Mich würde mal interessieren, ob die ungewollt Kinderlosen unter euch auch des öfteren mit taktlosen Bemerkungen konfrontiert werden.
Ich selbst bin 45, hatte eine mehrjährige Beziehung mit einem Mann, der sich letztlich als unreif und nicht bindungswillig entpuppte, bin seit fast vier Jahren wieder Single und nicht unbedingt davon überzeugt, dass sich daran noch etwas ändern wird. Kinder habe ich nur deshalb nicht, weil ich einfach nicht den richtigen Mann dafür gefunden habe; auch waren die familiären Rahmenbedingungen in meiner Herkunftsfamilie aus Gründen, die ich in diesem Thread nicht groß vertiefen möchte, nicht gerade günstig für "Partnerfindung" und Familiengründung.
Bis vor wenigen Jahren war ich immer richtig "fertig", wenn ich erfuhr, dass andere mir bekannte Frauen schwanger waren. Mittlerweile hat das zum Glück nachgelassen; ich habe mich weitgehend damit abgefunden, dass sich mein Familienwunsch nicht erfüllt hat, und sehe es halt als "Schicksal" an.
Trotzdem bin ich immer wieder fassungslos über die Unsensibilität der Mitmenschen, die offenbar gar nicht auf die Idee kommen, dass nicht jede kinderlose Frau (die wie ich noch dazu Dauersingle ist) sich diesen Zustand gewünscht und freiwillig ausgesucht hat. Da wird im Kollegenkreis stundenlang über die Kinder gesprochen ohne Rücksicht darauf, dass Kinderlose dadurch automatisch vom Gespräch ausgeschlossen werden. Wenn eine Kollegin ein Baby bekommen hat und dies am Arbeitsplatz "vorstellt", ist von vornherein klar, dass nur diejenigen Frauen es auf den Arm nehmen dürfen, die selbst Kinder und somit "Erfahrung" haben; die anderen werden erst gar nicht gefragt. Und aufdrängen mag ich mich nicht. Selbst von Vorgesetzten kommen bei solchen Gelegenheiten Sprüche wie "Die Eltern unter uns wissen, dass..." - man selbst steht wie ein Marsmensch daneben, der nicht mitreden kann und ein Defizit hat. Bei runden Geburtstagen wird betont, dass die Jubilarin ja auch Mann und Kinder habe - die Grundausstattung also, die einen offenbar erst zu einer vollwertigen, ernst zu nehmenden Frau macht. Eine Mitarbeiterin (mit Kind natürlich) meinte kürzlich zu mir, Mitarbeiterin XY hätte so strahlende Augen bekommen, seitdem sie Kinder hätte; bei ihr sei das nach der Geburt ihres Kindes auch so gewesen. Sie weiß natürlich ganz genau, dass ich keine Kinder habe (mir ist im übrigen auch nicht aufgefallen, dass die Augen bei Frau XY strahlender geworden wären, nur weil sie inzwischen Kinder hat). Leider gehört die Mitarbeiterin, die das sagte, nicht zu den leistungsstärksten; ich habe diese Bemerkung als Vorgesetzte natürlich hingenommen (alles andere würde ja auch unsouverän wirken), aber insgeheim bei mir gedacht: "Etwas anderes hast du auch nicht in der Birne".
Es bleibt einem in der Öffentlichkeit nichts anderes übrig, als solche Bemerkungen hinzunehmen, aber ich merke, wie sie in der Summe an mir "nagen". Ich wüsste gern, ob es anderen ungewollt kinderlosen Frauen ebenso ergeht und wie sie mit solchen Situationen umgehen.
Besonders interessieren würden mich auch Stellungnahmen Kinderloser, die gleichzeitig unfreiwillige Singles sind; Frauen, die wenigstens einen Partner haben, werden gesellschaftlich ja immer noch mehr wertgeschätzt.
P.S. (nach dem überaus "einfühlsamen" Beitrag von herbstblatt2):
Ach ja - und auf platte Sprüche von Frauen mit Kindern, die meinen, das sei alles selbstverständlich und wer keine habe, sei nur zu blöd, zu unattraktiv und selber schuld, kann ich gern verzichten.
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Ergebnis 1 bis 10 von 180
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15.01.2009, 08:09Inaktiver User
Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Geändert von Inaktiver User (15.01.2009 um 08:34 Uhr)
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15.01.2009, 08:15Inaktiver User
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Lass' ihnen einfach ihre Freude. Das Problem liegt in Dir.
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15.01.2009, 08:17Inaktiver User
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15.01.2009, 09:03
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Ups Sunday, Du bist aber ganz schön angefressen heut morgen...nun mal langsam.
Hier *wink* ist jemand, der das "Problem" auch kennt.
Nun ärgert mich sowas nicht wirklich. Aber ich verstehe, daß es ärgern kann.
Mir haben immer Leute die Sprache verschlagen, also irgendwelche Leute (nicht Freunde), die mal eben so - z.B. in der Kneipe oder sonstwo - fragen: Und warum hast Du keine Kinder? Ja halloooo?? Das erzähl ich wohl nicht jedem, einfach so. Das ist privat, äußerst privat. Und es gab durchaus auch Phasen, wo ich das bedauerte und mich immer gefragt habe, wie uneinfühlsam und dämlich Frauen eigentlich sein können.
Dir scheint es auch die Sprache zu verschlagen. Gut, Du möchtest souverän wirken - logo. Hätte man auch sagen können "Augen? Strahlen? Hm, ich steh nicht so auf den Kinderkram..." irgendwas halt, um Position zu beziehen, und sich aus dem runtergezogen-sein wieder hochzupumpen.
Glaub mal ja nicht, daß alle Frauen mit Kindern automatisch glücklich sind, das kann man ja hier nun auch zur Genüge nachlesen. Genausowenig wie automatisch alle Frauen mit Partner in die unendliche nimmerendende Glückseeligkeit eintauchen. Mitnichten.
Meine Single-Erfahrung (ein paar Jahre her) bestätigt Deine: Man wird ausgegrenzt, nicht so wertgeschätzt, so nach dem Motto "was stimmt nicht mit dir? Du siehst ganz nett aus, bist nicht doof, arbeitest, sportlich..usw - und KEINEN MANN?". Auf die Idee, daß man nicht jeden Trottel nimmt, nur um NICHT alleine zu sein, kam die Umgebung gelegentlich einfach nicht. Dies allerdings ausschließlich Fremde, nicht sonderlich bekannte Personen. Mithin: Sch*** drauf. Lasse denken, lasse reden. Wie Du so schön sagst "Mehr hast du also nicht drauf!". Dem ist nämlich so.
Wer in so bescheuerten Schubladen denken muß, der tut mir leid. Was mag zu so einer Verblödung geführt haben?
Es gibt soundsoviel Prozent Singles in Deutschland, ich kenn die Zahl jetzt nicht genau momentan, aber jedenfalls ist das STANDARD. Haben die das noch nicht mitbekommen? 
Hihi, eine kinderlose Frau kann man immer fragen "wieso hat es nicht geklappt", aber eine dämliche nie "sagen Sie, waren Sie von Geburt an dämlich und geschmacklos und merkbefreit, oder hat sich das so eingeschlichen?".
*nudelholz*
Ich habe mich einfach immer an meine Freundinnen gehalten (oder Freunde), und mich von Veranstaltungen wie Bällen, Pärchen-Parties und sonstigen Ehepaar-Geschichten ferngehalten. Es gab eigentlich immer genug Gleichgesinnte. Schön war auch unser Kochclub, wo wir uns gegenseitig wochenends gelegentlich bekocht haben, drei andere Singles und ich. Und nen Singleclub habe ich auch mal gegründet, eine Bekannte aus der Gemeinde hat das auch grad angeleiert, mit großem Erfolg. Und um die lockere Freiheit (kein Babysitter erforderlich usw) werden die von vielen Müttern glü-hend (!!) beneidet. Auch das ein Faktor, der eine Rolle spielt. Neid. Schlichtweg Neid.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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15.01.2009, 09:19Inaktiver User
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Hallo sunday -
Das Problem ist nicht deine ungewollte Kinderlosigkeit, Ehelosigkeit oder was auch immer - das Problem ist, dass du dir anmerken läßt, dass es dich verletzt - leider merken Menschen so etwas und es macht vielen Spaß dann immer wieder das Messer in die Wunde zu stecken.
Ich bin gewollt Kinderlos - mich würde eine solche Aussage natürlich gar nicht treffen, die geht mir am A ... vorbei
Und was meinst du wie dumm Leute, die davon schwärmen wie toll es ist Kinder zu haben, egal ob die Nächte durchschreien, aus der Wäsche gucken, wenn man ihnen sagt, dass man Kinder nicht mag?!
Vielleicht solltest du ein wenig entspannter mit dem Thema umgehen - und der Richtige kann immer noch kommen!
Ich drücke dir dafür jedenfalls die Daumen
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15.01.2009, 09:22Inaktiver User
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Sunday, das finde ich nicht nachvollziehbar. Du kannst anderen doch nicht vorschreiben, über was sie sich unterhalten und was ihnen wichtig ist im Leben? Das seh ich als Frage der Toleranz, und zwar deinerseits.
Bei uns im Büro wird oft über Reisen gesprochen, da kann ich auch oft nicht mitreden, weil ich leider die finanziellen Mittel nicht habe. Das ist halt so und basta, deshalb ist es für alle anderen trotzdem ein wichtiges Thema und dass die als (fast alle) Doppelverdiener xfach mehr Geld haben als ich allein mit drei Kindern und Halbtagsjob, damit muss ich leben. Ich finde das zwar ungerecht, aber ich kann mich doch nicht permanent runterziehen lassen.
Andere leben und sterben für Sport und haben da immer was zu erzählen: kann ich auch nichts dazu sagen. Oder sprechen von ihren Ehegeschichten: kann ich auch nichts sagen, ich habe keinen Ehemann, über den ich mich beklagen kann. Deshalb erwarte ich aber nicht, dass sie sich über Kunst und Literatur austauschen. Weil das jeder für sich entscheiden kann, was ihm wichtig ist und über was er reden will.
Dass man deshalb automatisch ausgeschlossen ist finde ich auch nicht. Du kannst doch trotzdem eine Meinung dazu haben, was draus lernen oder deine Sicht einbringen. Tu ich jedenfalls schon, und wenn ich nur sage, dass ich mit Sport nichts anfangen kann und halt zum xten Mal nach Wien reise und nicht nach nach Kenia. So viel Selbstbewußtsein habe ich schon, dass ich zu dem stehe, was ich bin und was ich mache.
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15.01.2009, 09:33Inaktiver User
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Deine Aufregung verstehe ich irgendwie nicht so ganz....
Ich sitze auch immer wortlos daneben, wenn andere über ihre tollen Urlaube sprechen. Dam uss man nun leider durch. Dafür gibt es dann andere, die andere Gesprächsthemen haben, bei denen ich mitreden kann...
Du kannst doch auch darüber erzählen was du immer Tolles unternehmen kannst; das können die mit Kindern doch eher nicht, weil sie gebundener sind.
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15.01.2009, 09:38
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Hi Sunday,
ich bin nicht kinderlos, aber ich kann mir ein bisschen vorstellen, was Du meinst. Ich war sehr, sehr lange Single und kann mich an solche Fragen gut erinnern. Fand ich auch nicht immer sehr passend, weil dahinter immer die unausgesprochene Aufforderung stand: So, nun mach mal hinne!
Gespräche nur über Kinder sind natürlich doof, aber manchmal kommt man dann auch einfach nicht auf die Idee, dass es jemanden im Kreis nicht interessieren könnte - vielleicht einfach selbst versuchen, ein anderes Thema aufzubringen. Und bei manchen sehe ich darin einfach ein deutliches Zeichen dafür, dass sie einfach so auf ihren Kinderkosmos beschränkt sind, dass ihnen nichts anderes mehr einfällt.
Sprüche wie Du sie ansprichst, im Sinne von: da kann nur mitreden, wer selbst Kinder hat, sind natürlich saublöd. Ich muss zugeben, bei mir hat sich auch einiges geändert und ich vertrete jetzt einige Ansätze, die ich vor der Geburt meiner Tochter deutlich abgelehnt habe, aber das heißt ja nicht, dass andere Meinungen nichts mehr wert sind. Ich habe mich noch während der Schwangerschaft darüber geärgert, wenn mir Leute sagten, dass ich meine Meinung bestimmt ändern würde, wenn das Kind erst da wäre. Das ist einfach überheblich und dumm. Als ob alle Menschen mit Kindern einer Meinung wären und es sowieso nur eine richtige Ansicht gäbe. Das entspricht so ungefähr dem Spruch meines Vaters, Als ich in Deinem Alter war, habe ich das auch so gesehen, das wächst sich aus. Ich weiß nicht wie, aber man muss lernen, über solchen dummen Sprüchen zu stehen (leider ist mir dazu auch noch keine gute Lösung eingefallen).
Was das auf den Arm nehmen angeht, tut es mir leid, dass Du da außen vor gelassen wirst. Ich wusste auch nie, wie ich jemanden fragen sollte, ob ich das Kind mal halten dürfte, ohne aufdringlich zu erscheinen. Aber versuch es einfach, mehr als nein sagen können sie nicht (und wenn sie bei Dir nein sagen, müssten sie es bei anderen auch machen, sonst wäre es echt sehr unhöflich). Du solltest nur nicht unbedingt die letzte in der Reihe sein ... Meine kinderlosen Freunde können mein Kind selbstverständlich jederzeit gern halten (okay, am Anfang war ich da pingeliger, aber da war es auch egal, ob derjenige, der sie haben wollte, selbst Kinder hatte oder nicht).
Ich habe selbst lange gedacht, dass ich wohl nie Kinder haben werde, habe mir aber immer gewünscht, dass es in meinem Umfeld Kinder gibt und mich bemüht, zu Freunden, die Kinder bekamen, den Kontakt aufrecht zu erhalten und sie häufiger zu sehen. Ist das eine Möglichkeit für Dich? Ich finde es eigentlich immer schade, wenn beide Welten so getrennt sein müssen. Als Kinderlose hatte ich gerne Freunde mit Kinder (war aber zugegebenermaßen nicht immer einfach) und jetzt freue ich mich, wenn ich auch mal mit anderen reden kann, die eben keine Kinder haben.
Liebe Grüße,
Myrine
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15.01.2009, 09:47Inaktiver User
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Sunday, du hast da einen wunden Punkt. Es ist nicht gegen dich gerichtet, wenn Leute über Kinder sprechen - es ist einfach ein dankbares Thema, dazu fällt einem immer irgendwas ein, es lenkt einen nett vom manchmal drögen Berufsalltag ab. Und ich erlebe es durchaus so, dass Leute ohne Kinder da eifrig mitschwätzen. Immerhin war jeder selbst einmal ein Kind und dann hat man ja auch Nichten, Neffen, Nachbarskinder usw.
Ich kann nachvollziehen, dass dir diese Gespräche einen Stich geben. Aber den Stich haben andere an anderer Stelle: Solche, die nicht reisen können, warum auch immer, solche, die gerade am Ende einer Beziehung stehen, solche, die jobmäßig aus dem Rennen sind und sich dann die tollen Erfolge anderer anhören sollen, solche, die geldmäßig knapp dran sind und das neue Eigenheim von jemandem bewundern sollen usw. usw.
Ich bin so alt wie du, und habe auch meine wunden Punkte, aber ich bemühe mich, nicht so übelnehmerisch zu sein, wenngleich ich oft denke: Menno, kannst ja auch mal drüber nachdenken, wie das jetzt bei mir ankommt, was du da sagst.
Zu oft bin ich selbst auch zu spontan und denke nachher: Ups, das war vielleicht nicht so geschmackvoll. Ein bisschen mehr Nachsicht gegenüber anderen ist also mehr als angebracht.
Mach ein bisschen mehr Frieden mit dir und den Mitmenschen
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15.01.2009, 09:52
AW: Taktlosigkeiten gegenüber ungewollt Kinderlosen
Ich kenne jetzt beide Seiten und ja, es gibt durchaus Taktlosigkeit gegenüber Kinderlosen, aber ich persönlich sehe die nicht in dem, was im Eröffnungsposting steht, sondern eher in dem, was Karla oder Myrine beschreiben. Dieses Nachfragen "Warum bist Du Single/kinderlos?" oft mit Nachbohren und immer mit dem unausgesprochenen Vorwurf "Was stimmt denn nicht mit Dir?" Meistens sind es lose Bekannte, die das fragen, nicht gute Freunde. Ich wurde das übrigens sehr, sehr viel häufiger als Single gefragt und es hat mich genervt.
Richtig schlimm fand ich eine Bekannte, die genau wusste, dass wir mitten in einer Kinderwunschbehandlung stecken, dass wir unter unsere Kinderlosigkeit litten und dass das alles nicht so einfach wegzustecken ist. Diese Frau sagt dann zu mir "Och, irgendwann lassen wir dann mal die Verhütung weg, wenn's klappt gut, wenn nicht, dann leidet man auch nicht darunter". Mann, der bin ich fast ins Gesicht gesprungen!!!
Aber Kollegen, die über ihre Kinder sprechen, finde ich eigentlich nur normal, nicht unsensibel. Es ist ein wichtiger Teil ihres Lebens, klar reden sie darüber.
Und Myrine, ich habe als Kinderlose diese Sätze à la "Das versteht man nur, wenn man Kinder hat" GEHASST!!!! Ich sage sie auch heute noch nicht, aber ehrlich gesagt, denke ich es öfter ... Denn es stimmt, vieles läuft ganz anders als man es sich vorher gedacht hat und daher ändert man auch viele Meinungen, die man vorher hatte. Aber das ist OT, daher nicht mehr dazu.


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