Hallo Ihr Lieben
Habt Ihr sie auch? Die allerbeste digitale Freundin am anderen Ende der Welt, die ihr noch nie getroffen habt und mit der ihr einige Jahre mindestens, mindestens 4x die Woche ausgiebig und tiefschürfend gemailt habt?
Mir ist sowas schönes bisher 2x passiert und ich habe diese Verbindungen wirklich so sehr genossen.
Manchmal glaube ich, daß ich allgemein eine bessere virtuelle Freundin bin als eine echte.
Man hat so viel Projektionsfläche und kann sich so toll an den positiven Seiten erfreuen. Die rosarote Brille bleibt viel länger erhalten und wenn man mit dem Medium zufrieden ist und dessen Limits akzeptiert, ist es - zumindest für mich - durchaus dauerhaft einfach nur toll.
Ich merke allerdings schon seit den letzten zwei Jahren, daß meine derzeitige beste virtuelle Freundin mir wichtiger ist, als ich es ihr bin. Sie hat wirklich ernsthaft versucht, mich bei der Stange zu halten und hatte auch immer mal wieder Phasen von echter Aufmerksamkeit und Zuwendung für mich.
Eine leise Stimme sagte mir aber schon länger: Du bist zu investiert, Du gibst zu viel, Du störst sie manchmal direkt und Du überforderst sie total.
Ich habe versucht, das Thema bei ihr sanft anklingen zu lassen, ohne Vorwürfe zu machen. Sie ist ein wirklich toller, sehr feinfühliger Mensch und kann gut zwischen den Zeilen lesen. Sie hat mir immer wieder versichert: "Es liegt wirklich nicht an Dir, mein Job, mein Kind, mein Hund fressen mich derzeit einfach auf.
Ich bin bald wieder da für Dich!"
In letzter Zeit kann sie das Versprechen aber gar nicht mehr halten und die Lücken in der Kommunikation werden langsam gähnende Abgründe.
Auf die letzten paar langen, sehr investierten Mails von mir kam gar keine direkte Reaktion mehr, nur oft ein ziemlich verspätetes, windiges: "Hellooo Lovely! Ich bin soo beschäftigt! Hier ein Pic von Hundali und Söhnchen im Park! Wir hatten soo viel Spaß! Ach, wenn Du doch mal dabei wärst..."
Tja. Sehr niedlich, zugegeben, aber was ist nun mit den Nachdenkereien zum Weltfrieden?
Ich habe durchaus auch mal nachgehakt (erinnerte der kleine Prinz, der nie eine Frage vergaß) und dann kam eine pauschale: "Achja! Stimmt ja!
Ruck und Zuck und hopp und ex finde ich das. Ich muß leider weiter!"
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Also, vielleicht bin ich ihr zu kopflastig und zu intensiv. Ich glaube schon, daß sie einfach nicht mehr mithalten kann, wie zu unserer Anfangszeit. Auch wenn sie es ehrlich versucht (hat).
Seit Sommer haben wir nun auch WhatsApp angefangen, was ich persönlich mit etwas Zögern anging. Es kann ja wirklich nett und unterhaltsam sein, aber mir fehlt es da an echter Tiefe.
Eine Weile haben wir beides gemacht: seltener gemailt und sie hat ihre Lücken dann mit "Hello Lovelys" und "Pics" per WhatsApp aufgefüllt, auf die ich auch in gleicher Weise reagierte. Ich hinkte mich da also irgendwie durch, manchmal war's auch wirklich sehr lustig - aber das ungute Gefühl blieb.
Und nun habe ich schon seit bestimmt 2 Wochen gar keine Mail mehr erhalten. Bis vor kurzem zählte sie mir zumindest noch immer auf, was sie alles vorhat am WE:
1. Frühstück mit Norbert
2. Bei Muddi vorbeigucken
3. Bello zum Hundespiel-Date einladen
4. Abends Konzert in der Waldbühne
Die dazugehörigen Medien in Bild und Ton kamen dann per WhatsApp. "Holla Lovely!!"![]()
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Sie war immer so glücklich, daß ich darauf ansprang. "So geht es ja auch! Hurrah! Du bist die Beste!"![]()
Ich weiß jedoch genau: das Ende ist nahe. Ob sie es schon merkt?
In letzter Zeit habe ich mich ein bisschen zum Narren gemacht und ihr zu viele Lovely-WhatsApp-Fotos geschickt. Ich kam von einer Adventsparty und war zugegebenermaßen gutgelauntund fühlte mich sehr gesprächig.
Am nächsten Morgen fand ich, daß ich mich mal wieder viel zu sehr in's Zeug gelegt hatte wo sie doch nun wirklich mehr als am dransten gewesen wäre.
Naja, gestern hatten wir im Anschluß daran noch ein kleines SMS-Geplänkel, in dem es aber echt fast nur um ihren Kram wieder ging. Als ich dann den Roman erwähnte, den ich grade lese, meinte sie noch "wie interessant" und "was ist das?" und war dann aber doch ganz schnell weg.![]()
Wie so oft in letzter Zeit.![]()
Ich möchte das so in dieser Form einfach nicht mehr. So oft habe ich mir schon vorgenommen, das ganze "ausgeistern" zu lassen, um es neudeutsch auszudrücken und immer wieder bin ich rückfällig geworden und in die alte Falle getappt um ein paar Wochen oder Monate später zum gleichen Schluß zu kommen:
es reicht mir einfach nicht mehr.
Eine Konfrontation und/ oder Aussprache will ich nicht. Auf der virtuellen Ebene habe ich mit sowas bisher kein Glück gehabt. Das Endresultat, nämlich keine beste virtuelle Freundin mehr, ist sowieso immer dasselbe.
Reisende kann man nicht aufhalten, auch wenn man noch so bittet, bettelt, weint oder nur anmerkt und nach Erklärung fragt. Ich will irgendwo auch gar keine Erklärung, denn ich weiß nicht, ob sie es erklären kann.
Sowas passiert manchmal einfach!
Auch will ich sie nicht in diese doofe Position, sich erklären zu müssen, drängeln. Kommt mir viel zu aggressiv und fordernd vor, wo wir uns doch noch nie IRL gesehen haben.
Wie gesagt: in meinen Augen ist sie ein ganz feiner Mensch, sie hat mich echt lange bei der Stange gehalten, sie wollte mir nie wehtun, aber sie kann das, was ich mir wünsche einfach nicht mehr leisten.
Dies hier soll die Chronik meines aktiven Ghosting-Outs sein. Damit ich mir selber endlich auf die Schliche komme, wenn ich ihr wieder zu sehr hinterherrenne und wieder in das alte, unerquickliche Muster falle.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr ein bisschen mitmacht und von Euren Erfahrungen so erzählt.
Natürlich alles erlaubt!
Ausserdem: schreiben macht mir nach wie vor einfach so furchtbar viel Spaß und irgendwo muß ich doch hin mit all dem Text in meinem Hirn!![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 44
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21.12.2016, 20:49Inaktiver User
Farewell, meine virtuelle Freundin
Geändert von Inaktiver User (21.12.2016 um 20:54 Uhr)
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21.12.2016, 21:08Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Ach menno, die Gute hat Kind, Familie, Job und dann willst du auch ständig was von ihr. Hast du Kinder?
Ihr kennt euch wohl mehrere Jahre, da ändern sich die Prioritäten. Spätestens wenn im reallife Familie und Kind/er sehr präsent werden, bleibt für Schrieben etc. kaum noch Zeit.
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21.12.2016, 21:20Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Jawohl!
Ich weiß das alles! Deswegen verzichte ich ja auch darauf, ihr Vorwürfe zu machen.
Aber traurig darf ich sein, nicht?
(Denn sie hatte auch mal Zeit, 4x die Woche ausgiebig zu schreiben, da lebte der Hund und der Sohn schon. Wir hatten mal eine ganz tolle Zeit.)
Aber wie gesagt: ich kann diese Verschiebung von Prioritäten nachvollziehen und wenn ich in ihrer Nähe leben würde, wären wir sicher tolle Freundinnen geworden.
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21.12.2016, 21:35
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Mit Familie, Job und Hund ist es wirklich schwierig, eine solche schreibintensive Freundschaft über Jahre in gleicher Qualität aufrecht zu erhalten. Es werden sicher auch wieder andere Zeiten kommen. Ich finde es gut, dass Du sie nicht bedrängen möchtest. Sie ist von ihrem realen Leben eingeholt worden und muss wahrscheinlich auch ihre Prioritäten jetzt anders setzen.
Wie sieht es in Deinem realen Leben aus? Bist Du nie zeitweise so eingebunden, dass Dir wenig Zeit für virtuelle Freundschaften bleibt?
Hobbymässig habe ich auch einige virtuelle Freunde. Ich treffe immer wieder mal auf manche, die einen intensiveren Austausch wünschen. Ich ziehe mich dann regelmässig zurück, bevor die Erwartungen zu groß werden.
Wenn Dir soviel Text im Kopf herumgeistert - was ist mit Geschichten? Oder stell Deine Gedanken hier ein, sicher wirst Du kompetente Gesprächspartner finden. Vergrößere die Zahl Deiner Ansprechpartner. Lege Dich nicht auf eine Person fest. Vielleicht ist dann der Austausch nicht so vertraut, aber trotzdem interessant genug für Dich?
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21.12.2016, 21:44Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Ja, ach, sicherlich. Mache ich auch alles.
Ab und an trifft man aber auf besondere Menschen, mit denen man einfach ganz toll sendet, und sie ist so ein Mensch.
Diese Frau kann man nicht so leicht ersetzen, ist wirklich wahr.
Spricht ja sehr für sie und das brauch' ich auch nicht schnell wegzurelativieren von wegen "jeder ist ersetzbar" und Tschüß.
Was ich noch erklärend hinzufügen wollte: ich habe mich da mit der neudeutschen Ausdrucksweise wohl vergriffen. Ghosting Out scheint offiziell zu heißen, einfach komplett abzutauchen.
Das mache ich absolut nicht!
Ich will das ganze Dingens einfach gemeinsam mit ihr respektvoll und langsam zur Ruhe legen. Das ist sicherlich in unser beider bestem Interesse.
Das Hello Lovely kann sie ja mit ihren Mädels vor Ort weiter betreiben, da braucht sie mich nicht.
Und haha wegen dem Geschichten-Tip!
Den kriege ich wirklich ständig!
Nee, ich mag Austausch. Manchmal blogge ich. Geschichten schreiben werde ich nicht.
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21.12.2016, 21:45Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Pee Ess: Mayali die Leute, die Du online triffst und die einen intensiveren Austausch suchen, schick' die mal in meine Richtung, bitte, ja? Danke!
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21.12.2016, 22:06
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Huhu Beauty

Ich kenne Beides, beide Rollen und auch in Zeiten, wo ich echt und wirklich sehr, sehr eingebunden war.
Ich bin wohl alt und weise genug
es so zu akzepieren und so liest du dich auch.
Auch das Ganze ohne Vorwürfe und wer weiß, was das Leben noch so bringt und ob Ihr Euch 2x lesen werdet.
Das Intensive ist ja auch ein Thema von mir und nicht für jeden angenehm und leistbar-versteh ich auch mittlerweile besser und die Bri entlastet meine Freunde um Einiges
Eine reale Freundschaft wurde über viele Jahre auch überwiegend per Mail ausgelebt, ich hab die alle noch-ist wie Tagebuch
Allerdings hat meine Freundin durch ihre Beruflichkeit bedingt die größten Probleme mit den Gelenken wg der Schreiberei und auch oft keine Lust mehr, zusätzlich noch privat am PC zu sitzen
Schade, aber so isses
Ich habe auch früher ein wesentlich größeres Austauschbedürfnis gehabt-auch ausserhalb meiner manigfaltigen Probleme.
Mich interessiert/e sovieles und ich gehe den Dingen gern auf den Grund
"über was duu dir alles Gedanken machst"
Will sagen, ich versteh dich und dein Traurigsein darüber
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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21.12.2016, 22:09Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Mensch BeautySchoolDropOut,
ich habe Dich ja schon oft gelesen, fast immer geschmunzelt, manches mal geantwortet, weil das Thema mich auch berührte,
aber noch nie hat ein Beitrag von Dir mich derart getriggert.
Dieses Gefühl, zu intensiv für das Gegenüber zu sein,
diese Traurigkeit, wenn sich eine Schieflage entwickelt, wo vorher eine wunderschöne Balance war,
dieses leise Bedauern, wenn man erkennt, daß sich das Miteinander entfernt und daß aus Nähe wieder Distanz wird.
Ich kenne das alles so gut.
Im Unterschied zu Dir hole ich meine (zuerst) virtuellen intensiveren Kontakte bei gegenseitiger Sympathie auch ins echte Leben, aber auch ich kenne es, daß sich Menschen nach (oft langjährigem) sehr intensivem, beidseitig geschätzen Austausch dann wieder in den Status "nur gute Bekannte" entwickelten.
Es hat mich auch sehr geschmerzt, enttäuscht und irgendwie desillusioniert,
wo ich doch nie jemanden verlieren möchte, nur immer noch zusätzlich wunderbar bereichernde, blickerweiternde Bekanntschaften schließen möchte, die in schönen Fällen dann mit der Zeit auch mehr werden.
Interessanterweise habe ich in einem Fall jetzt erlebt, wo sich das auch wieder zurück zu "wieder mehr Kontakt" entwickelt hat, weil diese Bekannte/Freundin (meine allererste Zuerst-Foren-Freundin) dann feststellte, daß "unser wir" ihr doch sehr fehlt, wie sie schrieb- und sie nun meine Nähe und den Austausch wieder mehr sucht, wo ich nun eher vorsichtiger und etwas reservierter bin.
Also, ich bin überzeugt davon, daß es mehr Menschen wie Dich und mich gibt, die sich gerne intensiv austauschen, man muß nur die Augen offenhalten und einander die Hände sichtbar entgegenstrecken.
Ich kann Dein Bedauern gut verstehen, aber insgesamt hast Du auch mit dieser Freundin mehr gewonnen an Schönem und Wertvollem, als Du jetzt vielleicht verlierst, weil es nicht "für immer" ist.
Wenn Du schon den Kleinen Prinzen erwähnst, dann weißt Du auch:
"Du bist ewig für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich".
und
"Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt …"
Du und ich würden wohl von allein nie auf die Idee kommen, uns irgendwann nicht mehr für unsere Rosen "verantwortlich" zu fühlen, den lieb gewonnenen Austausch und Kontakt einzuschränken
, aber Menschen sind nunmal verschieden und auch das ist Teil des fruchtbaren und blickwinkel-erweiternden Austauschs. 
Fairerweise muß man auch sagen, daß Familienmütter anders eingebunden sind und weniger Kapazitäten haben als wir.
Ich bin manchmal voller Traurigkeit, weil jemand, der für mich einzigartig war auf der Welt, nun auch nicht mehr da ist
- und trotzdem empfinde ich die Zeit mit ihm auch im Nachhinein als großes Glück.
Ich kenne den Schmerz und wünsche Dir, daß Du bald auch so über Eure Zeit denken kannst und immer mit einem liebevollen Lächeln an diese Freundin denken wirst.
Geändert von Inaktiver User (21.12.2016 um 22:37 Uhr)
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21.12.2016, 22:44
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Hmm. Ich kenne das nur von der "anderen" Seite. Ich finde gut, dass Du Dich selbst zurücknehmen willst, weil Du spürst, dass da unterschiedliche Bedürfnisse vorhanden sind.
Bislang war ich immer diejenige, die sich aus solchen virtuellen Beziehungsgeflechten zurückgezogen hat, weil es mir "zu viel" wurde. Dann gab es zwei Möglichkeiten. Entweder das Gegenüber war enttäuscht/beleidigt/verletzt und der Kontakt brach ab. Oder es wurde spärlicher und wir konnten irgendwann feststellen, dass wir auch ein halbes Jahr nicht schreiben können und uns dann immer noch so mögen wie früher.
Das sind dann die Freundschaften, die ich auch wirklich als solche bezeichne. Freundschaften - egal ob im virtuellen oder nichtvirtuellen Raum - müssen für mich zwanglos sein. Dem beiderseitigen Wollen entsprechen. Ohne Frust, weil der andere gerad nicht kann oder mag. Leben lassen und begleiten. Ohne sozialpädagogischen Touch, aber mit viel Gefühl.
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21.12.2016, 22:46Inaktiver User
AW: Farewell, meine virtuelle Freundin
Auch dann wäre es nicht anders, sie hätte dann auch nicht mehr Zeit. man kann auch eine tolle freundin sein, wenn man nicht so intensiven Kontakt hat. Man kann auch mal was locker lassen, wenn man merkt, dass der andere derzeit nicht so kann wie es vielleicht gewünscht ist. Das gehört für mich auch zu einer Freundschaft dazu.




Ruck und Zuck und hopp und ex finde ich das. Ich muß leider weiter!" 
und fühlte mich sehr gesprächig.
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