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    Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Liebe Brigitte Forum Mitglieder

    Als erstes einmal vielen Dank dass ihr euch die Zeit nehmt und meinen Bericht liest❤
    Zu mir ich bin weiblich und 39 Jahre alt.
    Wir sind kinderlos. Seit 14 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammen und seit 2 Jahren sind wir verheiratet.
    Seit etwa zehn Jahren versuchen wir ein Baby zu bekommen.
    Die ersten Jahre waren noch völlig easy peasy und wir haben es ganz normal wie alle Paare locker genommen. Dann nach etwa 4 Jahren haben wir uns gewundert dass nichts passiert.
    Ich habe dann eine ganz tolle Frauenärztin kennengelernt die Hashimoto und eine Schilddrüsenunterfunktion bei mir festgestellt hat die seit Jahren nun behandelt ist.
    Ich bin dann auch nach einigen Monaten schwanger geworden.
    Damals konnte ich es überhaupt nicht glauben und irgendwie konnte ich mich auch nicht so richtig freuen..... aber ich habe mir keine Gedanken gemacht und mich auf den ersten Frauenarzttermin gefreut... nun als ich dann dort lag und wir den Ultraschall gemacht haben, meinte die Frauenärztin das zu wenig zu sehen wäre für die siebte Schwangerschaftswoche und dass ich wahrscheinlich eine Fehlgeburt habe... und so kam es dann auch. Ich wollte dass es von selber abgeht und bekam cytotec. Leider war es eine Qual und nach Wochen ging das kleine Baby leider nicht selber und ich musste doch noch ins Krankenhaus zur Ausschabung.

    Für mich war alles ein wahrer Horror und zu allem kam noch dazu dass meine Familie überhaupt kein Verständnis dafür hat. Sie ignorieren dieses Thema und wollen nicht darüber reden.
    Auch meine Schwiegermutter hat mir ins Gesicht gesagt dass dieses Thema sie nicht interessiert und sie nicht darüber reden möchte!

