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  1. Inaktiver User

    Kinder und "Egoismus"

    Gestern hatte ich in einer Runde von Bekannten (teils Mütter, teils nicht) das Thema "Kinder(losigkeit) und Egoismus" und gleichwohl niemand in der Runde der Meinung war, das (gewollte) Kinderlosigkeit egoistisch sei, herrschte bei den Frauen, die Kind(er) haben die Ansicht vor, daß Kinder zu haben einem einen "Grundegoismus" abhanden kommen lässt.

    Soll heißen, man käme nur mit Kind an einen Punkt, an dem man die eigenen Bedürfnisse zurückstellt in einem Ausmaß, daß Menschen ohne Kind nicht nachvollziehen könnten.

    Ich fand den Gedanken in der Form für mich neu und das beschäftigt mich seitdem, ich überlege, wie das eigentlich ist.

    Sicher muß man mit Kind oft über den Schatten des eigenen Bedürfnisses springen, aber ich bin mir unsicher, ob ich in dieser Ausschlißlichkeit zustimmen würde.

    Was haltet ihr von dieser Äußerung?

  2. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    was ich davon halte?

    nichts. ich habe keinerlei ambitionen die nachfolge von mutter theresa anzutreten und mich selbst aufzugeben.

    in der bibel steht: liebe deinen nächsten wie dich selbst. da heisst: erstmal muss ich in der lage sein mich selbst zu lieben- sonst wäre jede liebe einem andern menschen gegenüber eine gelebte lüge. es steht nicht da, dass ich den andern menschen über mich stellen soll- nein, neben mich. auf gleicher höhe.

    ich habe in meinem leben schon einige menschen kennengelernt die da so vermeintlich völlig selbstlos sind oder zumindest erscheinen möchten.

    ganz schnell und sehr subtil kommt dann die emotionale erpressung: du gibst dich nicht auf, ich bin aber besser als du.

    ich bin ein egoist- und ich bin es gerne. ich stehe dazu. ich liebe mich.


    und


    ganz wichtig: welches beispiel gebe ich meinen kindern? was lebe ich meinen töchtern vor? welches frauenbild vermittle ich meinen söhnen?
    Geändert von Inaktiver User (30.11.2013 um 11:01 Uhr) Grund: ergänzung

  3. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Über die Frage habe ich auch schon mal nachgedacht... Ich habe eine recht egozentrische Freundin (die trotzdem irgendwie liebenswert ist) und diese sagte zu mir auch mal: Seitdem mein Kind auf der Welt ist, dreht sich nicht mehr alles um mich, das hat mich auch charakterlich verändert und tut mir gut.

    Allerdings habe ich persönlich den Eindruck, dass es keinen großen Unterschied für die Außenwelt macht, ob sich nun alles um einen selbst dreht oder um das Kind. Ist das nicht irgendwie eins? Für mich ist das eine Form von erweitertem Egoismus und nicht unbedingt ein sozialer Zug.

    Sicher gibt es auch Eltern, die sich durch ihre Kinder mehr Gedanken um "die Welt von morgen" machen, die vielleicht nachhaltiger denken und leben. Aber es gibt auch mindestens genauso viele, gefühlt eher mehr, die gerade in Bezug auf ihre Kinder total egoistisch sind. Die keine Hemmungen kennen, wenn es darum geht, dem eigenen Kind Vorteile zu sichern (zum Beispiel in der Schule) und die dem Kind dadurch schon früh eine Ellenbogen-Mentalität vorleben. Nur zu seinem Besten, natürlich.

    Sorry, falls ich den Kern Deiner Frage nicht ganz getroffen habe - im Grunde stimme ich als Mutter natürlich auch zu, dass man mit einem Kind sehr schnell an einen Punkt kommt, wo man eigene Bedürfnisse in den Hintergrund stellt. Mein Kind würde selbst bei größtem Hunger immer die letzte Scheibe Brot von mir bekommen - aber natürlich versuche ich auch, meinem Kind ein Vorbild zu sein, in dem ich darauf achte, für mich selbst zu sorgen und mich nicht komplett aufzugeben. Sonst verliert man meiner Meinung nach auch irgendwann den Respekt des Kindes, spätestens in der Pubertät.

    Was genau beschäftigt Dich denn eigentlich so lange an dem Thema? Bist Du selbst Mutter?

  4. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Brighid, welches Ausmaß schwebt dir denn vor?

    In dem Gespräch, auf das ich mich beziehe, ging es primär um Dinge wie:

    -Von der Arbeit heimkommen und sich nicht 2 Stunden auf die Couch legen/lesen/ was auch immer machen zu können, weil eben Kind(er) da sind

    -Kindgerecht urlauben, auch wenn man selbst lieber nach New York oder auf Abenteuertrip gehen würde

    -Termine absagen, weil man ein fieberndes Kind hat, auch wenn man sich auf den Termin lange gefreut hatte

    -Morgens früh aufstehen MÜSSEN, weil die Kinder wach sind und das Haus auseinandernehmen

    Das sind Beispiele, die von den Frauen genannt wurden.

    Meinem Verständnis nach ging es im Kern darum, nicht sagen zu können "Das mache ich jetzt nicht, dazu habe ich keine Lust".


    An welche Dinge dachtest du jetzt, Brighid?

  5. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Ich halte das fuer Quatsch.

    Frauen bekommen ja (zumindest will ich das hoffen) Kinder, weil sie gerne welche haben wollen. Natuerlich aendert sich danach das Leben, aber man wollte das und saemtliche Muetter die ich kenne schwaermen mir grundsaetzlich vor wie toll das alles (meist) sei. Wenn sie etwas tun was sie so sehr lieben (Kind gross ziehen), dann ist das nicht altruistisch.

    Mir wird da wirklich ein bisschen zu viel Bohei ums Kinder kriegen (und haben) gemacht. Sicher ist das was schoenes, und wer's will: prima. Aber eine gewisse Tendenz mancher (nicht aller) Muetter, sich selbst als Gottesgeschenk, Retterin der Gesellschaft, Sicherstellerin der Renten, etc pp anzusehen geht mir eine Kleinigkeit auf den Geist.

    Es gibt auch die entgegengesetzte Argumentation, dass Kinder bekommen tatsaechlich etwas sehr egoistisches ist, aufgrund der (zu erwartenden) Ueberbevoelkerung der Welt. Muetter / Eltern scheren sich danach also nicht um das Allgemeinwohl, sondern stellen ihr persoenliches Wollen (Kind haben) ueber das Gemeinwohl.
    Die Ueberbevoelkerung war zum Beispiel einer der Ausloeser fuer die Ein-Kind-Politik in China.

    Man kann das sehen wie man mag. Persoenlich faende ich es angenehm wenn Muetter aufhoeren koennten sich einen Heiligenschein aufzusetzen. Und wie gesagt: Nein, nicht alle sind so. Ich glaube, dass nicht einmal die Mehrzahl so ist. Aber die, die so sind nerven eben …

    Davon abgesehen pflegen auch Kinderlose ihre Eltern. Zum Beispiel. Was ein wesentlich altruistischer Vorgang ist als fuer Kinder zu sorgen.

  6. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sorry, falls ich den Kern Deiner Frage nicht ganz getroffen habe - im Grunde stimme ich als Mutter natürlich auch zu, dass man mit einem Kind sehr schnell an einen Punkt kommt, wo man eigene Bedürfnisse in den Hintergrund stellt. Mein Kind würde selbst bei größtem Hunger immer die letzte Scheibe Brot von mir bekommen - aber natürlich versuche ich auch, meinem Kind ein Vorbild zu sein, in dem ich darauf achte, für mich selbst zu sorgen und mich nicht komplett aufzugeben. Sonst verliert man meiner Meinung nach auch irgendwann den Respekt des Kindes, spätestens in der Pubertät.
    Das hast du toll auf den Punkt gebracht.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was genau beschäftigt Dich denn eigentlich so lange an dem Thema? Bist Du selbst Mutter?
    Ja, bin ich und mich beschäftigt das Thema wahrscheinlich darum, weil sich mein Alltag als Mutter mehr oder minder stark von dem Alltag der (kinderlosen) Frauen unterscheidet, die mir freundschaftlich sehr nahe stehen. Mit den dazugehörigen Konflikten. Und ich auch nach fast 4 Jahren als Mutter diese Gewässer noch zu navigieren versuche.
    Aber das Thema interessiert mich auch ganz allgemein gesellschaftlich.

  7. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Brighid, welches Ausmaß schwebt dir denn vor?

    In dem Gespräch, auf das ich mich beziehe, ging es primär um Dinge wie:

    -Von der Arbeit heimkommen und sich nicht 2 Stunden auf die Couch legen/lesen/ was auch immer machen zu können, weil eben Kind(er) da sind

    -Kindgerecht urlauben, auch wenn man selbst lieber nach New York oder auf Abenteuertrip gehen würde

    -Termine absagen, weil man ein fieberndes Kind hat, auch wenn man sich auf den Termin lange gefreut hatte

    -Morgens früh aufstehen MÜSSEN, weil die Kinder wach sind und das Haus auseinandernehmen

    Das sind Beispiele, die von den Frauen genannt wurden.

    Meinem Verständnis nach ging es im Kern darum, nicht sagen zu können "Das mache ich jetzt nicht, dazu habe ich keine Lust".


    An welche Dinge dachtest du jetzt, Brighid?
    alles was du aufführst- kann frau auch mit kind/kindern tun.

    von der arbeit heimkommen und eine auszeit fest einplanen. für die eigenen bedürfnisse einstehen.

    kindgerechter urlauben- zwei wochen bayrischer wald UND ein kurzer trip nach new york (wenn mir das herz danach blutet)

    ein fieberndes kind kann nur von der mutter versorgt werden? darf nur von der mutter versorgt werden? hat keinen vater, der in der lage ist sich liebevoll um das kind zu kümmern?

    morgens aufstehen müssen weil die kinder das haus auseinander nehmen?- hat doch wohl eher was damit zu tun, wie ich meine kinder erziehe. nämlich dass auch eltern ruhezeiten und auszeiten haben- und dass man/frau/kind sich auch wenn wach und munter ruhig verhalten kann.

  8. VIP

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    AW: Kinder und "Egoismus"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Brighid, welches Ausmaß schwebt dir denn vor?

    In dem Gespräch, auf das ich mich beziehe, ging es primär um Dinge wie:

    -Von der Arbeit heimkommen und sich nicht 2 Stunden auf die Couch legen/lesen/ was auch immer machen zu können, weil eben Kind(er) da sind

    -Kindgerecht urlauben, auch wenn man selbst lieber nach New York oder auf Abenteuertrip gehen würde

    -Termine absagen, weil man ein fieberndes Kind hat, auch wenn man sich auf den Termin lange gefreut hatte

    -Morgens früh aufstehen MÜSSEN, weil die Kinder wach sind und das Haus auseinandernehmen

    Das sind Beispiele, die von den Frauen genannt wurden.

    Meinem Verständnis nach ging es im Kern darum, nicht sagen zu können "Das mache ich jetzt nicht, dazu habe ich keine Lust".


    An welche Dinge dachtest du jetzt, Brighid?
    Hm - was wäre denn jetzt Egoismus? Sich auf die Couch legen und die Kinder hungern lassen?

    Ich finde diese Themen haben nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Verantwortung. Mit einem fiebernden Kind geht man nicht auf eine Abendveranstaltung oder lässt es beim Babysitter (meinen Babysittern hätte ich das nicht zumuten wollen). Hier gehe ich auch davon aus, dass der Partner oder krankheitserfahrene Großeltern nicht zur Verfügung stehen. Wenn man vorgibt ein fieberndes Kind zu haben, um nicht gehen zu können - das ist eine Ausrede und hat auch nicht unbedingt was mit Egoismus zu tun.

    Man muss morgens nicht aufstehen, denn man hat die Wahl: man verhindert das Chaos oder man beseitigt es später. Ich habe mal das gesamte Treppenhaus putzen müssen, weil ich in Ruhe telefoniert habe. Die Ruhe entstand dadurch, dass die Kinder mit Zahnpasta und Wasser das Bad unter Wasser gesetzt haben und dann mit nassen Zahnpastasocken durch das Haus gelaufen sind.
    War ich egoistisch, weil ich hinterher putzen musste? Das Telefonat war schön und das Putzen war nun mal der Preis.

    Auch die kindgerechten Urlaube. Für viele ist das der Preis - für ein paar wenige Jahre! - um einen entspannten Urlaub zu haben. Nicht alle Kinder gehen gerne und leise ins Museum und danach schick essen. Den Buggy schleppt man gerne in die U-Bahn oder eben lieber nicht und geht halt auf den Camping-Platz.

    Wir haben uns bewusst für 'Misch-Urlaube' entschieden. Allerdings sind wir auch gerne faul am Strand und 'Städtereisen' sind so wie ich sie machen will, mit Kindern nicht möglich. Auch hier greift die Verantwortung: ich gehe nicht nachts in Clubs tanzen mit Kindern im Buggy. Wenn ich das tue, sorge ich für eine adäquate Kinderbetreuung, sei es im Urlaub oder Zuhause.

    Was heißt egoistisch in dem Fall? Dass man tut was man möchte ohne auf die Bedürfnisse der Kinder zu achten? Wie soll das gehen, wenn Vater und Mutter unterschiedlich egoistisch sind? Mutter möchte Ski fahren, Vater in Berlin shoppen gehen, wer darf nun egoistisch sein?

    Vielleicht hängt der Campingurlaub viel mehr am Geld, als an irgendwelchem nicht vorhandenem Egoismus.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  9. VIP

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    AW: Kinder und "Egoismus"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    morgens aufstehen müssen weil die kinder das haus auseinander nehmen?- hat doch wohl eher was damit zu tun, wie ich meine kinder erziehe. nämlich dass auch eltern ruhezeiten und auszeiten haben- und dass man/frau/kind sich auch wenn wach und munter ruhig verhalten kann.
    Das nenne ich Egoismus!
    Die Kinder so erziehen, dass man Ruhephasen und Auszeiten hat.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  10. Inaktiver User

    AW: Kinder und "Egoismus"

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Das nenne ich Egoismus!
    Die Kinder so erziehen, dass man Ruhephasen und Auszeiten hat.
    ich nenne das einen gesunden egoismus. das kinder von anfang auch lernen: meine eltern sind menschen- keine übermenschen. sie sind nicht unbegrenzt belastbar - und sie brauchen auch ihre zeiten.

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