Hallo zusammen,
dieses Forum stand ziemlich am Anfang meiner Überlegungen für ein Kind. Daher hatte ich mir immer wieder vorgenommen, mal wieder hier reinzuschreiben und von meinen Erfahrungen zu berichten. Damals hätte ich mir vielleicht einen solchen Forumsbeitrag gewünscht, der mir etwas Mut macht. Er ist nicht für die Frauen gedacht, die absolut keine Kinder wollen. Ich wollte auch lange keine und keine noch so guten Worte und Argumente hätten meine Meinung geändert.
Nein, dieser Beitrag ist für Frauen, die auch immer kein Kind wollten, jetzt aber andere Gefühle haben und gerne mal meine Geschichte hören würden.
Bis vor vier Jahren, da war ich etwa 35, wollte ich aus vielen Gründen keine Kinder. Ganz oben stand der Beruf, obwohl ich keine Karriere mache. Ich bin Informatikerin und habe keinen Führungsposten. Und dann schreckten mich die vielen Einschränkungen: wir haben viele Hobbies und treiben viel Sport. Auch wenn ich beim Einkaufen oder im Bekanntenkreis quengeligen Kindern begegnet bin, war ich immer heilfroh, dass ich sowas nicht hatte. Ich war auch davon überzeugt, eine schlechte Mutter zu sein. Schon wegen des "Männerberufes". Ich bin beruflich und in der Freizeit viel mit Männern zusammen und konnte mit Frauenthemen auch nicht so viel anfangen. Da dachte ich auch, es fehlen eben ein paar Hormone für das deideidei.
Und dann kam 2002 im Herbst ziemlich viel bei mir zusammen.
Zuerst bekam ich die Spirale raus, weil sie nicht richtig sass. Das hatte mich irgendwie verwirrt und ich dachte öfter mal an ein Kind. Ich schob das aber darauf, weil die Spirale fehlte.
Und ganz wichtig ist noch die Geschichte von der Frau, die ich gut kenne. Sie ist 20 Jahre älter als ich und wollte auch nie Kinder. Sie und ihr Mann konnte schon ziemlich früh vor der Rente zu arbeiten aufhören und ich fand ihr Leben grossartig. Mit Anfang 50 bekam sie Brustkrebs und drei Jahre später -eben in diesem Herbst 2002- noch ein anderen Krebs. Sie vertraute mir an, dass sie sich heute ein Kind wünschen würde. Gleichzeitig erkrankte mein Schwiegervater schwer. Dadurch dachte ich viel über das Leben nach. Schliesslich hatte ich ja auch Pläne gemacht: Dicke Kohle verdienen, bald zu arbeiten aufhören und in den Süden ziehen.
Ich bekam eine neue Spirale. Etwa eine Woche später spürte ich wieder diese Gedanken an ein Kind. Nachts, mein Mann war gerade eingeschlafen, traute ich mich, ihm zu offenbaren: "Du, ich möchte ein Kind". Und dann kam schlaftrunken zurück: "Wenn Du eins möchtest, bekommst Du eins". Viel mehr haben wir in der ersten Nacht wohl gar nicht gesprochen.
Auf alle Fälle war ich sehr erleichtert. Schliesslich war ja seit Jahren klar, dass wir keine Kinder wollen. Ich erwartete eigentlich: "Spinnst Du, in Deinem Alter...".
Na ja, ich dachte auch, ich wäre schon zu alt. Dann überlegte ich schliesslich, wie vor 50 Jahren die Medizin wohl war. Und dass ein Kind heute viel bessere Chancen hätte, auch wenn die Mutter über 35 ist.
In allen möglichen Foren kramte ich und stellte fest, dass viele erst mit 35 und älter Kinder bekommen. Ich wäre also gar kein Einzelfall. Wir warteten dennoch ein ganzes Jahr, bevor die Spirale herauskam. Ich wollte nämlich wissen, ob der Kinderwunsch anhalten würde oder ob es nur so eine Eintagsfliege war. Ein hartes Jahr. Ich dachte viel nach über all die Für und Widers. Mal waren die einen, mal die anderen stärker.
Schön ist auch, dass ich hier im Forum eine Freundin fand. Wir mailen jetzt seit drei Jahren. Sie war sich damals auch total unklar - und hatte ähnlich Grundvoraussetzungen. Dann hat sie sich doch gegen ein Kind entschieden. Trotzdem finde ich, dass wir viele Gemeinsamkeiten in unseren Ansichten und Vorlieben haben.
