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  1. Inaktiver User

    Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Hallo zusammen,

    ich mache mir momentan (zum ersten Mal in meinem Leben) sehr viele Gedanken zum Thema "Kinder - ja oder nein?" und möchte sie gerne mit euch teilen in der Hoffnung auf interessante Denkanstöße eurerseits.

    Zu meiner Situation: Ich bin 34 Jahre alt und befinde mich seit inzwischen 2,5 Jahren in einer wundervollen Partnerschaft mit meinem absoluten Traummann (36). Es ist wirklich mit Abstand die schönste Beziehung, die ich je hatte und wir sind immer noch schwer verliebt ineinander. Ich bin mir absolut sicher, dass er der Richtige für mich ist.
    Berufliche Situation: Nachdem ich recht spät noch mein Abi an einem Kolleg nachgeholt habe, befinde ich mich jetzt auf der Zielgeraden meines Studiums (noch ein Jahr).
    Ich habe in meinem bisherigen Leben ehrlich gesagt noch nie wirklich intensiv über eigene Kinder nachgedacht. Es war immer so ein "Weiß noch nicht - vielleicht später mal". Ich mag Kinder sehr gerne und liebe es, die Welt durch ihre Augen zu sehen und mit ihnen neues zu entdecken (ich bin zweifache Tante und mein Freund ist vierfacher Onkel). Aber eigene Kinder waren etwas, das mir immer sehr weit weg erschien.
    Warum sich das nun plötzlich geändert hat: Mein Ex-Freund (also vor meiner jetzigen Partnerschaft), mit dem ich fast fünf Jahre zusammen war und der sich schon während unserer Beziehung immer gewünscht hat, bald Vater zu werden (daran sind wir aber nicht gescheitert), ist inzwischen mit einer ehemals sehr guten Freundin von mir zusammen und nach 1,5 Jahren Beziehung ist sie nun schwanger und die beiden haben geheiratet. Das hat mich sehr überrascht, da sie bisher noch nie eine längere Partnerschaft hatte und immer ausgiebig auf der Affären/ONS-Schiene unterwegs war. Das Thema Kinderwunsch war während unserer Freundschaft auch nie Thema bei uns.
    Jedenfalls hat diese Sache mich dazu bewogen, erstmals ernsthaft und ausführlich über meinen eigenen Kinderwunsch nachzudenken. Plötzlich fiel mir auf, dass ich mit 34 ja auch nicht mehr die Jüngste bin und auch bei mir die biologische Uhr tickt (die ich allerdings vorher noch nie vernommen habe).
    Einerseits hätte ich schon gerne eigene Kinder. Wie gesagt, ich finde Kinder toll und stelle es mir wunderschön vor, ihnen beim Aufwachsen zuzusehen, sie zu unterstützen und ihnen das zu geben, was mir selbst als Kind leider fehlte.

    Allerdings habe ich sehr große Ängste:
    1. Der Haupt-Hinderungsgrund ist wohl meine eigene Kindheit, die sehr schwierig und unschön war. Bei mir war es so, dass ich lange Jahre meines jungen Erwachsenenlebens unter den Folgen meiner Kindheit gelitten habe. Ich hatte Depressionen, eine Angststörung mit Panikattacken und war magersüchtig, machte mehrere Therapien inklusive Klinikaufenthalten und nahm Psychopharmaka. Es war harte Arbeit, bis ich überhaupt "lebensfähig" war. Ich hätte gigantische Angst davor, meine eigenen Kinder auch so zu "verhunzen" und ihnen den Start ins Leben so unfassbar schwer zu machen, was sie mir dann verständlicherweise auch ziemlich übel nehmen würden.
    2. Der zweite Punkt gehört auch noch zum Kindheitsthema: Ich habe früh in meinem Leben Verantwortung für meine psychisch kranke und alkoholabhängige Mutter übernommen und mich erst mit Mitte zwanzig einigermaßen davon freimachen können. Ich weiß nicht, ob ich es ertragen könnte, wieder verantwortlich für einen Menschen zu sein und meine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Das habe ich ja schon die längste Zeit meines Lebens getan.
    3. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Zeit für sich alleine braucht. Ich kann meine Akkus nur im völligen Rückzug (auch vor meinem Freund) aufladen. Mit Kindern ist das schwierig.
    4. Die Beziehung mit meinem Freund ist wie gesagt perfekt und ich hätte Angst davor, dass die Zweisamkeit mit Kindern leidet (was natürlich erstmal der Fall wäre) und dass das langfristigen Schaden anrichten könnte.
    5. Dazu passt gleich der nächste Punkt: Alleinerziehend zu sein wäre für mich der allergrößte Albtraum!
    6. Meine Magersucht ist zwar inzwischen glücklicherweise kein Thema mehr (habe Normalgewicht und esse auch normal), aber ich hätte schon Angst, dass die körperlichen Veränderungen einer Schwangerschaft mir sehr schwer zu schaffen machen würden und ich wieder in "alte Gewohnheiten" rutschen könnte.
    6. Ich stecke wie gesagt momentan noch im Studium und müsste anschließend natürlich erstmal einen Job finden und einige Zeit arbeiten bevor ich schwanger werde. Dabei werde ich allerdings nunmal auch nicht jünger.

    Mein Freund meint übrigens, dass er schon gerne Kinder hätte aber nicht sofort, weil er erst noch die Zweisamkeit mit mir genießen möchte (und Reisen, Ausgehen, Spontanität etc.). Außerdem hat er selbst eine recht "alte" Mutter. Von ihm kommt also kein Druck.

    Mich interessiert nun, ob euch zu meinem ellenlangen Geschreibsel irgendwas einfällt? Habt ihr Gedanken zu meiner speziellen Situation? Oder geht es euch ähnlich wie mir? Oder ging es euch einmal ähnlich und dann seid ihr trotzdem schwanger geworden? Ich freue mich sehr über jeglichen Input!

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    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Ich stimme in allen Punkten ( außer den letzten beiden) die dich zweifeln lassen mit dir überein.
    Verstehe deine Gedanken und habe mich deshalb auch noch nicht dazu durchgerungen, das Thema dem Schicksal zu überlassen.
    Ich habe Angst, dass sich das mit 49,5 Jahren ändert und ich dann wieder in eine Krise falle wie Anfang der 20iger.
    Aus jetziger Sicht aber, wiegen die Punkte dagegen für mich schwerer.
    Ich kann dir da keinen guten Tip geben. Vielleicht sind Kindheiten wirklich entscheidend für das Thema Familiengründung. Einige mit "Vergangenheit" bekommen extra früh mehrere Kinder um es "besser" zu machen und sich den Wunsch nach heiler Familie zu erfüllen und andere verweigern erneute Verantwortungsübernahme (welche man als Kind viel zu früh aufgedrückt bekam) völlig.

    Ich bin mir allerdings sicher, dass wir "Kindheitstraumatiker" mit süchtigen oder kranken Eltern und dem Wissen darüber, bestimmt gute Eltern sein können. Man muss nur wissen, ob man sich selbst schon wieder in die Verantwortung begeben möchte. Schließlich haben wir 20 Jahre lang bereits unsere "großen Elternkinder" versorgt.

    Ich wünsche dir, dass du deinem Herzen folgen kannst.

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    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Liebe Sashinka,

    du hast ja wirklich eine Menge rationaler Gründe, die gegen Kinder sprechen oder die Entscheidung schwer machen. Bei mir war es ähnlich - meine Biografie ist etwas anderes, aber ich hatte teilweise ähnliche Ängste und Herausforderungen.

    Letzten Endes habe ich einfach mal weitergedacht und mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mein ganzes Leben ohne Familie zu leben. Und das konnte ich nicht. Ich bin daraufhin einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe inzwischen, zehn Jahre später, zwei Kinder und bin sooo froh, dass ich sie habe (auch wenn es nicht immer einfach ist und die letzten Jahre aus verschiedenen Gründen superhart waren).

    Für mich war die Entscheidung für Kinder letzten Endes die Entscheidung, ganz viel Liebe und Fürsorge, Verantwortung und Nähe in mein Leben zu lassen. Und das fühlt sich für mich sehr gut an. Kann sein, dass du das mit deiner Geschichte eher als bedrückend empfindest, aber vielleicht schaffst du es ja zu differenzieren: Das, wovon du als Kind überfordert warst, kann dich als Erwachsene heute dennoch bereichern, weil es da einfach am richtigen Platz ist und zum richtigen Zeitpunkt.

    Alles Gute für Dich
    Pola

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    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe früh in meinem Leben Verantwortung für meine psychisch kranke und alkoholabhängige Mutter übernommen
    ..... Ich weiß nicht, ob ich es ertragen könnte, wieder verantwortlich für einen Menschen zu sein und meine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
    Ich greife jetzt nur mal diesen einen Punkt heraus, wenn ich darf:

    Die Verantwortung, die sich für Dich aufgrund einer Rollenumkehr ergeben hat,
    ist eine ganz andere als die, welche man für das eigene Kind hat. Es fühlt sich,
    schon aufgrund der freiwillig getroffenen Entscheidung, auch ganz anders an
    und ist nicht zu vergleichen.

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    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Kann man dabei von freiwillig getroffener Entscheidung sprechen, wenn man doch gar nicht weiß, was auf einen zu kommt?
    Man kann sich nur dafür entscheiden, sich auf 3482 Unbekannte einzulassen☺

    Wenns am Ende dann doch blöd ist, kann mans nicht mehr ändern.
    Gibt nix unplanbareres als Kinder.
    Man sollte davon wirklich überzeugt sein. Irgendwie und larifari großwerden ist nämlich nicht so schön.

  6. Inaktiver User

    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Zitat Zitat von Graice Beitrag anzeigen
    Ich bin mir allerdings sicher, dass wir "Kindheitstraumatiker" mit süchtigen oder kranken Eltern und dem Wissen darüber, bestimmt gute Eltern sein können. Man muss nur wissen, ob man sich selbst schon wieder in die Verantwortung begeben möchte. Schließlich haben wir 20 Jahre lang bereits unsere "großen Elternkinder" versorgt.
    Ich denke auch, dass ich eigentlich bereits Profi im Verantwortung übernehmen und "mich um andere kümmern" bin, das würde für mich sicher nicht das Problem darstellen. Aber was du schreibst trifft es 100%ig: Bin ich denn schon wieder bereit für sowas? Schließlich ist diese riesige Last (zumindest größtenteils) erst vor kurzem von mir abgefallen und ich muss sagen, dass ich mein Leben ohne sie sehr genieße, diese "neue Freiheit" fühlt sich nach wie vor wunderbar an.

    Zitat Zitat von Pola
    Letzten Endes habe ich einfach mal weitergedacht und mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mein ganzes Leben ohne Familie zu leben. Und das konnte ich nicht.
    Das kann ich total gut nachvollziehen. Ich habe darüber auch schon nachgedacht und muss sagen, dass ich es ähnlich empfinde wie du. Im Moment spielen all diese Dinge für mich noch eine große Rolle aber wer weiß, wie es in zehn, zwanzig Jahren ist? Und dann ist der Zug auf jeden Fall abgefahren und ich bereue vielleicht, auf meine Ängste und Zweifel gehört zu haben.

    Zitat Zitat von Graice
    Wenns am Ende dann doch blöd ist, kann mans nicht mehr ändern.
    Gibt nix unplanbareres als Kinder.
    So sehe ich das auch, deshalb habe ich ja all diese Zweifel.

    Mein Freund ist übrigens felsenfest davon überzeugt, dass ich eine 1A-Mutter abgeben würde. Er meint, dass ich schließlich am besten wüsste, was Kinder wirklich brauchen. All das, was mir früher gefehlt hat.

  7. User Info Menu

    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Hihi das mit der 1A Mutti hab ich auch schon gehört. Allerdings setzt mich das, nach anfänglich verflogenem geschmeichelt fühlen, eher unter Druck.
    Eben weil man weiß, was auch alles schief laufen kann und was das für Folgen hat.
    Wünschte mir mehr Leichtigkeit und Vertrauen in das Gute dabei.
    Solltest du dich dafür entscheiden, würd ich mich freuen, wenn du mir sagst was zum Geier du genommen hast :))

  8. Inaktiver User

    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Zitat Zitat von Graice Beitrag anzeigen
    Eben weil man weiß, was auch alles schief laufen kann und was das für Folgen hat.
    Wünschte mir mehr Leichtigkeit und Vertrauen in das Gute dabei.
    Oh ja! Ich beobachte das immer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Da läuft das so: Wir wollen Kinder, der Zeitpunkt ist günstig, Zack - schwanger. Ohne darüber nachzudenken, auf welche tausendfach verschiedenen Arten man das Kind psychisch und emotional schädigen könnte und dass es als Teenager vielleicht in der Klapsmühle landet - dank dir.
    Ich beneide diese Leute total!

    Zitat Zitat von Graice Beitrag anzeigen
    Solltest du dich dafür entscheiden, würd ich mich freuen, wenn du mir sagst was zum Geier du genommen hast :))
    Wie meinst du das? Stehe anscheinend gerade auf dem Schlauch.

  9. User Info Menu

    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Das war aufs Kinderbekommen bezogen. Falls du dich dafür entscheidest, sag mir welche Pillen du eingeworfen hast, die das Hirn ausschalten :D

    Jep um mich rum bekommen auch ständig Leute Kinder bei denen ich mir denke OMG ! Die haben oftmals schlechtere Voraussetzungen als ich. Haben keinen guten Job, oder die Beziehung ist erst ein halbes Jahr alt oder von vorneherein zum scheitern verurteilt, sie sind selbsr psychisch belastet oder oder oder.
    Dennoch freuen sich viele wie ein Schnitzel auf ihren Nachwuchs.
    Leider sehe ich dann die Frauen oft frustiert nach 1 Jahr aus der Elternzeit zurückkehren weil es finanziell zu eng ist, der Superpapi sich als zweites Kind entpuppte und die Großeltern sich ständig einmischen.
    Ich bin dann immer froh DIESE Probleme nicht zu haben. Allein der Gedanke daran täglich von der Arbeit in die Kita zu hetzen um pünktlich zu den Schließzeiten um 13 Uhr da zu sein (man will den Nachwuchs ja nicht in die Ganztagsgruppe geben - da wäre man eine Rabenmutter) macht mir Stress.
    Was ist wenn es krank ist? Habe keine Großeltern die einspringen und auch sonst keine Nanny.
    Kinder sind oft krank..... und wohin in 13 Wochen Ferien im Jahr?!?!
    Ach es gibt so viele Dinge die mich abschrecken. ..... vielleicht sollten lieber die Pro-Kids-mädels dazu was sagen ^^

  10. User Info Menu

    AW: Ambivalente Gedanken zum Thema Kinderwunsch

    Liebe Sashinka,

    Ich finde es unfassbar bewundernswert wie du dich mit deinem eventuellen Kinderwunsch auseinandersetzt. Deine Überlegungen und auch deine Sorgen machen für mich beim Lesen viel Sinn. Ich glaube es wäre wichtig die Ernst zu nehmen und nicht mit einem "Ach, wenn das Kind dann da ist wird alles super!" wegzuwischen.

    Gleichzeitig möchte ich dir mit meiner eigenen Geschichte etwas Mut machen: Meine Mutter hatte eine ähnliche Kindheit wie du sie beschreibst. Sie hat sich dafür entschieden es anders zu machen und war die wundervollste Mutter die ich und meine Geschwister sich hätten wünschen können.

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