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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Hallo zusammen,
    ich habe viel über euer Geschriebenes nachgedacht.
    Ich denke ihr habt Recht, dass ich klarer sagen muss, was ich möchte oder brauche. Das tue ich in der Regel zu wenig. Andere Menschen können meine Gedanken nicht lesen.
    Ich habe auch darüber nachgedacht, ob ich mehr Freundschaft empfinde, als andersherum. Mein Bauchgefühl meldet sich schon eine Weile.
    Das was ich gerade empfinde kommt schon seit langer Zeit immer wieder in mir hoch.
    Ich habe manchmal das Gefühl nicht Sein zu dürfen. Damit meine ich nicht
    , dass man Kritik üben kann.
    Ich habe das Gegühl mich rechtfertigen zu müssen. Zum Beispiel war mein Vater 10 Wochen in einem anderen Krankenhaus als jetzt. Dort ging viel schief, besonders in der Kommunikation zu uns Angehörigen usw. Oder ich habe schon lange erwähnt, wie krank er ist. Ich hatte immer das Gefühl, dass das in Anrede gestellt wurde, da er nicht auf Intensiv liegt usw.
    Irgendwie fällt es mir gerade schwer meine Gedanken zu ordnen...
    Ich schreibe später nochmal.
    Liebe Grüße
    Wolkenfeld

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Zitat Zitat von Wolkenfeld Beitrag anzeigen
    Ich denke ihr habt Recht, dass ich klarer sagen muss, was ich möchte oder brauche. Das tue ich in der Regel zu wenig. Andere Menschen können meine Gedanken nicht lesen.
    Ich bin ein großer Freund von Ansprechen, muss aber sagen, dass ich in dieser Situation wahnsinnig schwer finde.
    Man ist doch selbst sehr durch den Wind und soll dann klar sein, was man vom Gegenüber möchte? Das schaffen doch die wenigsten schon im normalen Alltag!!

    Noch dazu, kann man ´schlecht sagen "ich wünsche mir Empathie", denn wir wissen doch gar nicht, was unser Erzählen bei dem anderen auslöst! Nochmal: Leiden, Sterben und Tod sind mit die best- ausgegrenzten Themen in unserer Gesellschaft. Da reißt sich nunmal kaum einer drum.
    Und wer selbst viel erlebt hat und empathisch sein KANN, trägt das ja leider auch nicht als Erkennungssymbol auf der Stirn.

    Insofern- schwierig.......

  3. Inaktiver User

    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Welche Erwartungen "man" an eine Freundschaft stellen kann/darf weiss ich nicht.

    Mir fällt nur zunehmend auf, dass es offenbar immer schwieriger wird Kontakte zu pflegen und zu halten, weil die Erwartungen doch sehr unterschiedlich sind.

    Begriffe wie "Empathie " etc. werden nahezu inflationär gebraucht (klar, ich habe das, die anderen eher weniger ), dito mit "übergriffig" (bin ich natürlich nicht ). Will sagen: es ist schwer, es jemandem recht zu machen, immer zu spüren(!) was der/die andere will und braucht.

    Fragt man zu sehr nach, wie es dem anderen geht, ist man übergriffig und hat kein Gespür, dass der andere seine Ruhe möchte und nicht immer über seine schwierige Situation reden möchte. Fragt man nicht oder nur selten nach, ist es oft auch verkehrt.

    Über längere Zeit immer nur ein offenes Ohr zu haben für die Probleme anderer Menschen, mein eigenes Leben kommt im Gegenzug in der Beziehung/Freundschaft aber garnicht vor (weil es mir angeblich ja soooo gutgeht), das ist für mich auf Dauer nicht machbar, das gebe ich offen zu.

    Eine Lösung zu dem Problem habe ich nicht.Vielleicht erfahre ich ja hier näheres dazu .

    Gruß Elli
    Geändert von Inaktiver User (22.10.2021 um 09:46 Uhr) Grund: Ergänzung

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Hallo Wolkenfeld,

    Du schreibst, die Situation mit Deinem Vater besteht schon länger. Es ist auf jeden Fall nicht einfach, wenn jemand über längere Zeit seine Freunde braucht, um sich "auszuheulen". Das kann schon funktionieren: Ich bin Ü50 und in meinem Umfeld sind so einige, die sich schon seit langem um ihre kranken und/oder dementen Eltern kümmern und zwar teilweise sehr intensiv und auch viel darüber sprechen. Ich habe jedoch nie das Gefühl, dass damit große Erwartungen an andere, mich zum Beispiel, einhergehen. Ich wäre im Übrigen befremdet, wenn eine Freundin entsprechende Erwartungen mir gegenüber formulieren würde.

