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  1. Inaktiver User

    Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Hallo,

    ich war vor ein, zwei Jahren schon einmal in einem anderen Unterforum mit 1, 2 Themen aktiv, habe aber blöderweise den gleichen Nick verwendet wie bei Ebay , so dass man von dort aus leicht Rückschlüsse auf meine Identität ziehen konnte. Aber das tut jetzt nichts zur Sache, das Thema ist diesmal ein ganz anderes. Ich werde dieses Jahr 40 (vielleicht hat das auch was damit zu tun, das mich das Kinderthema so beschäftigt), lebe seit 3,5 Jahren mit meinem Partner zusammen. Er möchte ebenfalls keine Kinder (er hat die beiden Kinder seiner Ex-Partnerin vom Kleinkindalter bis zur Pubertät mit großgezogen und hat alles schon mal durch).

    Ich hatte noch nie in meinem Leben den Wunsch nach einem Kind. Warum? Ich bin, im landläufigen, laienhaften Sinn - bitte nicht zu ernst nehmen - etwas "autistisch". D. h. es strengt mich an, unter Menschen zu sein. Ich treffe gerne Freunde, unterhalte mich und lache gerne mit Ihnen und quatsche auch gerne lange am Telefon, aber dann muss ich mich wieder zurückziehen.

    Ich habe keine Geschwister und hatte noch nie soo viel mit Kindern zu tun, die Kinder meiner Freunde sehe ich ab und zu, aber da finden die Treffen auch eher ohne Kinder statt.

    Außerdem fühle ich mich ziemlich leicht überfordert, vor allem, wenn jemand ständig um mich herum ist oder etwas von mir fordert. In meiner eigenen Kindheit musste ich sexuellen Missbrauch durch einen Nachbarsjungen erleben, was evtl. auch eine Rolle spielt - ich hätte einfach enorme Probleme damit, dass jemand mein Leben so bestimmt, und das tut ein Kind ja zunächst einmal, auch wenn es einem dafür viel Freude bringt. Das würde bei mir schon anfangen damit, dass ich Probleme hätte, wenn sich das Baby in der Schwangerschaft in meinem Körper breitmachen würde.

    Und wenn ich mir überlege, ob ich jetzt lieber 2 Std. mit einem Kind spielen oder ein gutes Buch lesen würde, siegt fast immer das Buch.

    Andererseits bekomme ich neuerdings immer so ein warmes Gefühl, wenn ich ein kleines Kind lächeln sehe usw. und finde es zum Knuddeln, naja, das ist aber auch schon alles.

    Wenn man das so liest, klinge ich wirklich nicht sehr kindertauglich, oder?

    Und trotzdem betrauere ich es, dass ich es nie erleben werde, wie es ist, ein Kind zu haben. Es sind diese Sätze von Freunden, die mich manchmal zweifeln lassen: "Meine Kinder sind das Beste, was ich je zustande gebracht habe", "Ich fühle mich nie einsam, denn im Herzen bin ich immer zu dritt", "Meine Kinder werde ich bis in alle Ewigkeit lieben". Da tut es mir dann weh, dass ich diese Komponente, diese "ewige" Liebe vielleicht nicht spüren werde, obwohl ich das dann bestimmt viel zu romantisch sehe. Oder der Fall, wie im Bekanntenkreis, dass bei den ersten Freunden die Eltern krank werden oder sterben und am Ende doch die Familie zählt, die dem Kranken beisteht. Wer wird sich da mal um mich kümmern?

    Ich liebe meinen Partner sehr und hoffentlich auch noch für sehr, sehr lange Zeit, aber es scheint mir auch irgendwie riskant, mich so auf einen einzigen Menschen zu stützen. Natürlich habe ich Freunde, aber ich bin da leider oft zu zurückhaltend und es würde mir schwerfallen, sie um Hilfe zu bitten, wenn es mir nicht gut geht o. ä. Und ja, ich weiß sehr wohl, dass das Quatsch ist und es völlig falsch wäre, deswegen Kinder zu bekommen!!!

    Mein "Verdacht" mir selbst gegenüber ist aber, dass ich nur versuche, irgendwo eine Garantie gegen künftige Einsamkeit zu finden. Ich kenne dieses Gefühl ziemlich gut, da ich lange niemanden so recht an mich rangelassen habe, und fürchte mich trotz meiner Rückzugstendenzen davor, wieder einmal so einsam zu sein, es ist ein ständiger Balanceakt für mich.

