Hallo,
hier ist eine, die mit dem Zustand sehr zufrieden ist.
Ich wollte eigentlich nie Kinder, aber als ich dann mit 29 verheiratet war, wollten wir natürlich Kinder, für mich hat das aus gesellschaftlichen Gründen dazugehört, aber es hat jahrelang nicht geklappt. Bei einer Untersuchung kam dann raus, dass er zeugungsunfähig ist. Für mich war das kein größeres Problem, aber er war am Boden zerstört, denn er wollte unbedingt Kinder. Wir haben uns aus anderen Gründen getrennt und seit 6 Jahren habe ich einen neuen Partner, wir haben uns getroffen, als ich 34 war. Er wollte auch Kinder, wir haben noch nie verhütet, aber erneut die gleiche Diagnose. Im Gegensatz zu meinem Exmann kann er aber die Diagnose ertragen und nimmt es als gegeben hin. Eine künstliche Befruchtung lehnen wir beide nach ein paar Besuchen in einer Kinderwunschklinik ab. Wir wollen auch kein Kind aus dem Ausland und das aus ethischen Gründen. Natürlich hätten wir uns beide dann gefreut, wenn es geklappt hätte, wir wären vor Begeisterung wahrscheinlich ausgeflippt, aber wir beide können biologische Grenzen akzeptieren.
Und so leben wir ganz glücklich dahin, innerlich ist bei mir nur große Erleichterung und Freude zu spüren (jaja, ich werde dann mal ganz alleine im Altersheim vor mich hinsabbeln und ich habe keine neuen Steuerzahler produziert... so what?) und ich freue mich herzlich über jeden, der einen Kinderwunsch hat und sich diesen erfüllen kann. Es gibt ganz tolle Mütter, die ich bewundere und die Job und Erziehung problemlos wuppen. Das sind auch die, die einem nicht den ganzen Tag die Ohren vollsäuseln, wie wunderbar Kinder sind, sondern das sind die, die ehrlich erzählen, von den schönen Dingen und von den Problemen.
Da ich nie einen wirklichen Kinderwunsch hatte, tut es auch nicht weh, sondern diese Erzählungen sind für mich Bestätigung, dass mein Weg für mich der richtige Weg war. Ich habe es jetzt 10 Jahre versucht und es sollte eben nicht sein. Vielleicht habe ich mir unbewusst genau solche Männer gesucht.
Und genau deshalb bin ich keine Patentante oder Ähnliches. Ich habe kein Gen für kleine Kinder und weiß nicht viel mit ihnen anzufangen.
Mir fehlt also nichts, warum sollte ich dann so tun als ob. Ich kann das schätzen, was ich habe (einen guten Job, einen Freundeskreis, der sehr gemischt ist, wir haben auch Familien als Freunde, aber eben auch einige Kinderlose, die allesamt sehr zufrieden sind).
Wenn mich jemand fragt, ob wir noch Kinder planen, kommt die entsprechende Antwort, dass ich sie ja auch nicht frage, wie oft sie Sex haben oder ich sage die Wahrheit, dass mein Mann eben keine Kinder zeugen kann. Dann sind die meisten sehr schnell sehr still.
Das nur mal als Meinung, die nicht der Norm entspricht.
lg
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Thema: Ungewollt kinderlos
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18.05.2016, 16:44
AW: Ungewollt kinderlos
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18.05.2016, 16:51Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
Hallo kathi, dieser Satz ist mir aufgefallen, wir leben in einem freien Land und sind alle erwachsen, warum meinst du, deine Meinung wäre nicht in der Norm?
Wir sind ungewollt kinderlos geblieben, und leben jetzt gut damit, aber deshalb bin ich noch lange nicht "normaler" als du
Liebe Grüße
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18.05.2016, 16:52Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
Das ist doch ganz wunderbar!
Wieso sagts du nicht, dass Ihr keine möchtet?Wenn mich jemand fragt, ob wir noch Kinder planen, kommt die entsprechende Antwort, dass ich sie ja auch nicht frage, wie oft sie Sex haben oder ich sage die Wahrheit, dass mein Mann eben keine Kinder zeugen kann. Dann sind die meisten sehr schnell sehr still.
(Ein befreundetes Ehepaar wollte auch keine - ich gebe zu, ich war auch zuerst perplex, aber dann... als ich sah, wie sie lebten und wie zufrieden sie waren, war es für mich stimmig und authentisch - und das ist es doch, was jeder will.)
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18.05.2016, 16:56
AW: Ungewollt kinderlos
Hallo beweme,
naja, ich kenne nur wenige Frauen, die nicht entsetzt oder erstaunt gucken, wenn ich sage, dass ich noch nie einen wirklichen Kinderwunsch hatte. Und deshalb war es für mich jahrelang nicht mein eigener inniger Wunsch, sondern gesellschaftliche Norm. Eine Frau hat einen Kinderwunsch zu haben, sonst ist sie nicht normal.
Und deshalb ist es keine Trauer, sondern Erleichterung.