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Zitat Zitat von Massashi Beitrag anzeigen
    (...) in meinem Umfeld sind so einige, die sich schon seit langem um ihre kranken und/oder dementen Eltern kümmern und zwar teilweise sehr intensiv und auch viel darüber sprechen. Ich habe jedoch nie das Gefühl, dass damit große Erwartungen an andere, mich zum Beispiel, einhergehen. Ich wäre im Übrigen befremdet, wenn eine Freundin entsprechende Erwartungen mir gegenüber formulieren würde.
    Das kann ich unterschreiben. Es ist ab einem gewissen Alter (so Auge x pi) ab 50 absolut verbreitet, dass Eltern erkranken, dement werden oder versterben, oft nach langen Jahren des Krankseins.

    Ich erlebe bei fast allen, dass es sie extrem beschäftigt, emotional und organisatorisch. Oft ist das Organisatorische so belastend, dass für die Emotion, das Abschiednehmen, das Erschrecken gar nicht so viel Kapazität mehr bleibt.

    Große Erwartungen an das Umfeld hat für mich wahrnehmbar niemand.
    Viele sind froh, wenn sie lt eigener Aussage mal "raus aus dem Mist sind" und einen schönen Abend/Tag/Urlaub verbringen.

    @Wolkenfeld
    Ich kann auch nicht recht verstehen, was du mit "nicht sein dürfen" meinst?
    Sollst du fit und froh sein und bist aber traurig und down?
    Nun, dann würde ich raten das konkret anzusprechen, dass du im Moment nicht kannst und willst.
    Allerdings musst du dann auch Verständnis dafür haben, wenn Freunde nicht nur Kummer und Sorgen teilen wollen, sondern auch mal Spaß. Wie immer ist die Dosis auf beiden Seiten entscheidend. Nur Elend ist nix, nur Gaudi auch nicht.

    @Elli - das mit dem inflationären und nabelschauigen Empathie/Übergriff empfinde ich auch oft so.
    Wie man es macht ist es falsch

  6. Moderation

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Ich finde, jetzt wird es auch ein Stück weit kompliziert gemacht.
    Ja, viele Menschen sind in Trauer- und Sterbe-Situationen unsicher. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, geht oder ging uns das allen mal so. Gerade dann besteht doch die einzige Lösung darin, zuzuhören und nachzufragen, was sich die Betroffene wünscht.

    Wie elli richtig schildert und auch dieser Strang verdeutlicht, sind nicht nur Erwartungen unterschiedlich, sondern auch das Gefühl für das, was angemessen erscheint. Für die einen ist Empathie, jemandem in einer Stress- und/oder Trauersituation Raum zu geben, sich nicht zu melden, der Betroffenen es zu überlassen, wann sie Kontakt möchte. Für Andere bedeutet es, gerade jetzt den Kontakt zu intensivieren und sich vermehrt anzubieten. Wenn dann solche unterschiedlichen Einschätzungen aufeinandertreffen, hat das gar nichts mit mangelnder/m Empathie/ Interesse / Freundschaft zu tun!

    Ich verstehe, dass Du, liebe TE, durch den Wind bist, und dass es Dich anstrengt, Deine Bedürfnisse zu formulieren. Aber ich sehe keine Alternative. Du musst es ja, hoffentlich, auch nur einmal erklären, und dann wissen Deine Freunde, welche Form von Begleitung Dir gut tut.

    Ich möchte Dich auch wirklich nicht plagen, und Du musst die folgenden Fragen hier nicht beantworten. Aber vielleicht helfen sie Dir auch zu verstehen, wo es für andere Leute unklar wird:
    Du hast auf Nachfrage klar gesagt, dass es Dir schlecht geht, das finde ich in dieser Deutlichkeit schonmal gut. Mir ist nur komplett unklar, was dann passiert ist.
    Wie hat die Freundin denn reagiert?
    Was daran war, bzw erschien Dir als Rechtfertigungsforderung?
    Ist das nur oder in besonderem Maße bei dieser Freundin so, dass Du Dich unverstanden fühlst? Wie reagieren andere Freunde, dass sie dieses Gefühl verursachen?
    Hast Du generell schnell das Bedürfnis, dich zu rechtfertigen? Oder ist es schon speziell diese Freundin, die das herausfordert?

    Wie gesagt, natürlich interessieren mich die Antworten, aber wenn das momentan zu anstrengend ist, sind die Fragen erstmal eine Info, was bei mir nebulös ankommt.


    Und aus Neugierde, @Massashi, echt, Du fändest es befremdlich, wenn eine Freundin Dich bäte: "Mir geht es gerade sehr schlecht, hast Du die Tage mal Zeit zum Quatschen?" ?
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

  7. Moderation

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Ganz allgemein: Empathie bedeutet, dass ich in so einer Situation die andere anschaue und "lese", ob sie gerade eher praktische Hilfe braucht oder einfühlsame Fragen oder ob sie in den Arm genommen werden will... Wie soll das per WhatsApp funktionieren?

    Gerade wenn sich eine Situation länger zieht, will man vielleicht nicht jedes Mal fragen: "Und wie geht es deinem Vater inzwischen?"

    So blöd es auch klingt: Mach ein Treffen aus und sag "Ich würde gerne mal über meinen Kummer sprechen." Gute Freunde werden dann dafür Zeit finden.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  8. User Info Menu

    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    So blöd es auch klingt: Mach ein Treffen aus und sag "Ich würde gerne mal über meinen Kummer sprechen." Gute Freunde werden dann dafür Zeit finden.
    Einfach und anwendbar, wie ich finde.

    Gleichzeitig sollte man aber im Blick haben, dass der Gegenüber vielleicht gerade NICHT in der Lage ist zuzuhören.
    Das muss also nicht zwangsläufig etwas über die Qualität der Freundschaft aussagen.

    Ob man offen miteinander reden kann- sagen, was einen bewegt- ist dann die große Frage.
    Üblicherweise darf man aber davon ausgehen, dass der Gegenüber nie alles erzählt und damit viel für sich behält.

  9. Moderation

    User Info Menu

    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    Einfach und anwendbar, wie ich finde.

    Gleichzeitig sollte man aber im Blick haben, dass der Gegenüber vielleicht gerade NICHT in der Lage ist zuzuhören.
    Das muss also nicht zwangsläufig etwas über die Qualität der Freundschaft aussagen.[...]
    Richtig, aber mal was ausmachen und sich die Zeit -nicht jetzt sofort aber zeitnah - nehmen muesste ja moeglich sein. Das finde ich eine ziemlich normale Erwartung in einer Freundschaft. Natuerlich koennte es sein, dass bei einer/m speziellen Freund/in gerade selber total die Huette brennt, aber das ist doch sehr spezifisch und eher unwahrscheinlich.

    Und der Rest, mei... Das wird Wolkenfeld ja wissen, was sie (mit)teilen moechte und was nicht.

    Ich wuerde nur eins noch hinzufuegen, @Wolkenfeld, zu Deinem Gefuehl, nicht einfach "so" sein / fuehlen zu "duerfen", bzw. Dich rechtfertigen zu muessen. Mir sagte es neulich eine befreundete Therapeutin, als sie erklaerte, warum es anders sei mit eben einer:m Therapeuten:in zu reden: "Alle anderen, gerade Menschen, die dich lieben, wollen dich immer retten. Sie wollen Hilfe anbieten und Vorschlaege machen, damit es dir wieder besser gehen soll. Die Therapeutin hoert dir einfach nur zu, ohne Wertung, egal was Du sagst." Ich glaube, das ist wirklich ein ganz stark verankerter Reflex, zumal in einer Leistungsgesellschaft: Wir wollen immer sofort was machen. Das ist durchaus auch aus Empathie ('Ich sehe, dass es Dir schlecht geht') und Liebe ('Ich moechte, dass es Dir gut geht') geboren, kann aber total nach hinten losgehen in dem Sinne, dass es einfach nur Druck macht. Koennte es das sein, was Dir gerade mit Freunden passiert?
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

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    AW: Erwartungen an Freundschaften

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Richtig, aber mal was ausmachen und sich die Zeit -nicht jetzt sofort aber zeitnah - nehmen muesste ja moeglich sein. Das finde ich eine ziemlich normale Erwartung in einer Freundschaft. Natuerlich koennte es sein, dass bei einer/m speziellen Freund/in gerade selber total die Huette brennt, aber das ist doch sehr spezifisch und eher unwahrscheinlich.
    Bezogen auf das normale Leben und den Problemen darin, gebe ich dir Recht. Wenn es aber um Tod, Sterben, Krankheit und Leiden geht - ist die Dimension doch eine andere und das wird doch nicht weniger durch eine "Freundschaft".

    Dein Beispiel mit der Therapeutin finde ich sehr gut.
    Bei einer ganz entfernten Bekannte von mir- deren Tochter- wurde Krebs diagnostiziert.
    Ihr ganzes Leben kreiste- verständlicherweise- nur noch um diese Erkrankung und was das mit allen macht über viele viele Monate.
    Ich sah sie in dieser Zeit ganz selten und wenn sie dann erzählte, war das ein Inhalt, eine Dimension- die mich jedesmal Tage danach noch beschäftigt hat und ich war- noch weit weg davon.
    Gleichzeitig erzählte sie, wie Freunde und Bekannte, einer nach dem anderen wegbrechen.....und sie wollte auch nur erzählen und reden.
    Diese Frau hat sich dann an Psycho-Onkologen gewandt und dort viel Hilfe und Unterstützung erhalten- selbst, wenn sie "nur" erzählt hat.

    Das ist sicher nun ein sehr schlimmes Beispiel, aber dass einen leidvolle Erzählungen, auch sehr mitnehmen können, belasten und tief runter ziehen- das ist einfach auch Tatsache und ich frag mich, ob nur der Freund bleiben kann, der dann mein Leid aushält oder ob man das dann trennen kann.

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