    Nach all dem Stress haben wir dann ein halbes Jahr Pause gemacht. Ich habe dann wegen einem Umzug die Frauenärztin gewechselt und bin zu einer neuen gegangen die dies alles völlig locker sah. Sie meinte ich wäre doch noch jung und fit und hätte noch Zeit. 37 Jahre war ich damals.
    Diese Frauenärztin hat unzählige Untersuchungen mit mir machen lassen. Über ein Jahr habe ich mit meinem Mann ganz normal weiter gemacht und mit der Frauenärztin haben wir einige Zyklen mit Clomifen geplant.
    Dazu kam es nicht. Ich wurde wieder schwanger.
    Dieses Mal sah alles gut aus und man konnte in der achten Schwangerschaftswoche sogar das Herz sehen. Wir waren unwahrscheinlich glücklich und vor allem mein Mann war so stolz auf mich und auf unser Kind.
    Ich selber war auch glücklich aber ich konnte mich einfach nicht so richtig freuen weil ich immer Angst hatte dass es wieder eine Fehlgeburt wird.
    Ich hatte keinerlei Schwangerschaftsanzeichen. Es ging mir unwahrscheinlich gut und ich war fit wie ein Turnschuh. Eine Freundin wollte mit mir einen Termin für ein Babyshooting 6 Monate später machen. Sie war nämlich zur gleichen Zeit schwanger geworden..... ich habe ihr gesagt dass ich das erst mache wenn ich 100% sicher bin dass mein Baby bei mir bleibt.
    Mit großer Freude gingen wir dann zum 2 Ultraschall.
    Voller Erwartung saß ich wieder auf dem Gynäkologenstuhl.
    Es ssh alles wunderbar aus. Das Baby war gewachsen und hatte die richtige Größe für die Woche. Nur leider konnte die Frauenärztin keinen Herzschlag hören oder sehen.
    Ich saß wie erschlagen auf dem Stuhl!
    Als ich aufstand dachte ich ich werde gleich ohnmächtig! Mein Mann saß auf dem Stuhl am Frauenarzt Tisch und war schrecklich traurig. Ich glaube er hat sich so sehr gewünscht dass es dieses Mal klappt und er hat mir erzählt dass es für ihn so schlimm ist mich zu sehen wie ich leide. Vor allem weil ich dann auch noch den Stress mit dem Krankenhaus und der Ausschabung habe.
    Ich saß also im Frauenarzt Sessel mit meinem Glas Wasser und habe mich wie neben mir gefühlt...
    Die Frauenärztin hat mit mir geredet aber ich habe kaum etwas verstanden.
    Ich musste dann gleich zur Kontrolle zum Kollegen und es wurde sofort einen Termin für die Ausschabung gemacht da ich schon weiter fortgeschritten war.
    Einen Tag später war ich schon im Krankenhaus und wurde in die Vollnarkose versetzt für die Kürettage.
    Wieder einmal diesen Krankenhaus Horror! Ich denke dies ist so eine schreckliche Zeit die unwahrscheinlich viele Frauen mitmachen müssen!
    Für mich war diese Zeit sehr belastend und wir sind danach gleich für drei Wochen in Urlaub gefahren.
    Und trotzdem war meine Frauenärztin extrem positiv und meinte das wird noch klappen.
    Was wir jedoch nicht wussten war dass das Spermiogramm von meinem Mann sehr schlecht war.
    Mein Mann hat drei Spermiogramme machen lassen und zwei davon waren sehr schlecht. Unsere damalige Frauenärztin hat dies schlicht und einfach vergessen uns zu sagen. Sie hatte so viele Patientinnen und wahrscheinlich sind die Spermiogramme untergegangen....
    Aus einem Gefühl heraus hat mein Mann uns in der Kinderwunschklinik angemeldet.
    Wir sind gleich einen Monat später in diese Kinderwunschklinik gefahren. Ich habe alle meine Untersuchungs Unterlagen der vielen Untersuchungen der letzten Jahre mitgenommen und auch die Spermiogramme.
    Bei mir selber ist alles in Ordnung jedoch hat er uns gesagt dass zwei der Spermiogramme so schlecht sind dass es niemals auf natürlichem Wege oder rein mit Clomifen klappen würde! Wir waren völlig vor den Kopf gestoßen denn das hat uns bis dahin niemand gesagt.
    Ich muss dazu sagen dass ich richtig erleichtert war. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen denn all die Jahre habe ich gedacht dass ich schuld bin an all dem leid! Der Kinderwunsch Spezialist hat mir gesagt dass heutzutage bei sehr vielen Männern das Sperma nicht mehr so gut ist und vor allem wenn der Mann älter wird. Es liegt daran dass der Stress und die ungesunde Lebensweise schuld daran ist und das viel zu selten der Mann untersucht wird.
    Vor zehn Jahren ist dies noch ganz anders gewesen und meistens war die Frau "schuld".
    Er meinte dass die beiden Male wo ich schwanger wurde wahrscheinlich das Sperma etwas besser war. Es kann nämlich sein dass das Spermiogramm schwankt und je nach Zeitpunkt besser oder schlechter ist. Bei meinen Mann ist es jedoch so dass das Spermiogramm sich in diesen zwei Jahren verschlechtert hat und es recht unwahrscheinlich ist dass wir heute auf normalem Wege schwanger werden.
    Ihr dürft mich jetzt nicht falsch verstehen! Ich habe mich nicht gefreut dass ich die Schuld nun an meinen Mann abgeben kann sondern ich war einfach erleichtert. Ich habe so viele Untersuchungen mitmachen müssen und nach all den Jahren bin ich einfach müde! Ich bin Kinderwunsch erschöpft! Und ich war erleichtert das es nicht nur an mir liegt. Bis dahin gab es nämlich überhaupt keinen Grund außer meinem Alter dass es nicht klappt. Und so hatte ich wenigstens einen Anhaltspunkt.
    Wir haben nun mit dem Kinderwunsch Spezialisten besprochen dass wir drei Inseminationen machen mit dem aufbereiteten Sperma. ( die erste habe ich inzwischen hinter mir und leider hat es nicht eingeschlagen)
    Was danach kommt wissen wir nicht. Ich muss ehrlich sagen dass ich großen Respekt vor IVF oder der ICSI Methode habe.
    Ich habe einfach Angst dass es wieder nicht klappt.
    Da wir die künstlichen Befruchtungen selber bezahlen müssen bin ich hin und hergerissen wegen den Kosten.
    Mein Mann ist dafür aber er sagt dass ich entscheiden soll.
    Er würde es akzeptieren wenn wir keine Kinder haben.
    Ich muss immer wieder sagen dass ich einen wundervollen Mann habe der immer zu mir steht! Er unterstützt mich in allen meinen Entscheidungen und sorgt sich um mein Wohlergehen ! Er ist mein Fels in der Brandung und ich bin glücklich dass ich so einen tollen Ehemann habe!!!!

