+ Antworten
Seite 8 von 9 ErsteErste ... 6789 LetzteLetzte
Ergebnis 71 bis 80 von 83

  1. Registriert seit
    16.03.2007
    Beiträge
    58

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    @ Lunete: Du hast sicher recht, die eigene Erfahrung ist in vielen Fällen anders und es ist gut, eigene Vorstellungen verändern zu können. Auch wenn sich bei mir der Effekt in Grenzen gehalten hat, warum auch immer.

    Aber dieses ständige “Du hast keine Ahnung”-sagen beschäftigt mich trotzdem noch. Es kommt jetzt nämlich wieder von den Müttern die zwei Kinder haben. “Du hast ja nur eins, Du hast ja überhaupt keine Ahnung”. Mir wurde auch schon mal gesagt, ich hätte keine Ahnung was Eltern so durchmachen und könne nicht mitreden, weil mein Kind relativ unkompliziert und pflegeleicht ist. Da fragt man sich dann schon, warum man überhaupt noch miteinander redet - denn ganz genau das gleiche Leben werden wir ja eh nie haben, so dass ich mir alles ganz genau selbst vorstellen kann was bei den andern grade los ist?

    Ich denke schon, dass (neben den anderen, hier schon erwähnten Effekten) da eine gewisse Selbstüberschätzung am Werk ist. Nicht unbedingt böse gemeint, aber diese Leute fühlen sich als Eltern so einzigartig, dass Kinderlose einfach nicht mitreden können und daher bitte die Klappe zu halten haben.

    Ich glaube, dass ich sowas noch nie gesagt habe, weil ich auch nicht so empfinde. Überhaupt versuche ich, taktvoll zusein und das wird ab und zu von Kinderlosen positiv kommentiert. immer gelingt mir das sicher auch nicht und ich rede sicher zB manchmal zu viel über meinen Sohn. Aber ich habe überhaupt nicht den Eindruck dass meine kinderlosen Freundinnen nichts zum Gespräch beizutragen haben, wie andere Eltern mir das wieder und wieder gesagt haben.

  2. Moderation Avatar von lunete
    Registriert seit
    25.04.2008
    Beiträge
    5.098

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von simultan Beitrag anzeigen
    Ich denke schon, dass (neben den anderen, hier schon erwähnten Effekten) da eine gewisse Selbstüberschätzung am Werk ist. Nicht unbedingt böse gemeint, aber diese Leute fühlen sich als Eltern so einzigartig, dass Kinderlose einfach nicht mitreden können und daher bitte die Klappe zu halten haben.
    Das würde ich nun auch nicht unbedingt annehmen.
    Überheblichkeit sehe ich da eher nicht, vielleicht Genervtheit?
    Denn Kinderlose können schon ziemlich altklug daherreden, in der Theorie ist ja alles auch völlig schlüssig und einfach, man muss ja nur konsequent, liebevoll, bestimmt sein und schon haut das hin mit den Musterkindern.
    Mir fallen auf Anhieb eine ganze Reihe an Situationen ein, in denen Kinderlose eine Situation zwischen Eltern und Kindern völlig anders (lies: falsch) eingeschätzt haben als Eltern. Da fehlt einfach eine gewisse Erfahrungsbasis.
    Bei diesen Situationen schließe ich mich ein - also in der Zeit, als ich noch keine Kinder hatte, bin ich da sicherlich auch "schuldig" geworden.
    Die Äußerung "Du hast keine Ahnung" finde ich prinzipiell unhöflich, wenn ich auf solche Äußerungen was sage, dann im Sinn eines Erfahrungsberichts, einer Erklärung oder einer Richtigstellung.
    Ein paar Beispiele:

    • Eine Kollegin echauffiert sich "warum manche Leute überhaupt Kinder kriegen müssen", sie hätte kürzlich ein entzückendes Mädchen kennengelernt, die ganz normale, süße Fragen gestellt habe und von seiner Mutter sehr genervt abgekanzelt worden sei - offenbar sei die Mutter eine völlig ungeeignete Person zum Kinderkriegen. Als Mutter finde ich das natürlich keine pädagigische Glanzleistung, aber nachvollziehbar, denn ich vermute, dass die betreffende Frau die entzückenden Fragen seit Wochen oder Monaten rund um die Uhr zu beantworten hat, dass das Kind (oder der Alltag zwischen Kind, Beruf, Familie, Haushalt) sie sonst nervlich sehr strapaziert hat in der letzten Zeit, dass sie einfach überlastet und übermüdet ist und genug hat und Ruhe will und mal einen Moment nicht verfügbar sein möchte - und dass so eine Momentaufnahme nichts über die generelle Eignung als Mutter aussagt.
    • Ich hatte gekocht für die Nichten und Neffen. Nudeln pur . Keine Soße erwünscht, Käse aßen sie auch nicht. Ich habe vorgeschlagen, in Butter geröstete Semmelbrösel dazu zu machen (dass die armen Kinder nicht auf den trockenen Nudeln rumkauen müssen). Die Mütter waren dagegen, sonst würden die Kinder immer nach Semmelbröseln verlangen und das war ihnen nicht recht. Konnte ich, damals kinderlos, nicht verstehen, heute sehe ich das voll ein (if it ain't broke, don't fix it - und bloß keinen zusätzlichen Aufwand betreiben, schon gar nicht solcher, der reproduzierbar sein könnte!).
    • Unterhaltung mit kinderlosen Freunden über den Urlaub: "Mit Kindern ist man schon eingeschränkt, aber man kann ja immerhin mit Kindern z.B. auch schön ins Restaurant essen gehen." Jaaa... wenn man ein ausreichend dickes Fell hat um die Reaktionen, die ein tobender Zweijähriger und ein mit Essen um sich schmeißendes Baby in der gediegenden Atmosphäre eines netten Restaurants hervorrufen, auszuhalten, dann ist das eine feine Sache.


    Das nur als Beispiele.

    Zum Elternwettstreit:
    Berühmt ist ja die Äußerung "Ein Kind ist kein Kind..."
    Das glaube ich nicht, aber die Umstellung auf mehr als eines hatte es in sich (wobei die weiteren - gerüchteweise - sich dann unproblematisch ins familiäre Gefüge einnorden).
    Ich kenne viele Einkindeltern, die angesichts der Geschwisterdynamik in unserer Familie bisweilen irritiert gucken. Zum einen kann die Bedürfnisbefriedigung bei den Jüngeren nicht so instantan passieren wie bei einem Einzelkind, zum anderen wird das Augenmaß beim elterlichen Eingreifen ein anderes (Zweit- und Drittgeborene sind ja definitionsgemäß eher robust ). Die Veränderung von der Mann- zur Raumdeckung (also nicht mehr 1 Erwachsener betreut 1 Kind, sondern 1 Erwachsener betreut mehrere gleichzeitig) ist m.E. nicht nur für die Kinder, sondern besonders auch für die Erwachsenen einschneidend. Unser Großer war ein Einsteigermodell, die Zweite sehr anstrengend. Das, was andere Neu-Eltern beim ersten Baby beschreiben (Erschöpfung, Isolation, keine Zeit zu duschen, essen...) habe ich erst beim zweiten erfahren.
    Aber ich werde den Teufel tun und der Mutter, die mein zweites aufmerksamkeitheischend protestheulendes Kind mit stummen Vorwurf in meine Richtung tröstet (während ich mich um Nr. 1 kümmere), sagen "kriegt ihr erstmal noch ein Kind" oder ähnliches.
    Denn wenn mich Elternschaft eines gelehrt hat, dann dies: Der nächste Zusammenbruch kommt bestimmt.


  3. Registriert seit
    16.03.2007
    Beiträge
    58

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Lunete,

    ich geb Dir in allem recht was Du schreibst.

    Die Situationen, die ich vor Augen hatte, waren schlichtweg andere.
    "Du hast davon ja keine Ahnung" oder "Du kannst da ja nicht mitreden" wurde mir als Kinderlose im Freundeskreis wirklich permanent gesagt,
    - einfach mal so als Gespraechsbeitrag (vermutlich um mich auch mal einzubeziehen, nachdem ich schon eine Stunde lang nichts mehr beitragen konnte)
    - wenn es darum ging, dass ich zB eine anstrengende Dienstreise erfolgreich beendet hatte (im Sinne davon, dass ich nicht weiss was anstrengend ist)
    - wenn ich was Nettes von meinen Neffen erzaehlt habe (denn "natuerlich sagen die Kleinen nette Sachen, aber Du hast ja keine Ahnung was der Preis dafuer ist, ein Kind grosszuziehen")
    - gerne halt auch immer, wenn ich sehr traurig war ueber meine Kinderlosigkeit (denn Du hast ja keine Ahnung, was Dir erspart bleibt - wahrscheinlich gut gemeint aber nicht sehr hilfreich, da noch mehr ausschliessend)
    - so gut wie jedesmal, wenn ich im Urlaub war und wenn ich in der Freizeit was Nettes gemacht hatte (denn ich habe ja keine Ahnung, wie anderer Leute Stress aussieht, die koennten so was ja nie machen)
    - und eigentlich fast auch immer, wenn ich mich nach den Kindern erkundigt habe (ein Kind hatte zum Beispiel starke Neurodermitis und auf die Frage, wie geht es ihr denn inzwischen, bekam ich keine Information ueber das Wohlergehen des Kindes sondern einen Vortrag dass ich ja keine Ahnung davon habe, wie anstrengend Neurodermitis fuer die Eltern (!) ist.

    Dass man sich als Eltern gegen "gute" Ratschlaege von Nichteltern, wie Du sie beschreibst, auch gern zur Wehr setzen darf, ist davon voellig unberuehrt. Mir ist das eigentlich bisher auch erspart geblieben. Ich bilde mir auch ein, dass ich meine Eltern-Freunde frueher in der Regel hab selber entscheiden lassen, was gut fuer ihre Kinder ist und ihnen da nicht meine Meinung einreden wollte - ob mir das gelungen ist, muessten jetzt die Freunde beurteilen.

    Und dass ein zweites Kind eine riesige Umstellung darstellt, bestreitet ja auch keiner - ich frage mich halt nur, was fuer ein Beduerfnis da dahintersteht, wenn man anderen so permanent erklaeren muss dass sie das nicht kennen. Ich hab das Beduerfnis schlichtweg nicht, denn mein Leben kennt keiner so wie ich, aber die anderen Leute erleben dazwischen ja auch was. Ich bin zum Beispiel alleinerziehend, weiss also aus eigener Anschauung nicht, was das fuer eine Anforderung ist, wenn man "nebenbei" noch eine Beziehung vernuenftig pflegen darf/muss, im Positiven wie im Negativen. Meine verheirateten Freundinnen wissen wiederum nicht aus eigener Anschauung, wie es ist, alleinerziehend zu sein. Da erzaehlt mir aber eigentlich nicht staendig jemand "Du hast ja keine Ahnung", obwohl ich sie einfach auch nicht habe. Nur beim Kinderthema begegnet mir das halt sehr oft, sowohl als Kinderlose als auch manchmal noch jetzt. Ich finde einfach, man kann sich auch ueber die Grenzen hinweg ganz gut austauschen, wenn man die Lebensrealitaet der anderen nicht genau kennt.

    P.S.: Ich merke beim Schreiben, dass viel von meinem Aerger ueber diese Auesserungen auch aus einer Verwunderung ueber das viele Jammern kommt, das ich von Eltern so mitkriege. Ich finde, wenn man das unglaubliche Glueck hat, Kinder zu haben, kann man einfach auch mal zugeben, dass es schoen ist :-) Daran ist bei mir auch eine Freundschaft zerbrochen, aber das ist aber ein bisschen anderes Thema.


  4. Registriert seit
    03.03.2015
    Beiträge
    7.342

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von Colour Beitrag anzeigen
    Warum nagt das an Dir so? Idioten gibt es doch überall, was die über mich sagen und denken, das kann mir doch herzlich egal sein.
    Ich hatte zwar schon öfter idiotische Nachbarn, aber die haben halt ihr Leben gelebt und ich meins und mich nicht so angeredet. Ich verstehe auch nicht, was solche Äußerungen sollen. Mich ärgert das einfach.

    Zitat Zitat von Gigimaus Beitrag anzeigen
    Es ist schwere Arbeit, ein Kind durchzubringen, es zu einem Menschen heranzuziehen, der dann letztendlich selbstständig sein Leben leben kann.
    Das glaube ich gerne, und ich habe sehr viel Respekt vor allen Müttern, und vor Alleinerziehenden habe ich nochmal mehr Respekt. Eine gute Bekannte von mir ist alleinerziehende Mutter eines mittlerweile 15jährigen Sohnes. Sie musste immer Vollzeit arbeiten. Dies konnte sie nur, weil ihre Mutter den Jungen an 5 Tagen pro Woche betreut hat - bis er 3 Jahre alt war, den ganzen Tag und dann "nur" noch nachmittags. Aber diesen Luxus haben leider nicht alle.

