+ Antworten
Seite 5 von 75 ErsteErste ... 345671555 ... LetzteLetzte
Ergebnis 41 bis 50 von 741

  1. Registriert seit
    03.07.2012
    Beiträge
    6.133

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Zitat Zitat von walkabout Beitrag anzeigen
    Wenn also ein Paar ein Wunschkind zeugt, und innerhalb der gesetzlichen Abbruchsfrist erfährt, dass dieses Kind schwerstbehindert sein wird und einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt,......."
    Die Abbruchsfrist wird durch den Geburtstermin gesetzt und eine Geburt setzt dann doch die zwingerenden Fakten.
    Wenn interessiert da noch, dass man das gerade nicht wollte, als man die embroypathosche Indikation abschaffte.


  2. Registriert seit
    29.07.2010
    Beiträge
    684

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Die Möglichkeiten der modernen Medizin im Bereich der Diagnostik haben doch dazu geführt, dass wir heute aufgrund von weitreichenden Informationen in Situationen, die früher einfach
    "Schicksal" waren, Entscheidungsmöglichkeiten haben. Der Fortschritt der Möglichkeiten fordert auch nach einer Weiterentwicklung der ethischen Normen. Bereits vor Jahren hat sich Prof. Peter Singer eingehend mit dem Thema beschäftigt und eine sehr polarisierende Diskussion um ihn und sein Werk : "Praktische Ethik" setzte ein.
    Obwohl es natürlich eine Gratwanderung ist Lebensrecht und seine Gültigkeit im Spannungsfeld von wirtschaftlicher und persönlicher Machbarkeit zu betrachten, entspricht es doch auch der Wahrheit, dass das unantastbare verabsolutierte Leben an der Schwelle zu Geburt und Tod,tatsächlich nie wirklich so unantastbar war wie propagiert, und pragmatisches Handeln ohne praktische Ethik unter dem Deckmantel einer praktisch nicht umsetzbaren Lebensethik stattfand.
    "Is it my fault if belief in Divinity has become a suspected opinion; if the bare suspicion of a Supreme Being is already noted as evidence of a weak mind; and if, of all philosophical Utopias, this is the only one which the world no longer tolerates? Is it my fault if hypocrisy and imbecility everywhere hide behind this holy formula?"

    J.P Proudhon
    Geändert von walkabout (18.04.2016 um 11:40 Uhr)

  3. Avatar von marylin
    Registriert seit
    27.03.2007
    Beiträge
    5.346

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Interessanter Artikel, mir gefällt die Nüchternheit, allerdings ist mir die Kernaussage zu krass.

    Und wenn hier davon geredet wird, (stark) behinderte/kranke Kinder hätten doch auch ein schönes Leben, wage ich auch, das zu bezweifeln. Diese Kinder sehen doch, wie eingeschränkt sie im Gegensatz zu anderen sind. Klinikaufenthalte, (schmerzhafte) Behandlungen sind nicht selten. Und die andere wichtige Frage für mich als Mutter wäre immer noch: Wer kümmert sich um mein krankes Kind, wenn ich nicht mehr bin? Beide Aspekte würden mich persönlich dazu veranlassen, die Schwangerschaft zu beenden. Ich möchte keinem Kind zumuten, ein Leben zu führen, was von vornherein leidgeprägt ist.
    Ich finde es auch vertretbar, ein schwerstkrankes Neugeborenes nicht auf Teufel komm raus zu behandeln, es soll sterben dürfen...

    Ich bin froh, dass es die Pränataldiagnostik gibt, vor allem wenn es um schwere Erbkrankheiten geht, aber ich habe auch schon Artikel gelesen, wo bedauert wurde, dass es ja bald keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geben würde - weil die ja durch die Früherkennung abgetrieben werden.

    Nur frage ich mich, warum wir versuchen alle mögliche Krankheiten zu verhindern und zu bekämpfen, wenn es doch eine Bereicherung für uns alle ist?

    Diejenigen, die sich in der Sache als Moralapostel aufspielen, sollen sich doch bitte mal monatelang in die Klinik legen, jede Menge Untersuchungen und OPs über sich ergehen lassen und anschließend mal ein schwerstbehindertes Kind 1 Jahr lang ohne Pause betreuen und versorgen. Bin mal gespannt, ob sie danach immer noch der Meinung sind, JEDES Kind müsse geboren werden...
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  4. Inaktiver User

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Ich habe das relativ lange ähnlich gesehen wie Du, marilyn.

    Meine heute beste Freundin hat allerdings jemand in der Familie, der schwer geistig behindert ist (Geburtsschaden) und arbeitet heute davon unabhängig (fing als Studentenjob an) selbst in dem Bereich.

    Auf mein "davor, ein behindertes Kind zu kriegen hätte ich Angst, denn ab dem Punkt hat man niemals mehr ein eigenes Leben, man muss dann bis man selbst alt wird und stirbt für das Kind sorgen" reagierte sie mit völlig irritiertem Unverständnis:

    "Hä, wieso, es gibt doch sehr sehr gute bezahlbare Heime? Das Problem ist häufig eher, dass die Eltern sich nicht lösen können, aber prinzipiell geht es den Kindern (in ihrem Fall Erwachsenen) da doch gut?"


    Sie erzählte dann relativ viel von ihrer Arbeit, und ganz ehrlich, mir hat das die Angst genommen.

    Was Körperbehinderung angeht, so einen Fall habe ich selbst in der Familie, und kann daher gar nicht verstehen, wie man da an Abtreibung denken kann, Körperbehinderung und selbstständiges Leben ist doch grundsätzlich immer möglich?

  5. Avatar von marylin
    Registriert seit
    27.03.2007
    Beiträge
    5.346

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Wo ist die Logik hinter der Überlegung "Ich bekomme dieses scher(st) behinderte Kind, ich kann es ja später in ein gutes Heim geben" ???

    Ich finde die Überlegung "Ich bekomme dieses scherkranke/stark behinderte Kind nicht, denn ich will ihm (und uns) dieses Leben nicht zumuten" wesentlich plausibler.

    Man kann die Frage ja auch anders stellen: Ist es verantwortungsvoll, soll ich mir die Entscheidung anmaßen, ein schwerstbehindertes/krankes Kind in die Welt zu setzen? Soll ich das einem Kind/Menschen antun, wissentlich in Kauf zu nehmen, dass das Kind nie auch nur ansatzweise eigenständig leben, eigene Entscheidungen treffen kann, vielleicht viele belastende Behandlungen durchhalten muss? Oder noch krasser: DARF ich diese Entscheidung überhaupt für einen anderen Menschen treffen?

    Ist natürlich immer von der Krankheit/Behinderung abhängig, versteht sich hoffentlich von selbst...
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  6. Inaktiver User

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Das wäre aber mein Ansatz: es steht mir gar nicht zu darüber zu entscheiden. Ob ein behindertes Leben weniger lebenswert ist als ein nicht behindertes, ich kann das nicht beurteilen und will es auch gar nicht.

    Was ich mich immer frage: was macht man denn, wenn das Kind einen Geburtsschaden hat, oder durch Unfall oder Krankheit eine Behinderung bekommt?

    Die wenigsten Behinderungen entstehen vorgeburtlich.

    Mir behagt einfach diese Vorstellung nicht, dass man Leben kontrollieren soll und kann, in keine Richtung. Auch Leid und Schmerz gehören für mich zu einem erfüllten Leben dazu. Davon bin ich überzeugt.

  7. Inaktiver User

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Zitat Zitat von marylin Beitrag anzeigen
    Wo ist die Logik hinter der Überlegung "Ich bekomme dieses scher(st) behinderte Kind, ich kann es ja später in ein gutes Heim geben" ???

    Ich finde die Überlegung "Ich bekomme dieses scherkranke/stark behinderte Kind nicht, denn ich will ihm (und uns) dieses Leben nicht zumuten" wesentlich plausibler.
    Ich nicht - weil, wenn man das Kind tatsächlich in ein gutes Heim geben kann (und auch muss, auch schwer geistig behinderte Kinder wachsen ja normal, irgendwann wird man dann als alterndes Elternteil mit dem Kind gar nicht mehr fertig), dann ist das Leben für das Kind doch wahrscheinlich nicht nur zumutbar sondern schön, und das eigene Leben auch?

    Also was muss man da irgendwem "zumuten"?


    Man kann die Frage ja auch anders stellen: Ist es verantwortungsvoll, soll ich mir die Entscheidung anmaßen, ein schwerstbehindertes/krankes Kind in die Welt zu setzen? Soll ich das einem Kind/Menschen antun, wissentlich in Kauf zu nehmen, dass das Kind nie auch nur ansatzweise eigenständig leben, eigene Entscheidungen treffen kann, vielleicht viele belastende Behandlungen durchhalten muss? Oder noch krasser: DARF ich diese Entscheidung überhaupt für einen anderen Menschen treffen?

    Damit stellst Du gesundes Leben über krankes - ich vermute einfach mal Du hättest kein Problem damit, die Entscheidung für ein Leben für ein gesundes Kind zu treffen.

  8. Avatar von marylin
    Registriert seit
    27.03.2007
    Beiträge
    5.346

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Es gibt aber Krankheiten, da WEISS man, bzw. wird einem der Arzt das erklären, oder man liest es mal nach - dass das Leben des Kindes NICHT besonders schön werden wird. Die wenigsten Menschen wünschen sich für ihr Kind Schmerz und Leid. Und nun sage mir mal jemand, dass das Leben trotzdem lebenswert ist, wenn ein Kind nach und nach die Fähigkeit verliert zu laufen, zu sprechen und am Ende der Tod, womöglich durch Ersticken, steht. Oder man weiß, dass das Kind mit 20 oder 25 Jahren schon sterben wird... (weis das Kind ja dann leider irgendwann auch)...
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  9. Avatar von marylin
    Registriert seit
    27.03.2007
    Beiträge
    5.346

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Damit stellst Du gesundes Leben über krankes - ich vermute einfach mal Du hättest kein Problem damit, die Entscheidung für ein Leben für ein gesundes Kind zu treffen.
    Ich würde mich immer für die Gesundheit meines Kindes entscheiden - wenn es z. B krank ist, lasse ich es behandeln - ich sage nicht: Ist doch egal, das Leben ist doch auch mit einem gebrochenen Arm oder einer schweren Infektion schön!

    Mal ganz abgesehen davon, dass ja einzig und allein die Mutter selbst darüber entscheidet, ob sie ein gesundes Kind bekommt oder nicht und ob sie ein krankes Kind bekommt oder nicht, das finde ich auch richtig so.

    Nicht richtig finde ich, sich als besserer Mensch zu sehen, nur weil man bereit ist, auch ein schwerbehindertes Kind zu gebären und dann (huch - manche Eltern ja doch nur eine Weile - denn irgendwann geht es ja in ein schönes Heim) zu betreuen. Ich finde, man kann nicht grundsätzlich davon ausgehen, etwas Gutes getan zu haben, wenn man ein sehr krankes Kind wissentlich zur Welt bringt... Manchmal schaftt man einfach nur großes Leid.
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  10. Inaktiver User

    AW: Abtreibung wegen Körperbehinderung

    Ich erschrecke hier schon, wenn ich lese, wie schnell hier Lebensglück mit Gesundheit gleichgesetzt wird.

    Als ob es nicht Millionen Menschen gäbe, die gesund, vielleicht auch noch schön und vielleicht auch noch wohlhabend - und dennoch zutiefst unglücklich sind und ihr Leben nicht genießen.

    Und jeder mit Behinderung so unglücklich dass er lieber nicht am Leben wäre.

    Das ist schon ein bisschen simpel gedacht, find ich.

+ Antworten
Seite 5 von 75 ErsteErste ... 345671555 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •