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  1. Registriert seit
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    Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Hallihallo,

    nachdem ich die vergangenen zwei Jahre noch eine leise, wenngleich nicht sehr überschwängliche Hoffnung auf ein Kind hatte, glaube ich nun langsam nicht mehr daran. Ich bin 42 Jahre und hatte in den letzten vier Jahren vier Fehlgeburten, davon drei in den letzten anderthalb Jahren. Die Chancen, dass es noch klappt, gehen damit- realistischerweise - gen null. Ich hätte mir den Kinderwunsch auch nicht schon zehn Jahre früher überlegen können. So gerne ich das gemacht hätte, gab das meine Lebenssituation leider nicht her. Das habe ich möglicherweise selbst verbockt, aber kann es nun auch nicht mehr ändern.

    Dieser mein kinderloser Ausblick versetzt mich in einen gewissen Schockzustand und fördert auch nicht gerade mein Selbstbewusstsein - irgendwas stimmt eben nicht mit mir, dass mir das nicht vergönnt ist, flüstert da eine kleine gemeine Stimme (ja, ich weiß, dass das natürlich (hoffentlich) Quatsch ist, aber flüstern tut die Stimme das trotzdem). Wütend und missgünstig macht mich auch diese 44-jährige Bekannte, die vor zwei Monaten nach einigen Fehlversuchen doch noch glücklich entbunden hat. Nein, ich bin nicht stolz auf meine Wut und Missgunst, aber nichtsdestotrotz nagen sie an mir.

    Auf der anderen Seite ist meine Vorstellung von einem Leben mit Kind eher zwiespältig. Einige Dinge stelle ich mir großartig und durch nichts zu ersetzen vor: meinem Kind vorzulesen, ihm einen Geburtstagskuchen zu backen, ihm aus der Badewanne zu helfen und es hinterher abzutrocknen. Und sowieso. Ein Kind gehört doch dazu! Das Wichtigste im Leben verpasse ich sonst doch! Andere Dinge stelle ich mir an einem Leben mit Kind gar nicht so rosarot vor und machen mir eher Angst - jedenfalls jetzt in meinem Alter: der Schlafentzung, das große Maß an Fremdbestimmung über viele Jahre hinweg, am Wochenende "Kinderprogramm" machen zu müssen. Für das Phänomen "regretting motherhood" könnte ich also durchaus eine Kandidatin sein. Sollte ich nicht also froh sein, dass es mit einem Kind nichts geworden ist?

    Kennt Ihr solche zwiespältigen Gefühle? Wie geht Ihr damit um? Und ist es trotz alledem nicht wirklich so, dass man das Wichtigste im Leben verpasst? Egal, wie schwierig ein Kind haben manchmal sein mag? Immer ausgeschlafen zu sein, empfinde manchmal schon als Fluch.

    Danke für Eure Gedanken!
    Viele Grüße
    Metaline

  2. Avatar von Loop1976
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Nein, so ganz kenne ich die Gefühle nicht.
    Als ich verheiratet war, kam es auch zu mehreren künstlichen einfachen Eingriffen um schwanger zu werden.
    Es hat nie geklappt. Ich war traurig, aber mehr nicht.
    Als die Ehe in die Brüche ging, war ich froh kein Kind zu haben.
    Rückblickend bin ich derart froh keine Kinder zu haben, dass ich es kaum sagen will

    Möglicherweise wollte ich nie Kinder.
    Könnte ich mal drüber nachdenken, warum ich es trotzdem versucht habe.

    Aber so ein unerfüllter Kinderwunsch ist sicher etwas, was einen das Leben lang begleitet.
    Das tut mir leid für Dich
    Nein, mein Nickname hat nichts mit meinem Geburtsjahr zu tun

    Schade, dass man im Leben Menschen begegnet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Schokolade stellt keine blöden Fragen - Schokolade versteht


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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Hm, nein, ich kenne den Zwiespalt eigentlich auch nicht. Ich meine, dass man auch Respekt/Angst vor einigen Situationen mit Kind hat, ist doch klar. Natürlich bringt ein Kind auch viele Herausforderungen mit sich und einiges ist natürlich auch schlechter als vorher, wie Schlafentzug, Stress usw. Aber das geht ja sicher fast jedem so. Aber generell wünsche ich mir mal ein Kind und denke mal, wenn man mehrere Fehlgeburten erleidet und es trotzdem weiter versucht, ist der Wunsch nach einem Kind schon stärker da als die Furcht vor den Schattenseiten. Aber falls es nicht klappen sollte bei mir irgendwann (bin aktuell 34), würde ich mich auch auf das Negative mit Kind besinnen, so dass man sich letztlich sagen kann, ist vielleicht gut, dass es nicht geklappt hat. Vielleicht läuft das auch bei dir im Hinterkopf ab - so eine Art Umprogrammierung, um sich vor einer möglichen Enttäuschung zu wappnen. Ich glaube aber, dass es auch mit 42 und älter durchaus noch klappen kann, auch nach einigen Fehlgeburten :-)

  4. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Den Zwiespalt kenne ich so nicht, aber ich habe auch schon lange keinen Kinderwunsch mehr. Der war mal da und hat sich dann verflüchtigt, als ich ernsthaft drüber nachgedacht habe, was es wirklich bedeuten würde, Kinder zu haben. Ich bin von Natur aus eher kein "Kümmer-Mensch" und kann mir die pausenlose 24/7-Beanspruchung, die Kinderhaben ja über längere Zeiträume mit sich bringt, nur schwer vorstellen.

