+ Antworten
Seite 1 von 9 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 88

  1. Registriert seit
    09.07.2018
    Beiträge
    11

    Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Liebe Leute,

    der Titel "Kinderlos bis ans Sterbebett?" hört sich vielleicht etwas furchterregend an, war aber wirklich in gewisser Weise das gestrige Thema mit meinem Freund beim Abendbrot.

    Er hat beruflich gerade viel mit einem alten Menschen zu tun, der echt schwierig ist. In diesem Zusammenhang erzählte er von seinem Zivildienst im Altenpflegeheim, wo er viele Menschen sterben sah. Dazu sagte er, dass nach seiner Erfahrung die Menschen so sterben, wie sie auch gelebt haben, also leicht oder verbissen oder großmütig oder kleinmütig, und auch, dass bestimmte Lebensthemen am Sterbebett wiederkehren. Wenn zum Beispiel die Menschen mit dem Gefühl sterben, dass sie eine Aufgabe in ihrem Leben nicht erfüllt haben oder erfüllen konnten, fällt es ihnen viel schwerer zu gehen.

    Darauf hin meinte ich zu ihm, dass es mir wohl mit dem Ein-Kind-großziehen so gehen wird: Eine Aufgabe, die ich so gerne hätte und erfüllen würde, was mir aber leider wohl verwehrt wird (bin knapp 42, kein Kind, und nach drei Fehlgeburten wird es immer unwahrscheinlicher ...). "Ermutigenderweise" nickte mein Freund dazu nur. (Er selbst hat das Problem nicht, da er schon eigenen Nachwuchs hat.)

    Nun ja. Im Grunde habe ich schon jetzt unentwegt die Wehmut, etwas Essentielles, durch nichts anderes Ersetzbares in meinem Leben zu verpassen. Mal ist das Gefühl stärker, mal schwächer, aber vertreiben lässt es sich nicht. Ich glaube in diesem Zusammenhang auch nicht an das "Die Zeit heilt alle Wunden", weil es hier quasi um "Grundnahrungsmittel" geht: Familie, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Liebe.

    Welche Gedanken fallen Euch dazu ein? Seht Ihr das genauso? Oder völlig anders? Kann man vielleicht doch loslassen und ein anderes glückliches Leben leben?

    Viele Grüße
    Metaline


  2. Registriert seit
    28.12.2018
    Beiträge
    127

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Habt ihr schon über eine Adoption nachgedacht? Wir hätten uns dafür entschieden, falls es mit dem Nachwuchs nicht klappen sollte.
    Eine andere Alternative sind Pflegeeltern.

    Ja, einige Menschen sind auch ohne Kinder glücklich. Die Frage ist aber, wie gut du damit klar kommst.

  3. Avatar von NicNacNoc
    Registriert seit
    22.02.2018
    Beiträge
    585

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Möglicherweise ist ja nicht das "Kind großziehen" dein Thema, sondern der Umgang mit der Enttäuschung, dass du ein für dich wichtiges Bedürfnis nicht hast umsetzen können. Mit allem, was dazu gehört: Trauer, persönliche Grenzen erfahren/sich an ihnen stören/akzeptieren/ggf. deren Sinnhaftigkeit erkennen, Umgang mit dem, was sich nicht ändern lässt, Akzeptanz, genaueres Hinschauen, was für dich mit dem Kinderwunsch verbunden war/ist und Überlegungen, ob es Alternativen dazu gibt, dies auszuleben.

    Vielleicht ist das deine Aufgabe, und mit 42 hast du (hoffentlich) noch etwas Zeit, dies zu bearbeiten.
    Was, wenn ich nie erlöst werde?

    Was, wenn ich längst erlöst bin?

    - Cheryl Strayed, "Wild" -

  4. Moderation Avatar von Promethea71
    Registriert seit
    11.09.2004
    Beiträge
    15.841

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Dazu fallen mir verschiedene Menschen in meinem Leben ein, die bereits verstorben sind und ja ich denke dein Freund hat Recht und das Gute daran ist, in einem gewissen Rahmen hat man es in der Hand.

    Der eine Mensch ist meine Großtante - vom Leben verbittert, früher Missbrauch in der Kindheit, Flucht vor den Russen, ein Ehemann, der sie betrogen hat, sie hat dann versucht sich das Leben zu nehmen und meinen Onkel (also ihren Sohn) gleich mit. Sie hat zeitlebens immer das halbleere Glas gesehen, sich gegrämt, dass ihre Ländereien im Osten nach dem Krieg verloren waren etc.

    Der andere Mensch ist meine Großmutter, ihre Schwester. Früher Missbrauch im der Kindheit, Flucht vor den russen, ein Ehemann, der sicher nicht immer treu war, sie hat immer das halbvolle Glas gesehen. Sie war froh den Krieg überlebt zu haben, sie hat sich an ihrem neuen Leben gefreut, sie hat nie getrauert um das was sie verloren hat oder das nicht wahr geworden ist, sondern sie das hat beste aus dem gemacht, was das Leben ihr gegeben hat und im Gegensatz zu ihrer Schwester immer nach vorne geschaut, sich für das Tagesgeschehen interessiert und sich das Leben schön gemacht.



    Und in dieser grundsätzlich unterschiedlichen Lebenseinstellung lag vieles.
    Meine Großmutter hat von den äußeren Umständen nicht "mehr" vom Leben bekommen, sondern sie hat mehr daraus gemacht und das was sie hatte positiv umgedeutet und das beste rausgeholt.

    Defacto hatte sie keine besseren Voraussetzungen als ihre Schwester, aber sie hatte eine andere Einstellung dazu.
    Auch diese Einstellung ist sicher keine reine persönliche Entscheidung, es hat sicher auch was mit Veranlagung, mit Resilenz und vielem anderen zu tun und es wäre zu kurz gegriffen zu sagen, meine Großtante hätte sich einfach zusammenreißen müssen und eine positivere Haltung einnehmen.

    Aber ein bisschen mehr von der Lebensfreude ihrer Schwester und dem "Vergangenes loslassen können" hätte ihr sicher gut getan.
    Und ja ich glaube daran, dass man das zum Teil selbst in der Hand hat und sich von Dingen, die man nicht hat und nicht bekommen wird verabschieden kann und das positive im eigenen Leben entdecken kann und das auch leben kann. Und dass man, wenn man dieses Loslassen gelernt hat auch andere Dinge und irgendwann das Leben loslassen kann in einem ganz positiven Sinne.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"


  5. Registriert seit
    03.01.2019
    Beiträge
    113

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    @Promethea71: Ich springe hier nur kurz rein. Sehr schön geschrieben und wahre Worte, finde ich.


  6. Registriert seit
    31.03.2017
    Beiträge
    2.395

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Zitat Zitat von knuffl Beitrag anzeigen
    Habt ihr schon über eine Adoption nachgedacht? Wir hätten uns dafür entschieden, falls es mit dem Nachwuchs nicht klappen sollte.
    Eine andere Alternative sind Pflegeeltern.
    Ja, einige Menschen sind auch ohne Kinder glücklich. Die Frage ist aber, wie gut du damit klar kommst.
    Also, macht doch Vorschläge, die allgemein realistisch sind!

    Als Frau über 40, nicht verheiratet mit ihrem Partner, ist die Chance auf eine normale Adoption in Deutschland praktisch ausgeschlossen, zumindest, was Babys und Kleinkinder angeht.
    Natürlich, bei Akzeptanz einer Behinderung ist die Chance größer, oder wenn man din „großes“ Kind - mindestens Ende Grundschule will.

    Und Pflegschaft bedeutet, daß das Kind fast jederzeit wieder zur „biologischen“ Familie zurückgeführt werden kann.
    Auch wenn man selbst denkt, „das kann man dem Kind nicht antun, dahin“ - die Jugendämter haben da andere Kriterien.
    Ich wage zu bezweifeln, daß das etwas ist, das jemand mit Kinderwunsch wirklich gut verkraftet!
    "Der Klügere gibt nach" heißt es - solange, bis die Dummen an der Regierung sind, oder was?

  7. Avatar von Kitty_Snicket
    Registriert seit
    10.11.2018
    Beiträge
    523

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Promethea

    Mir ist ein Satz im Gedaechtnis geblieben, den ich vor kurzem gelesen habe; Dale Carnegie - How to Stop Worry and Start Living. Sinngemaess: Wir schauen viel zu sehr auf das, was wir nicht haben, und nicht auf das, was wir haben.

  8. Avatar von Blue2012
    Registriert seit
    23.11.2011
    Beiträge
    9.754

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Zitat Zitat von Metaline Beitrag anzeigen
    erzählte er von seinem Zivildienst im Altenpflegeheim, wo er viele Menschen sterben sah. Dazu sagte er, dass nach seiner Erfahrung die Menschen so sterben, wie sie auch gelebt haben, also leicht oder verbissen oder großmütig oder kleinmütig, und auch, dass bestimmte Lebensthemen am Sterbebett wiederkehren. Wenn zum Beispiel die Menschen mit dem Gefühl sterben, dass sie eine Aufgabe in ihrem Leben nicht erfüllt haben oder erfüllen konnten, fällt es ihnen viel schwerer zu gehen.

    Darauf hin meinte ich zu ihm, dass es mir wohl mit dem Ein-Kind-großziehen so gehen wird: Eine Aufgabe, die ich so gerne hätte und erfüllen würde, was mir aber leider wohl verwehrt wird (bin knapp 42, kein Kind, und nach drei Fehlgeburten wird es immer unwahrscheinlicher ...). "Ermutigenderweise" nickte mein Freund dazu nur. (Er selbst hat das Problem nicht, da er schon eigenen Nachwuchs hat.)
    Die Empathie deines Freundes bleibt unübertroffen!!!
    Be a voice not an echo.


  9. Registriert seit
    28.03.2018
    Beiträge
    1.499

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Ich weiß nicht, es geht hier doch nicht um einen Porsche oder Urlaub auf Hawaii? Da denk ich auch, das kann man mit einem leichten Bedauern abschließen, dann halt nicht, gab dafür anderes.

    Ein Kinderwunsch ist für mich aber eine ganz andere Ebene und ich denke, wenn der wirklich stark ist dann wird man tatsächlich auch auf dem Sterbebett noch eine gewisse Trauer darüber empfinden.

    Ich kann das nachvollziehen.

    Auch in anderer Hinsicht hab ich heute manchmal den Eindruck, eine solche Trauer wird einem einfach nicht mehr zugestanden, alles muss man positiv sehen und möglichst noch dankbar sein für die tolle Erfahrung... Ich finde, das macht sehr viel Druck.

    Ich finde, es ist wichtig das anzunehmen und sich diese Trauer auch zuzugestehen und zu sagen, ja, hätte ich mir anders gewünscht, auch jetzt noch.

    Deshalb muss man ja nun trotzdem nicht sein Leben als verpfuscht ansehen und alles schlecht finden. Aber schönreden braucht man sich's eben auch nicht.

  10. Avatar von Ivonne2017
    Registriert seit
    09.08.2017
    Beiträge
    3.998

    AW: Kinderlos bis ans Sterbebett?

    Promethea
    So eine grundpositiv gestimmte Oma hatte ich auch. Trotz übelster Voraussetzungen, ähnlich wie von dir beschrieben und später starker chronischer Schmerzen behielt sie ihren Lebensmut und es ging ihr "immer gut".

    @Metaline: Es schmerzt, aber es geht vorüber. Jeder steht eines Tages vor seiner Realität. Du wirst einen erfüllenden Ersatz finden. Kein Leben ist perfekt.
    LG Ivi

+ Antworten
Seite 1 von 9 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •