voll drauf.
    Nach der Ankunft des zweiten Kindes (eng getaktet, wir hatten dann Baby & Kleinkind - war ja alles easy) war das nicht mehr so. Das Kind war anstrengend und hat ein Elternteil (das mit den Brüsten) dauerbeansprucht. Ich durfte den Raum nicht verlassen, es nicht ablegen, immer rumtragen, am liebsten permanent stillen. Also wenn mein Mann von der Arbeit heimkam, musste er sich fast alleine um das größere Kind kümmern, das dann aus der Betreuung kam. Da hatten wir keine Zeit mehr für irgendetwas, das über das ganz Grundlegende hinaus ging.
    Nummer 3 hat dagegen kaum noch einen Unterschied gemacht, bzw. es wurde besser, da das Zeitsauger-Kind dann auch schon bald 2 wurde und auch mal ohne Mama auskam.
    Jetzt sind sie so groß, das Jüngste kommt in den Kindergarten, dass wir wieder in Richtung des (gefühlten) Zustands mit einem Kind kommen.
    Die enorme wahrgenommene Lebensveränderung war also eine Phase.
    Tiefgreifende Änderungen, die bleiben, sind die Verantwortung, Liebe und Sorge, die mit der Ankunft der Kinder mit einer Intensität in mein Leben getreten sind, wie ich sie nicht kannte und die zu emotionalen Veränderungen bei mir geführt haben, in der Eigenwahrnehmung und der Wahrnehmung der Welt. Priorisierungen haben sich verändert, ebenso Interessen und Beziehungen. Das allerdings eher als schleichender Prozess.
    Und die Sorgearbeit, die wird uns auch noch ein Weilchen erhalten bleiben, aber da arbeiten wir dran.
    Geändert von lunete (19.10.2021 um 11:16 Uhr)

  2. Moderation

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir ging es wie den Vorschreiberinnen, aber es ist wohl auch Typsache. Wer Kinder total in den Mittelpunkt stellt, sich und eigene Interessen komplett zurücknimmt, für den werden Kinder sicher das ganze Leben verändern.
    Ich habe diese Formulierung hier im Forum, aktuell auch in dem Strang, auf den Copic wohl anspielt, so oft gelesen, dass ich sie jetzt mal herausgreife und was dazu schreibe. Es ist nicht persönlich auf dich gemünzt. Elli, das ist hier ja ein sehr knappes Statement, aber ich nehme es als Aufhänger, weil ich darin schon einige der von mir jetzt genannten Punkte lese.

    Oft habe ich das Gefühl, es schwinge etwas Despektierliches mit, wenn über Eltern - gern auch Mütter - gesprochen wird, die "Kinder in den Mittelpunkt stellen" oder bei denen "sich alles ums Kind dreht", es ist auch mal vom "Tanz ums goldene Kalb" oder ähnlichem die Rede.
    Was ist das? Verachtung? Unverständnis? Als sei ein entsprechendes Verhalten ein Fehler oder eine Dummheit, als sei es kurzsichtig oder verblendet oder sonstwie fehlgeleitet. Nicht selten mit einer gewissen Schadenfreude oder einem "selber Schuld"-Gestus, wenn Eltern klagen, dass es anstrengend sei.
    Das tun Eltern ja gern und ausführlich, da kommt im Umkehrschluss auch öfter mal ex post der scheinlogische Schluss, dass sie sicherlich so müde seien, weil sie ihr Kind in den Mittelpunkt stellen -weil das ja bei den jungen Eltern so ist heutzutage, und nicht unbedingt weil das irgendwie tatsachenbasiert ist.

    Oft hat diese Kritik eine persönliche oder zeitliche Dimension, "ich" habe das ja ganz anders gemacht, "zu meiner Zeit" oder "früher" hätte es sowas nicht gegeben. Da waren die Leute noch vernünftig. Wie in allem anderen auch...

    Diese Formulierung bzw. diese Kritik geht mir insofern gegen den Strich, als ich das Ganze für eine sehr komplexe Gemengelage halte.