    Habt ihr irgendwelche Gedanken, Erfahrungen hierzu? Kann irgendwer meine Gedankengänge verstehen? Ich weiß, dass ihr mir hier auch nicht sagen könnt, was das Beste für mich ist, aber man kriegt hier ja doch oft andere Perspektiven oder auch Gegenwind.

    Liebe Grüße
    Schnurrhaar

  2. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Ich finde es völlig normal und verständlich, seine Kinderlosigkeit zu betrauern. Nur solltest du das Thema irgendwann auch verarbeitet haben. Aber damit dir das gelingt, mußt du zunächst mal traurig sein dürfen!
    Es stimmt schon: wenn es wirklich hart auf hart kommt, zählt die Familie.
    Meine Eltern sind/waren sehr nette, liebe Menschen, hatten eine Menge Bekannte und viele Freunde - aber als es mit meinem demenzkranken Vater richtig bergab ging, haben sich die meisten schaudernd abgewendet (was ich sogar verstehen kann) und letztendlich waren wir Kinder die größte Stütze für meine Mutter. Als sie dann eine Zeitlang ins KH mußte, waren wir es, die sich um alles gekümmert haben - was ich ebenfalls ziemlich normal finde.
    Ob du dich auf andere jemals so wirst verlassen können ? Vielleicht hast Du Glück, aber fest damit rechnen würde ich an deiner Stelle nicht.
    Ein Kind ist wahnsinnig fordernd, ja. Aber nur die ersten Jahre. Nach und nach geht es immer häufiger seine eigenen Wege. Meine Tochter ist erst neun, aber selbst bei ihr merke ich langsam, wie die Freunde immer wichtiger werden, wie sie ihre ersten Geheimnisse vor mir hat.
    Ich habe sie die ersten Jahre viel um mich gehabt, lerne aber gerade das erste Loslassen und widme mich wieder mehr meinen eigenen Plänen.
    Es ist jedenfalls ein spannender, manchmal schmerzhafter, manchmal sehr anstrengender, manchmal wunderschöner Prozeß.
    Deshalb finde ich, daß man ruhig eine Weile traurig darüber sein darf, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - nicht Mutter werden konnte oder sogar wollte.

  3. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    @Honeysuckle-Rose
    Danke für deinen Zuspruch. Da hast du schon Recht, dass ich das auch betrauen darf. Wenn man sich für Kinder entscheidet, betrauert man vielleicht auch mal den Verlust der Abhängigkeit oder der beruflichen Karriere oder oder oder...
    Ja, was den Krankheitsfall anbelangt, ist es bestimmt so, dass man die Betreuung als Freund, selbst als enger Freund, lieber der Familie überlässt, wenn es richtig hart oder unappetitlich wird, das ist ja auch etwas, was sehr weit in die Intimsphäre des Kranken eingreifen kann. Das würde mir bei Freunden genauso gehen.
    Wahrscheinlich habe ich einfach Angst, meine Entscheidung später zu bereuen. Andererseits kriege ich schon beim Gedanken an eine Schwangerschaft oder ein Kleinkind, dass vollkommen von mir abhängig ist, Panikattacken.

  4. User Info Menu

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Liebe Schnurrhaar,

    vielleicht hilft es dir bewusst zu machen, dass auch Kinder keine Garantie dafür sind, im Alter alleine zu sein. Ich kenne viele die ausgewandert sind und deren Eltern hier alleine bleiben... oder man verkracht sich oder, oder, oder - sicherlich sind das Ausnahmen, aber die gibt es eben auch.

    Ich glaube aber, man wird immer etwas leicht betrauern... ob man nun keine Kinder hatte oder ob man sich so lange beruflich zurück genommen hatte, dasss man nun bis zur Rente einen blöden Job machen muss...

    Letzlich hat man nur dieses eine Leben und man kann es nur auf eine Art leben... und das fängt schon mit der Berufs-/ Studienwahl an... ich habe da oft auch ein kleinen Stich des Bedauerns...
    Die Bricom bildet mich immer noch - formerly known as marimekko


    _clementine_
    fruchtig süß & kernarm

  5. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wahrscheinlich habe ich einfach Angst, meine Entscheidung später zu bereuen. Andererseits kriege ich schon beim Gedanken an eine Schwangerschaft oder ein Kleinkind, dass vollkommen von mir abhängig ist, Panikattacken.
    Auch das verstehe ich. Mir ging es jahrzehntelang so. Besonders der Gedanke an eine Schwangerschaft und Geburt hat mich extrem abgeschreckt. Ich bin wohl auch so eine mit Schwangerschafts- und Geburtsphobie. War dann im nachhinein gesehen natürlich alles halb so schlimm. Schwanger sein ist auch spannend, und gestillt habe ich ausgesprochen gern und daher auch relativ lang. Hätte ich mir vorher nie im Leben träumen lassen
    Ich bin eine ziemlich späte Mutter, habe mein Kind erst mit 43 bekommen. Es war auch nicht mehr vorgesehen.
    Da ich aber so lange kinderlos gewesen bin und auch Angst vor der Abhängigkeit und dem Freiheitsverlust hatte und dies auch immer als Grund für meine gewollte Knderlosigkeit genannt habe, kann ich mich ziemlich gut in dich hineinversetzen, glaube ich zumindést.
    Man verliert auch tatsächlich seine räumliche Freiheit - die allerdings nur für eine Weile. Ich schrieb ja schon, die Zeitspanne ist relativ gesehen doch recht kurz, die Kinder gehen bald eigene Wege.
    Was man aber auf jeden Fall verliert, ist die Sorglosigkeit. Allein der Gedanke, meiner Tochter könnte etwas zustoßen.... das macht mich kirre. Das würde ich nicht überleben. Alle anderen Schicksalsschläge würde ich schon irgendwie meistern, das weiß ich. Aber wenn ihr was Schlimmes passiert... so sehr liebt man sein Kind. Und das macht natürlich in gewissem Sinne unfrei.
    Von daher ist man ohne Kinder tatsächlich um einiges freier. Nicht nur beruflich oder reisetechnisch oder konsummäßig, wie hier immer wieder gerne angeführt wird. Für mich sind das eher peanuts. Aber mein Herz habe ich für immer verschenkt. Mit allen Konsequenzen.
    Daß du deine Entscheidung später bereust, kann gut sein. Aber du kannst dem vielleicht vorbeugen, indem du dich jetzt damit auseinandersetzt, und das Thema dann vielleicht abschließen kannst. Wir Frauen haben da nun einmal ein Verfalldatum, während ein Mann auch noch mit 60 Vater werden kann (und viele tun es ja auch).
    Deshalb müssen wir es uns ja auch besonders reiflich und gut überlegen....
    Geändert von Inaktiver User (08.02.2012 um 19:30 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Hallo Schnurrhaar,
    Ich bin auch gewollt kinderlos, weil ich a) keinen besonderen Draht zuKindern habe und b) mir meine Unabhaengigkeit wahnsinnig wichtig ist. Klar denke auch ich mir gelegentlich : zu Gespraechen ueber Kinder im Kollegenkreis kannst du irgendwie nichts beitragen, schon komisch; oder : wie wird das mal, wenn du alt bist und der Partner vor dir gehen musste. Doch alles hat eben 2 Seiten - wenn du Kinder hast, wirst du im Alter (und natuerlich auch sonst) viele deiner Entscheidungen von den Kindern abhaengig machen, und das muss nicht nur positiv sein. Hast du keine Kinder, wirst du
    - wahrscheinlich niemandem zur Last fallen, denn es werden sich bezahlte Pflegekraefte um dich kuemmern

    -wirst du einfach so entscheiden koennen, das Haus/die Wohnung fuer einen Spottpreis zu verkaufen, um deinen Ruhestand in Mallorca oder sonstwo anzutreten, ohne dass du das Gefuehl hast die Kinder um ihr Erbe zu betruegen

    - vieleicht irgendwann aus freien Stuecken sagen koennen: Ich will jetzt nicht mehr, ohne ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenueber zu haben.

    Fuer mich selbst kann ich sagen, dass ich von allen Menschen mit mir selbst einfach am besten klar komme, und daher schreckt mich Einsamkeit nicht, eher im Gegenteil. Und Freude am Kinder-Haben ist halt immer relativ - es wird sicherlich Frauen geben, die mit ihrer Rolle als Mutter nicht gluecklich sind (das war z. B. bei meiner Mutter so), doch die werden wohl kaum hier schreiben, weil sie ganz andere Probleme haben.
    Geändert von Inaktiver User (08.02.2012 um 21:33 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Hallo Schnurrhaar,

    Du bist in einem Alter, in dem tatsächlich langsam, aber sicher der Zug namens Kinderkriegen abfährt. Das heißt, Du stehst allmählich wirklich an dem Punkt zu klären, wie ernst Dir Dein fehlender Kinderwunsch ist. Das zu hinterfragen finde ich völlig legitim und auch wichtig für eine bewusste Gestaltung Deines weiteren Lebens.

    Trotzdem kommt mir noch ein anderer Gedanke: Kann es sein, dass Du Deinen fehlenden Kinderwunsch nicht ganz ernst nimmst? Dass Du denkst, dass Deine Mißbrauchserfahrungen und Deine introvertierten Persönlichkeitszüge (der Begriff "autistisch" klingt in diesem Zusammenhang ein wenig wertend...) Dich verunsichern, ob Deine Empfindung, keine Kinder zu wollen, "richtig" ist? Vertraust Du Deiner Wahrnehmung?
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

  8. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Vielen Dank für eure Antworten, wie erhofft waren da schon einige für mich interessante und andere Gedanken dabei!

    @clementine
    Das versuche ich mir auch klarzumachen, dass Kinder keine Garantie dafür sind, nicht einsam zus ein bzw. im Alter betreut zu werden. Meine Eltern z. B. sehe ich auch maximal einmal im Monat, ihr praktisches Leben wäre ohne mich nicht soo anders. Allerdings will ich für sie da sein, wenn sie mal krank werden, sie sind noch sehr rüstig.
    Ich bin vielleicht auch der Typ dazu, immer das zu bedauern, was ich gerade nicht habe, das ist so ein Perfektionismus, dass ja vielleicht doch irgendwas noch besser sein könnte als das, was ich gerade habe.

    @Honeysuckle-Rose
    Das ist ja interessant, dass du auch solche Panik vor Schw. und Geburt hattest und dann so spät noch Mutter geworden bist! Wobei meine Angst vor Kontrollverlust schon ziemlich extrem ist, ich könnte mir gar nicht vorstellen, dass sich das so einfach auflösen würde, selbst wenn ich ein Kind hätte.
    Es ist halt einfach so, dass Menschen mit Kindern - vor allem, wenn man sie nicht so ganz früh bekommt - beides kennen, das Leben mit und ohne Kind. Als Kinderlose kennt man es nur ohne und weiß nicht, wie es einem mit Kind ergangen wäre.
    Oh und dass man sein Herz verliert, das glaube ich. Ich bin da leider ziemlich ängstlich und male schon mir alles mögliche aus, wenn mein Partner mal viel später als vereinbart nach Hause kommt. Und dann so ein kleines Wesen, das auf mich angewiesen ist...

    Danke für die Anregung, mich gut damit auseinanderzusetzen! Diese Zweifel habe ich erst so vielleicht seit einem Jahr und habe sie mir bisher gar nicht bewusst eingestanden, der Strang hier ist eigentlich das erste Mal, dass ich das wirklich so aus"spreche" bzw. -schreibe.

    @Aeryn_Sun
    Vielen Dank auch für dein Post, genau das habe ich gebraucht

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    - wahrscheinlich niemandem zur Last fallen, denn es werden sich bezahlte Pflegekraefte um dich kuemmern

    -wirst du einfach so entscheiden koennen, das Haus/die Wohnung fuer einen Spottpreis zu verkaufen, um deinen Ruhestand in Mallorca oder sonstwo anzutreten, ohne dass du das Gefuehl hast die Kinder um ihr Erbe zu betruegen

    - vieleicht irgendwann aus freien Stuecken sagen koennen: Ich will jetzt nicht mehr, ohne ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenueber zu haben.
    Gute Überlegungen... also wenn ich jetzt so krank oder gebrechlich würde, dass man mir (wie meinen Großmüttern) die Windeln wechseln müsste, dann wäre es mir glaube ich lieber, das würde eine Pflegekraft machen, die nicht emotional beteiligt ist und einfach ihre Arbeit tut.
    Ich habe mir schon überlegt, dass ich das wenige, was ich habe, mal einem guten Zweck, sozialen Projekt o. ä. zukommen lassen möchte. Ich war schon relativ viel in der Welt unterwegs und habe immer das Bedürfnis, meinen relativen Wohlstand zu verteilen, das könnte ich mit Kindern auch nicht in der Art.

    Zitat Zitat von LaRimbecca Beitrag anzeigen
    Kann es sein, dass Du Deinen fehlenden Kinderwunsch nicht ganz ernst nimmst? Dass Du denkst, dass Deine Mißbrauchserfahrungen und Deine introvertierten Persönlichkeitszüge (der Begriff "autistisch" klingt in diesem Zusammenhang ein wenig wertend...) Dich verunsichern, ob Deine Empfindung, keine Kinder zu wollen, "richtig" ist? Vertraust Du Deiner Wahrnehmung?
    Liebe Rimbecca,
    du hast es genau auf den Punkt gebracht, da ist mir gerade ein kleines Licht aufgegangen . Ich finde es überhaupt schwer, meiner Wahrnehmung zu trauen - mit zunehmendem Alter ist es zwar einerseits viel leichter geworden, da das Bauchgefühl und die innere Stimme viel klarer und lauter sind als früher. Aber manchmal weiß ich immer noch nicht so recht, wo ich hin will.
    Ich frage mich manchmal, ob ich mich in meiner leichten Eigenbrötlerei nicht einfach nur eingerichtet habe, weil ich es halt so gewohnt bin, obwohl ich vielleicht mit etwas anderem glücklicher wäre. Oder ob die Empfindung, keine Kinder zu wollen, einfach nur eine Angst oder ein Nicht-Zutrauen ist. Schwer zu beschreiben, als ob dieses Gefühl vielleicht nicht "echt" wäre und ich genauso gut jemand anders sein könnte. Andererseits höre ich, zumindest seit ich ca. Ende 20 bin, immer ganz gut auf meine innere Stimme, und meine Tagträume ziehen mich immer anderswo hin als zu einem Leben mit Kindern.

    Danke!

    Liebe Grüße
    Schnurrhaar

  9. Inaktiver User

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich frage mich manchmal, ob ich mich in meiner leichten Eigenbrötlerei nicht einfach nur eingerichtet habe, weil ich es halt so gewohnt bin, obwohl ich vielleicht mit etwas anderem glücklicher wäre. Oder ob die Empfindung, keine Kinder zu wollen, einfach nur eine Angst oder ein Nicht-Zutrauen ist.
    Diese Gedanken treiben mich auch gerade um. Ich bin allerdings noch in einem Alter, in dem ein Kind prinzipiell noch möglich wäre, eine Entscheidung zu fällen erscheint mir aber gerade nicht möglich.

    Ich bin auch eher "schwer menschenkompatibel", zudem habe ich nicht so positive Erfahrungen in meiner Familie gemacht; irgendwie schleppen bei uns alle eine mehr oder minder schwere psychische Störung mit sich herum.

    Trotzdem merke ich in letzter Zeit, dass ich in meiner Familie, und auch in meiner Schwiegerfamilie, die Menschen finde, die mir am Herzen liegen.
    Und in meinen "weichen" Momenten stelle ich mir dann vor, wie schön es wäre, das weiterzuführen, wie sich meine Mutter und Schwiemu über ein Enkelkind freuen würden, wie ich in zwanzig Jahren mit meinem erwachsenen Kind auf dem Sofa sitze und klöne...

    Klar, rational gesehen weiß ich, dass das alles auch ganz anders sein kann, meine eigene Mutter war jahrelang todunglücklich, weil sie mit uns Kindern überfordert war, zu ihrer eigenen Mutter hatte sie ganz lange keinen Kontakt.
    Aber das Bauchgefühl ist dann stärker.

    Allerdings auch in die andere Richtung: dann habe ich wieder so Momente, wo ich mir das Kinderkriegen als reines Horrorszenario ausmale und mich frage, warum sich in Zeiten von Verhütungsmitteln Menschen so etwas antun.

    Ich beneide die Menschen, die einfach Kinder kriegen in dem Vertrauen, das alles schon irgendwie zu packen.

  10. User Info Menu

    AW: Noch nie Kinderwunsch und dennoch ein bisschen Trauer

    Sich gegen Kinder zu entscheiden bedeutet natürlich auch, auf das Glück, das Kinder mit sich bringen könnten, zu verzichten.

    Ich denke, Du hast das schon abgewogen, indem Du die Nachteile des Kinderhabens für Dich mit eventuellen Glückpotentialen abgeglichen hast. Jetzt fragst Du Dich, ob Du diese Glückspotentiale nicht unterschätzt hast.

    Kinder sind nicht in jedem Fall ein Garant für ewige Liebe.

    Es gibt Kinder, die sich von ihren Eltern abwenden, obwohl die Eltern sich keiner Schuld bewußt sind. Es gibt Kinder, die werden so derart anders als man es erwartet, dass man sie doch nicht so sehr liebt.

    Und Kinder sind auch kein Garant gegen Einsamkeit im Alter. Wieviele Kinder besuchen ihre Eltern nicht im Altersheim?

    Du hast doch eine funktionierende Beziehung, in die Du viel investierst. So lange Dein Partner lebt, musst Du Dich vor Einsamkeit im Alter nicht fürchten.

    Und wenn Du als "verwittwete" alte Frau auf ein erfülltes Leben zurückblicken kannst und eine angenehme Gegenwart im Alter hast, dann musst Du Dich auch nicht einsam fühlen. Du hast dann immer noch Dich und Deine eigene Liebe zu Dir selbst.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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