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  1. Registriert seit
    02.07.2007
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    Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    Hallo zusammen,
    den Grund meines Postings findet ihr oben: Ich habe eine Freundin, die ich jetzt vielleicht insgesamt 10 Jahre kenne und die seit ca. 5 Jahren depressiv ist. Sie bezeichnet sich selbst so und ist auch deshalb seit 5 Jahren in Behandlung. Ihre Krankheit führte (logischerweise) dazu, dass wir uns nicht mehr so häufig sahen, weil sie einfach oft nicht die Kraft dazu hatte. Aber wenn wir uns mal sahen, waren es bis vor kurzem eigentlich auch - trotz ihrer Krankheit - sehr schöne Treffen.

    Allerdings - und das ist der Grund meines Postings - stelle ich in letzter Zeit fest, dass mir die Treffen wirklich immer weniger "bringen", weil es fast nur um ihre (leider ziemlich desolate) Situation geht. "Weniger bringen" ist dabei wirklich noch eher beschönigend - gerade das letzte Treffen hat mich sehr belastet. Mir tut meine Freundin wirklich sehr leid. Aufgrund ihrer Erkrankung kann sie nicht mehr Vollzeit, sondern nur noch Teilzeit arbeiten. Was sie aber auch schon - nach eigenen Aussagen - immer mehr belastet. Um vom Teilzeitjob leben zu können, kann sie auch nicht jeden Job machen, da sie noch den Kredit für eine Eigentumswohnung abbezahlen muss. Sie ist mit ihrem eigentlichen Job grundsätzlich unzufrieden, da er sie total überlastet psychisch, aber die Alternativen dazu sind auch nicht wirklich da. Ein Studium zum Beispiel kostet ja nochmal Geld, das sie sowieso zu wenig hat. Das Berufliche ist also die eine Baustelle. Dann das Private: Sie hat einen erwachsenen Sohn, der aber keine Lehrstelle findet und auch ziemlich unflexibl ist bei der Wahl seiner Lehrstelle. Auch das haben wir schon öfters besprochen und ich kann leider auch nichts daran ändern, dass der Sohn so ist wie er ist. Dieser wohnt jetzt wieder bei meiner Freundin und kann sie somit leider auch nicht finanziell entlasten. Sondern belastet sie psychisch auch noch.

    Ich bin wirklich ratlos - und kam gerade nach dem letzten Treffen völlig entkräftet selber nach Hause. Ich habe selbst einen kleinen Sohn, auf den mein Mann in der Zeit aufpassen musste.Ich bin fast eine Stunde gefahren, um die Freundin zu treffen. Und hatte hinterher das Gefühl, ich wäre besser eine Stunde im Wald joggen gewesen. Das hätte MIR mehr gebracht. Nun weiß ich, dass gerade depressive Menschen ein soziales Umfeld dringend brauchen. Mehr als jeder andere eigentlich. Daher schaffe ich es auch nicht, mich total zu distanzieren. Frage mich aber gleichzeitig, ob ich verpflichtet bin , mich mit ihr zu treffen, wenn die Treffen mich oft so auslaugen?

    Ich weiß nicht, was ich machen soll - weil ich auch Angst habe, sie alleine zu lassen....
    Sie hat außer mir noch 1 oder 2 Freundinnen, die aber auch weiter weg wohnen.

    Was ratet ihr mir? Wer kennt ähnliche Situationen?


  2. Registriert seit
    14.08.2006
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    4.476

    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    Es ist niemandem geholfen, wenn Du Dich zu Treffen schleppst und danach völlig erschöpft bist. Ich nehme an, dass Deine Freundin durchaus spüren würde/bereits gespürt hat, dass diese Treffen für Dich belastend sind. Daraus kann auf die Dauer nichts Gutes entstehen.

    Sei mutig und ehrlich zu ihr! Es gibt in Dir einen Teil, der dieser Freundin freundschaftlich gesonnen ist. Auf diesen Teil kommt es an. Frage Dich, was für Dich stimmig ist: ein halbstündiges Telefonat? E-Mails? Was immer das ist, was Du ihr geben möchtest (und ich meine wirklich: möchtest und zwar aus freiem Willen und nicht aus Verpflichtung), das biete ihr an.


  3. Registriert seit
    14.08.2006
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    4.476

    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    Ich möchte noch etwas hinzufügen:

    Möglicherweise findest Du derzeit in Dir keine Bereitschaft, auf Deine depressive Freundin einzugehen. Das ist auch okay. Dann teile ihr das mit, dass es derzeit so ist, dass Du derzeit keine Energie für sie hast, und dass Du hoffst, dass Eure Freundschaft das verkraftet - sofern Du das tatsächlich hoffst.


  4. Registriert seit
    24.11.2015
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    595

    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    eine-wie-alle,
    du fühlst dich deiner Freundin gegenüber verpflichtet - und da hast du deine Grenze überschritten - also deine Gesundheit etwas angeditscht. Gibt sich wieder - aber du bist nicht verpflichtet, dich als Mülleimer, als Therapeutin, als Freundin von deiner Freundin benutzen zu lassen, wenn dich diese "Leistungen" über deine Grenzen bringen.

    Was mich irritiert- die Freundin hat seit fünf Jahren eine medizinisch diagnostizierte Depression - hat ihre Psychiaterin sie schon mal in eine Klinik "geschickt" - und sei es nur zum Ausspannen/Kraft tanken. Die Freundin hat sein fünf Jahren Behandlung - ich vermute das ist ein Etikett für Therapie - und es hat sich nach 250 Stunden nichts verbessert - sie kommt mit nichts besser klar wie vor fünf Jahren ?

    Was du tun kannst - schreib doch deiner Freundin einen Brief, daß es dir gerade gesundheitlich nicht gut geht.
    Mehr musst du dazu nicht schreiben. Und dass du dich deshalb im nächsten halben Jahr um deine Gesundheit und um deine Familie - die ist ja auch da - kümmern musst und ihr deshalb nur Briefe schreiben kannst.

    Dir alles Gute !


  5. Registriert seit
    02.08.2006
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    1.282

    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    Ich finde auch, das du auf dich hören sollst.
    Du sollst ja nicht krank oder schwach darüber werden.

    Ich bin so eine langzeitkranke. Natürlich verstehe ich, wenn nicht jeder damit umgehen kann.
    Es ist für beide Seiten schwer.

    Gerade muss ich auch erkennen, das zwei Freundschaften eigentlich gar keine mehr sind.
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!


  6. Registriert seit
    15.06.2007
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    5.630

    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen?

    ich schließe mich allen Vorschreibern an- behalte DICH im Blick.

    Die Frage ist doch: was bringt es deiner Freundin, wenn sie von ihren Problemen erzählt?
    Weder kannst du die Probleme lösen noch ändert sich bei ihr etwas.

    Wenn -egal welche- Beziehung nur noch durch Probleme "lebt", dann ist das auf Dauer nciht zu erhalten.
    Denn du bist keine Therapeutin und ansonsten nur Zuhörer und schlimmstenfalls noch Mit-betroffene, was für niemanden von Nutzen ist.

    Es ist echt eine schwierige Situation und natürlich ist es wirklich schlimm, dass Depressive auf Dauer viele Kontakte verlieren. Es kann aber auch nicht im Sinne von auch nur irgend jemandem sein, dass es anderen am Ende auch noch schlecht geht.
    Im übrigen gibt es weit verbreitet Selbsthilfegruppen und in denen ist genau so ein Austausch gewollt, gerne gesehen und alle sitzen im selben Boot.

    Ich würde es offen ansprechen, ihr sagen, wie sehr es dich nun belastet hat.
    Bei ihr hat sich deshalb nichts verändert an der Situation und wenn sie noch entscheiden kann, wird sie so etwas auch selbst nicht wollen.

    Bei aller Liebe zu Problemen- kann man ja dennoch auch andere Themen auf den Tisch bringen, wenn man sich sieht. Vielleicht kann das deine Freundin ja das nächste Mal anders machen?- dafür müsste sie es nur wissen
    Geändert von kenzia (09.08.2018 um 06:46 Uhr)

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