Leider gibt es hier kein Forum zum Thema Mann- bzw. Vatersein, also stelle ich das mal hier rein. Weil mein Nick nicht so eindeutig ist, will ich vorneweg gleich klarstellen: Ich bin ein Mann.
Zu meinem Problem:
Meine Frau und ich wünschten uns beide sehr ein Kind, und wir hatten auch gleich Glück: schon im zweiten Monat wurde meine Frau vergangenen Sommer schwanger. Wir waren beide überglücklich und bis heute morgen habe ich mich sehr auf dieses Kind gefreut. Ohne viel über die Zukunft nachzudenken, kamen mir doch immer wieder Bilder und Vorstellungen in den Sinn, wie ich mit meinem Kind leben, was ich mit diesem Kind erleben und wie ich es durch die ersten Monate und Jahre des Lebens begleiten und aufwachsen sehen würde. Ich bin selbständig und arbeite zuhause und freute mich schon darauf, sehr viel Zeit mit meinem Kind zu verbringen.
In meinen Fantasien und Wünschen war dieses Kind immer ein Mädchen. Auch meine Frau wollte gerne eine Tochter haben, was ganz deutlich wurde, als wir vor wenigen Wochen zwei Listen mit den beliebtesten Vornamen für Jungen und für Mädchen sahen: unter den Mädchennamen waren ganz viele, die uns gefielen und mit denen wir positive Vorstellungen verbanden, von den Jungennamen interessierte uns aber nicht einer.
Wenn ich an die Tochter dachte, von der ich glaubte, dass ich sie haben würde, war ich von einem Gefühl tiefer Liebe und Zärtlichkeit erfüllt. Ich war neugierig auf sie und wollte sie kennenlernen.
Heute morgen - meine Frau ist in der 23. Woche - waren wir gemeinsam bei der monatlichen Untersuchung. Als der Arzt uns bei der Ultraschalluntersuchung fragte, ob wir wissen wollen, welches Geschlecht das Kind hat, sagten wir beide sofort ja. Ich wollte hören und war zuversichtlich, dass es ein Mädchen wird. Aber es ist ein Sohn. Unübersehbar und unzweifelhaft. Jeder Irrtum ist ausgeschlossen, selbst für mich als Laien waren die Bilder eindeutig.
Man ist ja gewohnt, seine Gefühle in der Öffentlichkeit unter Kontrolle zu halten und ein neutrales Äußeres zu wahren. Entsprechend dauerte es einige Stunden, bis der Schock bis zu mir durchdrang. Nachmittags ließ ich die Arbeit sein, setzte mich hin und heulte einige Stunden. Jetzt bin ich müde und leer.
Vielleicht werden nun einige das denken und hierherschreiben wollen, was man immer und von allen zu hören bekommt, und was doch so dumm und ignorant ist: Hauptsache das Kind ist gesund. Nein. Leider nicht.
Ich fühle mich, wie ich mich zuletzt nach dem Ende meiner letzten großen Beziehung gefühlt habe: zerstört. Nur mit der Gewissheit, dass es nicht wieder gut wird. Ich werde nicht über diese Frau hinwegkommen und eine andere, neue Liebe finden. Ich werde dieses Sohn bis ans Ende meines Lebens haben. Und ich weiß nicht, wie ich mich verwandeln und ihn lieben lernen kann. Wenn ich an ihn denke, wenn ich mir nun dieselben Situationen, von denen ich vorher mit meiner Tochter geträumt hatte, vorzustellen versuche, dann fühle ich nur Desinteresse und Distanz. Jungen und Männer interessieren mich einfach nicht. Und das ist der Kern des Problems:
Schon als Kind wollte ich immer eine Freundin haben, keinen Freund. Und, obwohl ich noch nichts von Sex wusste und keine im erwachsenen Sinne erotischen Absichten hatte, erinnere ich mich genau, wie ich im Sommer die Mädchen in Bikinis sah und sie berühren, ihre Haut anfassen und ihre Weichheit und Wärme spüren wollte.
