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  1. Registriert seit
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    Einfach aushalten oder unsensibel?

    Folgendes Szenario: (natürlich nicht mit Klarnamen)

    Freundin Nina hatte eine natürliche Geburt, ist aktuell schwanger. Freundin Katrin hatte zwei Kaiserschnitte, die nicht gewünscht waren, sondern eben notwendig. Hätte auch lieber eine natürliche Geburt erlebt.

    Nun hat der Frauenarzt Nina mitgeteilt, dass es auch bei ihr auch auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen könnte und klagt darüber Katrin ihr Leid.
    Katrin fand das unsensibel, weil sie selbst ja auch betroffen war und Nina immerhin schon eine natürliche Geburt hatte.

    Ich bin selbst zwiegespalten. Ich kann verstehen, dass Katrin sich ärgerte, aber auch, dass Nina ihre Sorgen loswerden wollte.

    Wie seht ihr das im Allgemeinen? (Gibt ja noch andre Beispiele, ich meckere vor der Single-Freundin (Die darüber sehr unglücklich ist) ständig über meinen Freund.
    Ich jammere vor meiner Schwester über meine nervigen Kinder, sie selbst konnte keine Kinder bekommen?)
    Oder ist es immer vom Einzelfall abhängig?

    Aber es geht mir um eher Themen, bei denen man selbst mehr oder weniger dem Schicksal ausgeliefert ist. nicht um: ich kann mir kein neues Auto leisten, die andere schon.
    Geändert von MissMangan (22.02.2020 um 08:31 Uhr)


  2. Registriert seit
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Hallo Miss,

    so ist das, wenn jeder nur sich selbst im Blick hat und nicht den anderen

    Wenn ich nur mich im Blick habe- mein Leid, meinen Mangel- dann werde ich mir schwer tun, auf den anderen einzugehen.
    Und das betrifft beide Seiten.

    Muss ich mir denn als Schwangere mit der Sorge um Kaiserschnitt, ausgerechnet Unterstützung bei der Frau suchen, die das als leidend erlebt hat? Was kann ich dort erwarten?
    Muss ich tatsächlich der sehr unglücklichen Single-Frau von meinem Freund vorjammern?
    Oder meiner Schwester über meine Kinder, wenn die keine bekommen konnte?

    Hier stellt sich die Frage, wie gut kenne ich denjenigen, bei dem ich nun losreden möchte?
    Wie nah sind mir dessen Themen - wie sehr interessieren sie mich selbst - habe ich verstanden, was in dem anderen dazu vorgeht- generell?

    Nun gibt es auch Menschen, die mit ihren "Schicksalen" gut leben können und die auch kein Problem haben, dann darüber mit einem anderen zu reden.
    Als Freund- der man selbst sein will- kann man das aber im Blick haben und wissen.


  3. Registriert seit
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Danke für deine Antwort.

    Im eigenen Kummer vergisst man ja schonmal den anderen. Und es kommt dann demjenigen als Luxusproblem vor, bei dem er auch noch mitfühlen und trösten soll.

  4. Moderation
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Man steckt nicht drin.

    Mein erster Gedanke wäre, daß
    a) Katrin nicht jedem (Nina) erzählt hat, daß die Kaiserschnitte etwas sind, was sie belastet, womit sie sich schlecht fühlt, und worüber sie nicht reden möchte -- klar, denn wenn einen etwas belastet und man nicht drüber reden möchte, erzählt man das ja nicht!
    b) Nina sich Hilfe und moralische Unterstützung von jemandem erhofft (Katrin) die schon Erfahrungen mit dem gemacht hat, was ihr bevorsteht und (das folgende vermute ich nur) ja auch schöne Kinder hat und ihr Mut machen kann.

    Und jetzt ist Katrin unglücklich weil das Thema aufkommt, und Nina kann keine Gedanken lesen, hat wahrscheinlich Sorgen und etwas Angst und ist sich keiner Schuld bewußt.

    Man sollte freundlich, tolerant und ehrlich in solchen Themen sein. Katrin könnte sagen, "das tut mir leid für dich, für mich war es nicht schön, ich möchte nicht darüber reden", und Nina könnte sagen, "tut mir leid, ich wollte dich nicht belasten" und gut ist. Jetzt aus seinen Herzen eine Mördergrube zu machen oder sich anzugnatschen weil andere Leute keine Gedanken lesen können ist leider normal, aber nützt absolut niemandem. Und wer nicht versucht, auf andere zuzugehen -- immer ein Risiko, man kann in so viele Fettnäpfchen treten! -- bleibt allein.

    Ich habe selber tatsächlich öfters erlebt, daß eine Katrin mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung einer seufzenden Nina eher Info und vielleicht Unterstützung gibt. Dann ist das Unglück zumindest noch zu irgendwas gut.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **


  5. Registriert seit
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Wildwusel, so wie du es annimmst, wäre Katrin vielleicht nicht angefressen gewesen. Sie war ein bisschen verletzt.

    Es ging definitiv nicht darum, um Rat zu fragen, wie ein KS ist und auf was frau sich da einstellen muss. Es ging ums Ausheulen.
    Soweit ich das beurteilen kann, hat Katrin mit den Kaiserschnitten ihren Frieden geschlossen.
    Und Nina wusste, dass Katrin lieber auch mal eine natürliche Geburt erlebt hätte.

    Es geht überhaupt nicht darum, dass jemand in diesem Fall ein Fass aufmachen möchte, sondern um die grundsätzliche Frage im EP.

  6. Avatar von Marta-Agata
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Ich muss meiner darüber sehr unglücklichen Singlefrau weder von meinem Freund vorschwärmen noch mich über ihn ausjammern.
    Wenn ich gar nichts erzählen kann, wo er vorkommt, wird es aber ziemlich anstrengend.

    Und das Beispiel mit dem Kaiserschnitt ist für mich keines. Ich sehe es wie wildwusel - Katrin, als eine, die es erlebt hat, ist die natürliche Ansprechpartnerin dafür. Wenn Katrin sich darüber ärgert, dann ist es keine Freundschaft.

  7. Inaktiver User

    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Zitat Zitat von MissMangan Beitrag anzeigen
    Nun hat der Frauenarzt Nina mitgeteilt, dass es auch bei ihr auch auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen könnte und klagt darüber Katrin ihr Leid.
    Katrin fand das unsensibel, weil sie selbst ja auch betroffen war und Nina immerhin schon eine natürliche Geburt hatte.
    Wie so oft - es kommt halt drauf an. Ich hätte mich sicher nicht bei einer ungewollt kinderlosen Freundin über anstrengende Kinder ausgeheult.

    Andererseits kann so was ja auch verbinden - grad weil Katrin schon den ungewollten KS hatte könnte sie doch nachfühlen, wie es Nina damit geht, dass ihr das auch droht?

    Nicht jedes drüber reden ist ja ein endlos Gejammere um das eigene Ego.

    Ich denk mir manchmal heute, es geht nur noch um einen Leidenscontest, wer hat es am schlimmsten getroffen, und wer sich da gegenseitig überbieten will wird mit der Situation natürlich ein Problem haben, weil er sein eigenes Leid da irgendwie gemindert sieht.

    Wer eine gewisse Großzügigkeit hat könnte als Katrin Nina in den Arm nehmen und sagen, komm, ich hab das geschafft, du schaffst das auch. Ist zwar nicht toll, aber Hauptsache wir haben unser Baby. Ich drück dir die Daumen, vielleicht kommst du doch noch drum rum.

    Grundsätzlich find ich gönnen können eine schöne Eigenschaft, vor allem für sich selbst.

  8. Avatar von Loop1976
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Warst Du eigentlich bei den Gesprächen dabei,,oder weißt Du das nur von den jeweiligen Erzählungen?
    Nina weint sich bei Katrin aus und Katrin bei Dir und findet Nina unsensibel?
    War es so?

    Wenn Es so war, wieso sagt Katrin Nina denn nicht, dass sie es doof findet?
    Eine Freundschaft muss doch auch ehrlich sein dürfen?
    Nein, mein Nickname hat nichts mit meinem Geburtsjahr zu tun

    Schade, dass man im Leben Menschen begegnet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Schokolade stellt keine blöden Fragen - Schokolade versteht


  9. Registriert seit
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Hier wird wieder von einigen abgetan, verurteilt etc. Schade.

    Wie sie oft hier.

    Danke für die differenzierten Antworten, die sich auf meine Fragestellung bezogen.

    Und hier wird verzerrt dargestellt, dass sich nur die Balken biegen.

  10. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Einfach aushalten oder unsensibel?

    Bei zuviel Rücksicht hätte ich irgendwann Angst, dass ich nichts mehr äußern darf und sich immer kleiner Gruppen zusammen finden.

    Darf ich als Selbständige nicht mit über meinen Stress klagen bei jemandem, der keinen Job hat, nicht überanstrenge Kinder bei Kinderlosen, nicht über den Mann bei Singles, nicht über meine Sportverletzung bei jemandem im Rollstuhl, nicht über mein Haarprobleme bei einem Glatzkopf, über meinen Abnehmerfolg mit einer Übergewichtigen, über meinen geplanten Marathon mit einer Gehbehinderten .... tbc.

    Ja, ich bin ein unsensibler Trampel, aber das ist mir lieber als jemand zu sein, der nur noch über das Wetter spricht, um nur niemanden zu verletzen .... und selbst auf die Bemerkung, dass so schönes Wetter sei, habe ich mal von einer Tante gehört "JA, das freut dich, dass jetzt bei mit auf dem Friedhof alle Blumen kaputt gehen".


    Wenn ich weiß, dass jemand unter einen bestimmten Sache leidet, dann walze ich das Thema nicht ständig aus und jammere zB gegenüber jemanden mit mehreren Fehlgeburten nicht aus, wie leicht ich schwanger geworden bin und wie entspannt meine Schwangerschaft und meine Geburt warten - aber ich verheimliche weder meine Schwangerschaft noch spare ich das Thema Kinder vollständig aus .... weil damit isoliere ich den anderen gesellschaftlich, weil ich solche Personen dann auch nicht mehr in größere Gruppen einladen könnte, weil es könnte ja jemand was sagen.



    Ich erfülle einiger der obigen Negativkriterien .... und ich bin froh, dass mein Umfeld darauf keine übertriebene Rücksicht nimmt und sich die Freiheit mit mir über all diese und viele andere Themen zu sprechen. Das einzige, was ich mir verbitte sind zB Tipps an mich, wie auf der Glatze wieder Haare sprießen.

    Und wenn ich sage, dass ich über das Thema Marathonvorbereitung gerne fünf Minuten Zusammenfassung höre, aber nicht einen fünfstündigen Vortrag, weil es mich a) langweilt und b) ich nicht aushalte, dass ich das aufgrund meiner körperlichen Konstitution nicht kann.... dann erwarte ich, dass mein Gegenüber das Thema entsprechend wechselt.


    Sprechenden Menschen kann geholfen werden.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
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