Entweder diese Männer haben kein Interesse an der Frau oder am Kind. Anders kann ich mir das nicht erklären. Wenn ein Mann sein Kind liebt, dann wird er doch von sich aus, so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen wollen. Vielleicht war der Wunsch des Mannes nach einem Kind, in solchen Fällen ja gar nicht so groß.
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Thema: Neue Männer...
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30.01.2012, 17:19
AW: Neue Männer...
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30.01.2012, 17:41
AW: Neue Männer...
Es stimmt, daß Norwegen ein reiches Land ist. Es hat aber in punkto Gleichstellung eine ähnliche Politik wie die öllosen skandinavischen Nachbarländer. Außerdem ist es nicht so, daß die Leute hier, kaufkraftbereinigt, so viel mehr verdienen. Es sind nur die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsschichten geringer.
Daß die Norweger regelmässig an der Weltspitze liegen in puncto empfundene Lebensqualität, spricht nicht für mehr auseinanderbrechende soziale Strukturen (Scheidungsrate in etwa wie in Deutschland). Und ich kann nicht sehen, daß norwegische Eltern gestresster und unzufriedener sind als z.B. die deutschen - im Gegenteil, sie sind (und ich treffe sie ja beruflich wie privat) eigentlich ein entspannter und gemütlicher Menschenschlag, und eilig läuft hier (außer Petter Northug) eigentlich nichts. Die norwegischen Frauen sind durchweg emanzipierter als die deutschen, und wenn ich auch keine Quellen dazu aus dem Ärmel schütteln kann, so wäre mir noch nie aufgefallen, daß sie mehr im Haushalt arbeiten als die deutschen - es ist andersherum so, daß ich noch nie so viele Männer wie selbstvertsändlich habe Familienpflichten übernehmen sehen wie hier.
Ich will das norwegische System ansonsten gar nicht besonders über den grünen Klee loben, bin zum Beispiel absolut Tigerentes Meinung, daß Teilzeit für beide Eltern eine gute Lösung wäre, da ja zu der Berufstätigkeit auch noch genug Zeit in den Familien sein soll. Und finde ein Jahr Elternzeit zuwenig. Obwohl die Kinderkrippen hier (die ich eben auch beruflich kenne) sehr gut sind, mit Ausstattung und Personaldecke, von der man in D. nur träumt. Und bevor jetzt hier das Öl erwähnt wird - Kinderbetreuung ist nicht billig! Es ist nicht so, daß der Staat so viel sponsort, sondern einfach so, daß die Berufstätigkeit beider Eltern notwendig ist.that was the river - this is the sea
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30.01.2012, 17:48Inaktiver User
AW: Neue Männer...
Tja. Ich habe irgendwie den Eindruck, in der westlichen Welt ist Emanziaption ein Stück weit Synonym für einen Vollzeitjob. Ein Mensch, der sich in erster Linie gern der Familie widmet, wird irgendwie nicht so richtig ernstgenommen. Ich fände TZ für beide Eltern ideal. Ich würde schrecklich gern weniger arbeiten, aber der Trend geht zu immer mehr.
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30.01.2012, 18:55Inaktiver User
AW: Neue Männer...
Teilzeit bedeuted aber auch gleichzeitig, dass gerade fuer kleine Unternehmen ein grosses Personalproblem entsteht. Wenn bei 5 Fuehrungskraeften ploetzlich 2 nur noch 30 H arbeiten wollen, was macht man dann? Eine Teilzeit- Fuehrungskraft einstellen, die die restlichen 20 h macht und dann nach 3 Jahren wieder entlassen wird? Oder die Arbeit bei den verbleibenden 3 Fuehrungskraeften aufteilen, die sich dann auch bedanken werden? Mein Arbeitgeber ist z.B. ein relativ kleines Unternehmen mit hohem Frauenanteil. Jedesmal, wenn jemand in Elternzeit geht, ist ueberhaupt nicht klar, ob und mit wieviel Stunden dann die Betreffende wiederkommt. Das fuehrt zu einem permanenten Personalkarussell mit desastroesen Folgen fuer die Stammbelegschaft. Ich kann gut verstehen, dass El Jefe gerade plant, den Maenneranteil zu erhoehen... Meiner Meinung nach muss das 3-Jahres-Fleximodell dringend abgeschafft und gleichzeitig nach dem Babyjahr eine Untergrenze fuer den Teilzeitanspruch eingefuehrt werden, z. b. : Weniger als 25 h geht nur bei besonderer Belastung durch Krankheit o. ae. , es sei denn, der Arbeitgeber stimmt zu. Das wuerde fuer Planungssicherheit sorgen und laengerfristig auch den Frauen helfen, finde ich.
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30.01.2012, 20:04Inaktiver User
AW: Neue Männer...
Hallo Mary,
hört sich ja paradiesisch an in Norwegen. Aber da ich die Zustände in deutschen Krankenhäusern kenne, mal konkret: wieviel arbeiten denn die ÄrztINNen mit Kindern in Norwegen ? Wer macht dort die Nachtdienste ? Gibt es es dort genug Ärzte bzw. auch genug Geld diese zu bezahlen ? Betreuen Kinderkrippen die Kinder nachts ?(In der Notaufnahme werden ja wohl keine Babys nachts rumkrabbeln).Wer betreut ein Kind, wenn es krank ist ?
Mal ganz abgesehen davon, finde ich Karriere und Kinder weiterhin unvereinbar. Es hat sich einiges getan in bezug auf Betreuungsmöglichkeiten, schon zwischen meinem 1. und dem 3. Kind (18 und 11 Jahre). Meine beiden Großen waren damals die ersten und einzigen Kinder, die eine Übermittagsbetreuung im Kiga in Anspruch nahmen; Mittagessen musste mitgebracht werden und einmal im Monat war der Kiga einfach nachmittags zu wegen Fortbildung; den Anspruch auf einen Kiga-Platz ab 3 gab es erst bei meinem 2. Kind und beim 3. musste ich ihn noch beim Bürgermeister einfordern (Betreuung unter 3 gab es in erreichbarer Nähe nicht; als ich beim Jugendamt wegen Tagesmutter nachgefragt habe hieß es, es gebe weder ein Angebot noch eine Nachfrage. Auf dem land hätte man eine Oma oder die Mütter blieben zuhause, spätestens beim 2. Kind). Nachmittagsbetreuung in der GrundSchule-auch erst beim 3. kind. Da hat sich mittlerweise was geändert, auch hier auf dem Lande gibt es mittlerweile Betreuungsplätze für Kinder unter 3, Mittagessen im Kiga und Betreuung für Grundschulkinder auch in den ferien.
Trotzdem hat sich in den Köpfen der Chefs nicht viel getan. Wenn hier die Kolleginnen mit kleinen Kindern fehlen, weil ein Kind krank ist, gibt es dumme Bemerkungen.Dann müssen die anderen die Arbeit übernehmen, aber dafür ist der Personalschlüssel nicht ausgelegt, weil das Geld dafür angeblich nicht da ist. Außerdem: jedes Jahr der Kampf um Urlaub in den Ferien; teilweise werden genehmigte Urlaube wieder gestrichen.
Gesellschaftlich , habe ich den Eindruck, wird ja mittlerweile mehr akzeptiert, dass Mütter auch arbeiten; was bei mir damals noch nicht der Fall war- da wurde ich schon als rabenmutter hingestellt, weil meine armen Kinder mit 3 in den Kindergarten "mussten" und dann auch noch länger als von 9-12. Aber aus meiner Sicht lässt sich eine volle Stelle immer noch nicht mit (mehreren ) kindern vereinbaren: Musikschule, Sportverein, Einladungen zum Geburtstag, verabredungen zwischen den Kindern finden von 15-18 h statt, ebenso Elternsprechtage, Bastelnachmittage im Kiga oder Grundschule, Termine beim Zahnarzt, evt. Therapien wie Logopädie. Wenn das Kind integriert sein soll, muss man da sein am Nachmittag. Und wenn man noch ein Kind hat, das oft krank ist, wird es sehr schwierig.
Und selbst wenn alles optimal liefe, wollte ich keine volle Stelle: nach 17 Uhr haushalt, Einkaufen, Hausaufgaben kontrollieren, Arztermine- nein danke, selbst wenn ich es mit meinem mann teile (der erst um 19 Uhr nach Hause kommt, aber dafür immer morgens und am Wochenende seinen Part übernimmt).
Für mich wäre die optimale Lösung, wenn beide Eltern weniger arbeiten könnten und Ausfallzeiten wegen Kindern (Krankheiten, Ferien) möglich und akzeptiert wären. Ich bin bald durch mit dem Thema. Vielleicht geht es meinen Töchtern (und meinem Sohn) da mal besser , vielleicht gibt es bis dahin norwegische Verhältnisse.
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30.01.2012, 21:55Inaktiver User
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30.01.2012, 23:35
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30.01.2012, 23:52
AW: Neue Männer...
Na, reden wir doch mal von anderen skandinavischen Nachbarländern, z.B. Schweden.
Mit der Gleichstellung ist es nicht weit her in Schweden - Gehaltslücke ca. 20 %, vor allem deshalb etwas geringer als in Deutschland, weil durch Steuer-und Abgabendruck der Druck auf beide Eltern, erwerbszuarbeiten, höher ist als in Deutschland, mehr Frauen Vollzeit arbeiten müssen, um einen durchschnittlichen Lebensstandard ihrer Familien zu halten.
Frauenanteil im höheren Management 5 %, in Schweden (11% in den USA).
Die Arbeitsplatzsegregation ist trotzdem höher als irgendwo sonst auf der Welt: 75 % der erwerbsarbeitenden Frauen arbeiten im ÖD, oft Teilzeit, weil das dort eher möglich ist bei höheren Löhnen.
75 % der erwerbsarbeitenden Männer arbeiten im privaten Sektor, oft Vollzeit plus Überstunden, der für diesen ÖD, der Frauen eine Work-Life-Bilanz ermöglichen kann, die ihren Vorstellungen entspricht, unter Konkurrenzdruck das Geld verdienen muss.
Das Schöne am ÖD ist ja, dass dort nicht um Kunden gekämpft zu werden braucht - die treibt der Staat zu. Der Staat treibt via Steuern und Abgaben auch die Kosten ein. Der Bürger wird gezwungen, die Dienstleistungen des ÖD zu kaufen, ob er sie will oder nicht, ob er sie braucht oder nicht, ob er mit ihnen zufrieden ist oder nicht. Und die Preise, die der Staat festsetzt, der Monopolanbieter ist, MÜSSEN gezahlt werden.
Unter diesen Bedingungen lässt sich eine ganz andere Work-Life-Bilanz darstellen als dort, wo der Kunde nicht jeden Preis zahlen muss, sondern zur Konkurrenz gehen kann, die vielleicht besser und billiger ist, wo der Kunde entscheiden kann, ob er kaufen will oder nicht.
Der ÖD ist aber vom privaten Sektor abhängig. Nur wenn dort genug verdient wird, ist auch genug Finanzmasse da, um die leistungsdruckgeminderten Verhältnisse im ÖD zu subventionieren.
Norwegen hat diesen Druck nicht wg. seines Ölreichtums.
Es kann sehr viel entspannter einen hohen Lebensstandard genießen, ohne Verschuldung, weil das Öl ein anstrengungsloses Einkommen ermöglicht.
Zu Schweden:
Sweden is not a great place to be a working parent | Politics | The GuardianGeändert von arouet58 (31.01.2012 um 00:09 Uhr)
Cum grano salis
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31.01.2012, 11:21Inaktiver User
AW: Neue Männer...
arouet, an dem von Dir zitierten Artikel stören mich schon ein paar Kleinigkeiten (mal ganz abgesehen davon, dass ich vom stockkonservativen Guardian auch nichts anderes erwartet hätte).
Diese Abqualifizierung von öffentlichem Dienst als einem Hort der schlecht bezahlten Arbeitsplätze, die außerdem ja eine viel niedrigere Qualifikation erfordern, das finde ich zum Beispiel völlig daneben.
Ich sehe eher, dass man im öffentlichen Dienst auch mit hoher Qualifikation eben schlechter bezahlt wird, das stimmt schon - aber dafür hat man eben andere Vorteile, die unter anderem auch damit zu tun haben, dass die Jobs im öffentlichen Dienst familienkompatibler sind. Und ja, das lockt auch Männer an. Ich arbeite in einem extrem männerdominierten Bereich, alle meine Kollegen (und ich auch) sind von Jobs in der Privatwirtschaft, wo wir deutlich besser verdient haben, auf diese ÖD-Jobs gewechselt - weil es auch den Männern einen Einkommensverlust wert war, mehr Freiheiten und auch mehr Zeit für die Familie zu haben.
Deshalb erlebe ich auch teilweise so ein Arbeitsumfeld, wie Mary es beschreibt - ich habe durchaus schon mein Baby oder mein Kind mal zu einer Besprechung mitgebracht, und es hat sich keiner beklagt, sondern eher Wochen später nochmal nach dem Befinden des Zwergs gefragt.
Ich wäre schon froh, wenn ich leichter eine gute Tagesmutter oder einen guten Krippen-/Kindergartenplatz für meine Kinder gefunden hätte, was mit einer Infrastruktur wie in Norwegen oder Schweden eben deutlich leichter gewesen wäre. Wenn mein Großer in die Schule kommt, kommen dann andere Probleme (kein Hortplatz, aber immerhin hoffentlich an 3 Tagen Nachmittagsunterricht, und mein Arbeitgeber bietet immerhin Ferienbetreuung an).
Hätte ich nicht einen "neuen Mann" zu Hause, dem es Freude macht, sich gleichberechtigt an den Familienpflichten zu beteiligen, würde ich das gar nicht schaffen. Zwar mache ich mehr im Haushalt als mein Mann, aber das ist okay, denn selbst bei gleicher Arbeitszeit bin ich mehr zu Hause, weil mein Mann pro Tag über 2 Stunden Fahrzeit hat, während ich an den Home-Office-Tagen keine und an den anderen maximal 1 Stunde Fahrzeit habe.
Aber um nochmal auf das Eingangsposting zurückzukommen - es wäre schon schön, wenn es in Deutschland ein Klima gäbe, das es normal macht, dass Männer sich so beteiligen, wie der meinige das tut. Leider sehe ich oft unter Männern und unter Frauen noch eine massive Zementierung der alten Rollenklischees. Neulich habe ich innerlich gekocht, als eine Nachbarin einer anderen Nachbarin erzählte, wie unfähig ihr Mann sei, das Kind anzuziehen, er würde ja so unmögliche Sachen aussuchen, nee, das würde sie dann doch lieber selbst machen. Aber dann jammern, dass alles zu Hause an ihr hängen bliebt...
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31.01.2012, 14:57Inaktiver User



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