    Zitat Zitat von Lucienne2 Beitrag anzeigen
    Das klingt jetzt aber danach, als ob du es ihr nicht gönnst, dass die Kinder trotz ihres offensichtlich unterirdischen Verhaltens in der Schwangerschaft gesund sind.
    Nein, so habe ich es nicht gemeint. Ich habe mich jedesmal, wenn ich sie mit Babybauch und Zigarette gesehen habe, gefragt, was denn in ihrem Kopf vor sich geht, weil sie die Gesundheit ihres Kindes so aufs Spiel setzt. Ich habe mich gefragt, ob das Kind davon einen Schaden davonträgt, aber dies ist trotz allem nicht passiert - zum Glück für die Kinder.

    Zitat Zitat von Lucienne2 Beitrag anzeigen
    Und letztlich spielt es doch in Bezug auf die Thematik überhaupt keine Rolle, ob diese Leute asozial sind oder nicht. Gott sei Dank hat jede Frau das Recht auf ein Kind, und nicht nur jene, die gut verdienen, gebildet sind, einen netten Ehemann haben oder ähnliches.
    Da hast Du natürlich Recht, aber bei asozialen Leuten ist mein Neid zugegebenermaßen größer - warum, weiß ich nicht.


    Auf die Gefahr hin, dass ich als Kinderlose hier altklug herüberkomme: In meinem Dunstkreis habe ich schon das eine oder andere Mal mitbekommen, dass das Leben mit Kindern nicht nur eitel Sonnenschein ist. Ich denke da an einen Trotzanfall meiner Nichte, als sich mein Bruder und meine Schwägerin weigerten, vor jeder Laterne eine Viertelstunde stehenzubleiben, um diese ausreichend zu bewundern.

    Ich habe auch mitbekommen, wie eine Cousine von mir um einen Kindergartenplatz kämpfen musste, um dann mitzuerleben, wie ihr Sohn im Kiga gemobbt wurde, ohne dass die Erzieher einschritten.

    Der pubertierende Sohn meiner Bekannten dagegen testet Grenzen aus und geht abends gerne länger weg als vereinbart und kommt in den frühen Morgenstunden auch mal betrunken nach Hause.

    Keine Frage, bei Kindern braucht man gute Nerven.

    Aber mir mißfallen Sätze von Eltern à la "Sei froh, dass Du keine Kinder hast, mit Kindern hat man dauernd nur Stress" oder "Das Leben ohne Kinder ist viel schöner als das Leben mit Kindern."
    Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand. (Arthur Schopenhauer)

    Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind.
    Wirklich arm ist nur, wer nie geträumt hat. (Marie von Ebner-Eschenbach)

  5. Moderation Avatar von lunete
    Registriert seit
    25.04.2008
    Beiträge
    5.098

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Oha, Simultan, solche Kommentare treffe (traf) ich im Alltag zum Glück kaum an. Ich kenne aber auch ein paar Kandidaten, zumeist Männer, die sowas gern bringen. Zum Glück sehe ich die nur selten (das sind z.B. Klassenkameraden meines Mannes).

    Frau Klein, ich sehe jetzt nichts Altkluges in deinen Kommentaren. Mit altklug meinte ich ein nicht-evidenz- bzw. zumindest nicht erfahrungsbasiertes in sich vielleicht stimmiges oder logisches, in der Situation aber nicht hilfreiches Kommentieren (da es der Komplexität nicht gerecht wird - und sei es, dass die Komplexität nur daraus besteht, dass die Eltern die Nase voll haben).

  6. VIP Avatar von xanidae
    Registriert seit
    23.02.2001
    Beiträge
    15.879

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zum Thema Stress:

    Ich habe viele Freunde ohne Kinder. Sie klagen oft, wie stressig ihr Leben ist.

    Ich könnte auf die Äußerungen über den Stress sagen „Stell dich nicht so an, wenn du nach Hause kommst, dann hast du wenigstens Ruhe“ oder ich könnte sagen „Stell dich nicht so an, du arbeitest nicht mal Vollzeit“. Das eine hat mit den Kindern zu tun, das andere nicht. Beides trifft auf manche zu.

    Ich sage nichts davon, sondern denke mir meinen Teil und versuche einfach zuzuhören und da zu sein.

    Ein Satz wie „Sei froh, dass du keine Kinder hast“ habe ich noch nie gesagt, aber auch noch nicht gehört. Es könnte aber sein, dass dieser dem aktuellen Stress entspringt und man vielleicht einfach etwas Zuwendung und Trost braucht. Oder es ist ein klein wenig Neid auf Kinderlose dabei.