Ende 2003 liess ich also die Spirale ziehen und schwups war ich schwanger. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Als ich in der neunten Woche vom Frauenarzt kam und es unserer Familie verkündeten, hatte ich den Eindruck, es freuen sich alle mehr als ich. Als ich in der dreizehnten Woche beim Ultraschall war und sah, dass sich dieses Kind in meinem Bauch bewegt und rumturnt, da war ich überglücklich. In der 17. Woche weinte ich vor Erleichterung über das Ergebnis meiner Fruchtwasseruntersuchung. Ich hätte es nicht fertig gebracht, dieses Kind wieder herzugeben.
Meine Tochter ist heute eineinhalb Jahre alt und die letzten zwei Jahre waren die schönsten in meinem bisherigen Leben. Gut ich hatte auch viel Glück, meine Schwangerschaft verlief nahezu problemlos, das Kind kam gesund auf die Welt, ich kann Beruf und Familie gut unter einen Hut bringen und meine Tochter ist ein ausgeglichenes und fröhliches Persönchen.
Aber es gibt auch bei uns Probleme, wenn sie mal krank oder schlecht gelaunt ist, und ich habe seit der Geburt keine Nacht mehr durchgeschlafen. Aber für nichts auf der Welt möchte ich mit dem Zustand vorher tauschen.
Gründe, die für ein Kind sprechen, gibt es keine, man kann nur welche dagegen finden. Das liegt in der Natur der Sache oder kennt jemand ernsthaft Gründe, die für eine Partnerschaft sprechen. Nein, man hat eben Schmetterlinge im Bauch und verliebt sich. Gründe dagegen gibt es schon eher: Man muss sich ja auch in vielen Sachen einschränken. Ich will aber nicht über Partnerschaften sprechen, sondern wollte nur ein Beispiel finden, warum es keine Gründe für ein Kind gibt. Genausoviel emotionale Bereicherung, wie man aus einer Partnerschaft gewinnen kann, kann man auch von einem Kind bekommen. Ich hoffe, Ihr versteht, wie ich das meine.
Auch wenn ich das Kind nicht bekommen habe, um im Alter nicht alleine zu sein, so spielt das doch eine Rolle. Ich will nicht, dass meine Tochter dann an meinem Bett sitzen muss. Ich gehe lieber in ein betreutes Wohnen. Aber ich weiss, dass sie noch da ist. Dass ich ihr das Leben geschenkt habe und die Zeit mit ihr teilen durfte. Mir bleiben all die Erinnerungen und ich erlebe mit ihrem Älterwerden nochmal all die Stationen meines Lebens. Momentan geht es mir ja schon so, dass ich mich jetzt viel öfter an die Kindheit erinnere.
Und ich bin sehr froh und dankbar, dass ich meine Meinung rechtzeitig geändert habe.
Liebe Grüsse
Scheherazade
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01.04.2006, 22:19
Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
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02.04.2006, 02:58
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Das hast du sehr schön erzählt. Ja - ich bin auch "so eine". Kinderwunsch? Ganz im Gegenteil! Wenn man mir ein Baby in die Hand drückte, bin ich erstarrt, wollte dieses komische Etwas so schnell wie möglich wieder los werden. Fand Babies generell hässlich, unappetitlich und lästig. Mit Grausen sah ich Mütter, wie sie ins schwimmbad zogen: bepackt wie wohnungslose penner mit allem, was man fürs überleben braucht; ich dagegen: ein Handtuch und ein Buch; ich könnte noch viel aufzählen. Mit 40 Krise. Nein, kein plötzlicher Kinderwunsch, auch Partnerschaft o.k., ich wollte beruflich noch mal neu durchstarten. Kurzurlaub, schlaflose Nacht, in der ich ein paar aktuelle Probleme durchgearbeitet hab, wieder "im Reinen mit mir" bin ich eingeschlafen. Am nächsten Tag hab ich - zum ersten Mal im Leben - überhaupt nicht an Verhütung gedacht, es kam mir einfach nicht in den Sinn. Und war mir hinterher sicher: das wars jetzt. Richtig. Keine Sekunde bereut - im Gegenteil! Seit 15 Jahren, und es wird immer noch besser, obwohl natürlich Probleme nicht ausbleiben und ich jahrelang meine Belastungsgrenze überschritten habe.
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02.04.2006, 08:14
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
euch beiden:

ich hatte auch keinen kinderwunsch - bis ich meinen mann kennenlernte. da änderte sich das schlagartig, darauf war ich gar nicht gefasst. als es dann hieß ich könne ohne hormonbehandlung keine kinder bekommen, haben wir uns nach einer kurzen phase der trauer nach adoption erkundigt - und nicht mehr verhütet... ich war so schnell schwanger geworden, dass die ärzte sehr überrascht waren.
trotz aller finanzieller schwierigkeiten (wir sind beide selbständig) in der zeit nach der geburt unseres 1. sohnes, habe wir uns für ein zweites kind entschieden und bereuen es nicht. auch wenn wir manchmal nicht wissen, wo uns der kopf steht und wir abends um halb 10 ins bett fallen und dankbar sind, wenn einer von uns bis 8 ausschlafen darf am wochenende.
sohn nr1 testet gerade ob ein kugelschreiber in den aktenvernichter passt...
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02.04.2006, 12:23
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
du bist doch die "geboren" mutter, deinen beiträgen nach zu urteilen
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02.04.2006, 14:42Inaktiver User
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Liebe Scheherazade,
vielen Dank für deine Geschichte!
Ich gehöre zu den Frauen, die einen Kinderwunsch, aber zur Zeit noch viele große "ABER"s vor Augen haben. Kürzlich sprach ich mit einer Frau, deren Söhne beide im Schulalter sind. Sie sagte, sie bedaure es, dass sie in ihrem Beruf keine anspruchsvolleren Aufgaben übernehmen kann, weil sie nicht mit voller Kraft und Zeit arbeitet.
Das hat meinem Kinderwunsch irgendwie wieder einen temporären Dämpfer versetzt. Insofern freue ich mich über deine Geschichte. Hach, was muss das auch alles so kompliziert sein heutzutage?
Grüße, Cariad
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02.04.2006, 18:32
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Hallo,Liebe Scheherazade,
vielen Dank für deine Geschichte!
Ich gehöre zu den Frauen, die einen Kinderwunsch, aber zur Zeit noch viele große "ABER"s vor Augen haben. Kürzlich sprach ich mit einer Frau, deren Söhne beide im Schulalter sind. Sie sagte, sie bedaure es, dass sie in ihrem Beruf keine anspruchsvolleren Aufgaben übernehmen kann, weil sie nicht mit voller Kraft und Zeit arbeitet.
Das hat meinem Kinderwunsch irgendwie wieder einen temporären Dämpfer versetzt. Insofern freue ich mich über deine Geschichte. Hach, was muss das auch alles so kompliziert sein heutzutage?
Grüße, Cariad
so etwas ähnliches kenne ich auch.
(Aber auch ich fand Eure Geschichten sehr schön!)
Ich hörte neulich von einer dreifachen Mutter:"Hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich keine Kinder bekommen."
Natürlich, Ihr sagt jetzt, das hat sie nicht so gemeint und hergeben würde sie sie auch nie wieder. (Ausserdem gehört sie definitiv und unabstreitbar zu der extremeren Sorte der jammernden Deutschen
).
Trotzdem: DAS hat MIR ziemlich zu denken gegeben........
LG
Uschi
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02.04.2006, 20:11
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Schön zu hören, dass es anderen auch so geht. Vor dieser Zeit nannte ich Kinder "Wohnzimmerparasiten", könnt Ihr Euch das vorstellen?
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02.04.2006, 20:31
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Hallo Cariad,
Deine Bedenken verstehe ich gut. Ganz offen ist es auch immer ein Spagat, wenn man ein Kind hat und trotzdem beruflich erfolgreich sein will.
Ich kann Dir nur raten, möglichst bald wieder arbeiten zu gehen. Ich habe nach 3 Monaten, also Mutterschutz und drei Wochen Urlaub, wieder angefangen. Dann ist man insgesamt vier Monate weg, das ist zu kurz, um andere Leute einzuarbeiten. Schon als ich meinem Chef verkündete, dass ich schwanger bin, sagte ich gleich, dass ich bald wieder komme. Gegenüber meinen Kollegen habe ich die Schwangerschaft lange verschwiegen, weil ich nicht wollte, dass man mich gleich aus allen Aufgabenbereichen rausdrängt.
Wichtig ist auch, das vorher schon zu vereinbaren. Nach der Geburt ist man nämlich ziemlich gefühlsduselig und kann schlecht entscheiden.
Ich arbeite Teilzeit 30 Stunden, teils im Home-Office. Meine Tochter wird teils von der Oma und teils in einer Krippe betreut. Für mich ist das optimal, denn ich liebe mein Kind zwar sehr, aber ohne Job könnte ich trotzdem nicht sein.
Die Schulzeit wird noch ein schwieriges Kapitel, das ist mir klar. Ich hoffe bis dahin auf eine Ganztagsschule. Die Teilzeitlösung wird mein Chef nämlich nicht ewig akzeptieren, das ist mir klar (Ja, ich weiss, dass ich ein Recht darauf habe).
Was mir so spontan zu Deinem Beitrag eingefallen ist:
1. Mit Geld lässt sich vieles regeln
Wenn Du einen anspruchsvolleren Job übernimmst, kriegst Du mehr Geld, was Du in eine Putzfrau oder Nanny investieren kannst. Ausserdem ist dann Dein Mann vielleicht mal eher bereit, auch zurückzustecken und Dir was abzunehmen. Es ist ja nur hier in Deutschland so, in anderen Ländern arbeiten die zur Schulzeit längst wieder voll.
2. Ein Job ist nicht alles
Ein Job ist ein Job, aber ein Kind ist durch nichts zu ersetzen. Wenn Dein Chef Dich nicht mehr mag, wirst Du gekündigt. Es ist nur ein Geschäft. Überlege Dir, ob es Dir das wert ist.
Das sollen nur Denkanstösse sein. Damals habe ich mich auch von jeder Bemerkung einschüchtern lassen. Aber Du kannst Deinen eigenen Weg gehen und Du kannst auch beruflich erfolgreich sein mit Kind, wenn Du wirklich willst.
Liebe Grüsse
Scheherazade
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02.04.2006, 20:43
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Liebe Uschi,
früher habe ich solche Bemerkungen auch wie Trophäen gesammelt. Besonders hochgezogen habe ich mich immer an dem Mittermeier-Spruch "Kinder sind so anstrengend, aber wenn sie Dich dann einmal anlächeln...".
Heute mit Kind versuche ich, nicht diese Klischees zu bedienen.
Liebe Grüsse
Scheherazade
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02.04.2006, 22:02
Re: Bericht - Wollte früher nie ein Kind und habe jetzt eines
Liebe Scheherazade,Hallo Cariad,
Ich kann Dir nur raten, möglichst bald wieder arbeiten zu gehen. Ich habe nach 3 Monaten, also Mutterschutz und drei Wochen Urlaub, wieder angefangen. Dann ist man insgesamt vier Monate weg, das ist zu kurz, um andere Leute einzuarbeiten.
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Wichtig ist auch, das vorher schon zu vereinbaren. Nach der Geburt ist man nämlich ziemlich gefühlsduselig und kann schlecht entscheiden.
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Ich arbeite Teilzeit 30 Stunden, teils im Home-Office. Meine Tochter wird teils von der Oma und teils in einer Krippe betreut.
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Die Schulzeit wird noch ein schwieriges Kapitel, das ist mir klar. Ich hoffe bis dahin auf eine Ganztagsschule. Die Teilzeitlösung wird mein Chef nämlich nicht ewig akzeptieren, das ist mir klar (Ja, ich weiss, dass ich ein Recht darauf habe).
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1. Mit Geld lässt sich vieles regeln
Wenn Du einen anspruchsvolleren Job übernimmst, kriegst Du mehr Geld, was Du in eine Putzfrau oder Nanny investieren kannst.
Liebe Grüsse
Scheherazade
entschuldige, ich habe Dein Posting mal grad nach den für mich signifikanten Äusserungen eingekürzt.
Weil so viele Sätze darin sind, die mir für mich nicht gefallen.
Nennt mich altmodisch - aber ist DAS die richtige Weise / der Sinn, ein Kind zu haben?
Immerhin die 2-3 Jahre am Anfang sollte man sich schon "gönnen" wollen/können.
Allein schon, wenn das nicht geht - oder man das nicht will (wegen eben dem Job, der ja nicht "alles" ist), sollte man sich da nicht überlegen, es lieber sein zu lassen?
Klingt jetzt vielleicht provokanter, als ich es meine, ich möchte damit nur meine Gedanken und Gefühle ausdrücken. Kurz gefasst: WENN ich ein Kind haben möchte, dann nicht so.
(Ob das machbar ist, ist eine andere Frage)
LG
Uschi


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