Warum wollt ihr Kinder haben?
Warum habt ihr Kinder bekommen?
Weil sie süß sind? Weil sie euch (hoffentlich) glücklich machen? Als Krönung der Liebe?
Warum möchte man Kinder haben, die Zeit und Nerven rauben, teuer sind, eigene Hobbies einschränken, jede Menge Organisation bedürfen?
Ich frage deshalb so plump und auch provokant, weil ich ebenso (fast mit ähnlichem Wortlaut) von einem (nicht meinem) Freund mit den Fragen konfrontiert wurde...und trotz Kinderwunsch erstmal überlegen musste. Überlegen aber hauptsächlich, weil so direkt und auch provokant gefragt wurde.
Ihm reichte meine Antwort "eigene Familie gründen...schon immer in der Lebensplanung an Kinder gedacht...etc." nicht aus...! Mir schon ;-)
Was wäre eure Antwort gegeben?
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Ergebnis 1 bis 10 von 64
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13.10.2011, 17:18Inaktiver User
Warum wollt ihr Kinder haben?
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13.10.2011, 17:43
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Hallo Springtime
Ich glaube, um die Einschraenkungen, die es mit sich bringt Kinder aufzuziehen, wird momentan ein ganz riesengrosser Hype gemacht. Das ist einfach gerade modern, die Nachteile so extrem zu betonen.
Ueber die Gruende kann ich nur spekulieren, hier ein paar meiner persoenlichen (!) Thesen:
- Eine Art von "sich absetzen wollen": Grundsaetzlich gibt es ja einen gesellschaftlichen Konsens, dass Kinder eine Bereicherung sind (sollte man vielleicht auch mal drueber nachdenken, ob das wirklich so aus der Luft gegriffen ist), und dass Eltern das Wohlergehen des Kindes an erste Stelle ruecken oder es tun sollten. Durch fortlaufendes Betonen, dass man die eigenen Kinder ja gaaaar nicht sooo toll findet, und natuuuuuuerlich nicht alles fuer sie opfern wuerde, und das Kinder sooooo eine schreckliche Einschraenkung sind, kann man sich von der "kinderfreundlichen Masse" absetzen und schrecklich individuell sein.
- Moderner "Superoptimierungszwang": Alles im Leben muss einem Zweck dienen, allermeistens ist damit ein finanzieller gemeint, es muss - im finanziellen und uebertragenen Sinne - "etwas einbringen". Da geraet alles, wirklich alles, unter Rechtfertigungszwang, das ist nicht nur beim Kinderwunsch so. Man kann ja gerade hier sehr schoen beobachten, dass sowohl Eltern als auch Kinderlose sich staendig rechtfertigen muessen oder zumindest so empfinden. Es hat also weniger mit der Entscheidung als solche zu tun, sondern damit, dass es viel zu viele Menschen gibt, die meinen, ueber die Lebenskonzepte Anderer zu Gericht sitzen zu duerfen.
- Veraenderte Geschlechterrollen: Das ist ein unheimlich weites Feld, und meine Gedanken dazu sind noch lange nicht ausgereift und stimmig. Gerade in Sachen Frauenrolle hat sich ja in den letzten 100 Jahren unheimlich viel getan. Das ist historisch gesehen nicht so lang. Es ist toll, was Frauenrechtlerinnen und Frauen im Allgemeinen erreicht haben, es ist auch toll, wie sich viele Maenner den veraenderten Geschlechterrollen angepasst haben. Aber irgendwie sind wir noch immer im Anpassungsprozess. Klar ist, dass das alte Modell "Frau als Brueterin - Mann als Versorger" nicht mehr bindend ist, aber die Alternativen sind vielfach noch nicht so ganz klar. Im Moment ist ja das normalste Frauenbild das der "Superfrau", die die Rollen der Brueterin und der Versorgerin in sich kombinieren muss, weil sie keine so ganz aufgeben kann. Diese Unklarheit und Ueberlastung, meine ich, wirkt sich auch auf das "Vergnuegen" am Kinderhaben aus, weil Frauen sie weder ganz unbeschwert an andere "Brueter" abgeben ("Rabenmutter") noch sie ganz unbeschwert selber "bebrueten" koennen ("Heimchen am Herd").
- Individuelles Anspruchsdenken: Verwandt mit der "Superoptimierung" - jedem Einzelnen muss es ununterbrochen super gehen, alle Beduerfnisse (und das muessen gar keine bloeden, oberflaechlichen sein) muessen jederzeit schnell zu befriedigen sein. Ansonsten hat man "sein Leben nicht auf der Reihe". Natuerlich veraendern Kinder das Leben und die "Aufzucht" ist auch anstrengend. Ich frage mich aber, warum das gerade in Sachen Kinder so dermassen breit getreten wird. Mir ist KEINE Diskussion ueber andere Lebenseinschnitte, z.B. Schulabschluss, Arbeitsbeginn, Umzuege.... bekannt, zu denen in dermassen epischer Breite ueber die Einschraenkungen lamentiert wird. Also, ich kann mich auch jetzt ohne Kinder nicht mehr so entspannt fallen lassen wie mit 14, als ich noch ein ganzes Stueck weit von Mama behuetet wurde, nur so als Beispiel. Es ist noch niemandem eingefallen, mich darob zu bedauern (zum Glueck
). ALLE Lebensabschnitte kommen mit neuen Einschraenkungen und Freuden, aber bei Kindern wird das auf einmal zum Weltuntergang.
Klar, den Zustand "Kinder haben" kann man erstmal nicht mehr veraendern. Er haelt lange an. UND: Anders als das "Erwachsenwerden" und "Fuer sich selbst Sorgen Muessen" sucht man ihn sich aus.
Ich glaube, das ist die Crux: Wir haben das Glueck, uns fuer oder gegen Kinder entscheiden zu koennen, aber damit MUSS man sich auch entscheiden. Und - s. Optimierungszwang - diese Entscheidung wird sozial sanktioniert (also positiv oder negativ aufgenommen).
Du siehst - das Thema triggert mich unheimlich!
Ich lebe ja in der schoenen grauen Theorie, aber meine Meinung ist bisher, dass der Wahnsinnsaufstand, der um das Thema "Kinder oder nicht" gemacht wird viiiiiiel groesser ist, als die grundsaetzlichen Einschraenkungen, die sowohl Eltern als auch Kinderlose hinzunehmen haben.
Gutes Gelingen Euch!
Ach so, meine Antwort:
"Wir haben jetzt einfach das Beduerfnis danach."
Alle weiteren Fragen:
"Ich finde diese Diskussion wird unnoetig gehypt" (s.o.)
Geändert von Flau (13.10.2011 um 18:04 Uhr) Grund: Hab ueber alles gequasselt, aber nicht darueber, was die TE wissen wollte... *peinlich*
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13.10.2011, 17:50
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Für mich gibt es nicht die Antwort.
Aber diese hier ist für mich sicher eine:
"Ich gehör mir nicht mehr allein, nein,
ganz frei werd ich nie mehr sein,
ganz sorglos und ganz unbeschwert
Jede Entscheidung, jeden Schritt,
jeden Gedanken lenkst du mit
so lange wie ich denken werd.
Aber meine Sorglosigkeit
bin ich zu tauschen gern bereit
und meine Ruhe geb ich her,
für das Knäuel, das sich an mich hängt,
den Freudenschrei, der mich empfängt,
wenn ich am Abend wiederkehr.
Abends an deinem Bett zerrinnt das Wichtige zur Nichtigkeit.
Ratlos und voller Dankbarkeit steh ich vor dir und ich empfind
so etwas wie Demut, mein Kind."
(R. Mey)
Ich empfinde das als Liebe, und es war sicher das Gefühl, mit einem Kind leben und ihm diese Liebe geben zu wollen, das in meinem Kinderwunsch mitschwang.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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13.10.2011, 18:00Inaktiver User
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Weil es ein wichtiger Aspekt in meinem Leben ist, den ich nicht missen möchte.
Es gibt keinen Menschen, der einem sonst so nahe steht.
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13.10.2011, 18:47
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Antunna und Maryquitecontrary:
Was Ihr geschrieben habt, finde ich wunderschön!!!
Danke dafür!
Flau, Deins war mir gerade etwas zu lang zum lesen ... sorry
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14.10.2011, 14:54
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Bei mir hat die Liebe zu meiner Frau und ihre Liebe zu Kindern folgerichtig dazu geführt. Wie hätte ich ihren Wunsch abschlagen können.

Nach dem ersten Kind war es allerdings die pure Freude am Leben mit Kindern, die dann die Entscheidung für die folgenden Kinder leicht gemacht haben.
Um mit Reinhard Mey zu spechen:
Morgen brennt auf meinem Kuchen wieder eine Kerze mehr.
Käme aus dem Anlaß die berühmte güt'ge Fee daher
Und sagte: "Du hast drei Wünsche frei!, wär' mir die Antwort klar:
Erstens eine zweite Halbzeit, genau wie die erste war,
Zweitens würd' ich gern die doppelte Zeit Kerzen brennen seh'n,
Drittens soll das Haus voll alter Freunde aus den Fugen geh'n
Und von Kinderlärm erbeben, zwei Enkel auf jedem Knie,
Und dich als Großmutter daneben, happy birthday to me!
Gruß
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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14.10.2011, 15:32
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Ich finde auch all Eure Elternposts wunderbar und so entspannt (auch wenn Euch vielleicht nicht immer so zumute ist
)!
Hans Dampf, ich glaube, von dieser "Erweiterung" Eurer Liebe als Paar habe ich in einem anderen Strang schonmal gelesen, kann das sein? Das spricht mich besonders an, vielleicht weil ich mich auch als (noch?) Kinderlose besonders gut damit identifizieren kann.
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14.10.2011, 16:16
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
Vielleicht meinst Du diesen Strang (auf der 2. Seite).?
http://bfriends.brigitte.de/foren/ge...r-kriegen.html
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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14.10.2011, 16:36
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14.10.2011, 16:39
AW: Warum wollt ihr Kinder haben?
@Hans Dampf: Ja, genau.
Fand ich schon da sympathisch.


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