    Meiner Meinung nach bringt diese Aufrechnerei, wem es schlechter geht oder gehen sollte nichts. Aber ich glaube, manche Menschen haben nie gelernt, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern oder schämen sich um Hilfe zu bitten und dass führt dann zu so seltsamen Bemerkungen.

    Gerade als Eltern, insbesondere als Mutter, steht man gerne in der Kritik von Freunden, Bekannten und auch Fremden. Insbesondere wenn die Kinder unter 8 sind. Ein Tobsuchtsanfall im Ikea, 132 Meinungen zur Kindererziehung und was ich alles falsch mache. Vielleicht reagieren deshalb manche Eltern so empfindlich auf die Meinungen von Bekannten ohne Kinder.

    Alles in allem: mehr Verständnis füreinander wäre toll. Da man andere dazu nicht zwingen kann, kann man nur bei sich selbst anfangen: Verständnis für sich selbst und Verständnis für andere.
    Wir könnten jetzt was gegen den Klimawandel tun, aber wenn wir dann in 50 Jahren feststellen würden, dass sich alle Wissenschaftler doch vertan haben und es gar keine Klimaerwärmung gibt, dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass man selbst in den Städten die Luft wieder atmen kann, dass die Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Ölvorkommen. Da würden wir uns schön ärgern. M-U Kling



  7. Moderation Avatar von lunete
    Registriert seit
    25.04.2008
    Beiträge
    5.098

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Gerade als Eltern, insbesondere als Mutter, steht man gerne in der Kritik von Freunden, Bekannten und auch Fremden. Insbesondere wenn die Kinder unter 8 sind. Ein Tobsuchtsanfall im Ikea, 132 Meinungen zur Kindererziehung und was ich alles falsch mache. Vielleicht reagieren deshalb manche Eltern so empfindlich auf die Meinungen von Bekannten ohne Kinder.

    Alles in allem: mehr Verständnis füreinander wäre toll. Da man andere dazu nicht zwingen kann, kann man nur bei sich selbst anfangen: Verständnis für sich selbst und Verständnis für andere.


  8. Registriert seit
    03.03.2015
    Beiträge
    7.342

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Ein Satz wie „Sei froh, dass du keine Kinder hast“ habe ich noch nie gesagt, aber auch noch nicht gehört. Es könnte aber sein, dass dieser dem aktuellen Stress entspringt und man vielleicht einfach etwas Zuwendung und Trost braucht. Oder es ist ein klein wenig Neid auf Kinderlose dabei.
    Das kann sein. Jeder sagt mal etwas Doofes, ohne nachzudenken, wie es beim Gegenüber ankommen könnte.

    Eine ehemalige Bekannte jammerte ständig, sobald ihr drittes Kind da war, wieviel sie jetzt zu tun hat. Nur mal nebenbei: Sie hatte einen sehr gut verdienenden Mann, musste nicht arbeiten, dazu hatte sie ein Kindermädchen, eine Vollzeithaushaltshilfe, und die Eltern und Schwiegereltern halfen auch sehr viel. Irgendwann sagte die Bekannte, dass ihr eigentlich ein Kind gereicht hätte, zwei seien ihr eigentlich zuviel. Ich habe sie nicht gefragt, warum sie dann noch ein Kind bekommen hat, aber ich habe es mir manchmal gedacht - denken darf sich ja jeder, was er mag...

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Gerade als Eltern, insbesondere als Mutter, steht man gerne in der Kritik von Freunden, Bekannten und auch Fremden. Insbesondere wenn die Kinder unter 8 sind. Ein Tobsuchtsanfall im Ikea, 132 Meinungen zur Kindererziehung und was ich alles falsch mache. Vielleicht reagieren deshalb manche Eltern so empfindlich auf die Meinungen von Bekannten ohne Kinder.

    Alles in allem: mehr Verständnis füreinander wäre toll. Da man andere dazu nicht zwingen kann, kann man nur bei sich selbst anfangen: Verständnis für sich selbst und Verständnis für andere.

    In der Theorie sind wahrscheinlich alle perfekte Eltern, aber Theorie und Praxis sind nun mal verschiedene Dinge. So ein Tobsuchtsanfall eines Kindes ist für die Eltern sicher alles andere als lustig, und die Eltern haben ihre Gründe, warum sie ihrem Kind etwas sagen, verbieten, wegnehmen oder was auch immer. Ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht, wie ich mich in so einer Situation verhalten würde, deshalb mische ich mich auch nicht ein.

    Wie Du schon sagst: Leben und leben lassen.
    Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand. (Arthur Schopenhauer)

    Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind.
    Wirklich arm ist nur, wer nie geträumt hat. (Marie von Ebner-Eschenbach)


  9. Registriert seit
    08.12.2016
    Beiträge
    153

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    "Ein Kind ist kein Kind..."
    Lunete, ich glaube mittlerweile, dass dieser Spruch überhaupt nicht auf Einkindmütter zielt, sondern auf Mehrkindmütter. Wenn man nämlich permanent x Kinder zu betreuen hat und dann plötzlich nur eins, fühlt es sich manchmal tatsächlich wie "kein Kind" an. :)

    Dass Kinderlose/Einkindmütter sich oft doofe Sprüche anderer Mütter anhören müssen, tut mir leid. Ich hoffe, dass ich mich diesbezüglich gut im Griff habe, aber wahrscheinlich kann man nicht immer und überall "politisch korrekt" sein.


  10. Registriert seit
    17.07.2018
    Beiträge
    114

    AW: Neid auf Schwangere und Menschen mit Kindern

    Zitat Zitat von Caramac Beitrag anzeigen
    Wenn ich mich zu dick fühle, sehe ich überall schlanke Schönheiten. Wenn ich als Single unglücklich bin, sehe ich überall verliebte Pärchen. Und als ungewollt Kinderlose eben überall Schwangere.
    Und genauso höre ich überall Gespräche über das, was mir fehlt. Ich halte das durchaus für vergleichbar.
    Ist es sicherlich (ich hab nach meiner Knie OP auch überall Leute mit Knieorthesen gesehen).
    Aber ist Neid (und ich meine wirklich konstruktiven Neid, keine Missgunst) denn da so schlimm? Sind wir nicht alle mal aus irgendeinem Grund neidisch auf irgendwen? Weil der besten Freundin das Kleid im Schaufenster so viel besser steht als einem selbst? Weil die Kollegin die Beförderung bekommen hat, die man selbst haben wollte? Weil die Cousine es geschafft hat, die 20 kg abzunehmen, die man selbst auch gerne los wäre? Wenn Opa neidisch auf die Jugend, Gesundheit und Unbeschwertheit seiner Enkel ist und in einem stillen Moment gerne nochmal 12/20/30 wäre, ist dann falsch? Ich bin z.B., von jeglichen Kinderthemen ab, unglaublich neidisch auf meine Physiotherapeutin, weil die so unglaublich geerdet rüberkommt, so selbstsicher, so in sich ruhend - ich wäre gerne nur halb so.

    Ist es denn da wirklich "schlimm", wenn man neidisch auf Schwangere/Eltern ist?

    Neidisch sein heißt ja auch nicht, dass man neidisch auf jeden Aspekt ist.
    Ich bin auch nicht neidisch darauf, dass meine Schwägerin ständig mit Milchflecken auf der Schulter rumläuft oder meine Freundin die vollgekackte Windel ihres 2jährigen wechseln muss. Ich bin auch nicht neidisch auf durchwachte Nächte. Ich bin auch nicht neidisch auf die Schwester eines Freundes, die seit Weihnachten mit ihrem Kleinkind im Krankenhaus ist. Ich bin auch nicht neidisch auf die Fehlgeburten, die Freundinnen von mir schon hatten (wobei... manchmal selbst das... nach sechs Jahren ohne auch nur einen positiven Schwangerschaftstest sinkt man mit Kinderwunsch manchmal ganz, ganz tief - dann wüsste ich wenigstens, dass es vielleicht mal irgendwann klappen könnte). Trotzdem ist da dieses flauscheweiche Gefühl in mir, das denkt "Du hättest auch gerne Milch auf der Schulter. Milch auf der Schulter = Baby. Baby = schööön. Innere Uhr = ticktock ticktock."
    Aber wenn ich neidisch auf den Nachbarn mit dem großen Auto wäre, dann wäre ich ja auch nicht neidisch auf den hohen Benzinverbrauch, die teure Versicherung oder den hohen Beschaffungswert. Sondern auf die Sitzheizung, das ruhige Fahrgefühl und dass es mehr als 65 PS hat.

    Ganz ohne Neid, denke ich, wären wir als Gesellschaft sicherlich auch nicht da, wo wir sind. Ohne Neid hätten wir auch nicht den Ehrgeiz, Dinge anzugehen, Umstände zu ändern, Gegebenheiten zu verändern. Dann wären wir alle glücklich wie wir sind... und würden vermutlich immer noch alle auf den Bäumen hocken.
    Destruktiver Neid, Missgunst, entsteht aus Kleinmut. Konstruktiver Neid kann motivieren.

    Wäre ich nicht "neidisch" auf die Familien mit Kindern in meinem Umfeld, dann hätte ich sicherlich nie die Motivation gefunden, mit der Kinderwunschbehandlung anzufangen.

    Das Schwangere / Eltern in der Regel kinderlose Frauen (oder auch Männer, mein Mann leidet z.B. unter unserer Kinderlosigkeit weit mehr als ich) nicht absichtlich verletzen, setze ich mal voraus. Trotzdem tun sie das eben durch ihr Verhalten oder ihre Wortwahl manchmal. Der eine mehr, der andere weniger. Genau wie Menschen sich in gleichen Situationen eben auch unterschiedlich verletzt sind/reagieren.

    Ich finde neidisch sein, egal auf wen und warum, gar nicht schlimm. Sondern natürlich. Und man geht mit dem Neidgefühl ja auch nicht hausieren und schmiert es jedem aufs Brot. Das sind halt die kleinen (und großen) Stiche im Herz und in der Seele. Die kommen und gehen. Und die mal rauszulassen, bei fremden Leuten im Internet, macht's manchmal vielleicht ein bisschen leichter. Weil man merkt, dass man nicht alleine ist.

    Zitat Zitat von simultan Beitrag anzeigen
    "Du hast davon ja keine Ahnung" oder "Du kannst da ja nicht mitreden" wurde mir als Kinderlose im Freundeskreis wirklich permanent gesagt
    Bei mir ist es nicht der Freundeskreis (mein engster Freundeskreis ist im Schnitt aber auch wesentlich jünger als ich, in meinem Freundeskreis ist ein Kind und dessen Mutter ist schlicht großartig, empathisch und wundervoll) sondern die Familie (meines Mannes - meine Cousinen und Geschwister sind alle kinderlos).

    Nein, ich habe kein Kind. Aber... ich habe mit 13 angefangen zu Babysitten (und das 15 Jahre lang gemacht), ich war 1 1/2 Jahre als Aupair im Ausland (und habe mit 19 plötzlich vier Kinder zwischen 1 und 13 in fast jeder wachen Minute von Montag bis Freitag betreut), ich habe im Studium meinen Nebenfachschwerpunkt auf frühkindlicher Entwicklung gehabt. Ich bin keine Mutter, aber wenn ich mich einbringe, dann weiß ich eben vielleicht doch auch wovon ich rede bzw. habe eine Erfahrung gemacht, die ich, auch ohne selbst Kinder zu haben, einbringen kann.

    Du bist zum Kaffee da, der Lütte klettert auf den Tisch, du nimmst ihn runter und sagst "Mausi, komm mal runter. Nicht, dass du runterfällst.", Mausi giert los wie von der Tarantel gestochen und Mama und Omma kommen mit "Oh mein Gott, was hat er denn?" angerannt und du holst dir einen Rüffel ab, dass das Kind - unter deiner Aufsicht - nicht auf den Tisch darf. Darf er sonst doch auch. (WTF? Warum müssen Kinder auf dem Tisch sitzen? Mir ja prinzipiell egal, aber kenne ich so nicht, ist bei mir also auch so nicht und wenn ich in dem Moment verantwortlich bin...) Gleiches Prozedere beim nächsten Kaffee, als er alleine durch den Garten läuft und am Teich spielt. Okay, ist ja nicht mein Kind. Aber wenn ich ihn da nicht weggeholt hätte und er wäre reingefallen, wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden. Wenn Mama es okay findet, dass ihr 1 1/2jähriger am Gartenteich spielt, schön. Für mich ist es das nicht. Ist meine Sorge um sein Wohlergehen jetzt weniger wert, weil ich keine Kinder habe? (Ja, für die Familie ist sie das in dem Fall. Wenn Mama sagt, es ist okay, dann ist es okay. Gut... ist ja nicht mein Kind)

    Jede Familie hat andere Regeln. Schon klar. Ich habe ein großes Sicherheitsbedürfnis. V.a. wenn das nicht mein Kind ist. Aber ist das weniger "wert", weil ich keine eigenen Kinder habe? Und mal "lockerer" werden muss?

