+ Antworten
Seite 1 von 15 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 148

  1. Registriert seit
    17.07.2019
    Beiträge
    412

    Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Hallo in die Runde,

    ich möchte gern ein Thema zur Diskussion stellen, das mir in jüngerer Zeit häufiger begegnet:

    Die Unfähigkeit oder doch eingeschränkte Fähigkeit, andere Menschen und ihre Belange wahrzunehmen, während man gleichzeitig unablässig um den eigenen Nabel kreist.

    Ich möchte das Thema anhand zweier Beispiele skizzieren:

    1. Mit Anita diskutiere ich häufig rund ums Thema menschlicher Organismus / Erkrankungen / Möglichkeiten, die man Patienten an die Hand geben kann, mit Erkrankungen umzugehen und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit zu machen.

    Wir sind durchaus häufiger unterschiedlicher Ansicht. Das ist kein Problem für mich. Es wird aber eines, wenn Anita mir nicht zuhört und immer wieder etwas - Kritik, Vorschläge, Hypothesen - äussert, die völlig überflüssig sind, denn hätte sie zugehört, wüsste sie, dass diese längst abgefrühstückt sind und nicht zielführend waren.



    2. Hanna und ich sind sehr alte Freunde. Hanna hat einen kleinen Sohn, der inzwischen 8 Jahre alt ist. Seit Jahren graut mir vor unseren Telefonaten, denn Hanna ist nicht in der Lage, ihrem Sohn klar zu machen, dass dieser sie doch bitte einfach mal 20 Minuten in Ruhe telefonieren lassen möge.

    Mindestens 3, eher 5 Mal pro Telefonat höre ich aus dem Hintergrund das lautstarke "Mamaaaaa" mit einem - ich nenne es mal wohlwollend "Antrag" , ob der Spross dieses dürfe, jenes bekomme, Mama das Programm wechseln oder X, Y, Z tun könne.

    Beim letzten Besuch der beiden hier bei uns war ich nach 2 Stunden froh, als sie wieder abfuhren. Es war nicht möglich, ein Gespräch zu führen, da der Sohnemann permanent Aufmerksamkeit einforderte.

    Nur zur Erinnerung: Er ist nicht 3, nicht 4 und auch nicht 6 Jahre alt. Er geht in die zweite Klasse und ist ein sehr heller Kopf.

    Im Rahmen dieses "Nichtgesprächs" tauschten wir uns über unsere Pläne für die nächsten Wochen aus, os gut das eben ging. Wir waren gleichzeitig in unterschiedlicher Mission für zwei Wochen unterwegs.

    Nach besagten zwei Wochen telefonierten wir. Der erste Satz von Hanna: Ich bin wieder daaa! Meine Antwort. darauf: Ich auch. Hanna: Wie, wo warst Du denn?!

    Ich gebe zu, an diesem Punkt reichte es mir und ich verlor ein paar Worte zum Thema Unaufmerksamkeit. Ich hatte da einfach den Kaffee mal auf und keine Lust, wieder darüber hinweg zu gehen. Leider kam dies eine Majestätsbeleidigung gleich. Der Dialog verstummte einseitig und konnte dann nur beendet werden. Seither Funkstille, die ich unterbrach, um zu erfragen, ob wir uns nicht zusammen setzen und das Thema miteinander klären könnten (steht noch aus).

    Ich frage mich nun: Bin ich zu empfindlich, wenn ich mir wünsche, dass man mir mit mehr Aufmerksamkeit begegnet und aufnimmt, was ich sage? War ich möglicherweise in der Vergangenheit zu großzügig, hätte ich meinen eigenen Nabel mehr zu dem der Beziehungswelt und seltener eine Faust in der Tasche machen müssen?

    Welches Maß ist recht, welches nicht?

    Mir ist in den letzten Jahren Authentizität sehr wichtig geworden, entsprechend hat meine Bereitschaft, innerlich zu sagen: "ach, was soll`s, Schwamm drüber" nachgelassen. Natürlich sehe ich ein, dass diese Veränderung Irritantionen nach sich zieht.

    Wie handhabt IHR so etwas? Begegnet es Euch auch?

    Eure Erfahrungen hierzu würden mich sehr interessieren.