    In den allerwenigsten Fällen wird man von außen, als die Person, die diese Situation komentiert, einen umfassenden Einblick in die familiäre Situation haben, die man bewertet. Weder was die Binnenbeziehungen betrifft noch die zeitliche Perspektive.
    Es kann viele Gründe geben, die Bedürfnisse eines Kindes stark zu priorisieren, diese können gesundheitlicher, psychischer oder auch rein praktischer Natur sein.
    Es ist eine Wahl, die Eltern treffen können und es ist eine Wahl, die sie jederzeit revidieren können und die sehr oft nur einen gewissen Zeitraum, das kann eine Stunde bis mehrere Jahre umfassen, betrifft.

    Der isolierte Einblick ist für ein pauschales Urteil meines Erachtens nicht hilfreich und rechtfertigt nicht die Abwertung.
    Das sind schlicht und ergreifend Eltern, die sich kümmern - so gut sie können und so, wie sie es für richtig halten. Das heißt, sie machen ihren Job, der ohnehin enormen Anforderungen und Krritik von berufener wie unberufener Seite ausgesetzt ist.

    Vielleicht hat das Kind, das gerade permanent von zwei besorgten Eltern umschwirrt wird, gerade einen Sturz vom Wickeltisch hinter sich und sie beobachten genau, ob sich Anzeichen für eine Gehirnerschütterung zeigen. Vielleicht ist das Kind, das aus allen Richtungen gehätschelt wird, heute krank oder zahnt und bekommt deshalb besonders viel Aufmerksamkeit, weil die Eltern jetzt kein weiteres Gekreische ertragen.
    Vielleicht haben die Eltern sich entschieden, ihr Leben nach dem Kind auszurichten, weil sie es für die beste Methode halten, ihrem Kind Sicherheit, Geborgenheit, Urvertrauen und einen optimalen Start ins Leben zu bieten.
    Vielleicht sind sich die Eltern noch unsicher in ihrer Rolle und brauchen diese Struktur, bis sie sich eingefunden haben und davon lösen kommen.
    Oder es wird einfach so gehandhabt, weil man sich diesen Luxus in diesem Moment tatsächlich leisten und gönnen kann (da kommt mir z.B. das "in-den-Tag-Leben" mit dem Erstgeborenen in Elternzeit in den Sinn, man hat keine familiären Termine wie Geschwister, die in den Kindergarten müssen und kann, wenn man will, tatsächlich jedes Nickerchen, Püpschen und Hüngerchen abwarten, bevor man die nächste Sache angeht).

    Ich finde das alles legitim.

    Das wird meiner Vermutung nach auch nicht zu mehr "verzogenen" Kindern führen als die vielen anderen Prinzipien der (Klein)Kindererziehung, die es in den letzten Generationen gab, letztlich produziert jede Generation Nachwuchs, der bei gewissen Besonderheiten und vielleicht auch vertreiteteren Problemen doch einigermaßen gesund und funktionabel ist und damit ist m.E. das Ziel erreicht.

    Wichtig ist natürlich, dass es allen damit gutgeht. Wenn ein Kind mehr Strukturvorgaben braucht, sind die Eltern hoffentlich sensibel genug, dies zu begreifen und umzusetzen. Sie können sich ja auch in erzieherischen Fragen Hilfe holen. Wenn ein Elternteil - oft die Mutter - droht, unter die Räder zu kommen, weil sie sich völlig dem Kind und der Familie unterordnet, gibt es hoffentlich jemanden, idealerweise sie selbst, vielleicht auch jemand anderen, der das bemerkt und gegensteuert.

    Man kann sich fragen, warum es überhaupt soweit kommt.
    Warum moderne, selbstbewusste, emanzipierte und gebildete Frauen sich dermaßen aufreiben, sich selbst aufgeben, bei dem Versuch, den Bedürfnissen Anderer - primär des Kindes - gerecht zu werden?
    Ich vermute, dass die permanente Bewertung von außen eine Rolle spielt: So gut wie jede*r meint, Elternschaft und Erziehung sowohl kompetent als auch relevant kommentieren zu können und dürfen. Lauter Expert*innen, egal, ob die eigene Expertise auf "ich war schließlich auch mal Kind" beruht.
    Man ist ständigen Angriffen ausgesetzt und vielleicht ist es das Bemühen, "alles richtig zu machen", zusätzlich geframed als "für die eigene Familie alles richtig zu machen" das, was zu diesem Problem führt.

    Und "richtig" macht man es mit der Priorisierung der kindlichen Bedürfnisse insofern, als es gängige Lehrmeinung ist, dies zu tun. Wobei da wahrscheinlich auch einige Missverständnisse herstammen: Das bedürfnisorientierte Prinzip, das für die Neugeborenenpflege derzeit empfohlen wird. Füttern nach Bedarf, Nähe nach Bedarf, Schlafen nach Bedarf, Nuckeln nach Bedarf usw. Das unterscheidet sich stark von Empfehlungen noch vor gar nicht so langer Zeit (füttern nach der Uhr für den schlaffreundlichen Rhythmus, außerdem verursache die Mischung von halbverdauter und verdauter Milch im Magen Bäuchleinweh, daher immer schön auf Fütterabstände achten, Ferber-Methode zum Einschlafen, Jedes Kind kann schlafen lernen usw.) und erweckt vielleicht den Anschein, es sei alles immer dem Kind unterworfen.
    Aber das ist oft zeitlich sehr begrenzt, je nachdem, wann die Eltern wieder arbeiten, oft ziehen Eltern mit Ende der Neugeborenenphase eine Grenze, meist beginnt spätestens mit der Beikost, mit ca. 4-5 Monaten, die Strukturierung des Alltags nach anderen Aspekten, wenn das Kind nicht schläft, oft schon früher.

    Und das ist es meines Erachtens: Der Alltag rückt Vieles zurecht, sorgt für neue Perspektiven und neue Prioritäten. Das Kind wird älter, die Eltern und das Kind lösen sich aus den ganz eng-symbiotischen Strukturen, es kommt in die Kita oder den Kindergarten, wird beweglicher und selbstständiger, es bekommt vielleicht Geschwister, die Wohn- oder Arbeitssituation der Eltern verändert sich - und damit weren immer mehr Rahmen und Bedingungen geschaffen, in die das Kind hereinwächst und deren Regeln es folgt.
    Geändert von lunete (19.10.2021 um 12:19 Uhr)

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Wie lunete erlebe ich die Veränderung durch Kinder als Prozess, gerade bei mehreren Kindern mal weniger, mal mehr, mal sprunghaft, mal schleichend.

    Bei uns führte das erste Kind zu viel Veränderung (Fremdbestimmtheit etc.), Kind 2 änderte gefühlt wenig und lief mit und Kind 3 eröffnete dann nochmal eine neue Dimension in Bezug auf das Familiengefüge im positiven, aber auch an Zeit, Organisation uä.


    Zitat Zitat von Copic Beitrag anzeigen
    Ich gehe arbeiten, habe die gleichen Interessen, treffe die gleichen Freunde, lebe in der gleichen Wohnung, esse und trinke das gleiche, mein Partner ist der gleiche, dieselben Lokale werden besucht, die gleichen Werte werden gelebt....
    Gleiche Wohnung trifft bei mir schonmal nicht zu, ohne Kinder würde ich in keinem über 100qm-Haus mit Garten leben.
    Partner ist der gleiche, aber unsere Partnerschaft hat sich durch die Kinder sehr weiter entwickelt.
    Gleiche Freunde: ja, aber eben nicht nur und ich habe durch die Kinder viele neue Leute kennengelernt, mit denen Freundschaften anders sind.
    Arbeiten: gleich, aber ich arbeite anders getaktet, stehe früher auf als ohne Kinder, bemühe mich bei der Arbeit ganz anders, früher wegzukommen, wodurch sich meine Arbeitsweise geändert hat.
    Lokale: gleiche, aber mit den Kindern auch andere.
    Und wenn auch viele Werte gleich geblieben sind, hat mich niemand von so vielen erGlaubenssätzen und Grundsätzen abrücken lassen, wie meine Kinder (das ist ab dem Teenageralter richtig spannend im Diskurs mit den Kindern).

    Wenn man den Satz „Dein ganzes Leben ändert sich“ absolut liest, würde ich ihm wohl auch eher nicht zustimmen, aber im Sinne von: „in fast allen Bereichen Deines Lebens wird es zu Veränderungen kommen“ schon.
    Geändert von fritzi72 (20.10.2021 um 14:08 Uhr)

  4. Moderation

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Ja und nein.
    Einerseits ändert sich schon "das ganze Leben", denn ich ändere mich, unser Familien-Setup ändert sich, die Vorzeichen ändern sich. Für mich ist es tatsächlich auch so, dass ich vom Moment der bestätigten Schwangerschaft an ständig an die Kinder denke, immer, vielfach sogar im Traum. Also nicht bewusst natürlich, aber auch das schon viel. Da ist eine Präsenz, die vorher nicht da war.

    Und isoliert für sich gesehen, ändern sich viele Dinge auch nicht, wie hier schon beschrieben: Freunde, Interessen, Berufsfeld, Literaturgeschmack, bevorzugte Unterhaltung...
    Aber praktisch ändert sich oft die "Ausübung" dieser Lebensbereiche, zumindest mit kleinen Kindern. Die Freunde kommen verstärkt zu mir, oder die Kinder sind bei Treffen dabei, oder man muss ihre Beaufsichtigung organisieren.
    Ich lese nicht mehr Samstag Morgen ab 10 Uhr im Bett, sondern ab 7 Uhr auf dem Sofa, während der 2jährige spielt. Solche Sachen.

    Aber mal eine andere Frage, ich gewinne etwas den Eindruck, als sei es irgendwie feiner oder besser oder erstrebenswerter, dass sich durch die Kinder möglichst wenig ändert, lese ich das richtig?
    So für mich bin ich noch nie darauf gekommen das zu werten. Natürlich gibt es angenehme und unangenehme Änderungen, notwendige und selbst gewählte. Aber dass sich durch neue Personen im engsten Umfeld etwas verändert, das habe ich bisher schlicht als Tatsache gekauft. Und, auch das wurde hier schon erwähnt, das trifft beileibe nicht nur auf Kinder zu.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Liebe Lunete,

    danke dass du dir gerade diesen Aspekt heraus gegriffen hast.

    Gerade das erlebe ich so als besonders schön bei meinen eigenen Kindern jetzt.
    Wie wichtig ihnen das Kind ist, wie sie es umsorgen und lieben.

    Diese Wichtigkeit mal selber erlebt haben zu können empfinde ich als größtes Geschenk.

    Und dann auch noch der Vollständigkeit halber: wie wichtig man mal für einen Menschen ist und später gewesen ist.
    Das ist einfach Liebe pur.

    Das erleben zu dürfen veränderte mich zumindest sehr.

    Und zwar in Richtung mich mehr als Teil der Gesellschaft zu empfinden.
    Im Sinne von dazu zu gehören und sich verpflichtet zu fühlen.

    Wenn ich das mal so schreiben darf: da waren meine Töchter im Ausland, haben so viel auskosten dürfen, und nichts hat sie und auch alle herum mehr bewegt als selber ein Kind zu bekommen.

    Ehrlich gesagt denke ich da manchmal : die Zeit ist doch stehen geblieben.
    Mode kann man kaufen.
    Stil muss man haben.

    Edna Woolmanchase
    Chefredakteurin, Vogue, 1914 - 1952

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen

    Aber mal eine andere Frage, ich gewinne etwas den Eindruck, als sei es irgendwie feiner oder besser oder erstrebenswerter, dass sich durch die Kinder möglichst wenig ändert, lese ich das richtig?
    Gar nicht, zumindest ich meine es gar nicht so. Mein Eindruck ist nämlich genau der gegensätzliche, sobald man nicht ächzend und völlig aufopfernd empfindet und erwähnt wie anstrengend doch das alles mit Kindern ist fühlt man sich fast so, als liefe was falsch, als würde man nicht genug bei der Sache sein. Auch in dem permanent schlechten Gewissen, welches Mütter scheinbar durchweg haben, find ich mich nicht wieder. Hab ich nicht, ich zweifel nicht so sehr an meinen Mutterqualitäten, wir, also auch mein Partner, machen das einfach gut, auch wenn wir nicht immer alles richtig machen, das macht doch gar nix. Ich finde es wichtig auch das mal zu sagen, dass es eben nicht jeder Frau so geht dass sie das Gefühl hat, alles dagewesene ist nun vorbei und seit der Elternschaft hat sich alles verändert. Ich möchte auch niemanden absprechen dass es bei ihm anders als bei mir ist, aber ich möchte eben dass derjenige dann auch in der Kommunikation nach außen bei sich bleibt und sagt "Bei mir ist es seit den Kindern so und so".

  7. Moderation

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Zitat Zitat von Copic Beitrag anzeigen
    Gar nicht, zumindest ich meine es gar nicht so. Mein Eindruck ist nämlich genau der gegensätzliche, sobald man nicht ächzend und völlig aufopfernd empfindet und erwähnt wie anstrengend doch das alles mit Kindern ist fühlt man sich fast so, als liefe was falsch, als würde man nicht genug bei der Sache sein. Auch in dem permanent schlechten Gewissen, welches Mütter scheinbar durchweg haben, find ich mich nicht wieder. [...]
    Dankeschoen fuer die prompte Antwort.
    Ich muss dazu sagen, bzw. haette dazusagen muessen, dass ich Deine Frage auch neutral verstanden hatte. Bzw. in die Richtung, die Du jetzt nochmal erlaeutert hast. Ich verstehe auch, was Du meinst, leider ist Elternschaft momentan von so vielen Grabenkaempfen belastet ("Kinderlose 'gegen' Eltern", "berufstaetige- 'gegen' Vollzeiteltern" uvm.) auch bei den entspanntesten Eltern latent zu solchen Gefuehlen kommen kann, dass jemand irgendwie diffus "dagegen" ist, auch wenn das gar nicht so gesagt wurde. Also, so wie es uns beiden von verschiedenen Positionen aus so geht. Interessant finde ich - aber bitte korrigiere mich auch hier noetigenfalls - dass dieses "das ganze Leben veraendern" bei Dir so einen negativen Touch hat, mit Aufopferung und Anstrengung. Ich interpretiere das oft sehr positiv, beinahe schon schwaermerisch (- auch hier werde ich vielleicht ein bisschen "getriggert" -), also eher in die Richtung: nie dagewesene Liebe, intensivere Gefuehle, Regenboegen und Regenwuermer nochmal mit den Augen der Kinder sehen usw.
    Da muss ich allerdings zugeben, dass das bei mir auch nur begrenzt so ist. Es sind fuer mich tatsaechlich eher die praktischen Dinge, die sich notwendig veraendern. Und, ja, eben diese Praesenz von 2 neuen heissgeliebten Menschen. Und dass der Erstkontakt mit anderen Muettern jetzt darin besteht, Geburtsstories auszutauschen. Aber da sitze ich mit 2 Kaiserschnittentbindungen auch nicht mit am Cool-Table.
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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Ich kenne dieses “das ganze Leben ändert sich” eigentlich tatsächlich nur im negativen Sinne, nämlich als Elterngejammer wie unerträglich man sich aufopfert und als Selbstaufwertung von Eltern gegenüber Kinderlosen im Sinne von “Du hast ja keine Ahnung”. Beides finde ich unerträglich und habe daher immer hochgehalten , dass sich mein Leben, seit mein Sohn da ist, sicher nicht gänzlich verändert hat und ich auch noch die gleiche bin. Trotzdem muss ich sagen, dass viele der Veränderungen, die hier schon beschrieben wurden, hier auch zutreffen und ich merke, wenn man es neutral oder positiv beschreiben möchte, wäre ich da durchaus aufgeschlossen zu sagen “das ganze Leben hat sich verändert”. Der Ton macht wie meistens die Musik!

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    Ich finde die Frage tatsächlich schwierig zu beantworten...

    Das Leben ändert sich ja prinzipiell erstmal immer und häufig ja mit großen Einschnitten ganz besonders. Schulabschluss. Ausbildungs-/Studienabschluss. Erster "richtiger" Vollzeitjob. Partnerschaften (egal ob sie kommen oder gehen). Wäre es da nicht merkwürdig, wenn es sich durch Kinder nicht ändern würde?

    Ich bin ja nun bekennend spät Mutter geworden. Abi mit 19, bisschen im Ausland gewesen, entspannt studiert (erstmal auch "das falsche", allerdings am Ende nur wenig über die Regelstudienzeit), mit grob gegen Ende 20 fertig geworden, zwei Jahre zum ersten "echten" Job gebraucht... meine "Jugend" hat sich entsprechend extrem lange hingezogen. Erste Veranstaltung erst um 9 (mein erster Job tatsächlich auch), spätestens um 18 Uhr daheim, abends gerne noch mit Freunden getroffen, viel ausgegangen (wobei ich z.B. nie viel getrunken habe und mir "laute Musik" nichts gibt), gerne essen, kleine Wohnung, pflegeleicht, viel Kram bei meiner Mutter im Keller ausgelagert, spontane Wochenedtrips durch die Republik zu Freunden, aber auch mal eben schnell zwei Nächte nach Stockholm, weil mit Ryanair gerade günstig... dann kam die erste Vollzeitstelle, dann der (alte Studi-)Nebenjob noch dazu, oft 48-Stunden Wochen plus Wegzeiten, selten weniger als 10 bis 12 Stunden aus dem Haus. Die Kommilitonen verstreuten sich durch die Welt, neue Freundschaften schlossen sich nicht mehr so wie an der Uni. Arbeitszeiten kollidierten. Da nahm schonmal das abendliche Ausgehen ab. Die Wohnung wurde größer, das Gehalt zwar auch, aber die Miete natürlich trotzdem teurer. Die eine oder andere Versicherung kam dazu, mit 5 Euro Haftpflicht/Hausrat war es nicht mehr getan. Damit schwand auch das "Spaßbudget". Die Urlaube wurden zwecks Urlaubsplanung bei der Arbeit eher gebündelt, dafür entsprechend länger und weniger spontan.
    Ich brauchte überhaupt kein Kind, um nicht mehr auszugehen ich bin, in den Augen meines 19-jährigen Ichs, schlicht ganz alleine langweilig erwachsen geworden. Ich habe Urlaube gemacht, in denen mein Mann und ich das Durchschnittsalter gefühlt auf einen Schlag um 100 Jahre gesenkt haben. Wochenenden auf dem Sofa klangen irgendwann so viel angenehmer als im Matsch im Zelt. Für Konzerte bin ich nicht mehr mittwochs 600 km gefahren, sondern habe einen Wochenendtermin abgewartet oder es gelassen.

    Hätte ich das Kind mit... 23/25/28 bekommen, wäre der Einschnitt in mein Leben vermutlich wesentlich größer gewesen, als er das jetzt war. Jetzt hat sich, gefühlt, zumindest mit dem einen Kind nicht so viel getan. Ich gehe weiterhin arbeiten. Gut, im Moment ein bisschen weniger und bin nur noch zwei Tage in der Woche wirklich um 6.30 Uhr im Büro, aber das ist eine Anpassung, keine großartige Änderung. Nach der Arbeit mache ich die gleichen langweiligen Sachen, die ich vorher gemacht habe - einkaufen, aufräumen, Wäsche waschen, mal ne halbe Stunde lesen, Abendessen kochen - nur dass ich zwischendurch nochmal den Lütten abhole und den ganzen Kram nicht mehr alleine mache. Ich habe nachmittags jetzt eine nette kleine Begleitung in meinem Leben, der gerne knuddelt und Mama mit Küsschen überfällt. Nach einer schlimmen Veränderung klingt das irgenwdie nicht. Ich bin vor dem Kind pünktlich zum Tatort auf dem Sofa eingeschlafen und schlafe weiterhin pünktlich zum Tatort auf dem Sofa ein (oder eine halbe Stunde früher beim Kind ins Bett bringen).
    Wir organisieren definitiv mehr und sprechen mehr ab. Früher war es "ich arbeite bis dann, gehe schnell einkaufen, wann bist du wieder da?", heute kommt dazu noch "wer holt das Kind? wer übernimmt das Kind, falls es heute krank wird? wer hat etwas zu erledigen, das ohne Kind besser geht? hat das Kind nach der Kita zu X noch Lust? wer hat Lust auf ein schlecht gelauntes, weil müdes, Kind während Y?", aber der wirkliche Einschnitt war (Stand jetzt natürlich) minimal.
    Sicherlich, wir werden unsere Urlaube umplanen müssen. Mit einem nichtschwimmenden Kleinkind zwei Wochen schnorcheln zu gehen, ist für uns vermutlich hoch unentspannt (wobei es sicherlich Menschen gibt, bei denen das anders ist). Ich habe mit Kleinkind auch keine große Lust auf Fernreisen, v.a. nicht mit Blick auf Corona (das in den vergangenen 1 1/2Jahren in meinem Leben viel mehr geändert hat als das Kind, gefühlt zumindest), auch wenn andere das absolut unproblematisch finden. Andere fahren ja auch in der Elternzeit für sechs Monate mit dem Bulli durch Neuseeland, wäre mein persönlicher Horror. Das sind dann aber eben so Änderungen, zu denen man sich auch selbst entschließt. Wenn ich das wirklich anders wollte, könnte ich das bestimmt anders machen.

