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  1. Inaktiver User

    Kind = Ehrengast

    Um den anderen Thread nicht mit OT zu strapazieren, möchte ich das Thema hier weiterführen.
    Das Ausgangsposting:
    Zitat Zitat von Sonderzeichen Beitrag anzeigen
    fuer kinder ist dies zumindest von vorteil.

    wer moechte nicht gern ehrengast sein, der heiss ersehnt wird und um den sich alles dreht? ist doch besser als ungeplant ins leben seiner eltern zu platzen und dann irgenwie "mitzulaufen".

    im schnitt geht es den kindern in dieser situation deutlich besser.
    Ich finde gerade diese Denkweise nicht gut. Das Kind als goldenes Kalb, um das alle herumtanzen, dem jeder Wunsch erfüllt wird. In der Schule, spätestens im Berufsleben haben solche Menschen riesige Probleme, weil sie nicht mehr im Mittelpunkt stehen.
    Da noch lieber das Nebenherlaufen.
    Wobei es mir als Kind maßlos auf die Nerven gegangen wäre, so gehätschelt zu werden.
    LG,
    Lakritze

  2. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Das Kind als goldenes Kalb, um das alle herumtanzen, dem jeder Wunsch erfüllt wird. In der Schule, spätestens im Berufsleben haben solche Menschen riesige Probleme, weil sie nicht mehr im Mittelpunkt stehen.
    Sehe ich auch so. Wir haben so einen kleinen Mini-Saddam im Bekanntenkreis. Er ist der einzige Inhalt der Welt seiner Eltern. Er darf alles, wird für absolute Selbstverständlichkeiten in Grund und Boden gelobt und hat inzwischen keine Eltern mehr, sondern unterwürfige Sklaven, die ihn hofieren wie eine Gottheit. Grenzen oder Konsequenzen, falls diese überschritten werden? Fehlanziege. Der Junge weiß mit seinen knapp fünf Jahren bereits haargenau, wie er seinen Willen immer und immer wieder durchsetzen kann und im Notfall wird eben geheult oder mit übelsten Wutanfällen reagiert.

    Mir tut der kleine Kerl inzwischen wirklich Leid. Jeder ist genervt von ihm, andere Kinder meiden ihn ob seines völlig unsozialen Verhaltens und seinem Anspruch, überall die Prinzenrolle einnehmen zu wollen. Und die Eltern sind sich keiner Schuld bewusst. Und der Junge, der überhaupt nichts dafür kann, muss nun und in Zukunft ausbaden, was die Eltern als einzig richtig ansehen

    Ih finde es sehr, sehr wichtig, dass Kinder das Gefühl bekommen, erwünscht, geliebt und beschützt zu sein und speziell im emotionalen Bereich eben nicht nur nebenherlaufen. Aber dieses Ehrengastprinzip im Sinne von, darf alles, ist unantastbar und jeder Wunsch wird erfüllt, ist das ebenso falsche Gegenteil.

    Gruß, Spellbound

  3. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Das wird dann noch getoppt wenn es das einzige Enkelkind ist und dazu noch vier Großeltern hat, die das Kind anbeten.

    Nein, ich seh das auch sehr kritisch, dieses Ehrengastdasein. Ein Kind ist ein Kind und für mich gibt es ein Kinderleben und ein Erwachsenenleben, und das ist nicht immer deckungsgleich. Und deshalb muss ich auch nicht alles und jedes an meinem Kind ausrichten und als Person völlig verschwinden und nur noch dem Kind zu Willen sein. Das tut niemand gut.

  4. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Schliesse mich den Vorschreiberinnen an.
    Das Kreiseln ums Kind findet (in der Regel) ein natuerliches Ende, wenn mehrere Kinder dasind. Da sind die ganzen Massstaebe, die leider vor allem von Muettern selbst an sich angelegt werden, gestuetzt von entsprechenden psychologischen Ratgebern, nicht mehr durchzuhalten; das beobachte(te) ich an mir selbst und Freundinnen mit Kind. Sobald das zweite Kind daist, kann man- als banales, aber folgenreiches Beispiel- nicht mehr immer und sofort springen, wenn eines der beiden Kinder schreit- weil man das andere gerade fuettert usw. Dennoch ist das "ein Kind auf keinen Fall schreien lassen" eine heilige psychologische Kuh, und wenn nicht dies, so doch Quell schlechten Gewissens von vielen Muettern. Nicht, dass man ab dem zweiten Kind dann ploetzlich kein schlechtes Gewissen mehr haette, aber dennoch macht sich eine gelassenere Stimmung breit, die auch mal Saetze murmelt wie "Das wird es jetzt schon gut ueberleben" oder "Wenn man jede Sekunde springen muesste, haette der Mensch evolutionstechnisch nicht ueberlebt".

    Die uebertriebene Kindzentriertheit schadet sichtbar auch den Kindern, die sich, spaetestens, wenn mit realistischen, anderen Massstaeben der Aussenwelt konfrontiert, nicht gut integrieren koennen. Die es nicht gewohnt sind, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Die Langeweile nicht aushalten, weil an Dauerbespassung gewoehnt.
    Ausserdem berauben (zugut)meinende Eltern, die ihren Kinder alle Wuensche von den Augen und Lippen ablesen, auch ihre Kinder um einen Gutteil ihrer Kindheit: Ein Junge aus der Klasse meines Sohnes (6) ist schon voellig vertraut mit James Bond/Wii-Playern/Starwarsfilmen- er kann sich an Kleinem, Unspektakulaererem nicht mehr freuen und hat damit locker ein paar Freu- und Entwicklungsjahre uebersprungen. Und wenn sich andere an anderem freuen (gestern Geburtstagsfeier meines Sohnes, Zauberer machte Kunststuecke), spuckt er ihnen gern in die Suppe, wird destruktiv.
    Und er ist auch noch die Ausnahme zur oben aufgestellten "Geschwisterregel": Derselbe Junge ist der Aelteste von dreien und dennoch total verzogen. Er tut mir gleichzeitig leid, sehe vieles an seinem Verhalten als direktes Resultat des Erziehungsverhaltens oder Imitat des Verhaltens seiner Eltern, und dennoch nervt er mich. (Stehe noch unter dem direkten Eindruck der gestrigen Feier).

    Der Geburtenrueckgang befoerdert sicher noch die Tendenz, das einzelne Kind fast als Heilsbringer zu feiern/sehen. Und gleichzeitig der grosse Fall in die Enttaeuschung, wenn das heissersehnte Kind sich als etwas anderes entpuppt. Oft sind ja die Ueberfrachtungen des Kindes nur Ausdruck verborgener Enttaeuschung, Wiedergutmachungsversuche am Kind. Dann bekommt es halt noch das Extraeis oder wasauchimmer.

    Ich finde die Verunsicherung, wie man Kinder am besten erzieht, mit ihnen lebt usw., ist gewachsen. Auch, weil es immer weniger Kinder gibt, man es nicht "einuebt".

    Eltern, die ihrem Kind einen "Ehrenplatz" zuweisen, wollen schliesslich auch nur das beste fuer ihr Kind- und was letztlich das beste fuer es war, stellt sich oft erst retrospektiv heraus. Erziehen findet immer im offenen Terrain statt; erst die Zukunft wird zeigen, was gut, was weniger gut war. Und selbst dann weiss man oft nicht: was war Glueck, was genetisch so angelegt, was Erziehungsfolge, was Imitation?
    Ich rechne fest damit, dass eines meiner vier Kinder mir/uns spaeter wegen irgendetwas Vorwuerfe machen wird, denn allen vieren koennen wir es gar nicht ganz rechtmachen. Ich hoffe nur, dass wenigstens einer meine Neigung zum Differenzieren geerbt hat. Das waere schon mal viel.

  5. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    kleinen Mini-Saddam im Bekanntenkreis. Er ist der einzige Inhalt der Welt seiner Eltern. Er darf alles, wird für absolute Selbstverständlichkeiten in Grund und Boden gelobt
    So einen Fall konnte ich früher schon in der Verwandtschaft beobachten.

    Die Steigerung erlebe ich jetzt im Berufsleben bei zwei Kolleginnen, die ein Einzelkind haben. Die eine redet ihren 14-Jährigen immer noch mit "mein Herz" an, er darf sie jederzeit anrufen und von der Arbeit abhalten, obwohl sie am frühen Nachmittag eh zu Hause ist. Die andere hat ihr ganzes Büro mit Riesenfotos von ihrem Fünfjährigen regelrecht tapeziert. Abartig finde ich so was.

  6. User Info Menu

    AW: Kind = Ehrengast

    Ich orakle jetzt mal: In dem Strang werden sich X Beispiele aus dem Bekanntenkreis für "Minisadams" häufen. Man wird feststellen, wie furchtbar das ist, dass es das früher ja nicht gegeben hat, dass man selbst auch groß geworden ist, ohne Ehrengast zu sein, dass man es bei den eigenen Kindern völlig anders machen würde/macht etc. etc.

    Gähn. Ich kann diese Kleine Tyrannen Geschichten ehrlich nicht mehr hören. Klar gibt es die, sicher, aber erinnert sich noch jemand an all die Artikel über verwahrloste, misshandelte Kinder? Die gibt's auch und dann gibt's da noch die große, große Mehrheit der Kinder, die weder verwöhnt noch vernachlässigt sind, sondern schlicht stinknormal groß werden. Aber über die zu schreiben wäre ja langweilig ...

  7. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Kind = Ehrengast

    Zitat von Sonderzeichen Beitrag anzeigen
    fuer kinder ist dies zumindest von vorteil.

    wer moechte nicht gern ehrengast sein, der heiss ersehnt wird und um den sich alles dreht? ist doch besser als ungeplant ins leben seiner eltern zu platzen und dann irgenwie "mitzulaufen".

    im schnitt geht es den kindern in dieser situation deutlich besser.
    Also ich interpretiere das anders, als die meisten hier.

    Es ist schon etwas anderes, ob ich ein Kind geplant bekomme oder nicht.

    Wenn ich es plane, dann mache ich mir vorher Gedanken darüber, ob ich das finanziell überhaupt wuppen kann.
    Heißt für mich, nicht nur grade mal so, sondern ich möchte einem Kind auch etwas bieten können (klar geht es auch anders, wenn es muss).
    Das heißt nicht, dass unsere Kinder jeden materiellen Wunsch erfüllt bekommen haben.
    Aber...jeder hat, als sie älter waren, ein eigenes Zimmer, sie bekommen gute Kleidung, sie durften in verschiedene Vereine, sie haben jede finanzielle Unterstützung bekommen und bekommen sie noch, welche die Ausbildung betrifft.
    Und selbstverständlich kriegen sie auch außerhalb bestimmter Ereignisse mal was zugesteckt ;-)

    Bekomme ich ein Kind *ungeplant*, dann ist es möglich, dass ich all das dem Kind nicht bieten kann, sondern eben nur das Nötigste.
    Klar ist damit auch jeder groß geworden und wird es auch heute noch - aber wenn man schon die Wahl hat, bevorzuge ich ersteres.

  8. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Zitat Zitat von Jo68 Beitrag anzeigen
    Ich orakle jetzt mal: In dem Strang werden sich X Beispiele aus dem Bekanntenkreis für "Minisadams" häufen. Man wird feststellen, wie furchtbar das ist, dass es das früher ja nicht gegeben hat, dass man selbst auch groß geworden ist, ohne Ehrengast zu sein, dass man es bei den eigenen Kindern völlig anders machen würde/macht etc. etc.

    Gähn. Ich kann diese Kleine Tyrannen Geschichten ehrlich nicht mehr hören. Klar gibt es die, sicher, aber erinnert sich noch jemand an all die Artikel über verwahrloste, misshandelte Kinder? Die gibt's auch und dann gibt's da noch die große, große Mehrheit der Kinder, die weder verwöhnt noch vernachlässigt sind, sondern schlicht stinknormal groß werden. Aber über die zu schreiben wäre ja langweilig ...

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich kenne ja nun zwangsläufig viele Kinder (meins geht in einen altersgemischten Kindergarten und wir sind mit vielen Eltern befreundet und unternehmen ab und zu auch privat etwas miteinander, auch in der Nachbarschaft gibt es viele Kinder), darunter sind viele Einzelkinder, und alle sind stinknormal, haben meistens einen guten und manchmal einen schlechten Tag, sind aber durchweg liebe, lustige und ganz gut erzogene kids.
    Ich kann diese Geschichten auch nicht mehr hören. Ich will niemanden persönlich angreifen, aber mir ist schon öfter aufgefallen, dass sie meistens von Kinderlosen kommen, und ich frage mich, warum.

  9. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich will niemanden persönlich angreifen, aber mir ist schon öfter aufgefallen, dass sie meistens von Kinderlosen kommen, und ich frage mich, warum.
    Da Du ja offensichtlich mich meinst (hättest übrigens auch direkt fragen können, so ein Mimöschen bin ich nicht... Und dieses um den heißen Brei herumgerede mag ich nicht):

    Ich habe zwar keine eigenen Kinder, erlaube mir aber aufgrund von insgesamt 9 Nichten und Neffen, zwei Patenkindern sowie zahlreichen Kindern aller Altersklassen im Freundeskreis, mit denen ich häufig zu tun habe, trotzdem eine Meinung dazu.

    Ich kann nur bestätigen, was ihr (Jo68 & Du) geschrieben habt: Auch aus meiner Sicht und Erfahrung sind die wirklich allermeisten Kinder stinknormal. Um die stinknormalen ging es hier aber nicht, sondern um die Frage, was eine zu überzogene Fixiertheit aufs eigene Kind möglicherweise für Folgen haben kann! Und ich schilderte ein Beispiel, das mir spontan dazu einfiel. Keine Verallgemeinerung, ein Besipiel...

    Das Beispiel eines Kind übrigens, das auch Müttern aus dem gleichen Bekanntenkreis genau deshalb auffällt.

    Und warum diese Beispiele in Deiner Wahrnehmung gehäuft von Kinderlosen genannt werden, das kann ich Dir leider nicht beantworten. Einen versteckten Kinder- und Mütterhass suchst Du zumindest bei mir vergeblich.

    Gruß, Spellbound
    Geändert von Inaktiver User (19.05.2009 um 14:13 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Kind = Ehrengast

    Spellbound, ich habe Dich weder "offensichtlich" persönlich gemeint, noch "suche ich einen versteckten Kinder- und Mütterhass" bei Dir. Dass Du das, was ich geschrieben habe, sofort und ausschließlich auf Dich beziehst, verstehe ich zwar nicht ganz, aber sei´s drum. auslassen. Aber bitte interpretiere keine Aussagen in mein posting, die ich nicht gemacht habe - das mag ich nämlich nicht, ok ?

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