Liebes Forum,
da ich mit meinem Latein am Ende bin, wende ich mich an euch.
Ich habe seit vielen Jahren eine wirklich gute Freundin, die mir immer sehr wichtig war.
Leider sehen wir uns kaum, da wir auf verschiedenen Kontinenten leben, aber uns verbindet eine jahrelange Freundschaft.
Sie war(?)/ist eine meiner engsten Vertrauten.
Ihr offenbarte ich schon immer meine Sorgen/Ängste/Freuden. Manchmal vielleicht auch ungefiltert. Aber ich dachte, sowas würde eine gute Freundschaft ausmachen.
Auch ich -dachte ich zumindest- war eine wichtige Person in ihrem Leben.
Ich selbst bin verheiratet, habe drei Kinder im Kindergarten-und Schulalter.
Sie ist schon immer Single, mal kurze Beziehungen, nie verheiratet, keine Kinder. Sie ist 15 Jahre älter als ich und lebt recht zurückgezogen.
Vor ein paar Monaten habe ich mich in einen anderen Mann verliebt. Der Mann -zu dem ich heute gar keinen Kontakt mehr habe- weiß bis heute nichts von meinen damaligen Gefühlen. Es lief nie was und es war das erste und bisher letzte mal, dass ich Gefühle für einen anderen Mann hatte.
Inzwischen verstehe ich mich selbst nicht mehr.
Ich erzählte das damals meiner Freundin im Vertrauen. Sie fand das irgendwie spannend und wollte viel von dem anderen Mann wissen und wollte mit mir sein Verhalten analysieren und fand, dass er Interesse hatte. Was ich damit sagen will: sie hat nie gesagt, dass sie das moralisch verwerflich findet. Im Gegenteil! Wenn ich ein schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber hatte, redete sie mir das aus.
Irgendwann wurden meine Gefühle für den anderen Mann schwächer, da ich den Kontakt mied. Inzwischen ist er aus beruflichen Gründen weggezogen.
Kurz bevor er wegzog und ich schon keine Gefühle mehr hatte, zog ich es in Erwägung, ihn bei uns übernachten zu lassen. Er hatte keine Bleibe mehr.
Er fand dann jedoch eine andere Möglichkeit.
Ein paar Wochen später sagte mir meine Freundin, dass sie mein Verhalten, ihn bei uns schlafen lassen zu wollen, unmöglich fand. Ich würde somit meine Kinder -die den Mann nie kennengelernt haben- hinter dem Rücken meines Mannes mit dem anderen Mann vertraut machen und schon heile Familie leben wollen.
Dabei waren meine Gefühle bereits abgekühlt und ich hatte nie mit dem Gedanken gespielt, meinen Mann zu verlassen.
Seit diesem Vorfall hat mir meine Freundin jedesmal, wenn ich mich über andere Leute aufgeregt habe, vorgehalten, wie moralisch verkommen ich doch sei und dass ich kein Recht mehr hätte, über irgendjemanden zu urteilen.
Was sagt ihr dazu!? Ganz ehrlich?!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 113
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29.10.2018, 14:23
Problem mit eigentlich guter Freundin
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29.10.2018, 15:12
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Man kann nur spekulieren.
Vielleicht ist sie neidisch auf Deine heile Familie, enttäuscht, dass Du Dich nicht getrennt hast und macht jetzt einen auf Moralapostel??
Fakt ist, dass so eine Fernfreundschaft niemals eine echte Freundschaft sein kann.
Das ist so ähnlich wie hier im Forum : Man ergötzt sich an den Problemen der anderen , gibt seinen Senf dazu; da man die Akteure aber nicht wirklich kennt, kann die Einschätzung völlig falsch sein.
Eine Art interaktiver Roman.
Dein Buch ist jetzt vorbei, da muss ein neues Drama her.
Nur so eine Idee...
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29.10.2018, 15:19
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Ich würde sagen, da zeigt sich plötzlich ein Auffassungsunterschied, mit dem Du nicht gerechnet hast. Ich wäre deshalb ab jetzt etwas vorsichtiger mit ungefilterten Mitteilungen von allerlei Sorgen.
Du schreibst, Deine Freundin lebt zurückgezogen und ist 15 Jahre älter. Vielleicht hat sie deshalb etwas andere Vorstellungen von Beziehungen, von denen Du nichts wusstest. Ich würde versuchen, die lange Freundschaft in ruhige Bahnen zu lenken und bestimmte Themen aus der jetzigen Erfahrung heraus zurückzuhalten und dann zu schauen, wie es mit der Freundschaft weitergeht.
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29.10.2018, 15:20
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Ich schließe mich Caramac an.. erst bestärkt sie dich in deinen Gefühlen zu dem anderen Mann, später findet sie es moralisch verwerflich. Das passt nicht zusammen.
Mein erster Gedanke war ebenfalls, dass sie dir dein Glück nicht gönnt und darauf hoffte, dass deine Familie zerbricht. Vielleicht, damit ihr (wieder) mehr gemeinsam habt und sie sich in ihrer Einsamkeit/Single-Dasein verstanden fühlt?
Weißt du denn, ob sie glücklich als single ist oder hatte sie bisher einfach immer nur Pech und wünscht sich eigentlich genauso eine Familie, wie du sie hast?
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29.10.2018, 16:14
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Es hört sich wirklich so an, als ob sie dich bei der Verliebtheit zu dem anderen Mann unterstützen wollte. Dabei wäre deine Familie kaputtgegangen. Es soll Menschen geben, die an so etwas ihre Freude haben. So jetzt hat es - in ihren Augen - nicht geklappt mit dem Zerbrechen der Familie, jetzt muß eine andere Gehässigkeit her.
Vielleicht sind ihr deine ungefilterten Erzählungen auch zu viel und möchte dir etwas "Gutes" tun. Ich erinnere daran, daß ungefilterte Erzählungen nicht gerade sehr interessant sind.
Für mich hätte sich die Freundschaft erledigt. Überlege dir in Zukunft, was du anderen erzählst.Geändert von linsemo (29.10.2018 um 16:34 Uhr)
Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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29.10.2018, 16:25
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Hm. Wäre interessant zu wissen, ob ihn ihrem Leben etwas emotional paralelles vorgeht. Oder ob ihr in komplett unterschiedlichen Filmen sitzt und nur glaubt, es sei der gleiche.
Hast du mal die Gelegenheit gehabt, ihr zu sagen, daß du ihre wertungsfreie Unterstützung sehr wertvoll (oder hilfreich, oder was eben wahr ist) gefunden hast, und dazu zu fragen, wieso eine Nacht im Gästezimmer, von der (wenn ich das recht verstehe) dein Mann wußte und womit er keine Probleme hatte, für sie so kritisch ist? Weil das eine Handlung gewesen wäre statt eines Gefühls, und für seine Gefühle kann man ja nichts?
Wenn man so weit voneinander weg ist, erzeugt man sich oft ein Bild der Person, daß ziemlich von der realen Person abweichen kann. OK, das passiert auch, wenn man 24/7 zusammen rumhängt... aber nicht in dem Maße.
Ach ja, und du kannst ihr bei Gelegenheit mal ganz freundlich sagen, daß sie sich ihren inkonsistenten moralischen Absolutismus in die Haare schmieren kann, das glänzt er mehr. Fällst du in euren Telefonaten oft Urteile über anderer Leuts Moral?** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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29.10.2018, 17:24
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, welcher Film da bei ihr angeht.
Ich gebe zu, dass es nicht in Ordnung war, dass ich Gefühle für einen anderen Mann entwickelt habe. Ich schäme mich dafür und würde es gerne ungeschehen machen. Aber es ist nun einmal passiert und ich bin nicht fremdgegangen. Hätte ich auch nicht gemacht.
Meine Freundin behauptet, ich sei nur deswegen nicht fremdgegangen, weil ich keine Gelegenheit hatte, weil der andere letztlich doch nicht genug interessiert war.
Weiß ich nicht. Ich meine, ich wäre treu geblieben.
Und Fakt ist: ich WAR treu. Es kam zu keinerlei Intimität-weder emotional noch körperlich.
Ich bin selbst Scheidungskind und ich werde alles dafür tun, dass meine Kinder keine Scheidung miterleben müssen. Ich hatte mich in den anderen Mann verliebt. Ja! Ich gebe auch zu, dass ich mit meinem Mann nicht (!!) darüber geredet habe. Aber ich habe danach sehr an unserer Beziehung gearbeitet (bzw. wir) und ich habe mir das, was mir gefehlt hat-nämlich Zweisamkeit- wieder zurückgeholt mit meinem Mann. Wir haben jetzt abends regelmäßig Paarzeit, nehmen uns immer mal wieder ganze Tage miteinander frei usw.
Ich schwinge übrigens nicht oft die Moralkeule.
Es gab nur einen Vorfall gegenüber meiner Freundin (und so fing alles an mit ihrer Empörtheit): ich war genervt von Kollegen, weil sie in einer gewissen, mir unverständlichen Sache, unkooperativ waren und ich meinte nur, dass ich nicht verstünde, wie man so unsozial in diesem Punkt sein könne. Das war alles.
Und dann fing sie an: wie ich mir erlauben könnte, über andere zu urteilen, wo ich doch selber nicht immer moralisch integer wäre.
Da war ich erstmal baff.
Dann packte sie die Sache mit dem Mann, in den ich verliebt war, aus und die angedachte Übernachtung (mein Mann war im bilde und wäre übrigens anwesend gewesen!!!).
Ich habe meine Freundin und ihre Meinung immer sehr geschätzt und frage mich momentan ehrlich, ob ich vielleicht wirklich moralisch verderbt bin?
Irgendwann später kam sie dann damit, dass ich ihr mal erzählt hatte, dass ich mein Kind zurecht gewiesen hatte, weil es ein anderes Kind geschubst hatte.
Das sei doch nicht so schlimm (sagt sie mir jetzt-5 Jahre später-). Und dass mir sowas so schlimm sei. Viel schlimmer fände sie es, was ich den Kindern vorleben würde-nämlich Unehrlichkeit.
Ja, ich war meinem Mann evtl nicht ehrlich. Aber ich finde, dass wir glücklich und harmonisch sind. Ich finde nicht, dass ich den Kindern was Vorspiele.
Ich versteh echt die Welt nicht mehr.
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29.10.2018, 17:31
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Ach ja: und warum ich ihr immer alles ungeschönt erzählt habe? Ich hielt sie für meine engste Vertrsute!
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29.10.2018, 17:39
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Vielleicht waren Deine e-mails immer etwas langweilig und dann wurden sie spannender mit dem neuen Mann und jetzt sind sie wieder langweilig?
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29.10.2018, 17:50
AW: Problem mit eigentlich guter Freundin
Ja! Vielleicht.
Allerdings waren wir wirklich viele Jahre eng befreundet (haben übrigens hauptsächlich telefoniert).
Wenn ich ihr immer schon langweilig gewesen wäre, hätten wir sicher schon längst keinen Kontakt mehr gehabt.


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