Als Jugendlicher dann, depressiv und einsam, träumte ich mir eine Schwester oder stellte mir vor, selbst ein Mädchen zu sein.
Natürlich hatte und habe ich männliche Freunde, und wenn ich meine Umwelt betrachte, scheine ich eine recht normales und unproblematisches Verhältnis zu Frauen zu haben. Nur in meinem Inneren gibt es eine Leere, eine Sehnsucht, etwas das mir fehlt und das ich bei Frauen zu finden glaube. Natürlich finde ich es bei ihnen nicht, denn es ist ein Mangel an mir und in meiner Vergangenheit (die Schläge meiner Mutter, der passive und emotional abwesene Vater, die Kindheit und Jugend ohne Zärtlichkeit und Berührungen, eine auch in Gesprächen fehlende Intimität), und ich kann, was ich suche, nur in mir selbst entdecken. Dennoch ziehen mich Frauen und Mädchen jeden Alters an, während mich Männer, die ich nicht über ein gemeinsames Interesse langsam und mühevoll kennenlerne, absolut nicht ansprechen. Ich finde Männer unattraktiv und uninteressant, während ich mich in jede Frau und jedes Mädchen sofort verliebe. Und das meine ich so: verliebe.
Das Verhältnis zu meiner Tochter in meinen Gedanken war ohne Grenze. Und ich meine nicht, dass ich sie sexuell begehrt hätte, ich meine, dass ich in mir völlig offen für sie war. Männer dagegen stoßen mich körperlich ab. Ich möchte ihnen nicht nahekommen, und ich kann mir kaum vorstellen, meinen Sohn, wenn er geboren ist, zu streicheln oder im Arm zu halten. Der Gedanke, ihn zu wickeln und seinen Penis zu sehen oder zu berühren, ekelt mich beinahe an.
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Ich würde mich sehr freuen, wenn dies jemand liest, Mann oder Frau, der oder die eine ähnliche Erfahrung gemacht hat: ein Kind von einem Geschlecht zu bekommen, das er oder sie nicht will.
Ich weiß nicht, wie ich von hier weiter leben soll. Ich liebe meine Frau, und ich will ein Kind, aber ich will keinen Sohn. Ich wünsche mir so sehr eine Tochter. Und ich möchte, weil ich selbst als Kind so unglücklich war, meine Kind doch aber lieben. Mehr als ich selbst unglücklich bin, tut mir mein Sohn leid, der mit mir als Vater aufwachsen muß.
Wie kann ich ihn lieben?
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Nachtrag:
Vielen Dank für das Verständnis, das Mutmachen, die Ratschläge, das Entsetzen, die Wut, die Verachtung.
Besonders herzlichen Dank an Chrissi3 und katrin_b für die Erzählungen von Euren Erfahrungen. Katrin, deine Erfahrung macht mir Mut. Chrissi, deine Erlebnisse machen mich traurig und machen mir Angst. Wenn ich deinen Beitrag lese, denke ich: Dein Kind liebt dich. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke. Ich wünsche euch beiden jedenfalls alles Gute und Liebe. Vielen Dank.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 199
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02.02.2007, 19:19Inaktiver User
Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Geändert von Inaktiver User (04.02.2007 um 10:38 Uhr)
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02.02.2007, 19:51Inaktiver User
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Kjd... wie hast du dir das denn vorher gedacht? Wenn man ins Trainingslager geht, stehen die Chancen nun mal 50:50, dass es eins der beiden Geschlechter werden kann.
Ehrlich gesagt fällt es mir gerade ziemlich schwer, sowas wie Verständnis aufzubringen, mir klingt aus deinem Posting ein bisschen zu viel persönliche Bauchnabelkreiserei heraus.
Was jetzt? Zurückschicken könnt ihr das Kind nicht, du wirst es eben lernen, es anzunehmen, wie es ist. Jungen sind übrigens auch ganz reizende Kinder; ich habe einen Jungen und eine Tochter, und glaub mir mal: Es gab schon diverse Phasen, in denen ich dachte, lieber 4 Jungen als eine solche Zicke! Du glorifizierst das alles zu sehr; das Leben mit Kindern - und somit auch mit Mädchen - ist ziemlich aufregend, und nicht immer angenehm aufregend.
Zuza
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02.02.2007, 20:00Inaktiver User
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Hallo kj,
wenn ich nicht schon sitzen würde, müsste ich mich erst einmal hinsetzen. Bei deinem Beitrag musste ich ganz schön schlucken!
Wenn man Eltern wird, fragt man sich automatisch selbst, was man lieber hätte, Sohn oder Tochter.
Aber man wird nicht gefragt, man muss nehmen, wie´s kommt.
Und die Elternliebe ist Gott sei Dank normalerweise nicht davon abhängig, welches Geschlecht das Kind hat. Es ergibt sich im Laufe der Zeit automatisch.
Was mir bei deinem Beitrag aufgefallen ist, dass du deine Zuneigung ganz allgemein nur Personen weiblichen Geschlechts zukommen lässt. Wieso ist das so?
Ich denke, du brauchst dir keine Sorgen machen. Du wirst dein Kind lieben, dafür hat die Natur gesorgt.
Ich sage dir das, weil ich selbst mein Kind - aus Gründen, die ganz anders geartet sind - zunächst gar nicht so lieben konnte, wie man es normalerweise erwartet . Aber auch bei mir hat sich alles zum Guten gewendet, ich liebe meinen Sohn über alles.
Vielleicht hilft es dir, einmal ein psychologische Beratungsstelle aufzusuchen. In deinem Posting konnte man schon viele Ängste erkennen.
Dennoch, sei zuversichtlich. Du wirst gar nicht anders können, als dein Kind zu lieben..
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02.02.2007, 20:17Inaktiver User
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Vielleicht solltest Du Dir überlegen eine Therapie zu machen.
Ich halte das für richtig, wenn ich dieses Posting lese.
und würde dem Kind, Deiner Frau und Dir wünschen, dass Du das tust.
Nein, Du solltest nicht einfach glauben, dass Du das Kind einfach so lieben wirst..
Du äußerst erschreckendes..weit mehr als ein Wunsch nach einer Tochter ..nein, eine tiefliegende Abneigung gegen männliche Wesen..und eine sehr seltsam ungesunde überhöhte Sicht auf weibliche Wesen..
Auch wenn Dein Kind ein Mädchen wäre, würde ich Dir zu einer Therapie raten.
Elternsein bedeutet eine große Herausforderung und Verantwortung. Auch die Verantwortung , die eigenen Kinder nicht mit eigenem kruden Unverarbeitetem zu irritieren..
Kinder brauchen bedingungslose Liebe und das Angenommenwerden als ganze Person.
Da Du massive Zweifel daran hast, Deinem Kind das geben zu können : bitte hole Dir professionelle Hilfe !
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02.02.2007, 20:30
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
ich bin zutiefst erschrocken, als ich deinen beitrag gelesen habe. zwar kann ich verstehen, dass man geschlechtspräferenzen in der schwangerschaft hat (auch ich hatte die), doch deine worte gehen tiefer.
von daher denke auch ich, dass du dir professionelle hilfe suchen sollst.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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02.02.2007, 20:34Inaktiver User
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Ist das denn überhaupt ernst gemeint? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei einem Ultraschallbild solche Gedanken hat. Sollte es doch ernst gemeint sein, dann würde ich auch dringend zu einer Therapie raten.
Zitat von xanidae
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02.02.2007, 20:36
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Mir geht's wie dir Herbstfrau, war erst mal paff.
Kj du willst uns doch veräppeln oder? Du bist ein erwachsener, denkfähiger? Mensch u. glaubst, nur weil es dein Wunschdenken ist, haut es auch gleich so hin mit dem Mädchen-Babywunsch?
Ganz ehrlich, hättest mal lieber ganz drauf verzichtet. Wer weiß, was das Mädel, wärs eins geworden, alles mit dir/euch hätte mitmachen müssen.
Hat deine Frau 'das' etwa gewußt? Wie hat sie es aufgenommen, dass du dich so offensichtlich 'enttäuscht' vom gemeinsamen Sohn gezeigt hast?
Ich würde dich in die Wüste schicken.
So ein unrealistisches u. unsinniges Vater-Denken geht auf keine Kuhhaut.
Wenn die Geschichte wahr ist dann lass dir helfen, deinem 'unerwünschten' Sohn zuliebe. Irgendwas liegt da schwer im argen.
Komm mal wieder zurück auf die Erde.Gruß - Pummel
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Wenn Schwimmen schlank macht, was machen Wale falsch????
Wer mit den Menschen auskommen will, darf nicht zu genau hinsehen.
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02.02.2007, 20:48
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Hallo kj,
erstmal danke für das Vertrauen, das du uns hier entgegenbringst.
So perönliche Empfindungen zu schildern, ist sicher nicht einfach.
Respekt dafür, das du deine Gefühle mal artikuliert hast.
Meine Vorschreiber/innen haben schon empfohlen, einen Therapeuten hinzuzuziehen.
Das fänd ich auch eine gute Sache.
Ich dachte eben auch, das diese Situation für dich eine Chance bergen könnte.
Du hast ein Problem mit Männern (obwohl du mit Frauen so schlechte Erfahrungen gemacht hast? Oder weil du als Junge Ablehnung erfahren hast?
JETZT ist die Zeit, dorthin zu schauen. Auf dich. Auf die anderen Männer und Jungen.
Tu´s, ich wünsche dir dabei alles gute!
Kaffeesahne
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02.02.2007, 20:58
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Nun - ohne es genauer zu analysieren: wir konnten uns auch nur eine Tochter vorstellen; mit der "diagnose" sohn hatten wir zunächst auch probleme. Aber immerhin war da noch die Rest-Schwangerschaft, um sich daran zu gewöhnen. Als "er" dann da war, war überhaupt kein Gedanke mehr an ein Mädchen. Erst später wieder, ab Kindergarten, als wir tagtäglich dem Schicksal dankten, keins von diesen zickigen "weibern" (
'tschuldigung an alle Mädchen-Mütter!) zu haben. Wir sind total glücklich mit unserem Sohn !
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02.02.2007, 20:58
AW: Schock: Ich will keinen Sohn, bekomme aber einen ...
Ich habe jetzt nur den ersten Beitrag gelesen
Es erinnert mich an das Buch von Verity Bargate:
Nein Mama nein
Eines meiner Lieblingsbücher.
Zum Inhalt:
Ein junges Ehepaar, er Journalist in London, sie bekommt gerade
das zweite Baby, zwei Jungs, in der Entbindungsklinik....
Sie wünscht sich nur Mädchen.
Ihre Jungs sind so hübsch wie Mädchen und sie besucht irgendwann
regelmässig eine Freundin und muss mit dem Zug fahren, sie
verkleidet dort ihre Jungs als Mädchen, wunderhübsch, auf der Rückfahrt nach London wird im Zugklo alles wieder rückgängig gemacht....
Irgendwann kommt alles raus und es wird dafür gesorgt, dass sie
in die Psychatrie kommt, aber......
es gibt Menschen, die sie verstehen....
Ich habe das Buch 1980 gelesen, 81 kam mein erster Sohn zur Welt, dann der zweite Sohn, dann zwei Mädchen...usw.
Es ist eines meiner Lieblingsbücher und ich habe es 5 mal gekauft und verliehen und nie wieder zurückbekommen, es war das meist gelesene meiner Bücher von anderen. Habe es dann übers Internet gebraucht wieder bekommen.
Die Hauptfigur in dem Buch von Verity Bargate wollte auch nur eine Tochter, keinen Sohn und hatte wie gesagt zwei Söhne...
Mein zweiter Mann wollte einen Sohn und hat vier Töchter.
Tochter Nummer vier hat er während der Schwangerschaft nicht gewollt, nie danach gefragt.... Die Schwangerschaft fast ignoriert.
Als sie geboren wurde, war sie sein liebstes Kind. Sie ist das Wichtigste in seinem Leben geworden....


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