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    Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Hallo ihr Lieben :-)

    Im Moment verstehe ich irgendwie die Welt nicht mehr...ich fange mal vorne an.

    Neben mir im Haus wohnte eine sehr alte Frau (weit über 90), mit der ich ab und an mal nachbarschaftlich sprach. Ich fand sie sehr nett, wir mochten uns irgendwie, hatten aber nie engeren Kontakt. Anfang letzten Jahres stürzte sie leider und ihre Tochter (Mitte 70) zog bei ihr ein, weil sie dann einfach viel Hilfe benötigte während der Zeit. Die Tochter von ihr kannte ich schon vom Sehen, wir sprachen auch öfter auf der Straße oder im Treppenhaus miteinander, teilweise sehr lange, wir fanden uns vom ersten Augenblick an sehr sympathisch. Aber es blieb nachbarschaftlich, weil ich ja berufstätig bin und oft auch nicht zu Hause war usw. Jedenfalls kam dann Corona, der Lockdown und ich war seitdem ausschließlich im Homeoffice und deshalb sehr häufig zu Hause bzw. in der Gegend unterwegs (einkaufen, spazieren, joggen usw.). Im ersten Lockdown stellten wir dann fest, dass die sozialen Kontakte irgendwie fehlen und verabredeten uns dann auf ein nachbarschaftliches Glas Wein. Der Abend war super unterhältlich und so näherten wir uns an, gingen dann öfter mal spazieren, tranken Kaffee oder verabredeten uns zum Abendessen (oft mit ihrer Mutter zusammen).

    Der Sommer war wunderschön, wir unternahmen viel, auch mal Ausflüge, gingen spazieren (mit Mutter im Rollstuhl) und ins Kino, Biergarten (oft auch mit Mutter) usw. Die beiden wurden für mich zu Freundinnen. Die Mutter hatte so viel zu erzählen, spannendes Leben, eine so liebe Frau, ich mochte sie einfach gerne. Und ihre Tochter wurde für mich zu einer Freundin, mit der ich offen sprechen konnte, die mich verstand und wir näherten uns immer mehr an. Ich bin erst Mitte 30, d.h. es gibt einen erheblichen Altersunterschied, allerdings waren beide Frauen erstaunlich (!) jung in ihrem Denken, Fühlen, in ihren Interessen. Die Mutter war eigentlich eine junge Frau in einem alten Körper, so kurios das klingen mag...aber das war vielleicht das Leben, das sie so werden ließ. Und die Tochter ebenso, unheimlich fit, sportlich, attraktiv, unternehmungslustig, überhaupt nicht rentnermäßig. Und wie gesagt, es war Corona, ich war dauerhaft im Homeoffice und war einfach auch froh, so einen unkomplizierten Kontakt zu haben, der noch im gleichen Haus war, also keine Wege usw.

    Im Sommer schlug die dann Tochter vor, ein paar Tage Urlaub zu machen, wandern, sie brauchte Abstand von der Pflege der Mutter und die Krankenkasse bezahlte eine Pflegeperson für die paar Tage, ob ich Lust hätte mitzukommen. Gesagt, getan - wir fuhren für ein paar Tage mit dem Zug weg (nicht weit, hier ins Umland), wanderten, ließen es uns gut gehen, teilten sogar eine Ferienwohnung, quatschen nächtelang im Schlafanzug usw. Wir wurden richtige Freundinnen.

    Die Freundschaft ging normal weiter mit regelmäßigen Treffen, Spaziergängen, Aktivitäten usw. Dann kam der Herbst und die Mutter stürzte leider erneut und brach sich die Hüfte. Meine Freundin war verzweifelt, weinte, sie durfte nicht mit ins Krankenhaus wegen Corona...war sehr traurig, machte sich Sorgen usw. Als Nachbarin bekam ich das mit und bot ihr an, für sie da zu sein, gemeinsam zu warten, bis das Krankenhaus sich meldete an dem Abend...sie bedankte sich herzlich und sagte, das sei so wichtig gewesen. Am nächsten Tag durfte sie die Mutter besuchen, wegen Corona nur eine Stunde und zu bestimmten Zeiten. Die Zustände im Krankenhaus waren aber schrecklich, die Mutter ist ja pflegebedürftig und im Krankenhaus wurde sie nicht gepflegt. Deshalb durfte meine Freundin dann länger bleiben, da sie die Pflege übernahm. Sie kam meist so gegen 19 Uhr nach Hause. Ich bot ihr dann einmal an, dass ich was kochen könnte und sie könnte mir dann erzählen, wie es ihrer Mutter (wie gesagt, ja auch eine Freundin geworden) so geht. Hat sie gerne angenommen. Und meinte, das sei so schön und so wichtig für sie, ob ich das nicht öfter machen könnte, sie würde mir auch die Lebensmittel bezahlen usw. Wie gesagt, es war Corona, ich war alleine und war froh, eine Aufgabe zu haben. So habe ich jeden Abend gekocht, hat mich angesichts der Situation auch nicht gestört.

    Dann hatte ich selbst eine kleine OP mit Vollnarkose und meine Freundin kümmerte sich rührend um mich, obwohl sie ja noch die Sorgen mit ihrer Mutter hatte. Ich dachte, was für eine großartige Bekanntschaft.

    Dann kam die Mutter nach Hause in einem erbärmlichen Zustand. Hüfte war zwar ok, aber die pflegerischen Mängel im Krankenhaus machten sich bemerkbar. Sie war schwach und konnte kaum mehr gehen, war sehr stark auf Hilfe angewiesen. Meine Freundin stellte daraufhin fast ihr komplettes Sozialleben ein und opferte sich für die Mutter auf. Sie stand über Monate 6-7 Mal nachts auf, um der Mutter auf Toilette zu helfen. Es ist klar, dass man da vor die Hunde geht auf die Dauer. Ich erledigte kleine Einkäufe usw., was ich gerne machte, weil wirklich Not am Mann war. Die Situation bei den beiden wurde zunehmend angespannter, es kam zu Streits, meine Freundin wurde unzufriedener und wollte dann sehr oft, dass ich zu ihnen komme. Teilweise passte ich auf die Mutter auf, um meiner Freundin Aktivitäten zu ermöglichen. Das war vielleicht zweimal im Monat, wurde also nicht ausgenutzt, und sie spendierte dann auch immer ein Essen vom Asiaten. Aber sie fing an, extrem zu klammern. Sie wollte, dass ich jeden Tag mit ihnen zu Abend esse. Wie gesagt, es war Corona, bereits Lockdown (November/Dezember), hatte nichts zu tun, mir fiel auch öfter mal die Decke auf den Kopf und fand das nett bei den beiden. Wir guckten dann oft Filme usw., vertrieben uns die Zeit, was mir gut gefallen hat. Wir verbrachten Weihnachten und Silvester zusammen, es war fast wie eine Familie.

    Und dann kam der Januar: Der Zustand der Mutter verschlechterte sich, sie beschloss zu sterben. Meine Freundin klingelte eines Tages völlig verzweifelt bei mir und sagte "Mutti liegt im Sterben! Bitte komm und guck mal, was du denkst.". Ok, ich ging rüber, es war echt schlimm. Am Vorabend aßen wir noch gemeinsam zu Abend, am nächsten Tag sagte sie nur noch, sie wolle sterben. Wir guckten ein wenig zu, riefen dann aber einen Arzt, der meinte, man könnte nichts mehr machen, er würde aber einen Tropf legen. Mutter stimmte zu. Dann stellte sich heraus, dass ein Toilettengang mit Tropf nicht möglich war und wir waren verzweifelt. Ich besorgte Windeln und es war eine absolute Katastrophe, diese Windeln anzulegen, wenn man das nicht kann bei einem letztlich sterbenden Menschen, der selbst nichts beitragen kann. Meine Freundin bat mich, über Nacht zu bleiben, weil sie es alleine nicht schaffen würde. Und ja, das leuchtete mir ein, das konnte sie alleine nicht schaffen. Ich übernachtete also. Der Sterbeprozess hörte auf, da die Mutter ja am Tropf hing. Die Nacht war schrecklich, wir taten kein Auge zu, die Mutter wollte ständig eine trockene Windel - verständlich, es war ja das erste Mal, dass sie Windeln trug, unangenehm, klar.

    Ich sagte dann, ich schaffe das keine zweite Nacht, ich muss ja auch arbeiten. Und dann riefen wir den Krankenwagen, der die Mutter mitnahm. Für meine Freundin brach eine Welt zusammen, sie durfte gar nicht zu ihrer sterbenden Mutter, weil die Ärzte sagten, sie würde nicht im Sterben liegen. Meine Freundin weinte nur noch, klammerte extrem, wollte, dass ich übernachte und bei ihr bin, weil sie das alleine nicht schaffen würde. Ich grenzte mich ab und sagte, übernachten geht nicht, aber ansonsten bin ich für sie da, wenn sie mich braucht. Wir aßen zusammen, guckten Filme, gingen Spazieren...und besorgten einen Pflegeplatz für die Mutter.

    Die Mutter wurde fünf Tage später mehr tot als lebendig entlassen und kam in die Pflegeeinrichtung, wo meine Freundin und ich sie empfingen. Meine Freundin bat mich, ihr zu helfen, das Zimmer ein wenig zu reinigen, weil es sehr dreckig war. Da es eine Pflege-WG war, durfte man problemlos mit einem negativen Coronatest auch als Nicht-Angehöriger im Zimmer bleiben, wenn der Patient das wünschte. Ok, dann waren wir mit der Mutter bis abends beisammen, sprachen, lachten, es war heiter, aber man merkte, es ist das Ende.

    Am nächsten Tag machte ich mein Ding, meine Freundin war bei ihrer sterbenden Mutter. Abends rief sie mich an und sagte, wenn ich mich noch verabschieden will, dann soll ich jetzt sofort kommen. Ich machte mich gleich auf dem Weg. Meine Freundin war ko, wollte sich hinlegen, ich hielt die Hand der Mutter, streichelte sie...und ging dann wieder. Kaum zu Hause, rief mich meine Freundin an und sagte, ihre Mutter sei gestorben. Sie bat mich, in die Wohnung zu gehen (ich hatte den Schlüssel) und ein paar Dokumente zusammenzusuchen. Das tat ich, brachte ihr die Sachen und blieb noch bei ihr, dass sie in Ruhe Abschied nehmen konnte.

    Die nächsten zwei Wochen waren sehr innig. Sie suchte meine Nähe, sie suchte Halt bei mir. Die Trauer war extrem, ich habe noch nie einen Menschen dermaßen leiden sehen wie sie - einfach nur traurig!

    Mich zog die Sache dann zunehmend runter, da ich die Mutter ja auch gerne mochte, der Dauerlockdown stresste ich, Angst um Arbeitsplatz usw...ich hatte eine Depri-Phase. Meiner Freundin ging es zunehmend besser und sie war sogar fröhlich, kümmerte sich um mich und sorgte sich um mich. ich zog mich hingegen eher zurück, wollte sie nicht belasten, aber sie suchte meine Nähe, lud mich ein, wollte, dass ich ihr alles erzähle usw. Ok, dann habe ich eben gesagt, es geht mir nicht gut, ich weiß nicht, ob ich in der Stadt bleiben kann wegen Arbeit usw. Und dann entwickelte sie ganz seltsame Verlustängste. Sie weinte, sagte, wenn sie mich auch noch verliert, dann weiß sie nicht, was sie tun soll, sagte das auch vor anderen Leuten, weinte auch bei anderen Leute um mich. Ich fand das komisch, habe ihr gesagt, dass es erstens nicht konkret ist und zweitens würde ich nicht einfach so gehen, man könnte sich ja trotzdem noch sehen. Ich muss dazu sagen, dass sie nicht auszog aus der Wohnung der Mutter, also zurück in ihre eigene (gleiches Viertel), weil sie mich nicht mitnehmen kann...Ich sagte, quatsch, ich komme zu dir, dann machen wir uns einen tollen Abend, alles kein Problem usw. Versuchte, sie aufzumuntern. Es ging mir dann auch psychisch wieder besser und ich stabilisierte mich.

    Sie klammerte immer extremer, rief mich täglich 3-5 Mal an und wollte, dass ich bei ihr bin, zwang mich z.B. zum Joggen mit ihr. Mich stresste das, denn ich war selbst angeschlagen durch die Situation. Ich habe es aber zugelassen, weil ich nicht alleine sein wollte und sie in einer schwierigen Situation ist.

    Einmal bat ich sie um eine Kleinigkeit, die aber sehr, sehr wichtig für mich war und sie wusste das. Ich dachte, ich könnte das tun, denn sie hatte viele fröhliche Momente, wir machten Sport gemeinsam, lachten, sie war nicht immer traurig. Wie gesagt, ich habe so viel getan für sie...und dann vertröstete sie mich einen Tag, zwei Tage, drei Tage...und dann vereinbarten wir einen Termin. Den sagte sie ganz genervt ab und meinte, sie hätte in ihrer Situation was anderes zu tun. ich sagte, ok, dann mache ich es alleine, bin aber etwas enttäuscht. Und dann war plötzlich Funkstille.

    Ich klingelte bei ihr, sie wies mich ganz harsch ab, war absolut gefühlskalt. Sie grüßte mich nicht einmal mehr, drehte sich weg, wenn sie mich sah. Sie war so wütend auf mich, ich habe sowas noch nie erlebt! Ich hatte dann Angst, forderte meinen Wohnungsschlüssel zurück, weil ich nicht wollte, dass sie den hat, wenn sie mich so hasst. Das hat sie sehr verletzt...das habe ich gesehen, aber ich musste diese Grenze ziehen, sie erschien mir unberechenbar in dem Moment.

    Dann näherte sie sich wieder an, wollte mir Möbel schenken von der Mutter. Ich sagte, ok, lass uns sprechen, dann gucken wir, ob ich die nehme. Wir verabredeten uns zu einem Gespräch, das lief erst gut, sie quatschte wie eh und je...und dann fragte ich, was denn los sei, was sie so ärgert bei mir. Daraufhin beschimpfte sie mich und kündigte mir die Freundschaft. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg, ich war so traurig!

    Dann trafen wir uns manchmal noch zufällig. Sie grüßte ganz extrem freundlich, guckte mich mit großen Kulleraugen an. Ich schrieb ihr eine SMS, dass ich sie vermisse und immer noch gerne mag, aber verstehen kann, wenn sie Abstand braucht. Dann ging es gestern so hin und her. Sie antwortete dann oft auch so unnötige Dinge wie "Hab einen schönen Tag", oder "Danke, dir auch"....also, sie will den Kontakt irgendwie wieder herstellen und am Laufen halten.

    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Irgendwie klingt das so nach Borderline-Verhalten, dazu würde auch ihre Biographie und ihre schlimme Kindheit passen.
    Allerdings kann es auch sein, dass sie einfach auf diese Weise trauert. Ich habe öfter gelesen, dass manche Menschen, wenn sie trauern, gerade sehr nahe Menschen wegstoßen, weil das der Ablösung von dem Toten dient. Wenn das so ist, dann ist es ok für mich. Ich habe ihr kommuniziert, dass ich nicht böse bin und sie sich melden kann, wenn es ihr besser geht. Bin trotzdem traurig, verletzt, enttäuscht und stehe ziemlich alleine da, während sie 1000 "Freunde" hat bzw. oberflächliche Bekanntschaften, die sie jetzt extrem aktiviert. Sie lebt seit Wochen in einer leeren Wohnung...ich spüre, dass es ihr sehr schlecht geht, da ich sie ja gut kenne. Den anderen Nachbarn usw. spielt sie vor, dass es ihr blendend geht...Ist das noch Trauer oder ist das schon was anderes?

    Wie soll ich weiter handeln? Soll ich mich aus der Freundschaft lösen oder ihr Zeit geben und warten? Das macht mich kirre, von 120 auf 0 - das tut weh, so eiskalt abserviert zu werden ohne eine Erklärung.

    Was meint ihr dazu?

    Vielen Dank schon mal und sorry für den langen Text!
    Geändert von Napfi (06.04.2021 um 13:29 Uhr)

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Zitat Zitat von Napfi Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Irgendwie klingt das so nach Borderline-Verhalten, dazu würde auch ihre Biographie und ihre schlimme Kindheit passen.
    Klingt für mich auch wie eine psychisch extrem labile Person. Dafür spricht auch ihr starkes Klammern.
    Borderliner lieben oder hassen einen. Eine normale Balance bekommen sie nicht hin. Bleib auf Distanz und schütze dich.
    Alles Gute für dich!

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Das Verhältnis zur Nachbarin klingt nicht so ganz gesund, allerdings von beiden Seiten nicht....

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Ja, labil ist sie, das wusste ich schon vorher. Allerdings war natürlich auch die Pflegesituation und Corona, was den engen Kontakt ausmachte.
    Ich frage mich nur, ob das was mit der Trauer zu tun hat oder ob das wirklich psychisch krank ist?
    Denn: Wenn das die Trauer ist, möchte man sie natürlich nicht hängen lassen, auch wenn das Verhalten nicht korrekt war. Aber jeder macht mal Fehler. Wenn sie echt Borderlinerin ist, dann ist das für mich natürlich beendet. Allerdings empfand ich die Freundschaft als relativ stabil bis Januar eben....
    Geändert von Napfi (06.04.2021 um 13:56 Uhr)

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Ich denke, das hat was mit der Trauer zu tun, vor dem Tod der Mutter war ihr Verhalten doch ein ganz anderes. Sie braucht noch viel Zeit, um den Tod der Mutter richtig zu verarbeiten, und es kann gut sein, dass sie danach wieder ganz "normal" ist. Du hast den beiden Frauen so viel geholfen, was sicher nicht jeder Mensch in diesem Umfang tun würde, allerdings verstehe ich die extreme Nähe zu den beiden so viel älteren Frauen auch nicht so ganz. Evtl. Mutter- und Omaersatz? In Deinem Alter umgibt man sich ja eher mit Gleichaltrigen und nicht mit über 70- und 90-Jährigen. Jedenfalls nicht dauerhaft, tagtäglich und ausschließlich.

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Nimm es als das, was es ist: Eine Phase in Deinem Leben, in dem das gut gepasst hat. Jetzt passt es aber nicht mehr und wird schräg.

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Zitat Zitat von Fidelita Beitrag anzeigen
    Ich denke, das hat was mit der Trauer zu tun, vor dem Tod der Mutter war ihr Verhalten doch ein ganz anderes. Sie braucht noch viel Zeit, um den Tod der Mutter richtig zu verarbeiten, und es kann gut sein, dass sie danach wieder ganz "normal" ist. Du hast den beiden Frauen so viel geholfen, was sicher nicht jeder Mensch in diesem Umfang tun würde, allerdings verstehe ich die extreme Nähe zu den beiden so viel älteren Frauen auch nicht so ganz. Evtl. Mutter- und Omaersatz? In Deinem Alter umgibt man sich ja eher mit Gleichaltrigen und nicht mit über 70- und 90-Jährigen. Jedenfalls nicht dauerhaft, tagtäglich und ausschließlich.
    Ja, das stimmt zwar. Es war einfach die Situation. Ich bin relativ neu in der Stadt, war dauerhaft im Homeoffice, Kollegen haben oft Familie und waren sehr beschäftigt...ich kenne hier einfach nicht viele Leute, Fitnessstudio zu usw.. Und dann ergab sich das mit den Nachbarinnen, man verstand sich und ich habe nicht großartig darüber nachgedacht.
    Mit der Mutter hatte ich sehr, sehr gute Gespräche, wirklich interessant, intellektuell und tiefgehend. Da verging einfach die Zeit schnell und wir waren uns sehr sympathisch. Ich höre gerne älteren Leuten zu.
    Und mit der Tochter - nein, da habe ich eher die Mutterrolle übernommen. Aber auch erst ab Januar, davor war es einfach eine Freundschaft. Sie ist kein mütterlicher Typ.

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    "Und mit der Tochter - nein, da habe ich eher die Mutterrolle übernommen. "

    Vielleicht liegt auch da der springende Punkt. Sie hat erst ihre Mutter verloren und quasi als "Brückenbeziehung" die Freundschaft zu dir gehabt, die ja wirklich sehr eng geworden ist in dem, wie ihr füreinander und für ihre Mutter gesorgt habt. Vielleicht warst du tatsächlich eine Art "zweite Mutter", d.h. eine weitere enge Bezugsperson: jemand, auf den sie sich immer und unter allen Umständen verlassen konnte. So hat ihr vieles evtl. einfach weniger weh getan.
    Als du dann später ein bisschen auf (einen sehr natürlichen und notwendigen!) Abstand gegangen bist, hat sie das vielleicht als einen weiteren großen Verlust oder "Verrat" gedeutet: Du hast sie in ihrer eigenen Sichtweise vielleicht jetzt auch noch verlassen, im Stich gelassen. (Wohlgemerkt aus ihrer Sicht; ich finde, es war dringend nötig, auch wieder ein bisschen Distanz zu haben.)

    Wenn man den Faden weiterspinnt, kann es sogar sein, dass sie die Wut, die sie ihrer Mutter gegenüber als Teil des Trauerprozesses empfindet, aber nicht zulässt bzw. nicht ausleben kann ("Mama, warum bist du einfach weggegangen und hast mich allein zurückgelassen?!"), nun dir zeigt - denn du bist noch da, ihre wahre Mutter nicht.

    Aber das ist sehr viel Spekulation. Nur so eine Idee.
    Geändert von skinhype27 (06.04.2021 um 14:48 Uhr)

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    Zitat Zitat von skinhype27 Beitrag anzeigen
    "Und mit der Tochter - nein, da habe ich eher die Mutterrolle übernommen. "

    Vielleicht liegt auch da der springende Punkt. Sie hat erst ihre Mutter verloren und quasi als "Brückenbeziehung" die Freundschaft zu dir gehabt, die ja wirklich sehr eng geworden ist in dem, wie ihr füreinander und für ihre Mutter gesorgt habt. Vielleicht warst du tatsächlich eine Art "zweite Mutter", d.h. eine weitere enge Bezugsperson: jemand, auf den sie sich immer und unter allen Umständen verlassen konnte. So hat ihr vieles evtl. einfach weniger weh getan.
    Als du dann später ein bisschen auf (einen sehr natürlichen und notwendigen!) Abstand gegangen bist, hat sie das vielleicht als einen weiteren großen Verlust oder "Verrat" gedeutet: Du hast sie in ihrer eigenen Sichtweise vielleicht jetzt auch noch verlassen, im Stich gelassen. (Wohlgemerkt aus ihrer Sicht; ich finde, es war dringend nötig, auch wieder ein bisschen Distanz zu haben.)

    Wenn man den Faden weiterspinnt, kann es sogar sein, dass sie die Wut, die sie ihrer Mutter gegenüber als Teil des Trauerprozesses empfindet, aber nicht zulässt bzw. nicht ausleben kann ("Mama, warum bist du einfach weggegangen und hast mich allein zurückgelassen?!"), nun dir zeigt - denn du bist noch da, ihre wahre Mutter nicht.

    Aber das ist sehr viel Spekulation. Nur so eine Idee.
    Ja, daran hatte ich eben auch schon gedacht. Sie war definitiv wütend auf ihre Mutter, dass die gegangen ist. Aber man sagte mir, das sei normal in einem Trauerprozess, dass man wütend auf den Verstorbenen ist. Ich persönlich habe das noch nie erlebt, aber scheint wohl nicht unüblich zu sein.
    Ehrlich gesagt, glaube ich auch, dass sie sich jetzt radikal abgrenzt, um den Verlust zu verarbeiten. Das ist auch ok und nachvollziehbar, sie hätte es nur ein wenig besser verbalisieren sollen. Aber sei es drum.
    Ich frage mich eben nur, was ich daraus jetzt machen soll. Freundschaft abschreiben? Oder warten? Das Ungewisse stresst mich etwas, muss ich sagen. Aber von ihr kommen ja Zeichen der Annäherung, sie will mich derzeit nur auf Distanz halten, das ist ok für mich und ich verstehe diese Zeichen. Diese Radikalität musste sie anwenden, um mich auf Distanz zu bringen. Das hatte ich mir auch schon so überlegt. Sie ist generell ein sehr emotionaler und gefühlsbetonter Typ, insofern denke ich, das passiert aus einem Bedürfnis heraus und ist ihr vielleicht gar nicht so bewusst oder bösartig.

    Und als PS: Sie und ich, wir sind total gegensätzliche Menschen, also völlig unterschiedlich. Deshalb passt dieses Borderline auch nicht so wirklich, die spiegeln ja.
    Allerdings bin ich ihrer Mutter sehr ähnlich: leicht unterkühlt, rational, eher distanziert erstmal...ich habe mich wirklich charakterlich eher in ihrer Mutter gespiegelt gesehen, wenn ich das so überlege. Aber die Mutter war definitiv keine Borderlinerin. :-D

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    AW: Sehr enge Freundin trauert um Mutter...und kündigt mir die Freundschaft :(

    das viele Rumspekulieren, was warum bei ihr so ist hilft doch nichts- alles Hypothesen....

    mein Rat:

    nimm Abstand/Auszeit , achte primär auf Dich und Deine Bedürfnisse, komme erst einmal wieder zu Dir und mache Dich nicht von äußeren Umständen und den Launen anderer abhängig!

    Lebe Dein Leben und nicht das anderer...
    Geändert von 1a2b (06.04.2021 um 18:27 Uhr)

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