    Je nach Lebensumständen und Einstellungen wird ein Kind das Leben vermutlich mal mehr und mal weniger ändern. Vielleicht ist der Einschnitt zu gewissen Zeitpunkten mal größer und mal kleiner? Es heißt ja immer, es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt für ein Kind, aber vielleicht gibt es bessere und schlechtere? Die 22-jährige Partyqueen, die jeden Abend unterwegs ist, nachts irgendwo in einer Kneipe jobbt, jedes Festival mitnimmt... die wird vermutlich mehr Änderungen erleben als ich urmelalte Schnarchnase, die "ich bring das Kind ins Bett" liebendgern als gute Ausrede nimmt, direkt mit zu gehen? Ja, alles ändert sich irgendwie... aber was ist der Lauf der Dinge, was sind die äußeren Umstände, was ist das Kind? Und ist das nicht eigentlich normal? Natürlich hat dsa Kind "irgendwie" mein ganzes Leben verändert. Vorher hatte ich kein kleines Leben, auf das ich aufpassen musste und dem ich gerne gerecht werden möchte so gut es geht. Aber das hat ja trotzdem irgendwo nicht mein "ganzes Leben" verändert, sondern nur gewisse Teilaspekte (die sich vermutlich auch nach Alter und Wesen des Kindes immer wieder ändern werden) und schonmal gar nicht irgendwie nur zum Schlechten. Aber ich habe ja auch kein schlechtes Gewissen, wenn mein Kind von 7.30 bis 15.30 in der Betreuung ist, während ich arbeiten gehe, sondern nur, weil er um 15.30 Uhr oft das letzte Kind ist (obwohl bis 17.45 geöffnet wäre) und manchmal, weil ich beim Snacken störe und ihn von der dritten Portion Quark mit Früchten abhalte. Ich Rabenmutter
    Ich und mein Körper wollen schlafen. Aber mein Kopf will wissen, ob Pinguine Knie haben.

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    AW: Hat euer Kind euer ganzes Leben verändert?

    @pinguin so ziemlich genau ist das
    auch für mich bzw. War es bei mir.

    Unser Leben hat sich verändert. Mittlerweile kann ich sagen das meiste zum Positiven. Der Anfang war jedoch krass. So habe ich es empfunden. So Einschnitte wie nicht mal mehr in Ruhe Duschen oder aufs Klo zu können, haben mich regelrecht verstört. Meine Tochter war als Kleinkind anspruchsvoll und klebte an mir. Ich hingegen brauche eigentlich viel Zeit für mich alleine. Das war eine Herausforderung und ich finde es schade, wenn das andere als „Gejammer“ hinstellen, weil man es benennt. So nach dem Motto früher hat man 5 Kinder am Rockzipfel gehabt und nicht gejammert.
    Nur sind wir sind aber heute anders aufgewachsen.

    Meine Kindheit und schulische Ausbildung war auf „Beruf“ und „Unabhängigkeit“ ausgerichtet. Nicht mehr wie vor 100 Jahren, als man als Frau auf die drei Ks hin erzogen wurde. Und dann soll man sofort umschalten und auch noch alles 100 % richtig machen? Und eigentlich kann man es nur falsch machen.

    Wir investieren heute mehr in die Kinder. Sie werden mehr gefördert und beschützt. Was manche als Tanz um das goldene Kalb verstehen. Ich hingegen bin der Meinung, dass einfach die Zeit vorbei ist, als Kinder nur mitgelaufen sind, man sogar (gezielt) ihre Bedürfnisse ignoriert hat und damit zum unmündigen Volksgetreuen erzogen hat. Muss nicht überall so gewesen sein, aber in meiner Familie gibt es genügend Beispiele dafür.

    Das das nicht ins Gegenteil umschlägt indem man Kindern alles abnimmt und künstlich „kindlich“ hält ist dabei die Herausforderung.

    Insgesamt würde ich daher sagen, dass in gewisser Hinsicht die Anforderungen an die Elternschaft heute höher sind als früher.

    Zu einem Kind bekommen, gehört vom ersten Moment auch Annahme hinzu. Annahme des neuen Lebens, der Aufgaben und auch der Veränderungen. Das kann (muss nicht) für den ein oder anderen, gerade heutzutage, eine große Herausforderung sein.
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


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