    Mit meiner Familie ist das ganz anders. Meine Eltern interessieren sich nicht und zur Zeit haben wir nicht einmal Kontakt. Ich denke dies ist auch besser so.

    Über Adoption haben wir bereits nachgedacht und haben uns beraten lassen. Jedoch ist es heutzutage sehr schwer ein Kind zu adoptieren sei es im Ausland oder im Inland.
    Für uns wäre dies denkbar jedoch wäre es wieder ein Prozess von Jahren und viel Papierkram. Viel Kontakt mit Behörden und viel Stress. Ich weiß nicht ob wir das machen möchten.
    Man muss auch schauen das man nicht als Paar auseinander geht in so einer schwierigen Zeit. Es ist ganz wichtig dass man miteinander redet und zusammenhält! Deswegen wäre es vielleicht besser wenn wir nach so vielen Jahren vielleicht einmal überlegen es zu akzeptieren dass wir keine Kinder haben werden! So richtig wollen wir es nicht akzeptieren und haben noch Hoffnung aber manchmal ist es sehr zermürbend.

    Vielen Dank dass ihr euch meine Geschichte anhört und ich werde berichten wie es weitergeht.

    ❤ Herzliche Grüße

    Lulu.

  2. Avatar von Pinguine-haben-Knie
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Zitat Zitat von Lulimita Beitrag anzeigen
    Wir haben nun mit dem Kinderwunsch Spezialisten besprochen dass wir drei Inseminationen machen mit dem aufbereiteten Sperma. ( die erste habe ich inzwischen hinter mir und leider hat es nicht eingeschlagen)
    Was danach kommt wissen wir nicht. Ich muss ehrlich sagen dass ich großen Respekt vor IVF oder der ICSI Methode habe.
    Hallo Lulimita,

    wir sind glaub ich gerade an einem ähnlichen Punkt. Ich hatte im letzten Zyklus die erste IUI, auch erfolglos (wir waren aber auch was früh dran, wir hätten gerne zwei Tage später nochmal geschallt, wären dann aber ins Wochenende gefallen und haben befürchtet, ich könnte übers Wochenende von selbst springen, so dass es dann Montag zu spät ist) und jetzt gerade den zweiten Zyklus gestartet, nächster Schall, zum Follikel TV, ist kommenden Montag...

    Bei uns liegt es an mir. Hashi, PCOS (super lange Zyklen ohne Behandlung), wir vermuten Endometriose (nehmen das aber derweil erstmal so hin), vielleicht am Vit D Mangel, vielleicht gepart mit "wer weiß was" (wir wissen es nicht). Ich war in den sechs/sieben Jahren, die wir jetzt rumprobieren nicht einmal schwanger. Weder vor der Behandlung, noch mit Gonal oder Clomifen - dabei habe ich, zumindest derzeit, immer wunderhübsche Follikel... sie tun nur ganz offensichtlich ihren Job nicht.

    Inzwischen habe ich mich mit dem Gedanken IVF/ICSI glaub ich angefreundet. Ich mag mir nicht in nem Jahr (oder in zehn, oder in zwanzig) vorwerfen, es nicht probiert zu haben (wir haben noch so neun bis zehn Zyklen, bis ich die magische Altersgrenze überschreite). Dafür, dass ich mich gegen die Behandlung allgemein bis zum letzten Frühjahr so gesträubt habe, ist das für mich schonmal ein Schritt.
    Aber für uns ist auch klar, dass wir im Zweifel auch als Paar "alleine" glücklich werden. Kinder kosten Zeit, Geld, Nerven... wissen wir ja alles. Nicht, dass wir keine Hoffnung mehr haben, dass es klappen könnte, aber wir sehen halt schon, dass ich nicht jünger werde und es mit meiner Fruchtbarkeit halt mit Anfang 30 schon nicht weit her war.

    Was mir hilft ist, dass ich zwei/drei Freundinnen habe, die in der gleichen Thematik hängen. Eine, die ihr erstes Kind nach 10 IVFs bekommen hat. Eine, die seit 1 1/2 Jahren am zweiten übt und seitdem mehrere chemische Schwangerschaften und eine Fehlgeburt in der 9. Woche hatte. Und eine, der ich vor Weihnachten im Wartezimmer der KiWu-Klinik in die Arme gelaufen bin (die war zum Erstgespräch da). Und das sind ja nur die, von denen ich weiß. Die geben mir Halt, weil sie verstehen was in mir vorgeht. Gut, meiner Physiotherapeutin immer mal wieder was von ihrer Energie auszusaugen, das hilft auch... ohne die Energie wäre ich da letzten Mai nicht hin zum Erstgespräch. Ich rede mit ihr nicht drüber, auch wenn sie grob Bescheid weiß, aber die ist einfach ein Mensch, bei dem alleine 20 Minuten über Blumen reden schon reicht, damit ich mich gesammelter fühle. Und das hilft mir.

    Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg und dass es bei euch schneller klappt als bei uns!


  3. Registriert seit
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Ich danke dir für dein wunderbares Feedback.
    Ich habe einige Freunde mit denen ich spreche jedoch merke ich dass sie mich nicht wirklich verstehen. Wie können sie auch denn sie haben das nicht erlebt?

    Wir werden jetzt in den nächsten Tagen die nächste Insemination angehen insgesamt drei versuche wagen. Weißt du ich habe einfach Angst da ich bereits zwei Fehlgeburten erlebt habe dass die künstliche Befruchtung genau so endet. Manchmal frage ich mich ob ich nicht einfach mit meinem Mann die Zeit zu zweit genießen soll und das Geld für uns beide ausgebe.
    Es tut unwahrscheinlich weh wenn man schwanger wurde und das Kind dann geht.
    Ich glaube wenn das noch einmal passiert dann war es das für uns.

    Schön dass du dich gemeldet hast das tut mir unwahrscheinlich gut.

    Grüsse Luli

  4. Avatar von Blue2012
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Liebe Lulu,

    dein Beitrag hat mich wirklich berührt. Was für eine Reise du hinter dir hast...
    Und du schreibst alles mit so vielen Emotionen - man spürt soviel zwischen deinen Zeilen...
    Hier wird es genug andere Menschen geben, die zu Fehlgeburt und Kinderwunsch was zu sagen haben.

    Ich möchte gerne auf den Aspekt der familiären Sprachlosigkeit kurz eingehen.

    Zitat Zitat von Lulimita Beitrag anzeigen
    Für mich war alles ein wahrer Horror und zu allem kam noch dazu dass meine Familie überhaupt kein Verständnis dafür hat. Sie ignorieren dieses Thema und wollen nicht darüber reden.
    Auch meine Schwiegermutter hat mir ins Gesicht gesagt dass dieses Thema sie nicht interessiert und sie nicht darüber reden möchte!
    Es klingt für mich so, als sei bei deiner Ursprungsfamilie da eine Tür einfach zu. Sie ist fest verschlossen. Was sehr tragisch ist, weil gerade in der eigenen Familie erhofft man sich die Unterstützung und den Trost. Sicher ist in deiner Ursprungsfamilie da selbst etwas schon länger brach gelegt worden: Man drückt Gefühle weg, unterdrückt sie, schweigt sie tot. Vielleicht liegen da unter der Fassade der Sprachlosigkeit eigene schreckliche Erfahrungen, die mit aller Macht weggedrückt werden müssen...und wenn du von deinem "Tabu"thema sprechen möchtest, rutscht das an die Oberfläche...

    Auch deine Schwiegermutter drückt das weg. So hast du familiär kein Feedback.
    Du hast das Recht, das zu betrauern. Diese Sprachlosigkeit, die da herrscht. Einher gehend mit eigenen weggedrückten Emotionen.

    Und wenn du mal einen "lauten" Brief an deine Familie schreibst? Einen Brief, in den du alles an Gefühlen reinhaust, was auch nur da ist? Alles, was du denen herausschreien möchtest?
    Der Brief darf danach als Boot verbastelt werden und auf einem Gewässer davon schippern...
    Oder er wird in einer rauen Winternacht in aller Stille verbrannt...

    Lass die Sprachlosigkeit deiner Familie nicht zu deiner eigenen werden!