Doch, du bist bestimmt normaler als ich
LG
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18.05.2016, 17:02
AW: Ungewollt kinderlos
Liebe charlotte03,
wir wollten ja welche. Wir haben es ja 6 Jahre versucht und schon alleine weil sich mein Partner so gefreut hätte, hätte ich gerne ein Kind bekommen. Wenn es dann mal dagewesen wäre, wäre ich eine ganz gute Mama gewesen, das glaube ich schon.
Aber jetzt, nachdem sich abzeichnet, dass es nichts wird, hatte ich Trauer erwartet und bekam Erleichterung und Freude.
Das hat mich selbst überrascht.
LG
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18.05.2016, 17:11Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
Da habe ich nicht richtig gelesen.
Das kann ich mir vorstellen und dann ist ja deine Antwort auch stimmig.
Wenn man selber Kinder wollte und sie auch bekam, dann denkt man immer, dass der andere einen großen Schmwerz in sich fühlt. Wenn dem nicht so ist, dann freue ich mich für die Leute, weil sie ihr Leben gut leben können. Ich schreibe bewusst nicht: "weil sie dennoch ihre Leben..."
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18.05.2016, 17:14Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
kathi, sicher gibt es Frauen, die sich über ihre Kinder definieren, und ganz ehrlich, wir hätten auch sehr gerne ein, zwei, drei Kinder gehabt.
ich keine einige, die schon immer keine wollten, und du hast Recht, sie mussten und müssen sich vor anderen Frauen immer rechtfertigen, warum und wieso.
auch uns wird oft vorgeworfen, dass wir es ja soooo gut haben ohne Kinder, Urlaubsreisen usw. aber wir wissen, warum wir keine haben, je nach Lust und Laune antworte ich mal patzig und unverschämt , oft aber mit dem Satz:
Unsere Kinder sind alle fehlgeboren.
Danach trennt sich dann die Spreu vom Weizen, einige sind betroffen, andere drehen sich wortlos um.
was mich am meisten ärgert, viele Menschen wissen nicht, warum wir keine Kinder haben, warum muss ich mich fremden Menschen gegenüber erklären?
und diese blöden unverschämten Fragen von solchen "Idioten" schmerzen auch nach dieser langen Zeit immer noch.
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18.05.2016, 17:32Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
Ich kann jetzt nur für mich schreiben.
Du hast Recht: Es hat etwas übergriffiges. Mich interessiert das Lebenskonzept anderer Menschen.
Und in diesem Fall waren es Freunde- Bekannte.
Aber klar - da ist meine Denklücke - ich gehe davon aus, dass, derjenige, der Kinder hat, sie auch wollte.
Und das stimmt ja auch nicht immer.
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18.05.2016, 17:36
AW: Ungewollt kinderlos
Hallo beweme,
diese Dinks Problematik kenne ich auch. Zwei Vollverdiener ohne Kinder, das ruft schon mal Neid hervor. Keiner weiß ja, warum das so ist.
Ich halte diese Fragen nach dem Kinderwunsch für unverschämte Fragen und kommuniziere das inzwischen auch so. Es ist eine sehr private Sache und ich gebe nur den Menschen, die ich mag, die ehrliche Auskunft. Allen anderen spiele ich die Ego Nummer vor, wohlhabend, egozentrisch und unabhängig.
Gerade mein Partner muss sich auch öfter in der Arbeit rechtfertigen, warum er "nicht in die Gänge kommt". Als Witz getarnt und doch sehr verletzend für ihn. Gerade in Akademikerkreisen scheint inzwischen die Forderung nach höheren Steuern für Kinderlose beliebt zu sein und das war erst heute ein Diskussionsthema in seiner Firma. Er kann sich verbal sehr gut wehren, aber auch er hält das Kinderthema in Deutschland inzwischen für ideologisch überladen und die Eltern für balla balla, die ihre Kinder wie eine Monstranz vor sich hertragen. Das tun glücklicherweise nur wenige.
Im Ausland ist dieses Thema nicht so überfrachtet und wird lockerer gesehen. Das würde ich mir auch für Deutschland wünschen.
LG
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18.05.2016, 17:40Inaktiver User
AW: Ungewollt kinderlos
ja, übergriffig, das ist die richtige Beschreibung,
ich frage Mütter mit einem Kind nicht, warum sie nur eins haben, genauso wenig frage Eltern mit 4 Kindern, warum so viele?
und es geht auch nicht um Freunde, die alle Bescheid wissen, sondern z.B. die Nachbarin der Arbeitskollegin meiner Mutter, die mich von sehen kennt, und dann solche übergriffigen Fragen stellt.
aber mittlerweile (der Kinderwunsch ist definitiv vorbei) kann ich da ganz gut kontern.
zum Glück haben wir Nichten und Neffen, sodaß wir nicht völlig ohne Kinder leben, das ist zwar nicht das gleiche, aber immer noch besser als völlig ohne diese bezaubernden Wesen


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