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Thema: Keine Freunde

  1. Avatar von Rotbuche
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    AW: Keine Freunde

    Einen Tipp kann ich dir aber geben. Gehe wegen diesem Problem "keine Freunde" bloß nicht zu einem Therapeuten (Verhaltenstherapie). Die werden das Problem definitiv nicht lösen. Im Gegenteil - dort wirst du auf harsche Worte und wenig Verständnis treffen, à la "Sie habe doch Bekannte, suhlen Sie sich nicht in Selbstmitleid, die anderen dürfen sie ablehnen, etc.. lassen sie los " - für sensible Menschen absolut kontraproduktiv!
    Ich finde diesen "Tipp" völlig daneben und verantwortungslos. Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der bei einem Therapeuten / einer Therapeutin auf "harsche Worte" gestoßen wäre. Auch habe ich ausdrücklich nicht von Verhaltenstherapie gesprochen.

    Truth beschreibt ihr Problem nicht so, als wäre das Gefühl der Einsamkeit eine völlig neue Erfahrung, die erst nach der Geburt ihres Kindes aufgetreten ist. Sie selbst schlägt den Bogen bis in ihre Kindheit und erwähnt sehr emotional den fehlenden Vater. Das sind deutliche Hinweise darauf, dass hier die Wurzeln ihres inneren Einsamkeit und ihrer Selbstabwertung liegen. Deshalb fürchte ich, mit gut gemeinten Ratschlägen, doch einmal hier oder da nach Kontakten zu suchen, ist es allein nicht getan (obwohl es gar nichts schaden kann, auch diesen Ratschlägen zu folgen). Ich bin sicher, dass das Problem tiefer liegt und in die Hände eines tiefenpsychologisch arbeitenden Therapeuten gehört.

    Liebe Truth, bitte lass dich von solchem Therapeutenbashing nicht beeindrucken. Es ist völliger Unsinn und beruht entweder auf einer einmaligen schlechten Erfahrung oder aber auf völliger Unkenntnis.

    Es gibt in allen Städten Anlaufstellen, an die du dich wenden kannst. Auch die von Kenzia genannten Telefonnummern können ein sehr guter Einstieg sein. Auch führt jeder Therapeut/jede Therapeutin mit dir zunächst ein erstes Gespräch, in dem du auch fragen kannst, wie die Behandlung aussieht. Danach kannst du entscheiden, ob du dich von diesem Menschen behandeln lassen willst. Du darfst damit rechnen, auf freundliche, dir zugewandte Menschen zu treffen, die dich und dein Problem sehr ernst nehmen und dir helfen wollen.

    Ich selbst habe eine Psychotherapie bei einer Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie mit Zusatzqualifikation Psychoanalyse gemacht. Das passte bei mir sehr gut. Auch Therapeuten mit Psychologiestudium sind sicher gut. Es gibt auch Therapeuten mit der Bezeichnung "Heilpraktiker für Psychotherapie". Von denen würde ich persönlich eher die Finger lassen, weil mir die Ausbildung nicht fundiert genug ist.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Rotbuche
    Geändert von Rotbuche (02.02.2019 um 10:45 Uhr)

  2. Moderation
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    AW: Keine Freunde

    Bei einer Therapie hat man ja die Möglichkeit, sich ein paar Stunden mit dem Therapeuten zu beschnuppern, und wenn es nicht paßt, sich einen anderen zu suchen, ohne daß die Kasse meckert. Mit manchen Leuten kann man einfach nicht.

    Verhaltenstherapie ist m.W. meistens angesagt, wenn man ein konkretes Problem erkannt hat und lösen will. "Ich mache nie/immer, und ich will anfangen/aufhören/würde lieber machen". Das ist hier ja eher nicht der Fall.

    ***
    Wenn ich dein Posting lese, habe ich den Eindruck, du warst schüchtern/zurückhaltend, aber beliebt? Das heißt, die Leute sind zu dir gekommen? Und dann ist wieder und wieder, vom Kindergarten zur Grundschue, zur OS, zur Realschule, zur Ausbildung, alles vom Leben -- von Sachen, über die du keine Macht und auf die du keinen Einfluß hattest -- zerschossen worden. Die Beziehung deiner Freundin hat dich die Freundschaft mir ihr gekostetn, die Beziehung deines Mannes zu dir hat seine Freundschaften weit genug entfremdet, daß du nicht mit hineinwachsen konntest: Sachen, über die du keine Macht und auf die du keinen Einfluß hattest.

    Du hast nicht von Kind an gelernt, auf die Leute zuzugehen, um ihre Freundin zu werden, und mit der Ablehnung, die dann auch mal kommen kann, umzugehen. Das macht normalerweise nicht viel, aber in deiner Situation kommt es erschwerend hinzu. Du hast bei Leuten, von denen du vielleicht erwartet hättest, daß sie auch dich zugehen (Freund der Freundin, Freunde deines Mannes) Ablehnung erfahren, die deine ständige Sorge, "Leute könnten mich nicht mögen" validiert hat, wie keine Anzahl von Leuten, die auf dich zugegangen sind, sie wiederlegen konnten. Das ist ein Zeichen für eine sehr grundlegende Unsicherheit, über die sehr schwer wegzukommen ist - um so mehr, da sie immer wieder bestätigt wird, wenn deine Versuche, Kontakt zu finden, nicht klappen.

    Um Freunde zu finden, gibt es ein einfaches Kochrezept:
    - Viele Leute treffen
    - Unstrukturierte Zeit mit ihnen verbringen
    - Sie ein bißchen kennenlernen
    - Sich die rauspicken, die man mag, und versuchen, Gemeinsamkeiten zu finden und mehr Zeit mit ihnen zu verbringen
    - Wenn es klappt, gucken, was sich entwickelt. Vielleicht "schnackelt's" nicht und es wird "nur" eine gute Bekanntschaft, das ist aber auch nicht zu verachten.
    - Weitermachen, bis man genug Freunde und gute Bekannte hat.

    Nur, "einfach" ist so eine Sache. Es gibt auch ein einfaches Kochrezept, auf den Mount Everest zu steigen: Ein Schritt nach dem anderen, bis man oben ist. Nur, man muß es können. Die Umstände müssen mitspielen. Die Umgebung muß mitspielen. Der Wille und die Motivation müssen mitspielen, wenn man sich denkt, "Warum tue ich mir das an, ich werde scheitern und es wird alles ganz schrecklich." (Und, ja, man kann scheitern. Immer wieder. Bis es klappt, oder bis man Teil einer Statistik wird, aber letzteres Risiko ist am Berg deutlich höher.)

    Du bist ein einem Alter, wo die Leute kaum noch auf einen zukommen, weil sie etwas mit einem machen wollen. Die Leute arbeiten, haben einen Haushalt, Partnerschaften, Kinder, ein soziales Umfeld, und oft einfach keinen zeitlichen und emotionalen "Platz" mehr für weitere Kontakte. Man muß selber auf die Leute zugehen, und dann macht man die Erfahrung: die meisten wollen nicht. oder können nicht. oder haben keine Zeit und Energie frei, oder kriegen es irgendwie nicht gebacken, oder man mag sie dann doch nicht besonders. Und all das füttert das Monster "es liegt an mir!", das seit deiner Kindheit auf der Lauer liegt und sich durch keinen Erfolg vertreiben läßt.

    Dieses Monsters wegen würde ich dir raten, dir professionelle Hilfe zu holen: Jemanden, der dir zuhört, dir hilft, deine Gedanken zu sortieren, die richtigen Fragen stellt, und -- das ist wichtig -- nicht Teil deines normalen sozialen Umfelds ist, sondern aus einer informierten und wohlwollenden Außenseiterposition heraus spricht (und zuhört).

    Ach, und, der Vollständigkeit halber: Wenn du dich mental und emotional geschlaucht und kaputt und hoffnungslos fühlst, sollte der erste Weg, wenn Hausmittel (genug Schlaf, gutes Essen, Bewegung, Luft, Sonne, Leuten Komplimente machen) nicht helfen, immer zum Allgemeinarzt/Hausarzt führen. Manches scheinbar psychische Drama hat körperliche Ursachen, und wenn man Glück hat, sogar leicht zu behebende.

    Viel Erfolg!
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **


  3. Registriert seit
    25.08.2012
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    591

    AW: Keine Freunde

    Liebe TE,

    Dein Beitrag berührt mich sehr.

    Ich habe zwar keinen ultimativen Tipp für dich, wie du Freunde kennenlernen kannst, außer es ohne Druck zu versuchen und es locker angehen zu lassen (ich weiß, ist einfacher gesagt als getan).

    Ich kann aus eigener Erfahrung in Sport- oder sonstigen zusammengewürfelten Gruppen z.B. sagen, das braucht einfach Zeit, um sich zu entwickeln und viele andere befinden sich in derselben Situation wie du, die dort hingehen und trauen sich vielleicht auch nicht, den ersten Schritt zu machen und zu fragen, ob man mal auf nen Kaffee gehen möchte. Angst vor Zurückweisung ist nicht zu unterschätzen.

    Man macht doch anfangs erstmal so kurze Small-Talks, irgendwann knüpft man mal an was an, was jemand mal erzählt hat, wie z.B. ich gehe heute abend noch ins Theater, Comedy, Kino oder was weiß ich. Dann fragt man beim nächstem Mal ganz beiläufig mal, wie es denn so war und so entwickelt sich das mit der Zeit. Man kann ja auch nicht erwarten, dass innerhalb von vier Wochen die dicke Freundschaft herrscht, also ist der Tipp vielleicht: nicht zuuu schnell und zuuu früh nach Kaffee oder Essen gehen fragen. Und damit meine ich, wirklich Wochen, wenn nicht gar Monate zu warten, wenn man regelmäßig z.B. zu einer Sportgruppe geht. Mach dein Gesicht und dein Wesen erstmal bekannt, lass den Leuten Zeit, fall nicht so schnell mit der Tür ins Haus.

    Wie gesagt, ich kenne solche schleichenden Anbahnungen auch und das ist -m.M.n.- der bessere Weg, als ratzfatz beste Freunde und am Ende kommt genauso ratzfatz der dicke Knall und alles ist vorbei und die Enttäuschung groß.

    Mir ging beim Lesen deines Beitrages auch durch den Kopf, wie du denn deinen Mann kennengelernt hast? Wie hat sich das verfestigt? Was lief da anders? Und wie verstehst du dich mit den Frauen der Freunde deines Mannes? Oder wird da nie was zusammen gemacht, so mit Männern und Frauen, gehen die Männer immer nur alleine?

    Dass man Kontakte nach den Schulzeiten und auch später verlieren kann, ist ganz normal - habe ich gelernt, seit ich hier angemeldet bin und in vielen Themen mitlese. Ich habe wirklich früher auch immer gedacht, eine Kinder- und Jugendfreundschaft muss doch bis zum Ende halten, bis ich eines besseren belehrt wurde und auch älter würde, quasi die 30/Mitte 30 geknackt hatte und Freundschaften verloren habe.

    Hier zu lesen, hat meine Sicht -nicht nur auf Freundschaften und Kennenlernen neuer Leute ab 30 - auf viele Themen verändert, ja ich will auch sagen, bereichert und mich Vieles mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten lassen. Wenn Du die Zeit hast, lies doch einfach still hier überall so mit. Ich erwische mich im Alltag seit längerem häufiger dabei, dass ich in der einen oder anderen Situation Dingen über den Weg laufe, Storys höre, die ich so oder ähnlich hier im Forum gelesen habe und dann mal eine andere Blickrichtung als meine über Jahren verfestigte und eingefahrene annehme.

    Ich habe z.B. auch nicht sooo viele Freunde, aber etliche Bekannte, die ich beim Sport, bei der Arbeit oder sonstwo kennenlerne und auch losen Kontakt habe, aber daraus entwickeln sich auch keine wirklichen Freundschafen. Es ist aber dann auch okay so wie es ist, auch das muss man annehmen können, dann sagt man eben freundlich hallo im Sportstudio und hält nen kleinen Plausch über Belanglosigkeiten, hat aber einfach ein wenig geplaudert.

    Und du wirst feststellen, selbst wenn dein Bedürfnis nach Freunden groß ist, eignen sich auch nicht alle Menschen, die du kennenlernen wirst, dazu. Manche werden möglicherweise auch dir und für dein Leben zu fordernd, zu anstrengend zu Gott weiß was sein.

    Ich finde im Übrigen den Tipp sich psychologische Hilfe zu holen, sehr gut. Vielleicht schaust Du auch auf den Seiten der Volkshochschule, ob es dort Themen gibt, die dich interessieren, ein wöchentlicher Kurz zu festen Zeiten, auch dort kommt man mit andere Menschen zusammen.

    Ich drücke Dir fest die Daumen, dass es klappt. Verliere den Mut nicht, es lohnt sich

  4. Avatar von Rotbuche
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    AW: Keine Freunde

    Hallo Truth,

    wie geht es dir? Es kamen ja nun schon eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Vorschlägen. Willst du uns nicht mal zurückmelden, ob du etwas damit anfangen kannst?

    Alles Gute!

    Rotbuche


  5. Registriert seit
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    AW: Keine Freunde

    Zitat Zitat von Rotbuche Beitrag anzeigen
    Liebe Truth,

    alles, was du schreibst, deutet für mich darauf hin, dass du in einer tiefen Depression steckst. Deshalb mein dringender Rat: Suche dir professionelle Hilfe, um die Verletzungen deiner Kindheit aufzuarbeiten.
    ....

    Eine Depression ist eine Krankenheit. Sie muss und kann behandelt werden.

    Viel Glück!
    Es erschreckt mich, wie hier aufgrund eines postings eine Diagnose in den Raum gestellt wird.
    Es ist sicher gut gemeint.
    Aber gut gemeint ist nicht immer gut.

  6. Avatar von Suzie Wong
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    AW: Keine Freunde

    Ganz ehrlich: die TE hat sich nicht mehr gemeldet. Sich hier zu engagieren ist doch verlorene Zeit.
    Meine Hobbies:

    (lesen, essen/backen/kochen/reisen/walken (ohne Hund))

  7. Avatar von TheKat
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    AW: Keine Freunde

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Nur, "einfach" ist so eine Sache. Es gibt auch ein einfaches Kochrezept, auf den Mount Everest zu steigen: Ein Schritt nach dem anderen, bis man oben ist. Nur, man muß es können. Die Umstände müssen mitspielen. Die Umgebung muß mitspielen. Der Wille und die Motivation müssen mitspielen, wenn man sich denkt, "Warum tue ich mir das an, ich werde scheitern und es wird alles ganz schrecklich." (Und, ja, man kann scheitern. Immer wieder. Bis es klappt, oder bis man Teil einer Statistik wird, aber letzteres Risiko ist am Berg deutlich höher.)

    Du bist ein einem Alter, wo die Leute kaum noch auf einen zukommen, weil sie etwas mit einem machen wollen. Die Leute arbeiten, haben einen Haushalt, Partnerschaften, Kinder, ein soziales Umfeld, und oft einfach keinen zeitlichen und emotionalen "Platz" mehr für weitere Kontakte. Man muß selber auf die Leute zugehen, und dann macht man die Erfahrung: die meisten wollen nicht. oder können nicht. oder haben keine Zeit und Energie frei, oder kriegen es irgendwie nicht gebacken, oder man mag sie dann doch nicht besonders. Und all das füttert das Monster "es liegt an mir!", das seit deiner Kindheit auf der Lauer liegt und sich durch keinen Erfolg vertreiben läßt.
    Auch wenn sich die TE hier nicht mehr meldet, hier mal mein Kompliment für diesen Beitrag. Ich finde, das trifft das Problem der TE und vermutlich sehr vieler Menschen, die auf der Suche nach Freundschaften / Bekanntschaften sind, sehr gut auf den Punkt.
    A quiet mind is able to hear intuition over fear


  8. Registriert seit
    04.01.2017
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    83

    AW: Keine Freunde

    Ich finde auch, dass Wildwusel es auf den Punkt gebracht hat! Hilft mir sehr der Beitrag - wie bereits geschrieben geht es mir ähnlich wie der TE und manchmal - nicht immer - nehme ich mir das sehr zu Herzen. Es tröstet mich, dass es ein verbreitetes Problem zu sein scheint. Das weiß man ja nie so genau, weil man nur mit ganz wenigen Leuten überhaupt ein bisschen darüber sprechen kann...
    Danke Wildwusel! Auch wenn die TE nicht mehr antwortet, hat es mir auf jeden Fall geholfen!


  9. Registriert seit
    11.09.2016
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    3

    AW: Keine Freunde

    Hallo Truth,
    Ich habe Deinen Beitrag heute erst gelesen und kenne Dein Problem nur zu gut.
    Auch ich bin seit ein paar Jahren auf der Suche nach einer besonderen, besten Freundin, habe es über die Arbeit, diese Seite hier und andere Gruppen probiert. Leider immer wieder erfolglos. Suche halt auch eine Freundin und nicht eine ganze Gruppe von oberflächlichen Bekanntschaften.

    Würde gerne weißen, ob Du mittlerweile Erfolg hattest und jemanden kennen gelernt hast, der Deine beste Freundin geworden ist?

    Würde Dich, ehrlich gesagt gerne mal persönlich kennen lernen, aber ich glaube nicht, dass wir in der Nähe wohnen...

    Ganz liebe Grüße
    Claudia

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