    ICH höre dich und ICH lese heraus, was du da erlitten hast bisher...

    Meine Achtung vor deinen Erlebnissen.

    Zitat Zitat von Lulimita Beitrag anzeigen
    Ich muss dazu sagen dass ich richtig erleichtert war. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen denn all die Jahre habe ich gedacht dass ich schuld bin an all dem leid! ...Vor zehn Jahren ist dies noch ganz anders gewesen und meistens war die Frau "schuld".
    Nur eine Idee: Diese massive Erleichterung resultiert vielleicht genau aus diesem Programm deiner Ursprungsfamilie. Die dir mit ihrer Sprachlosigkeit auch sagt: Du bist nicht genug, du bist zu "doof" für ein Kind, du bist "als Frau" nix wert (pah, ohne Kind!), deine weiblichen Horror-Erlebnisse im Krankenhaus sinds nicht wert, dass wir drüber reden. --- Und wenn jetzt ein renommierter Arzt dir sagt: "Nein, sie sind FRAU genug, an ihrem Mann liegts" empfindest du diese Entlastung.

    Ich schlucke oft, wenn ich im Zusammenhang mit Kinderlosigkeit von "Schuld" lese.
    "Schuld" muss man schon auf sich laden und das bewusst. Und Kinderlosigkeit ist einfach eine Kinderlosigkeit - niemand trägt "Schuld". Es ist eine Ungerechtigkeit sondersgleichen - ja, die Natur, was sie so alles mit uns macht...Ja, hier sind wir kleinen Menschen kontrolllos, da können all unsere Erkenntnisse so wenig tun.

    Sei mir herzlichst umarmt. Ich habe dich "gehört" und dich gesehen.

    Dir und deinem liebevollen Ehemann wünsche ich eine dennoch erholsame Zeit. Wo nichts muss. Wo alles sein darf. Und alles, was war erstmal sacken darf.

    *Verneigung*
    Blue
    Be a voice not an echo.


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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Liebe Blue

    Danke dir für dein liebevolles Feedback. Mir tut es gut so etwas zu lesen.

    Ich muss dazu sagen dass in meiner Familie schon immer eine gewisse Distanz geherrscht hat. Das uninteressierte war schon immer bei meinen Eltern vorhanden.
    Schon als ich klein war habe ich oft mit ihnen versucht zu reden. Diesen Brief von dem du redest diesen habe ich ihnen mehrmals überreicht. Es hat nie etwas gebracht. Meine Mutter sagt ich wäre zu empfindlich und solle nicht immer alles dramatisieren.

    Meine Schwester selber hat vor zwei Jahren eine Totgeburt erleben müssen und auch dort waren meine Eltern nicht ganz so uninteressiert aber richtige Hilfe kam nicht.
    Meine kleine Schwester hat sich leider von der Familie abgewendet. Ich glaube sie fühlt sich sehr ähnlich wie ich aber sie kann nicht darüber reden. Auch mit mir hat sie kaum Kontakt.
    Sie ist sehr ähnlich wie meine Eltern und wenn es um Probleme geht redet sie nicht.
    Ich selber rede sehr viel mit meinem Mann. Manchmal lieber ein bisschen zuviel als zuwenig.
    Dieses schweigen in meiner Familie empfinde ich als sehr grausam und schlimm!
    Ich habe mir immer gesagt das mache ich anders!

    Du hast absolut recht. Bei Kinderlosigkeit hat keiner schuld aber tief in einem drin macht man sich Vorwürfe. Man denkt sich vielleicht bin ich schuld dass wir keine Kinder bekommen können. Und ich finde es wird einem auch irgendwie das Gefühl gegeben. Fast immer werden nur die Frauen untersucht. Ich habe es selber bei mir erlebt und auch bei anderen Paaren das ganz oft die Frau jahrelange Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen und irgendwann wird dann der Mann getestet.

    Ich muss dazu sagen dass ich erleichtert war weil ich endlich einmal einen möglichen Grund erfahren habe warum es bis jetzt nicht klappen konnte.
    Wenn immer alle sagen man ist gesund ist es natürlich schön aber man fragt sich warum es nicht klappt.

    Vielen Dank noch einmal und ich wünsche dir einen wunderbaren Abend.

    ♥️

  6. Avatar von januar2011
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Bei uns ist zuerst mein Mann untersucht worden, weil das viel einfacher ist.
    Ich hatte insgesamt drei Fehlgeburten und habe dann doch noch zwei Kinder bekommen. Ich kenne mehrere Frsuen, die zwei oder drei Fehlgeburten hatten und doch noch Kinder bekommen haben.
    Dass deine Eltern so verständnislos sind, ist sehr schlimm. Die Fehlgeburten steckt man nicht so einfach weg. Das ist schon großes Leid, das erst dann besser verdaut wird, wenn man doch noch ein Kind bekommt.
    Kopf hoch, ich drücke dir alle Daumen, dass es noch klappt.

  7. Avatar von januar2011
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    war doppelt.


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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Entschuldigung, Eingangsbeitrag unaufmerksam gelesen.


  9. Registriert seit
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Liebe lu,

    du hast ja furchtbares durchgemacht, dein mann auch. Ich wünsche euch alles gute. Ihr müsst von der scchiene runter, dass ihr unbedingt kinder haben müsst, um sozial anerkannt zu werden.

    ich bin ungewollt kinderlos, bin inzwischen 58 und habe paten- und herzenskinder, die ich ins leben begleite. Glaube mir, auch das kann ein tolles leben sein!

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

  10. Avatar von Pinguine-haben-Knie
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    AW: Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten

    Zitat Zitat von Lulimita Beitrag anzeigen
    Wir werden jetzt in den nächsten Tagen die nächste Insemination angehen insgesamt drei versuche wagen. Weißt du ich habe einfach Angst da ich bereits zwei Fehlgeburten erlebt habe dass die künstliche Befruchtung genau so endet.
    Guten Morgen Luli,

    ich kann mir gut vorstellen, dass die Angst, noch ein Kind zu verlieren noch erdrückender ist als die Frage, ob man überhaupt jemals schwanger sein wird. Ich kenne das Gefühl nicht, wie es ist schwanger zu sein und es dann plötzlich nicht mehr zu sein. Nicht, dass ich die Sorge nicht auch habe, ich habe im Freundeskreis genug Fehlgeburten mitbekommen, aber ich kann das Gefühl höchstens versuchen nachzuvollziehen, nicht aber verstehen. Aber ich werde schon nicht leicht schwanger, wer weiß, ob mir schwanger bleiben leichter fiele (zudem hat die Klinik bei der ersten Blutentnahme auch noch eine Gerinnungsstörung festgestellt und mir schon Thromboseprophylaxe angedroht, nachdem ich letztes Jahr erst 14 Wochen Thromboseprophylaxe hatte und da schon nicht mehr wusste, wo ich meinem armen Bauch noch Stiche zumuten konnte). Aber ich hoffe immer, dass die mich ja jetzt hormonell gut einstellen und wir alles machen, was möglich ist. Ich wünschte nur, ich würde mich nicht so... unzulänglich fühlen.

    Und ich hasse ja die positiven Beispiele, aber meine beste Freundin hat nach zwei Fehlgeburten (eine frühe, eine in der 11. Woche) einen gesunden Sohn bekommen, dann noch eine Fehlgeburt gehabt und dann huschhusch noch zwei Mädels nachgeschoben. Drei ganz tolle, gesunde, glückliche Kinder. Gestern stand meine Chefin vor mir - fast 43, mindestens eine Fehlgeburt hinter sich - das Baby kommt im Sommer. Ich hänge mich an den positiven Beispielen auch gerade hoch. Oder rede mir zumindest ein, mich an den positiven Beispielen hochzuziehen, damit sie mich nicht noch mehr runterziehen (und ich aufhöre mich zu fragen, wie ich meiner Chefin jetzt die nächsten sechs Monate beim Babybauchwachsenlassen zuschauen soll, während ich mich gleichzeitig ungemein für sie freue und Sorge habe, was ist, falls es wieder schief läuft, zumal es dieses Mal 'alle' wissen).

    Zitat Zitat von Lulimita Beitrag anzeigen
    Manchmal frage ich mich ob ich nicht einfach mit meinem Mann die Zeit zu zweit genießen soll und das Geld für uns beide ausgebe.
    Die Momente habe ich durchaus auch. Die ganze Behandlung wird ja, zusätzlich zur psychischen Belastung, nicht billiger, je weiter man geht. Das Geld, was wir für die Erstausstattung über Jahre zur Seite gelegt haben, geht jetzt in den Kinderwunsch und die IUI ist ja von den Kosten her noch übersichtlich.

    Was mich zur Zeit noch mehr stört, ist die fehlende Planungssicherheit. Wir würden gerne in Urlaub fahren dieses Jahr. Wir mussten unseren Jahresurlaub letztes Jahr schon nach drei Tagen abbrechen, weil ich mir die Kniescheibe gebrochen habe, danach noch zwei Urlaube absagen, weil ich nicht reisefähig war und wir einen Todesfall in der Familie hatten. Aber wie? Und wann? Und können wir es verantworten, jetzt 1000 Euro für Urlaub rauszuhauen, wenn wir die lieber für die IVF/ICSI liegen lassen sollten?

    Mein Mann muss aber eigentlich unbedingt mal raus, um den Kopf frei zu bekommen. Ich habe Freundinnen, bei denen ich mich ausweinen kann und die mich verstehen, weil sie ähnliches durchgemacht haben, er hat das nicht. Mein Schwager weiß zwar grob Bescheid, aber die sind da auch nicht so dicke, was das angeht. Seine Eltern wissen nichts, meine auch nicht. Ist auch besser so. Wir kommen beide nicht so aus Familien, in denen man sensible Themen anspricht oder über Probleme redet. Ich habe im Moment so wenig Kontakt mit meiner Schwiegermutter wie möglich (ist besser so), der Kontakt mit meiner Mutter ist im Moment mal wieder sehr runtergefahren. Für mich würde es noch mehr Druck bedeuten, wenn jemand davon wüsste. Da lebe ich denen gegenüber lieber mein "Wir möchten nicht. Wir sind glücklich wie es ist." aus und zerfalle dann vor meinen Herzensmenschen in meine Einzelteile. Die können mir nämlich helfen, sie wieder zusammenzusetzen.

    Ich bin halt auch kein guter Kandidat für "Paten- und Herzenskinder" - das liegt mir nicht. Ich will meine eigenen Kinder verkorksen. Die paar Kinder, die es in meinem Freundeskreis gibt, sind alle großartig. Ich schuckel auch gerne mal ne halbe Stunde den Lütten wenn er Koliken hat und Mama mal Pipi machen will oder mal fünf Minuten am Stück was essen und ich stehe auch immer als Babysitter parat... aber das finde ich jetzt eben auch nicht wirklich erquickend. Das sind tolle Kinder, ich mag die, ich hab die lieb (weil ich ihre Mamas lieb habe), aber das sind nicht meine. Vielleicht in zehn Jahren oder zwanzig. Wenn ich mit dem Thema innerlich abgeschlossen habe. Aber im Moment ist das nicht mein Weg.

    Was für mich wirklich wichtig ist, ist Menschen um mich zu haben, die mich verstehen. Vielleicht nicht jeden kleinsten Aspekt meiner Situation verstehen, aber die MICH verstehen.
    Das ist bei meiner Physio so, das war von Anfang an "you get me", die hat mich total raus, ich habe immer das Gefühl, die schaut in meine allerkleinsten Ecken, in denen ich schon Jahrzehnte nicht mehr ausgewischt habe. Die hat zwei Kinder, die versteht den Aspekt vielleicht nicht direkt, aber das ist eigentlich egal, weil sie versteht, was das Gefühl mit mir macht. Und die ist die Einzige, vor der ich so richtig weinen kann. Die weiß eh, dass ich mein Leben nicht im Griff habe, da lohnt es sich jetzt auch nicht mehr, so zu tun als ob.
    Das ist bei meinen beiden besten Freundinnen so. Von denen eine ihren Kinderwunsch aus gesundheitlichen Gründen ad acta gelegt hat und die genau versteht, wie es sich anfühlt, wenn das "Wollen" so vom "nicht Können" bestimmt wird. Und von denen die andere schon so lange am Zweiten arbeitet und zwar versteht, wie belastend die Kinderwunschzeit ist, die aber eben andererseits auch schon ein Kind hat und die weiß, dass ihr Körper weiß, wie man schwanger wird und bleibt. Und irgendwie, zwischen den Herzensmenschen, schaffe ich es immer wieder, die Puzzleteile zusammenzusetzen und ein halbwegs funktionierender Mensch zu bleiben.

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