  2. Avatar von fini.
    Registriert seit
    23.04.2007
    Beiträge
    28.012

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Hallo Klara ,

    ich kenne beide Seiten.
    Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, spricht sie nebenbei immer mit meinem Stiefpapa oder mit den 9jährigen Zwillingen, die mit im Haus wohnen.
    Ich frage sie dann, ob sie sich vielleicht 5 Minuten mal auf mich konzentrieren kann.
    Es tut ihr dann Leid und sie versucht es zumindest.

    Andererseits kann ich es mir manchmal nicht merken, wohin/wann meine Freundin in den Urlaub fährt.
    ich glaube schon, dass es in den Momenten an mir liegt, weil ich einfach nicht richtig zuhöre/abgelenkt bin/zu viel andere Sachen im Kopf habe.
    Ihr passiert das zum Glück auch und geben es auch gegenseitig zu.
    Dann lachen wir darüber und die Sache ist geritzt.

    Ich habe mich damit abgefunden, dass nicht alles so ist, wie ich es gerne hätte.
    Und ich akzeptiere die Fehler der anderen, weil ich eben selbst nicht perfekt bin.

    Vielleicht telefonierst du mit deiner Freundin mal am Abend, wenn der Sprössling im Bett ist und du gibst Hanna beim nächsten Mal eine Krücke an die Hand und sagst, "ich bin auch zurück aus Kleinkleckersdorf. Es tat gut, mal für 5 Tage ins Kloster zu gehen." Sicher erinnert sie sich dann daran, dass du es ihr erzählt hast und es war ihr nur im ersten Moment nicht präsent.

    Was Anita angeht, so frage sie vielleicht beim nächsten Mal, ob das Thema abgehakt ist oder ob ihr noch etwas dazu einfällt.

    Für immer ab jetzt!
    "Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein.
    Bei allem was du machst. Und wenns so richtig Scheiße ist dann ist
    wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am Allerschönsten ist,
    da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment." ♫



  3. Avatar von guerteltier
    Registriert seit
    22.04.2016
    Beiträge
    1.160

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Wir sind durchaus häufiger unterschiedlicher Ansicht. Das ist kein Problem für mich. Es wird aber eines, wenn Anita mir nicht zuhört und immer wieder etwas - Kritik, Vorschläge, Hypothesen - äussert, die völlig überflüssig sind, denn hätte sie zugehört, wüsste sie, dass diese längst abgefrühstückt sind und nicht zielführend waren.
    Das könnte aber schlicht und einfach auch daran liegen, dass Anita da anderer Ansicht ist und diese Themen eben nicht für abgefrühstückt hält?

    Generell erwarte ich nicht, dass sich Freunde alle Details merken, die ich erzähle, andersherum kann ich das auch oft nicht. Wie gut man sich etwas merken kann ist auch ein bisschen Typsache (gab es dazu nicht vor kurzem mal einen Strang?).

    Telefongespräche mit quasselndem Kind im Hintergrund fände ich allerdings auch anstrengend, ich selber vermeide Telefonieren in der Anwesenheit meiner Tochter.

  4. Avatar von Tabea57
    Registriert seit
    19.11.2004
    Beiträge
    3.860

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Im Rahmen dieses "Nichtgesprächs" tauschten wir uns über unsere Pläne für die nächsten Wochen aus, os gut das eben ging. Wir waren gleichzeitig in unterschiedlicher Mission für zwei Wochen unterwegs.

    Nach besagten zwei Wochen telefonierten wir. Der erste Satz von Hanna: Ich bin wieder daaa! Meine Antwort. darauf: Ich auch. Hanna: Wie, wo warst Du denn?!

    Ich gebe zu, an diesem Punkt reichte es mir und ich verlor ein paar Worte zum Thema
    Ich bin wahrscheinlich Hanna!
    Zumindest könnte ich sie sein, deshalb eine Erklärung "from the other side": Je mehr ich zu tun und um die Ohren habe (und je älter ich werde), umso weniger merke ich mir, wohin meine Freunde fahren oder wann. Nicht, weil ich nicht will - es fällt einfach aus dem Speicher! Festplatte zu voll, Dinge fallen runter.
    Wenn Deine Freundin evtl. auch viel um die Ohren hat, halte ich das nicht für Selbstbezogenheit, sondern schlicht für eine läßliche Vergesslichkeit. Frag sie mal, wie es ihr so geht mit ihren inneren Kapazitäten.

    Und Telefonate mit kleinen Kindern habe ich (selbst Mutter mehrer Kinder) auch in schlechter Erinnerung: selbst wenn das/die Kind/er beschäftigt sind im Moment, wenn ich zum Hörer griff. sobald sie mitbekamen, dass Mamas Aufmerksamkeit bei der Person am anderen Ende war (Konkurrenz!), war es mit dem versunkenen Spiel vorbei und sie hingen mir "am Schlapp".
    Abendliche Telefonaten waren deutlich entspannter!

    Ihr kriegt das sicher geklärt!
    Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
    Aber macht!


    ausgeborgt von Uli_F-2009

  5. Avatar von Mediterraneee
    Registriert seit
    21.04.2009
    Beiträge
    3.424

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Ich merke, dass meine Toleranz für diese Art Unaufmerksamkeit immer weiter abnimmt. Ich habe früher oft eine Faust in der Tasche gemacht und mir gedacht: stell Dich nicht so an, die Leute haben halt viel um die Ohren mit ihren Kindern, Job etc.
    Ich mache jetzt keine Faust mehr in der Tasche und kann Dir, Klara, gut nachfühlen, dass Du frustriert bist. Ich finde Dich nicht zu empfindlich, im Gegenteil.

    Für mich hat Freundschaft etwas mit Aufmerksamkeit und Zugewandtheit zu tun. Wenn ich dies bei jemandem erst erbitten muss, ist es keine Freundschaft (mehr). Wer seine Prioritäten so setzt, dass ich immer den Kürzeren ziehe, der ist kein Freund (mehr). Solche Kontakte lasse ich schleifen oder stelle sie aktiv ein.

    Vor einiger Zeit hatte ich einen ehemals wirklich sehr guten Freund samt Ehefrau und zwei Kindern im Grundschulalter zu Besuch. Die Freundschaft war in den letzten Jahren distanzierter geworden, mir aber immer noch wichtig.
    Er und seine Frau waren noch nie in der Wohnung gewesen und hatten meinen Partner erst ein einziges Mal flüchtig gesehen. Wir saßen etwa zweieinhalb Stunden zusammen. Während der gesamten Zeit hat der ehemals gute Freund meinem Partner nicht eine einzige Frage gestellt, z.B. was er beruflich macht oder irgendetwas, das auch nur auf das geringste Interesse an seiner Person hätte schließen lassen können. Es wurde sich die gesamte Zeit über nur mit den Kindern beschäftigt. Es gab keine Bemerkungen über die neue Wohnung oder irgendeine Frage an mich (er wusste, dass ich einen neuen Job hatte). Es wurde auch nur von den Kindern erzählt, über ihre Schulen, ihre Kinderkrankheiten etc.

    Nachdem die vier gegangen waren, fragte mein Partner mich, ob er vielleicht unsichtbar sei, er habe sich jedenfalls so gefühlt. Ich habe dann zu ihm gesagt, dass ich den Kontakt nun nicht mehr aktiv suchen werde, denn dieses Unsichtbargefühl, das hatte ich schon länger.
    Es kommen seither immer mal belanglose Whatsapps von dem Freund, in denen er irgendwas über die Kinder oder den Urlaub schreibt. Nie eine Frage, wie es mir geht. Ich antworte darauf nicht mehr. Meine Vermutung: das fällt ihm wahrscheinlich nicht mal auf.
    Nun hat er uns zu einem runden Geburtstag eingeladen. Ich weiß nicht, ob ich hingehen soll. Ich habe auch keine Lust, ein Geschenk zu machen. Vielleicht sollte ich es wirklich einfach lassen.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.

    Geändert von Mediterraneee (22.10.2019 um 13:21 Uhr)

  6. Avatar von schafwolle
    Registriert seit
    17.09.2008
    Beiträge
    22.763

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Mir ist in den letzten Jahren Authentizität sehr wichtig geworden, entsprechend hat meine Bereitschaft, innerlich zu sagen: "ach, was soll`s, Schwamm drüber" nachgelassen.

    Wie handhabt IHR so etwas? Begegnet es Euch auch?
    Liebe Klara!

    Dein Thema ist - leider - wahrlich kein außergewöhnliches.

    Meine beste Freundin tickt GsD genauso wie ich. Ich würde von uns Beiden
    behaupten, dass wir sehr aufmerksame, ehrlich am jeweils Anderen interessierte,
    Zuhörerinnen sind, die auch Details nicht aus den Augen verlieren.
    Das alles macht unsere Kommunikation sehr angenehm. Wir sehen einander aber
    gar nicht allzu oft - aber wenn, dann sind die Begegnungen intensiv.

    Gerade letzte Woche habe ich innerlich über eine langjährige Freundin den Kopf
    geschüttelt. Ich hatte einen bestimmten Zeitungsartikel über ihr berufliches Wirken
    bei Facebook gelesen. Diesen Artikel hatte sie selbst gepostet. In einer längeren
    Mail an sie habe ich, u.a., besagten Artikel mehrmals inhaltlich positiv kommentiert.

    Einige Tage später schickte sie mir eine Mail, in welcher sie sich für meine Mail bedankte
    und als Anhang ... den Zeitungsartikel beifügte ...

    Ich unterstelle ihr natürlich keine Böswilligkeit oder etwas in diese Richtung. Aber
    derlei Verpeiltheit (?), Unaufmerksamkeit (?), Oberflächlichkeit (?) finde ich schon erstaunlich.

    "Handhaben" tue ich das nicht, ich nehme so etwas einfach zur Kenntnis.


    Meine Mutter war eigentlich eine gute Gesprächspartnerin - aber wenn sie einem zuhörte
    und gleichzeitig mit der Katze auf ihrem Schoss sprach, dann machte das meinen Vater
    regelrecht wütend, das weiß ich noch gut.

    Die positive Wirkung von wirklich ungeteilter Aufmerksamkeit sollte man nicht
    unterschätzen.


  7. Registriert seit
    28.10.2018
    Beiträge
    1.083

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Ui, Klara, da bist du bestimmt nicht allein damit, dass dich solche Unaufmerksamkeit (oder Vergesslichkeit) stört.

    Ich habe bei mir z.B. bemerkt, dass ich mir dann solche Dinge wie Urlaubsziele/-Termine schlicht dann nicht merke, wenn sie meine Aufmerksamkeitsschwelle nur berühren, aber nicht überschreiten - und das passiert genau - und nur - dort, wo ich die Person als nicht wirklich "interessant" (nahe, eng....) empfinde.
    Allerdings schaffe ich es zumindest, mich dann doch bei einer entsprechenden Bemerkung an wenigstens "irgendwas" von ihrer Erzählung zu erinnern, sodass dann wenigstens kein "hä, wie, weg warst? wann/wo????" aus mir herausbricht.

    Bei all jenen Personen, an denen mir etwas (mehr) liegt, kann ich ganze Lebensläufe herunterrasseln, da vergesse ich nicht das kleinste Detail.

    Selber gewundert hab ich mich auch in den letzten paar Monaten über eine Bekannte/Freundin von mir. Sie hat es offensichtlich nicht geschafft, sich einen für mich sehr wichtigen Termin zu merken, obwohl ich ihn ihr schon mehrmals (sogar schriftlich zum Nachlesen...) genannt hatte.
    In so gut wie jeder Konversation (und die finden mehrmals wöchentlich statt) hat sich mich dasselbe gefragt: "Na, wann ist denn nun Termin XY?"
    Ich bin dann irgendwann dazu übergegangen, diese Frage einfach zu übergehen.
    Irgendwann hinterher hat sie dann mitbekommen, dass Termin XY bereits stattgefunden hat.
    Und so werd' ich das in Zukunft auch handhaben.

    Diese Kind-telefoniert-mit-Situationen kenne ich selber auch. Fazit: keine Telefonate mehr.


  8. Registriert seit
    17.07.2019
    Beiträge
    412

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Hallo Ihr Lieben,

    ganz herzlichen Dank für Eure unterschiedlichen Blickwinkel und Anregungen!

    Ich komme gerade von einer überraschenden "Rettungsaktion" - eine liebe Freundin ist mit ihrem KFZ liegen geblieben und hatte Glück - ich war gerade zuhause und konnte sie abholen, den Autoschlüssel zur Werkstatt bringen, die das KFZ abschleppen wird und meine Freundin dann nach Hause fahren.

    Jetzt ist für heute Feierabend und ich kann Euch in Ruhe antworten.

    @ fini,

    dies hier:
    Ich habe mich damit abgefunden, dass nicht alles so ist, wie ich es gerne hätte.
    Und ich akzeptiere die Fehler der anderen, weil ich eben selbst nicht perfekt bin.
    ist für mich ein ganz wichtiger Schlüsselsatz - ja, absolut, es ist nicht alles perfekt und das muss es auch gar nicht sein. Jeder Mensch macht Fehler, ist mal unaufmerksam oder mit sich befasst - ganz klar! Gilt selbstverständlich auch für mich.

    Ich denke, in Sachen Freundin war es einfach der berühmte Tropfen - eben einer zuviel. Einer, der sich dann nicht mehr mit "ach, Du bist selbst auch alles andere als perfekt, sieh darüber hinweg" wegwischen liess.

    Bei aller Nachsicht, allem Verständnis: Wenn man zeitgleich unterwegs ist, ist es nicht SO schwer, sich das zu merken.

    Ich selbst gehöre zur Kategorie: Hört die Flöhe husten. Das erwarte ich gar nicht von anderen. Weit davon entfernt. Aber eine GROBE Aufmerksamkeit, die wünsche ich mir dann doch.

    Über Anita kann ich meist lachen. Sie ist wie sie ist, ein kleiner Oberkontrolletti, der sich damit schwer tut, andere Auffassungen stehen zu lassen. An guten Tagen macht mir das nichts aus. An weniger guten - tja, da denke ich dann schon mal herzhaft: Ach, wichs mir die Klumpen!

    @ guerteltier

    Das könnte aber schlicht und einfach auch daran liegen, dass Anita da anderer Ansicht ist und diese Themen eben nicht für abgefrühstückt hält?
    Ja, na klar! SIE denkt, der Fehler liegt bei mir und ich habe X oder Y einfach nicht hartnäckig genug und so, wie es "richtig" ist, versucht. ICH denke dann vielleicht, dass ihr bei einigen Theme schlicht die Erfahrung fehlt. Sie erklärt mir öfter Allgemeinplätze, von denen ich weiss, dass sie leider so gar nicht zu verallgemeinern sind, sondern höchst individuell.

    Ich erwarte auch nicht, dass andere sich all die Details merken können, die für mich völlig normal sind, weil ich sie quasi nebenbei einatme. Aber meine Freundin ist nicht dumm und hat, wenn es ihr wichtig ist, ein hervorragendes Gedächtnis. Mir geht es um den Fokus. Um den Moment, an dem ich entscheide, mich jemandem wirklich zuzuwenden. Das hat für mich etwas mit Zuneigung zu tun und ich denke, das ist auch der Punkt, der mich drückt.

    @Tabea

    Du brichst eine sehr sympathische Lanze für Hanna! Das habe ich auch über viele Jahre getan. Erst war es die Kinderwunschbehandlung (Hormone, Hormone), dann die Schwangerschaft, dann die Still-Demenz. Aber irgendwann kamen mir so ein paar Eselsbrücken abhanden... ich hoffe selbst sehr, dass sich das wieder einfangen lässt.

    Allerdings bin derzeit ja ohnehin ich die Böse , weil ich es gewagt habe, meinen Unmut durchblicken zu lassen. Also... es bleibt spannend!

    @ Mediterraneee

    das hier:
    Ich merke, dass meine Toleranz für diese Art Unaufmerksamkeit immer weiter abnimmt. Ich habe früher oft eine Faust in der Tasche gemacht und mir gedacht: stell Dich nicht so an, die Leute haben halt viel um die Ohren mit ihren Kindern, Job etc.
    Ich mache jetzt keine Faust mehr in der Tasche und kann Dir, Klara, gut nachfühlen, dass Du frustriert bist. Ich finde Dich nicht zu empfindlich, im Gegenteil.
    tat mir sehr gut beim Lesen! Ja! Jaaa! JAAAA! Du bringst es auf einen für mich guten Punkt: Aufmerksamkeit, Zugewandtheit. Dafür nehme ich mir Zeit. Das ist mir wichtig. Gemeinsame Zeit ist mir wichtig, ich freue mich darauf und möchte dann am Leben des anderen teilhaben.

    Ich kann daher absolut nachvollziehen, wie enttäuscht Du über den Abend warst, den Du geschildert hast und kann auch das Befremden Deines Partners verstehen - mit Freundschaft hat das für mich nichts mehr zu tun, eher mit etwas Belanglosem, fast food, den man so im Vorbeirauschen aufschnupft.

    Das steht dem entgegen, was ich mir für meine Beziehungen wünsche und, so hoffe ich zumindest, anderen auch entgegen bringe.

    @ Schafwolle beschreibt das hier sehr anschaulich:
    Meine beste Freundin tickt GsD genauso wie ich. Ich würde von uns Beiden
    behaupten, dass wir sehr aufmerksame, ehrlich am jeweils Anderen interessierte,
    Zuhörerinnen sind, die auch Details nicht aus den Augen verlieren.
    Das alles macht unsere Kommunikation sehr angenehm. Wir sehen einander aber
    gar nicht allzu oft - aber wenn, dann sind die Begegnungen intensiv.
    Das klingt wunderbar!!

    Ich unterstelle ihr natürlich keine Böswilligkeit oder etwas in diese Richtung. Aber
    derlei Verpeiltheit (?), Unaufmerksamkeit (?), Oberflächlichkeit (?) finde ich schon erstaunlich.

    "Handhaben" tue ich das nicht, ich nehme so etwas einfach zur Kenntnis.
    Vielleicht ist das ein guter Weg. Zur Kenntnis nehmen und abhaken. Für eher lose Kontakte reicht das. Für eine Freundschaft ist es aber zu wenig.

    @ Kopf-Herz-Bauch,


    ich denke, dass Du den wunden Punkt sehr gut skizzierst:
    Ich habe bei mir z.B. bemerkt, dass ich mir dann solche Dinge wie Urlaubsziele/-Termine schlicht dann nicht merke, wenn sie meine Aufmerksamkeitsschwelle nur berühren, aber nicht überschreiten - und das passiert genau - und nur - dort, wo ich die Person als nicht wirklich "interessant" (nahe, eng....) empfinde.
    Genau - wenn etwas oder jemand eher belanglos ist, dann gehe ich vielleicht darüber hinweg. Eine Freundin ist aber nicht belanglos für mich.

    Ich bin nun noch gespannter darauf, wie unser Gespräch in ein paar Wochen verlaufen wird. Anita wird Anita bleiben. Das kann ich inzwischen tatsächlich eher augenzwinkernd betrachten.

  9. Avatar von Mediterraneee
    Registriert seit
    21.04.2009
    Beiträge
    3.424

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Klara, ich möchte Dir kurz erzählen, wie Dein Strang heute meinen Tag verändert hat:

    Mich hat das nachdenklich gemacht. Wer ist eine wirkliche Freundin, wer ist es nicht. Und am Nachmittag habe ich dann einfach so ins Blaue hinein einer lieben und guten Freundin, die ich erst Ende November wiedersehen werde, weil sie 300 km weit weg wohnt, und mit der ich seit Wochen keinen Kontakt hatte, eine Whatsapp geschrieben, dass ich an sie denke und sie vermisse und mich sehr darauf freue, sie bald zu sehen. Sie, die normalerweise so eingespannt ist, dass Antworten bei ihr schon mal mehrere Tage auf sich warten lassen, schrieb nur zwei Minuten später zurück, sie habe heute ein paar Mal an mich gedacht und sich sehr über meine Nachricht gefreut. Jetzt beginne ich den Feierabend mit einem sehr warmen Gefühl. Und Du bist "Schuld"!
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


  10. Avatar von luftistraus
    Registriert seit
    24.05.2015
    Beiträge
    3.626

    AW: Unaufmerksamkeit oder Ich, Ich, Ich!

    Hallo,

    ich finde es schwierig - einfach zu beantworten.

    Ich kenne zum Beispiel eine Dame, die ein Herzensguter Mensch ist. Allerdings quasselt sie so viel, das ich irgendwann innerlich abschalte. Das geht nicht nur mir so, sondern allen in ihrem Umfeld. Dementsprechend ist sie pikiert, weil wir Infos nicht auf dem Schirm haben z.B. Hund krank, Urlaub und Cafe Treff usw.

    Als Mutter reagierte ich allergisch, wenn Kind mit rein quatschte wenn ich am Telefon war. Ist aber auch nur 2x passiert und er wußte sehr früh, das er da Pause hat. Meine Gespräche waren allerdings auch nur max. 10 Minuten, längere Gespräche wurden in die Schlafenszeit vom Kind verlegt.

    Ich habe das meinen Freunden/Bekannten auch klar gesagt, das sie gar nicht anrufen brauchen, wenn ihre Kinder ständig rein quatschen. Das solltest du Hanna vielleicht auch mal sagen (das es dich nervt)

    Wenn es bei mir etwas turbulenter zugeht, dann passiert es aber auch, das ich etwas vergesse. In meinem Kopf sind Prioritäten und Freunde sind dann nicht auf Position 1.
    Ich möchte aber schon wissen, wenn sich jemand darüber ärgert. Dann kann man es klären und fertig
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

+ Antworten
Seite 1 von 15 12311 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •