Liebe Forum-Benutzerinnen,
vielleicht finde ich hier, in der Anonymität des Forums, ein wenig Hilfe zur wahrscheinlich schwierigsten Entscheidung meines Lebens.
Ich bin schwanger, und zwar ungewollt. Es passierte aus Nachlässigkeit, d. h. ich/wir haben an den entscheidenden Tagen nicht verhütet. Einmal nicht aufgepasst und schon schwanger - wenn ich an all die armen Frauen denke, die gerne Kinder hätten und bei ihnen klappt es nicht!
Ich bin 40 und seit 2einhalb Jahren mit dem Vater des Kindes liiert. Wir führen eine Wochenendbeziehung. Wir sind beide recht unabhängig und selbstständig (ich auch beruflich) und wir kommen im Moment noch ganz gut mit der Wochenendsituation klar - er noch mehr als ich. Er hat aus einer früheren Ehe eine 8jährige Tochter, die er zwar damals auch nicht wollte, sich aber hat aufschwatzen lassen. Zum Glück liebt er sie trotzdem und hat viel Kontakt zu ihr. Ich liebe sie auch und wir kommen wunderbar miteinander klar. Er hat aber auch immer gesagt, dass er kein weiteres Kind will und da waren wir uns gaaaaaanz einig.
Nun bin ich also schwanger und er trägt natürlich ein bisschen Mitschuld. Nichtsdestotrotz hat er mir gesagt, dass er das Kind nicht will. Nun stehe ich vor der Entscheidung: entweder das Kind oder die Beziehung.
Ich möchte das Kind nicht wirklich, es passt nicht so richtig in mein Leben, aber natürlich frage ich mich, ob ich das Recht habe, es so einfach abzutreiben. Ich bin selbstständig und habe keine Ahnung, wie ich das finanziell schaffen sollte und viele Pläne, vor allem beruflicher Art, müsste ich auf Eis legen, was mir sehr Leid täte.
Als ich Anfang 30 war, habe ich mir Kinder gewünscht, aber mein damaliger Freund wollte nicht. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass das Schicksal das für mich nicht vorgesehen hat und habe mir mein Leben wunderbar ohne Kinder eingerichtet und bin glücklich damit. Manchmal habe ich mich zwar gefragt, ob ich mir das nur schön rede, aber ich sage euch, als ich den positiven Schwangerschaftstest vor mir sah, wurde mir klar, dass ich tatsächlich kein Kind mehr will!
Es ist so schwierig. Niemand kann einem etwas raten. Derzeit ist mein Freund ohnehin der einzige, der es weiß und der hat sich ja aus der Nummer verabschiedet. Er kann mir nichts raten. Er möchte mich nicht verlieren, hat er gesagt, aber er kann mir die Entscheidung nicht abnehmen. Zu meinen Eltern habe ich ein sehr gutes Verhältnis, aber da ich weiß, dass sie sich bestimmt über ein Enkelkind freuen würden (ich habe keine Geschwister), mag ich ihnen das gar nicht erzählen, so lange das Thema Abtreibung noch im Raum steht. Will sagen, sie wären wohl auch nicht neutral und eine Abtreibung würden sie sicher akzeptieren, aber sich nicht wünschen.
Ich habe im Internet geforscht, aber es gibt zum Thema Abtreibung keine wirklich neutrale Auseinandersetzung. Das Internet ist voll mit Seiten, die die schrecklichen psychischen Konsequenzen einer Abtreibung darstellen. Selbst die Seiten, die von sich behaupten, nicht bewerten zu wollen, hinterlassen nach dem Studium den Nachgeschmack, etwas ganz schlimmes zu tun, wenn man nur an Abtreibung denkt.
Ich bin nicht religiös und so motivierte Argumente kann ich nicht akzeptieren. Aber natürlich habe ich eine Moral und - es muss an den Hormonen liegen - hege gewisse Gefühle für die Olive in meinem Bauch. Zumindest zweifle ich mein Recht an, "einfach so" über dieses Leben zu richten. Wenn ich mich für das Kind entscheide, ich es nicht verliere und es gesund ist (in meinem Alter ist es schließlich eine Risiko-Schwangerschaft), würde es sicher von mir auch geliebt. Es besteht also nicht die Gefahr, dass ein Kind auf die Welt kommt, das gehasst und vernachlässigt würde.
Ich befinde mich in der Phase der Schwangerschaft, in denen die meisten Fehlgeburten stattfinden. Ich gebe zu, dass ich sehr darauf hoffe, dass sich mein Problem auf diese Weise natürlich regelt, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Also muss ich vorsorgen und eine Entscheidung treffen.
Wer bis hierher gelesen hat - vielen Dank für deine Aufmerksamkeit! Vielleicht bekomme ich hier den einen oder anderen Tipp, wie ich mein Problem lösen kann. Vielleicht treffe ich hier auf Frauen, die etwas ähnliches druchgemacht haben (ein Abtreibungsforum habe ich NATÜRLICH nicht gefunden), es mir nachfühlen können oder irgendwelche Ideen haben. Im Moment bewege ich mich im Kreis und manchmal bedarf es eines neutralen Inputs von außen, um weiterzukommen.
Vielen Dank!
Die Sonnenanbeterin
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 331
Thema: Abteibung - ja oder nein?
-
23.01.2007, 12:35
Abteibung - ja oder nein?
-
23.01.2007, 12:42
AW: Abteibung - ja oder nein?
Liebe Sonnenanbeterin,
als strikte Abtreibungsgegnerin kann ich Dir eigentlich keinen Rat geben. Ich gebe aber zu bedenken, dass ein Mann, der mich in solch einer Situation im Stich ließe, sowieso nicht der Richtige für mich wäre - unabhängig davon, wie Du Dich letztlich entscheidest.
Du schreibst, dass Du das Kind "nicht wirklich" willst. Das hört sich in meinen Ohren aber nicht wie ein "ich will das Kind nicht" an. Was sagt Dir denn Dein Gefühl, losgelöst von deiner Beziehung (falls Du das überhaupt sagen kannst)?
Hättest Du, wenn Du das Kind bekommen würdest, Hilfen? Deine Eltern, gute Freunde?
Ich wünsche Dir alles Gute!
TabeaBis auf Weiteres a.D.
-
23.01.2007, 12:51Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
a) ein bischen Mitschuld? ........*räusper* ........nur ein bischen........das kann man aber heiss diskutieren!Nun bin ich also schwanger und er trägt natürlich ein bisschen Mitschuld. Nichtsdestotrotz hat er mir gesagt, dass er das Kind nicht will. Nun stehe ich vor der Entscheidung: entweder das Kind oder die Beziehung.
b) Kind oder Beziehung?
Erpresst er Dich?
Dann solltest Du Dich unabhängig von der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung von ihm trennen.
Ja, das Recht hast Du!Ich möchte das Kind nicht wirklich, es passt nicht so richtig in mein Leben, aber natürlich frage ich mich, ob ich das Recht habe, es so einfach abzutreiben.
-
23.01.2007, 12:51
AW: Abteibung - ja oder nein?
Hallo Sonnenanbeterin,
ich bin zwar keine Abtreibungsgegnerin, kann dir aber leider auch keinen wirklichen Rat geben, weil ich mich in deiner Situation nicht befinde. Ich kann mir kein Urteil über deine Beziehung, deine berufliche Situation und deine Zukunftspläne erlauben, weil ich dich und dein Leben nicht kenne.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Entscheidung nicht einfach ist.
Warst du schon bei ProFamilia? Haben die Leute dort dir eine Entscheidungshilfe geben können?
Was klügeres fällt mir leider auch nicht ein, ich gebe aber zu bedenken, dass du schnell sein musst, wenn du das Kind nicht möchtest (12 Wochen Frist in Deutschland).
Ich wünsche dir, dass du die für dich richtige Entscheidung triffst.
Alles Gute.
parfum
-
23.01.2007, 13:28Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
Hallo Sonnenanbeterin, wirklich eine ganz schwierige Situation in der du dich da befindest. Und es kaum möglich dir einen Rat zu geben. Aber eine Sache ist mir sofort beim Lesen deiner Zeilen eingefallen und das möchte ich doch an dich weitergeben, vielleicht hilft es dir ein bisschen bei deiner Entscheidung.
Wenn du dein Kind bekommst, wirst du ganz oft denken: Wie gut, dass ich dich nicht abgetrieben habe, sondern mich für dich entschieden habe.
Solltest du dich allerdings für die Abtreibung entscheiden, wirst du ganz sicher sehr oft denken: Schade, dass ich mich damals nicht für das Kind entschieden habe.
Ich denke, alle anderen Probleme wie deine Berufstätigkeit, oder die Beziehung zu deinem Partner sind mit Sicherheit zu lösen. Wenn du schreibst, dass deine Eltern sich über ein Enkelkind sehr freuen würden, wären sie vielleicht ja auch bereit, sich zeitweise um dein Baby zu kümmern !?!
Und dein Partner wird vielleicht hin und weg sein, wenn er euer Baby das erstemal im Arm hat (kinderlieb ist er ja)
Wie auch immer du dich entscheidest, alles Gute für dich.
-
23.01.2007, 13:32Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
Ich kann es dir nachfühlen.
Was überwiegt bei dir im Moment? Gefühle positiver oder negativer Art?
Könntest du dir eine Betreuung z.B. durch die Großeltern vorstellen?
Aber wenn ich dein Posting durchlese, eigentlich würde ich dir gerne zuraten (zur Abtreibung), völlig wertneutral selbstverständlich.
Man sollte auch dem ersten Impuls folgen, grad in dieser Situation. Klingt zwar blöd, aber nach meiner Erfahrung ....
Den jungen Mann allerdings würd ich so und so in die Wüste schicken.
Wenn du dein Kind bekommst, wirst du ganz oft denken: Wie gut, dass ich dich nicht abgetrieben habe, sondern mich für dich entschieden habe, oder auch zweifeln: war es wirklich die richtige Entscheidung?
Solltest du dich allerdings für die Abtreibung entscheiden, wirst du ganz sicher sehr oft denken: Schade, dass ich mich damals nicht für das Kind entschieden habe oder auch: es war völlig richtig, dass ich mich gegen das Kind entschieden habe und ich würde es jederzeit wieder tun
-
23.01.2007, 13:35Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
So viele "wenns" - was ist wenn´s nicht gesund ist?Wenn ich mich für das Kind entscheide, ich es nicht verliere und es gesund ist (in meinem Alter ist es schließlich eine Risiko-Schwangerschaft), würde es sicher von mir auch geliebt. Es besteht also nicht die Gefahr, dass ein Kind auf die Welt kommt, das gehasst und vernachlässigt würde.
Wird die Entscheidung dann leichter?
-
23.01.2007, 13:36Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
Möglicherweise. Auch das könnte ich verstehen.
-
23.01.2007, 13:40Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
Für mich wäre es angesichts der gesamten Umstände:
Zitat von Inaktiver User
*Paarbeziehung ungewiss
*Berufliche Situation /Entwicklung unabschätzbar
ein wirklich entscheidender Aspekt.
Braucht ein Kind deutlich mehr persönliche Betreuung/Zuwendung aufgrund einer Behinderung und ist dann kein Vater anwesend (Sackgesicht) und die wirtschaftliche Situation wird eng.............*puhhhhhhhhhhhh*.........
-
23.01.2007, 13:51Inaktiver User
AW: Abteibung - ja oder nein?
Es gibt auch ne Menge Frauen, die nach einer Abtreibung sehr,sehr erleichtert über ihre Entscheidung sind und es auch ihr Leben lang bleiben. Eben weil diese Entscheidung gegen ein Kind für sie persönlich die richtige war.
Zitat von Inaktiver User
Nicht jede Frau schleppt nach einem Abruch lebenslang ein schlechtes Gewissen mit sich herum und macht sich bis in alle Ewigkeit Selbstvorwürfe. Es gibt Frauen, die mit einem Abbruch besser leben können als mit einem Kind, das sie eigentlich nie wollten. Denn darunter leidet vor allem das Kind!
Diese Denke halte ich für naiv und unrealistisch. Sonnenanbeterins Partner hat sich klar und deutlich GEGEN ein weiteres Kind ausgesprochen. Nun darauf zu hoffen, dass er angesichts eines Babys zum hingebungsvollen Superdaddy mutiert, halte ich für fragwürdig. Auf solche Wunschvorstellungen würde ich in sonnenanbeterins Situation nicht setzen.
Zitat von Inaktiver User
@sonnenanbeterin
Wie alle anderen hier kann auch ich Dir keinen eindeutigen Ratschlag geben. Höre auf Dein Gefühl. Überleg Dir, ob Du Dir ein Leben als alleinerziehende Mutter vorstellen kannst. Siehts Du dich in diesem Leben, kannst du dir vorstellen, in dieser Rolle glücklich zu werden und damit auch dem Kind ein schönes, liebevolles Leben ermöglichen?
Ich halte in solchen Situationen wenig von der "Ach, das wird schon alles werden, wenn ich nur erst mein Baby in den Armen halte"-Einstellung. Das mag für Menschen zutreffen, die grundsätzlich einen tiefen, unbeirrbaren und sehnlichen Kinderwunsch haben. Das scheint bei Dir, zumindest klingt es Deinem Posting so an, nicht in diesem Maße der Fall zu sein.
Ich wünsche dir einen klaren Kopf und eine Entscheidung, mit der Du leben kannst.
Viele Grüße, SpellboundGeändert von Inaktiver User (23.01.2007 um 13:57 Uhr)


Zitieren