    Wenn wir dann auf der Taufe unserer Nichte sitzen und fünf erwachsene Frauen an den zwei Kleinkindern (1 1/2 & 2) rumzuppeln, dass sie unbedingt teilen müssen - dann sitze ich da und denke "Mädels, eure Kinder KÖNNEN noch gar nicht teilen. Die wissen gerade mal seit ein paar Monaten, dass sie ein Selbst haben. Teilen lernen die in nem Jahr oder zwei." Was mache ich? Meine Klappe halten, weil ich weiß, mit jeglichem Kommentar setze ich mich nur in die Nesseln. Ich habe es gewagt zu versuchen, die Lütte abzulenken, da kam als Kommentar von Omma nur "Nein. Das muss sie jetzt lernen. Sonst lernt sie es nie." Gut. Dann setz ich mich wieder in die Ecke und bin still.

    Was kommt dann als Kritik am Telefon? "Du hast ja gar nichts gesagt" - nee, was denn? Der ganze Tag hat sich nur um die Kinder gedreht, Erwachsenenthemen waren nicht, zu Kinderthemen darf ich mich in eurer Familie als kinderlose Frau nicht äußern, dann sage ich halt nichts. Ist dann halt auch falsch. Wenn Schwiegermutter dann beim Essen sitzt und, mit dem angewiedertsten Tonfall den man sich vorstellen kann, erzählt, dass die Nachbarin Zwillingsenkel erwartet, die Tochter ja aber "nachgeholfen" hat... in einem Ton, in dem man über Kot an der Türklinke sprechen würde... und dass das ja wider der Natur sei... da wundern sie sich, dass wir so Familienveranstaltungen gerne absagen?

    Ich würde mich nur in ganz, ganz wenig Fällen in "die Erziehung einmischen". Und zwar in Fällen, bei denen ich Angst um Leib und Leben des Kindes hätte. Ich würde die Feuerwehr rufen, wenn im Hochsommer ein Baby alleine im Auto sitzt. Ich lasse meinen Neffen nicht mit Messern spielen oder auf dem Tisch rumturnen. Ich würde ein Kind abfangen, das hinter seinem Ball her auf die Straße laufen will. Wenn ich den Kleinen meiner Freundin habe, bin ich sicherlich wesentlich vorsichtiger mit dem was er darf und was nicht, als sie - sie ist aber auch die Mutter. Ich bin eben nur der Babysitter.
    Ich würde im Gegenzug eben nie auf Tobsuchtsanfälle bei Ikea reagieren. Kinder sind Kinder und Kinder sind manchmal reizüberflutet und reagieren nach Erwachsenenstandards "falsch". Das steht mir nicht zu (wenn's meine beste Freundin wäre, bekäme sie höchstens einen Knuddler und einen Keks). Da habe ich vielleicht ein bisschen Mitleid, falls das Eltern überfordert scheint, oder vielleicht auch Bewunderung, wenn ein junges Elternteil völlig ruhig dabei steht und sich nicht von außen beeinflussen lässt oder stressen lässt durch die Situation.

    Es hat ja auch nicht jede Mutter / jeder Vater die gleichen Erfahrungen. Nicht jeder der Kinder hat, kann sich in Eltern hineinversetzen, deren Kind Pseudokrupp hat. Oder einen Herzfehler. Oder schon bei Geburt einen Nierentumor. Oder Neurodermitis. Oderoderoder. Die können dann auch nur versuchen, sich aus ihren gemachten Erfahrungen in die jeweilige Situation zu versetzen. Zwischen Eltern ist das plötzlich okay. Ohne Kinder wird das manchmal schon schwierig.

    Wenn dazu noch der wunde Punkt kommt, dass die Kinderlosigkeit nicht selbst gewählt ist... und auch nicht verarbeitet ist... darf das nicht weh tun? Ist das schlimm? Sticht es Singles nicht auch manchmal, wenn sie glückliche Paare sehen? Warum darf man auf Menschen mit Kindern nicht neidisch sein? (Wenn Kinder kriegen oder haben so furchtbar wäre, wären wir sicherlich schon lange ausgestorben - irgendein Trieb scheint uns ja da doch irgendwie inne zu sitzen)

+ Antworten
Seite 8 von 9 ErsteErste ... 6789 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •