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    Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Hallo BriCom,

    habe mich durch dieses Forum gelesen und finde die Beiträge und die Tatsache, dass Freundschaftsprobleme auch über 17 anscheinend öfter vorkommen als gedacht... Ich kam mir bisher eher komisch vor.

    Zur Vorgeschichte: vor über zwanzig Jahren lernte ich meine damalige beste Freundin kennen. Wir waren jahrelang sehr eng miteinander, haben so viel zusammen erlebt: Ausbildung, erste Wohnung, erste engere Beziehung inkl. Zusammenziehen usw....

    Sie ist ein sehr eigenwilliger Mensch, eigentlich ziemlich freiheitsliebend, hing aber sehr an mir. Wir sind die absoluten
    Gegensätze: sie ist unabhängig, wollte nie Kinder, hat ein Talent zum Glücklichsein., hatte wechselnde Partner, die ich teilweise sehr mochte, teils weniger.Keiner brachte uns auseinander.. Ich bin seit ewigen Zeiten recht glücklich mit demselben verbandelt, habe eine Tochter, mir beruflich ein zweites Standbein geschaffen, bin aber immer suchend und nie wirklich glücklich, zufrieden ja.. Dies nur mal als Kurzbeschreibung.

    Vor acht Jahren lernte sie den Mann ihres Lebens kennen. Dieser machte recht schnell Karriere und sie wurde die Frau an seiner Seite. Sie hat nie einen reichen Mann gewollt, es hat sich so entwickelt. Er liebt sie sehr und ich gönne es ihnen (mein Typ wäre er nicht). Sie heirateten dann auch, Kinder wollen sie nicht.

    Leider - vielleicht eine klassische Situation - veränderte sich die Art unserer Beziehung mehr und mehr, was schon auch an ihrem Partner liegt, auf den sie sich seit Jahren völlig einstellt. Sie arbeitet nicht mehr, begleitet ihn auf seinen Reisen, hat ein Handy, dessen Nr. nur er hat... D. h. wenn ich sie hätte erreichen müssen (meine Tochter lag mal im Krankenhaus usw.) hätte ich das immer über ihn gekonnt... Sie veränderte sich auch ein wenig in Richtung oberflächlich und es verband uns wohl hauptsächlich die lange Freundschaft, das gemeinsam Erlebte usw. Wir wohnten immer noch nah zusammen (15 km Entfernung) und trafen uns ca. alle zwei Wochen. Dann fing es an, dass sie eher Pärchentreffen am Sonntag wollte, mich evtl. mal Nachmittags sehen... Abends mal was essen eher nicht mehr - macht sie aber mit niemandem...

    Trotz allem hat mir gefallen, dass wir - trotz unserer Lebensmodelle, die sich komplett gegensätzlich entwickelt hatten - immer etwa zu reden fanden. Allerdings musste ich akzeptieren, dass sie sich sehr verändert hatte. Und ich musste loslassen lernen. Immer wieder gab es Situationen, die mich verletzten, solche wo deutlich ihre größere Distanz zutage trat. (von der ich übrigens sicher bin, dass es nichts mit mir zu tun hat - sie hat sich einfach verändert, entwickelt und setzt neue Prioritäten)

    Vor einem anderthalb Jahren teilte sie mir mit, dass sie ins benachbarte Ausland zieht. Dies erfuhr ich (typisch für sie) vier Wochen vorher, als wirklich alles "klar" war. (das galt für alle Bekannten, sie macht alles nur mit ihrem Mann aus, die beiden sind recht eigen). Sie gingen also im September. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass sie Weihnachten (wie immer) bei ihrer Mutter verbringt, die in meiner Stadt lebt. Ich hörte jedoch bis kurz vorher nichts (wir mailten regelmäßig, ich wollte aber nicht nachfragen). Dann bekam ich eine Karte von ihrer Mutter (habe kurz vor weihnachten Geburtstag) aus Hamburg "sicher hast du von J. erfahren, dass ich nach Hamburg gezogen bin". Sie hatte mir davon nichts per Mail mitgeteilt. Somit war klar, dass sie an Weihnachten nicht kommt (das erste Xmas seit 22 jahren, an dem wir uns nicht sahen). Ich war irgendwie schon geschockt und meldete mich erstmal nicht mehr, sie jedoch auch nicht.

    Ich glaube, mich verletzt am meisten, dass sie so demonstriert, wie sie unsere Freundschaft jetzt haben will. Unverbindlich. Es gehen regelmäßig Geburtstagskarten hin und her und wenigen Sätzen drauf. Für mich ist es wie ein Hohn. Habe aber noch gezögert, das auch einzustellen, wäre so endgültig. Meine Familie und andere Freunde fragen oft "na, warum hast du denn J. noch nie besucht?" Weil sie mich nicht eingeladen hat... Sie selbst hätte Zeit und Geld genug, mal flür zwei Tage hierher zu fliegen und weiss, dass sie willkommen wäre. Das ist aber ein Zeichen ihres "neuen" Lebens - ohne ihn wird sie nicht kommen (obwohl er teilweise wochenland ohne sie auf Geschäftsreise ist)... Als ich einmal gefragt habe, ob / wann sie denn mal in unsere Stadt kommt (bevor ich wusste, dass ihre Mutter nicht mehr hier lebt) hieß es, ihr könnt ja mal hier in der Nähe Urlaub machen und wir treffen uns. (Treffen hieße dann, einen Kaffee zusammen trinken oder vielleicht noch Essen gehen - mit Anhang...)

    Ich habe verstanden, dass alles anders ist und obwohl ich schwer loslassen kann, habe ich es geschafft. Aber diese Unverbindlichkeit ist es, die mir weh tut.

    Jetzt aber zu meiner Frage: Heute habe ich, aus einer Laune heraus, eine Mail an sie geschickt, die eine Frage nach der Anschrift einer Bekannten beinhaltete und ein "wie gehts so" beinhaltete. Es kam die antwort "es gibt soviel zu erzählen, aber dies lieber mal am telefon. wir können ja mal einen termin planen" Worauf ich schrieb "gerne, lass es uns mal planen" und sie antwortete "wenn du zeit hast, nenn mir doch ein paar termine".

    Bisher war alles so fern und ich habe es gut von mir gehalten mit den unverbindlichen karten und der option, irgendwann sich wieder näher zu kommen. soll ich es wirklich wieder an mich heranlassen: die Enttäuschung, dass wir zwar 30 Min nett plaudern werden, dann aber wohl unverbindliche Verabschiedung folgen wird. Nicht - wie vor vielen Jahren gewesen wäre - ein "ich vermiss dich, komm doch mal ein Wochenende hierher" usw.

    Das ist eigentlich nicht die Freundschaft, die ich mir wünsche. Ich hätte es gerne (trotz unserer Unterschiedlichkeit), dass wir uns mal ein Wochenende sehen, vielleicht alle Jahre mal. Und das alleine, ohne Mann im Hintergrund. Diese unverbindliche Art tut mir weh. Soll ich es einfach lassen? Oder trotzdem mal telefonieren?

    Eigentlich gings mir besser, so in der letzten Zeit, in der alles auf Eis lag, aber nicht ganz beendet war. Soll ich es so belassen?

    Danke für jeden ehrlichen Rat. Ich hoffe mal nicht, dass sie hier liest. Eine solche Entblössung (auch wenn sie vermutlich ahnt wie es mir geht) wäre es mir nicht mehr wert.

    Es grüßt euch
    LiSi

  2. Inaktiver User

    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Zitat Zitat von PrinzessinLiSi
    Ich hoffe mal nicht, dass sie hier liest. Eine solche Entblössung (auch wenn sie vermutlich ahnt wie es mir geht) wäre es mir nicht mehr wert.
    Liegt da nicht das Problem ? Warum sprichst Du mit ihr nicht mal ganz offen darüber ? So, wie Du die Situation beschreibst, hast Du das überhaupt noch nicht getan ?

    Woher soll sie wissen, wie es Dir mit Eurer Freundschaft geht, daß Du enttäuscht bist, wenn Du das nicht kommunizierst ?

    Vielleicht geht es ihr sogar ein Stück weit selber so, deshalb der Vorschlag, einen Termin auszumachen, um persönlich zu reden, nicht via Telefon ?!
    Ein paar Zeilen vorher schreibst Du noch, daß Du das wünschst - jetzt ist es nicht recht ?!

    Und noch was zum Abschluß: Eingangs schreibst Du, daß Du latent mit Deinem Leben ziemlich unzufrieden bist.... Meinst Du nicht, daß Du einiges von Deiner Unzufriedenheit auf sie projezierst ?

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    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    du würdest nicht so ausführlich über diese Freundschaft schreiben, wenn du deine Freundin einfach unter einer 'wenn auch viele Jahre Verbundenheit Verbindung' abschreiben könntest. Das Verhalten deiner Freundin geht dir nahe, vor allem ihre Unverbindlichkeit. Wie konnte es denn so weit kommen? Andere hätten viel früher und dominanter aufgeschrien:'Sag mal, du spinnst wohl, wir sehen uns an Weihnachten nicht?!'

    Verstehst du, wie ich das meine? Du hast diese schleichende Entfremdung eben mitzugelassen, aus Unsicherheit wegen ihrer Partnerschaft, aufgrund deiner eigenen Unzufriedenheit usw. Vielleicht weiß sie gar nicht um ihre Eigenheit, wie du es nennst, evt. hat sie gewartet auf eine starke Reaktion deinerseits.

    Das sind nur Vermutungen. Jedenfalls fehlt sie dir, und dieses Zugeständnis darfst du ihr ruhig verbal mitteilen: 'Uns verbindet so viel miteinander aus der Vergangenheit, schöne Momente, so gerne würde ich mal wieder mehr als ein paar Stunden mit dir verbringen. ' Dann ist sie dran. Wenn sie nicht aus der Reserve zu locken ist, dann weißt du Bescheid. Das mag zwar bitter sein, aber du hättest die Initiative ergriffen und es versucht.

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    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Hallo und danke für Eure Antworten.

    @Lorelei, den Punkt "Unzufriedenheit auf sie projezieren" kann ich klar verneinen. Ich hatte nur ihre und meine Art gegenübergestellt, um unsere Unterschiedlichkeit zu zeigen. Ich bewundere sie dafür, dass sie immer und unter schwierigen Umständen glücklich sein kann, womit ich mich schwer tue. Dies hat aber nichts mit unserer Beziehung zu tun (außer der Tatsache, dass ich jemand bin, der mehr an Menschen hängt, während sie insgesamt sehr wendig ist) Wir haben beide unsere Unterschiedlichkeit immer akzeptiert.

    Tja, und zum Thema offen sprechen: Genau da liegt das Problem!Wir HABEN uns immer sehr offen gesagt, wie es uns geht und was ich wir uns wünschen. Tatsache ist aber, dass sie sich verändert hat (wie ich ja geschildert habe) und insgesamt weniger Nähe möchte. Das hat sich ja entwickelt und damit kann ich (mittlerweile) grundsätzlich auch umgehen. Aber eben nicht in diesen extremen Ausprägungen! Ich muss dazu sagen, dass sie allen gegenüber so ist und dass viele sie deshalb als "komisch" empfinden. (wo sie locker drübersteht). So mag sie z. B. keinen Besuch in ihrer Wohnung, wird nicht gern zum Essen eingeladen, trifft sich lieber unverbindlich in der Öffentlichkeit usw... Sie hätte überhaupt keinen Bock darauf, mal ein Wochenende hier bei uns zu verbringen und neverever würde sie mich (die schon ihre beste *ich mag den Ausdruck eigentlich nciht mehr so* Freundin ist/war) bei sich für ein Wochenende haben wollen. DARUNTER leide ich.

    Wir haben schon oft darüber gesprochen, in anderen Zusammenhängen wie Urlaub usw. Früher sind wir oft zusammen in Urlaub gefahren, seit ihr Gatte existiert natürlich nicht mehr. Das kann ich ja nachvollziehen, aber nicht dieses Extreme. Ich habe das oft angesprochoen. Sie hat dann schon klar gesagt, dass ich halt bestimmte Vorstellungen habe, die sie *leider* nicht mehr erfüllen kann und will. Deshalb würde ich weder wollen, dass sie dies hier liest noch ihr ausführlicher meine Enttäuschung über ihr Verhalten mitteilen. Sie WEISS,dass ich mit dieser extremen Distanz nicht gut klar komme. Aber sie hat eben so entschieden.

    Deshalb habe ich ja das Gefühl, der Umzug ins andere Land kam ihr ganz recht und sie kann jetzt unsere Freundschaft auf der Ebene führen, die sie will. Nämlich ab und an nett plaudern, (was ich sehr an ihr schätze: sie merkt sich wirklich alles und fragt auch immer interessiert nach) aber nichts engeres. Wenn ich jetzt darauf eingehe, habe ich wohl das Gefühl, verloren zu haben und mich darauf eingelassen zu haben. (Während ich im letzten Jahr einfach gebockt und mich ganz zurückgezogen habe).

    Ich glaube, das ist es, ich muss mir überlegen, ob ich diese Freundschaft auf einer solchen Ebene weiterführen will. Andere Ebene ja, aber diese ist so extrem daneben. Ein klarer Schnitt wäre mir lieber, aber über 20 Jahre wirft man so schnell nicht ganz weg. Und es fragen so viele nach ihr (meine Eltern, meine Tochter, Bekannte usw.). Irgendwie will ich keine Bankrotterklärung abgeben.

    Könntet Ihr mit dem beschriebenen Verhalten und Distanzbedürfnis umgehen?

  5. Inaktiver User

    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Zitat Zitat von PrinzessinLiSi
    Deshalb habe ich ja das Gefühl, der Umzug ins andere Land kam ihr ganz recht und sie kann jetzt unsere Freundschaft auf der Ebene führen, die sie will. Nämlich ab und an nett plaudern, (was ich sehr an ihr schätze: sie merkt sich wirklich alles und fragt auch immer interessiert nach) aber nichts engeres. Wenn ich jetzt darauf eingehe, habe ich wohl das Gefühl, verloren zu haben und mich darauf eingelassen zu haben. (Während ich im letzten Jahr einfach gebockt und mich ganz zurückgezogen habe).

    Könntet Ihr mit dem beschriebenen Verhalten und Distanzbedürfnis umgehen?
    Ich verstehe, was Du meinst .... Schwierige Situation .... Trotzdem: DU hast das GEFÜHL, daß diese unverbindliche Ebene genau das ist, was sie möchte. Deshalb muß das nicht unbedingt stimmen .... Ich würde es noch einmal klar ansprechen.

    Ansonsten: Freundschaften verändern sich nunmal ...
    Ich habe eine Freundin, die ich über Jahre mal 5 Tage / Woche gesehen habe .... Inzwischen lebt sie in einem anderen Land und ich habe sie schon ca. 10 Jahre nicht mehr gesehen - sie mag mich nicht in der Großstadt besuchen, sie selbst wohnt so abgelegen, daß ein Wochenendbesuch von meiner Seite echt zu aufwändig wäre .... Sie hat keine neuen Freunde + lebt total auf ihren Mann fixiert ... DA unserer Leben nichts mehr gemein hat, könnte diese Freundschaft von meiner Seite durchaus schon eingeschlafen sein - ich merke aber, daß ihr sehr daran liegt, eben auch, weil bei ihr nichts nachgewachsen ist ....
    Warum also sollte ich diese alte Freundschaft beenden ? Der Kontakt ist da und das Leben geht so vielfältige Bahnen .... und vielleicht nähern sich diese irgendwann auch wieder aneinander an, wer weiß ?!
    Verstehst Du, was ich meine ?

  6. User Info Menu

    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Tja, Lorelei,

    die Beschreibung deiner alten Freundschaft klingt ja ein bischen nach meiner Situation. Und wie du es beschreibst, das Leben mit seinen vielfältigen Bahnen, so macht es schon Sinn.... Da hast du das ausgedrückt, wie es es gerne sehen würde.

    Leider ist das schwer. Momentan verletzt mich jede - meiner Meinung nach nichtssagende - Geburtstagskarte und die vielen anderen kleinen Dinge, die zeigen, wie weit wir uns entfernt haben.

    Mal sehn, vielleicht rufe ich sie demnächst mal an.

    Grüße von der
    LiSi

  7. Inaktiver User

    AW: Jahrelange, nie wirklich beendete Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Ganz ehrlich LiSi:
    Ich habe in den letzten Jahren auch einige Versuche unternommen, alte Mädelsfreundschaften, die sich einfach im Sande verlaufen hatten also nicht durch Streit beendet wurden, wieder aufleben zu lassen. Das ist eine ganz mühsame Geschichte, die, meiner Erfahrung nach, selten von Erfolg gekrönt ist. Und genau den Fall wie Du ihn beschreibst, habe ich mit meiner besten Freundin auch so erlebt.Nach vielen Bemühungen meinerseits habe ich mich im vergangenen Jahr entschlossen, die Sache nun ruhen zu lassen.
    Ich glaube, es ist der natürliche Fluß des Lebens, daß nichts für die Ewigkeit ist. Vielleicht wirst Du glücklicher, wenn Du loslässt und Dich neuen Freundschaften zuwendest ?

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