Das Leben ist aber kein Wunschkonzert, und wenn sich im Staat D jeder das aussuchen koennte, was er moechte, waeren wir sofort pleite. Ich wuerde mir auch gerne aussuchen, keine Steuern zu zahlen, doch das geht nun mal nicht. Renten- , Steuer- und Sozialsysteme geben nun mal vor, wie man mit der vorhandenen Arbeitskraft den Sozialstaat optimal ausgestalten kann. Wenn jemand seine Arbeitskraft nicht einsetzen und sich lieber den Kindern widmen moechte, kann er das in einer idealen Welt gerne tun ( vorausgesetzt, dass es eine wirklich freie Entscheidung ist, d.h. Nicht mit mangelnden Krippenplaetzen begruendet), doch dann muessen wir uns ueberlegen, ob die Allgemeinheit z. B. spaeter die bewusst in Kauf genommenen Rentenausfaelle durch Aufstockung aus den Sozialkassen finanzieren soll. Irgendwo muss man da eine Grenze ziehen, finde ich, und das ist doch mit dem jetzigen Modell der 1-jaehrigen Elternzeit gar nicht schlecht geloest ( immer vorausgesetzt, dass der Krippenausbau weitergefuehrt wird und alle Eltern, die das moechten, auch einen Platz bekommen).
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Thema: Neue Männer...
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02.02.2012, 18:40Inaktiver User
AW: Neue Männer...
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02.02.2012, 21:19Inaktiver User
AW: Neue Männer...
Hmmm.
Wie sieht es in Skandinavien aus, wenn das Kind krank ist?
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02.02.2012, 22:48
AW: Neue Männer...
In Norwegen kann jeder der Eltern 10 Tage im Jahr zuhause bleiben mit einem kranken Kind unter 12 Jahren, bei chronisch kranken Kindern auch bis 18 Jahren. Alleinerziehende entsprechend 20 Tage. In Schweden gibt es meines Wissens auch die Möglichkeit, andere von der Arbeit "freizukaufen", also z.B. die Grosseltern. Dänemark und Finnland weiss ich nicht. Scheint insgesamt ähnlich wie in Deutschland.
Aber mal zurück zu den Vätern/Männern. Ich habe aus der Ferne diese sogenannte Debatte um einen Zeit-Beitrag von Nina Pauer ( Schmerzensmänner) verfolgt, dem dann in mehreren Blättern Repliken und weitere Gedanken folgten. Sind Frauen so ambivalent gegenüber den Männern, die sich der traditionellen Rolle verweigern? Wollen sie das windelversierte Alphamännchen? Schiessen sich Frauen gelegentlich damit selbst ins Knie, oder sind das alles nur Klischees? (So wirkten auf mich jedenfalls die skizzierten Szenen).
Ich selbst sehe einen Unterschied zwischen einem wirklich starken Mann (und einen solchen habe ich, klar, gerne an meiner Seite) und einem, der lediglich Bilder vom starken Mann bedient, die schon bejahrt und nicht wirklich persönlich sind. Wir (also mein Mann
und ich) haben letzthin einige Filme aus den 60ern wieder gesehen (Arabesque, Charade, einige Hitchcocks), und darüber gestaunt, wie antiquiert da das Männer-/Frauenbild mittlerweile anmutet. Da denke ich schon, es ist was in Bewegung geraten, und das sind nicht nur die Frauen.
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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03.02.2012, 06:37
AW: Neue Männer...
Hallo,
ich denke, unser Staat hat inzwischen recht gute rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen: in den ersten 12 bis 14 Monaten wird der Einkommensausfall zum Teil kompensiert, der Arbeitsplatz ist drei Jahre lang gesichert, ab dem dritten Lebensjahr besteht ein Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Es gibt das Ehegattensplitting (das ich als solches ablehne und durch ein Familiensplitting ersetzen würde), die kostenlose Mitversicherung von Ehegatten und Kindern in der Krankenkasse, ...
An mancher Stelle könnte man vielleicht auch gesetzgeberisch noch nachbessern, z.B. für Kind-krank-Zeiten. Vielleicht könnten die Versicherten in der Zeit vor den Kindern eine Art Guthabenskonto bei der Krankenkasse aufbauen, das Eltern über die derzeitigen 10 bzw. 20 Tage im Jahr hinaus ihr Einkommen sichert? Das würde den Staat nichts kosten.
Dass die Realität zum Teil anders aussieht, dafür kann unser Staat nichts:
- die finanziellen Mittel sind in unserer nicht-idealen Welt einfach begrenzt und damit auch die Unterstützung für Eltern und Familien.
- viele Positionen von Frauen erlauben es nicht, drei oder (bei zwei Kindern) sechs Jahre aus dem Beruf auszusteigen und dann problemlos an den Arbeitsplatz zurückzukehren, und das nicht, weil der Arbeitgeber ein unsozialer Schuft ist. Das dürfte einem aber in der Regel bereits bei der Berufswahl bewusst sein.
- an der Akzeptanz und Verbreitung von Teilzeitbeschäftigung müssen wir selbst arbeiten, um sie zu einem Teil der Lebenswirklichkeit im Berufsleben werden zu lassen. Das kann nicht unser Staat "verordnen".
- wenn Frauen mit Partner es sich gefallen lassen, dass sie im Fall einer Berufstätigkeit alleine mit der Doppelbelastung Beruf-Familie dastehen, dann ist das ein Problem innerhalb der Beziehung bzw. Familie. In einer funktionierenden Partnerschaft sollte man dieses Problem gelöst bekommen. Genügend Frauen ziehen sich den Schuh der Doppelbelastung selbst an, weil sie, trotz Berufstätigkeit, ganz unemanzipiert ihre Rolle als "gute Hausfrau und Mutter" nicht aufgeben können und wollen.
Eine Arbeitszeit für beide von etwa 30 Stunden stelle ich mir auch für mich als das Ideal vor. Beide Partner bleiben im Beruf, im Ernstfall kann (hoffentlich) jeder von beiden den Familienunterhalt verdienen (und ist nicht eine ganze Familie vom Alleinverdiener abhängig). Die Kinder wachsen wirklich mit beiden Elternteilen auf. Und auch dem Paar tut es vielleicht ganz gut: ich kenne das eine oder andere Paar, das über die Jahre ungewollt auseinandergedriftet ist, er im fordernden Job, sie als Hausfrau und Mutter.
Aber auch dieses Teilzeit-Ideal ist nicht in allen Familien umsetzbar. Dazu muss der Vater nicht einmal vielbeschäftiger und gestresster Manager sein, sondern es reicht, wenn er Fernfahrer ist, der tagelang am Stück unterwegs ist oder, wie es einem Bekannten von mir gerade passiert, versetzt wird und damit von Montag bis Freitag in einer anderen Stadt ist.
Mandelblüte
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03.02.2012, 09:20
AW: Neue Männer...
ABER SICHER ist das Leben in einer Wohlstandsgesellschaft in weiten Teilen ein Wunschkonzert! Die Rahmenbedingungen hindern NIEMANDEN in D an einem Schulbesuch, einer Lehre, einem Studium, an Weiterbildungen oder ein zeitweisen Änderung der Prioriäten!
Selbstverständlich sollte sich dies im Rahmen einer Sozialgemeinschaft und nicht auf deren Kosten bewegen. ABER ich sehe wirklich kein Grund, warum eine 3-jährige Erziehungszeit zum Schaden der Gesellschaft sein sollte. DAS kostet Geld - aber sicher - aber dann kauft man sich eben kein neues Auto, welches in 3 Jahren 20 TD€ an Wert verliert und investiert das Geld in die Familie und einen Rentenfonds, der die ohnehin geringen Rentenverluste durch 3 Jahre Erziehungszeit mehr als ausgleicht.
Bei der Bewertung von Teilzeitbeschäftigung drehen sich doch viele im Kreis und nennen dies dann Bewegung. Die Gewerkschaften haben noch vor wenigen Jahr FÜR das Recht auf Umwandlung von Vollzeit- auf Teilzeitarbeit gestreikt. Heute bezeichnen sie Teilzeitarbeit als PREKÄRE Arbeitsverhältnisse.
Warum sollte eine Frau in einer Mittelstandsfamilie nur wegen einer Erziehungszeit vom Mann wirtschaftlich abhängig sein? In welchen realen oder virtuellen Welten leben denn diese Meinungsträger? Familiär haben wir ein Gemeinschaftskonto und Rechtlich hat auch der Nicht- oder Geringverdienende Ehepartner Anspruch auf 50 % des wirtschaftlichen Zugewinns zzgl. Renten- und Versorgungsausgleich.
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03.02.2012, 11:31Inaktiver User
AW: Neue Männer...
Deutschland ist mit qualifizierten Teilzeitstellen wirklich nicht gesegnet, oft mangelt es Unternehmen sicher auch am Willen zur Umsetzung. Viele Frauen, die nach der Elternzeit in ein Unternehmen zurückkehren, allerdings mit ca 25 Stunden, werden irgendwo geparkt. Und einen halbwegs anspruchsvollen Job zu finden, der von vornherein ca 25 Stunden umfasst, scheint mir auch nicht gerade wahrscheinlich.
"Teilzeit" bedeutet in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen nun tatsächlich ein "prekäres" Arbeitsverhältnis, 400 Euro Jobs und dergeleichen Erschreckendes mehr.
Was die wirtschaftliche Situation der Frauen angeht: Es gibt nicht nur Mittelstandsfamilien...Und auch von denen kämpfen heute einige um den Verbleib in der Mittelschicht.
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03.02.2012, 12:27
AW: Neue Männer...
Hallo,
der Staat hat dafür ja die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen. Und die Eltern können entscheiden, ob sie drei Jahre Elternzeit in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Dass der Entscheidung für dei volle Elternzeit wirtschaftliche Gründe entgegenstehen können oder dass die konkrete Tätigkeit, die man ausübt, vielleicht keine so lange Pause zulässt, ist eine andere Frage.
Ich verstehe Deine Aufgeregtheit nicht. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind geschaffen. Und dass Eltern, egal wie sie nun Erwerbs- und Familienarbeit für sich ausgestalten, der unausgesprochenen oder offenen Kritik anderer Eltern ausgesetzt sind, ist traurig, aber ist nun einmal so. Da muss man einfach drüberstehen.
Keep cool
Mandelblüte
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03.02.2012, 12:41
AW: Neue Männer...
Hallo,
ich meine auch, dass die von lucindalametta genannte qualifizierte Teilzeit das Problem ist.
Und die bekommen wir m.E. auf zwei Wegen:
- in Branchen und mit Qualifikationen, in denen qualifizierte Arbeitskräfte rar sind. Da wächst auch die Bereitschaft der Arbeitgeber, in Teilzeit einzustellen bzw. in einem vernünftigen Teilzeitmodell zu beschäftigen (weil die Mitarbeiter sonst ganz schnell bei der Konkurrenz sind).
- wenn mehr und mehr Mitarbeiter, und zwar auch männliche - sie einfordern, am einfachsten während der Elternzeit, während der der Arbeitgeber sie nur sehr schwer ablehnen kann.
Mandelblüte
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03.02.2012, 12:41
AW: Neue Männer...
Jede Frau hat nach der 3-jährigen Erziehungszeit einen Rechtsanspruch auf eine gleichwertige Tätigkeit im Unternehmen. Allerdings sollte man dann tatsächlich mal in einer Studie die einzelnen Problemberufe ermitteln. Die Akzeptanz von Teilzeit nimmt mM nach stetig zu, da viele Unternehmen, eine flexible Aufteilung vorausgesetzt, durchaus die Vorteile sehen.
Übrigens zählen die Gewerkschaften auch Auszubildende oder jobbende Studenten zu den Prekären Arbeitsverhältnissen.
Sicher gibt es nicht nur Mittelschichtsfamilien -aber wo ist die Grenze? Ich setze die sehr niedrig an. Sofern eine Familie über eine gefragte Ausbildung verfügt, von ihrer Arbeit ohne Zuschüsse leben kann und laufende Beiträge in die Altersvorsorge, Wohneigentum etc. investieren kann - ist das für mich schon Mittelschicht.
Das sind in unserem Bundesland ca. 85 %, bei 5 % Oberschicht (hat ausgesorgt), 5 % Prekariat und 5 % Sonstigen (allein lebende Studenten, Umschüler etc.).
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03.02.2012, 12:56
AW: Neue Männer...
Ich halte die Schmerzensmänner-Debatte für eine eher groteske (unfreiwillige) Parodie auf die Selbstbespiegelungsmentalität des (deutschen) Medienestablishments. Mal ehrlich, das wirkt doch irgendwie surreal. Auch die Ausschnitte aus dem neuen Buch von Nina Pauer erinnern mich eher an die Nabelschau neurotischer Jungmäner und Jungfrauen (im Alterssinne gemeint). Ich glaube nicht, daß die Schmerzensmänner und die dazugehörigen Optimierfrauen statistisch signifikant sind. Sicht- und hörbar sind sie allerdings. Und ihre Ambivalenz in Liebensdingen ist einfach köstlich (Du siehst, ernst nehmen kann ich das nicht).
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.



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