    Dass es in Deiner persönlichen Situation wehtut, wenn Bekannte in vergleichbarem Alter noch Nachwuchs bekommen, kann ich trotzdem gut nachvollziehen. Man fragt sich wohl unwillkürlich nach dem Warum, und ich glaube, es ist auch nur natürlich, dass man dann einen gewissen Neid empfindet. Solange man sich da nicht reinsteigert, finde ich das gar nicht problematisch

    Der Behauptung "ein Kind gehört doch dazu" und "man verpasst das Wichtigste im Leben" möchte ich aber doch entgegentreten. Wer sagt denn, dass man unbedingt Kinder haben muss, um ein erfülltes Leben zu haben? Der persönliche Wunsch nach einem Kind sei hier mal beiseite gelassen - ich beziehe mich jetzt eher auf das, was die Gesellschaft suggeriert. (Bei mir war es so, dass ein Großteil des seinerzeitigen Kinderwunsches ein "macht man eben so", "gehört dazu" war.)

    Und das Wichtigste im Leben ist doch das, was man selbst dazu macht. Das kann ein Kind sein oder auch ganz was anderes.

    Kommen diese Thesen "aus Dir" oder ist das eher von außen herangetragen?
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


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  5. Registriert seit
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Hallo Metaline,

    ich selbst bin nicht in der gleichen Lage wie du. Bei mir ist momentan kein Partner in Sicht (bin 34), also ist die Hoffnung noch irgendwo da. Diese Gefühle, die du beschreibt kenne ich aber.
    Ich bin zwar gerne für andere da und fürsorglich, stelle mir das aber auch sehr anstrengend vor mit dem Kind. Was ich mir schön vorstelle, wäre:
    -das Kind im Arm zu halten, es zu beobachten wie es erste Schritte macht, wie es lacht usw.
    -mit dem Kind zu spielen und die Zeit zu vergessen

    Andererseits aber auch dieses ständige gefordert sein und fremdbestimmt werden. Keine Zeit und Ruhe für sich zu haben, empfinde ich als schrecklich. Ab und zu brauche ich Rückzug, habe aber selbst miterlebt (durch Freunde) wie viel Zeit ein Kind in Anspruch nimmt. Das Kind ist immer da und man kann nicht mal sagen: so jetzt will ich ein paar Stunden Ruhe um mein Buch zu lesen. Ich bin aber von Natur aus ziemlich ruhebedürftig und hätte so meine Probleme meine Freiheit auch aufzugeben.

    Es tut mir leid für dich, dass es bei dir nicht klappt. Vielleicht soll es dann aber nicht sein. Ich denke man kann auch ohne eigenes Kind ein sinnvolles Leben haben. Ich würde mich (sofern es mit eigenen Kindern nicht klappt) für andere Kinder engagieren oder Babysitten. Ich finde Kinder an sich schon eine Bereicherung, egal ob sie von mir sind oder nicht. Vielleicht ist man dann doch ganz froh sie nach ein paar Stunden wieder abzugeben.


  6. Registriert seit
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Liebe Metaline,

    das kenne ich alles nur zu gut! Fühl dich mal einfach verstanden! Ich kenne auch sehr gut den Neid, wenn wieder jemand im Umfeld schwanger wurde. Da stehe ich dazu.

    Ich habe inzwischen Paten- und Herzenskinder, die ich gerne fördere. Ich bin aber dann auch wieder froh, meine Ruhe zu haben . .

    Inzwischen habe ich eine kuriose Situation: ich habe meine Patenkinder (3, 8 und 11), wohne sogar mit denen unter einem Dach (die Eltern sind alte Freunde von mir) und meine Freundinnen sind entweder Oma und die Enkel sind weit weg oder die Schwiegertochter entzieht das Kind oder die Enkel wollen nicht kommen . . Jetzt werde ich mal beneidet. *grins*

    mach dir bitte bitte ein schönes Leben und suche nach einem Herzenskindchen.

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH


  7. Registriert seit
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Liebe Metaline,

    keine Kinder bekommen können unterscheidet sich sehr von keine Kinder wollen. Das macht für den Umgang mit der Kinderlosigkeit einen großen Unterschied.

    Ich gehöre zur ersten Gruppe, also zu "keine Kinder bekommen können mit meinem Mann" und habe lange darunter gelitten. Die Vorstellung, ein Kind großzuziehen, es zu lieben, zurück geliebt zu werden, ihm was beizubringen und so viel gemeinsam zu erleben...

    Aus heutiger Sicht muss ich aber sagen: Keine Wahl gehabt zu haben war wohl schlimmer als keine Kinder (gehabt) zu haben. Kinder bedeuten eben Glück, sind aber auch eine große Belast...nein: Herausforderung. 24/7, ein Leben lang. Das vergisst man über seiner Traurigkeit gern.

    Heute genieße ich mein Leben und das auch (bzw. wenn ich Freunde mit Kindern sehe, sogar:) ohne Kinder. (Pscht...nicht weitersagen. ) Als Kinderlose/r hat man ganz andere Möglichkeiten der Lebensplanung, für seine Hobbies, oft auch finanziell etc.

    Und zuletzt: Es ist kein Neid, es ist eine Sehnsucht. Aber wie alle Sehn-Süchte tauchen sie mal mehr auf und mal weniger. Wenn meine Freundinnen mal wieder eine Nacht wegen eines kranken Kindes nicht durchgeschlafen haben oder sie mal wieder ihre Kinder in die 2 Autostunden entfernte Stadt zum Turnier bringen sollen - jepp, da kann ich dann grad so gar keine Sehnsucht verspüren...

    Luciernagos Satz "mach dir bitte bitte ein schönes Leben und suche nach einem Herzenskindchen" kann ich nur so unterschreiben. Mit dieser Art zu leben komme ich seit vielen Jahren gut klar. Ich habe aber auch mit dem Kinderwunsch vor langer Zeit abgeschlossen.

    Alles Gute für dich!

    Karin


  8. Registriert seit
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Liebe Karin,

    du hast das wunderbar formuliert!

    Eigene Kinder sind sicher eine Sehnsucht, aber auch harte Arbeit und Verzicht.

    Am ätzendsten sind eigentlich Muttis, die einem subtilst absprechen, ein vollwertiges Weib zu sein . . Geschenkt.

    Ich habe, als meine Freundinnenalle im Kinderglück schwelgten, halt meine Energie und meinen Frust ins Training gepackt und einen Ironman gemacht . . Dann kam eine Phase des Reitens und momentan habe ich das Segeln für mich entdeckt.

    Es gibt ein wunderbares Leben jenseits des Kinderkriegens, das habe ich aber auch erst nach vielen Jahren Frust über die Kinderlosigkeit erkannt.

    Eins, das wahrscheinlich kaum einer kennt: Gerade durch Scheidungen/Trennungen wenden sich Kinder oft von einem oder gar beiden Elternteilen ab. Das erlebe ich gerade bei einer Freundin, deren Kinder zum Vater gezogen sind. Das ist eisenhart.

    luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH


  9. Registriert seit
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Ich versuche auch, die Mutterschaft ganz realistisch zu sehen und nicht zu idealisieren. Ich bin allerdings auch nicht vom Mutter-Typus umgeben, der sich selbst als Höchstes sieht. Meine Freundinnen sind da eher auch auf dem Boden geblieben. Es kommt sicher auch darauf an, wie "klassisch" man Beziehung lebt und ob das Kind dann zum Werdegang dazugehört. Ich bin da eher anders geprägt, war von Alleinerziehenden umgeben und Familiengründung in dem Sinne war nie mein Thema. Meinen Partner habe ich erst "spät" (mit 34) gefunden und nun bin ich halt nicht mehr so jung. Wie das leben spielt. Wer mit 27 Familie gründen möchte und dann bis ca. 42 Zeit hat diesen umzusetzen, kann natürlich in ein ewigen Kinderwunschstrudel geraten.

    Und einen Kinderwunsch habe ich trotzdem und ich wäre sehr traurig, wenn es nicht klappt.

  10. Avatar von luftistraus
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    AW: Zwiespältige Kinderlosigkeit

    Liebe Metaline,

    ich weiß nicht ob es hilfreich für Dich ist.

    Als Mutter stehe ich auf der anderen Seite und hatte oft Zwiespältige Gefühle. Wie oft war ich in Gedanken Kinderlos und habe andere beneidet. Gleichzeitig Schuldgefühle für diese Gedanken zu haben.....

    Kinder zu haben wird oft überbewertet (meine meinung). Und auch wenn man Kinder hat, kann es gut sein das sie mit 18 Jahren weg sind und sich nur noch 2x im Jahr melden oder ein Kontaktabbruch da ist.

    Und dann?

    Ist man wieder kinderlos und es schmerzt noch mehr.

    -------

    Such dir Herzenskinder wie manch andere User und da hast du nur die positiven Dinge ;)
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

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