Hallo zusammen!
Bin mir in diesem Punkt noch unklar und möchte dafür eure Meinung einholen.
Ich habe eine gute, sehr gute Freundin namens "L". Ich schätze sie wirklich sehr und möchte sie als Menschen nicht missen. Sie ist ausgesprochen intelligent, Gespräche mit ihr sind immer sehr hilfreich und schön, wir können genauso auch rumalbern und Spaß haben. Man kann mit ihr sozusagen Pferde stehlen.
Kurzum, L ist eine richtig tolle Freundin.
Auf der anderen Seite hat L aber auch die Neigung, mir teilweise "zu viel" von anderen Menschen, ihren anderen Freunden zu erzählen. Will sagen: wäre ich dieser Mensch, würde ich das nicht gut finden, wenn L es jemand anderem, weitgehend unbekannten (mir) erzählt.
Beispiel:
L erzählt, dass ihre Freundin X Depressionen hat. Genau diese Freundin hat auch Eheprobleme und geht ab und zu in Clubs für besondere Neigungen.
L erzählt von einer befreundeten Arbeitskollegin, dass diese früher magersüchtig war und auch immer noch mit diesen Problemen zu kämpfen hat.
Mehr fällt mir auf die schnelle gerade gar nicht ein. Mir sind solche Erzählungen gleichermaßen unangenehm, obwohl ich sie auch irgendwie interessant finde und sie eigentlich immer in unseren Gesprächskontext passen. Ich sehe die besagten Leute entweder nie oder nur ganz selten.
Mein Gefühl ist trotzdem dahingehend, dass ich L irgendwie unterstelle, dass sie anderen Menschen zu viel von mir erzählt. Vielleicht könnte man auch sagen, dass sie generell einfach "offener" ist als ich.
Hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Wie schätzt ihr die Situation ein? Kennt ihr sowas aus eigener Erfahrung?
Antworten
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17.12.2016, 04:33Inaktiver User
Was wissen die Freunde eurer Freunde?
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17.12.2016, 07:49Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Jepp, das kenne ich auch.
Und als ich jung war, dachte ich sogar noch, dass es doch toll ist wieviel Vertrauen mir entgegen gebracht wird, dass man mir das alles erzählt. Nette Naivität, die ich da hatte
Ich würde zuhören, vom wem sie was erzählt.
Wenn sie Interna vom Job erzählt und Du kennst diese Leute nicht- finde ich das nun nicht dramatisch- noch dazu sind das doch auch oft keine nahen Kontakte oder Personen.
Etwas aus dem Freundeskreis- da wirds schon schwierig.
Ich kenne es schon so, dass man sich als "beste Freundin" durchaus alles von anderen erzählt-- oft ist es aber so, dass es im Alter immer weniger solche Freundschaften gibt.
Letztlich kommt es aber auch drauf an WIE jemand etwas erzählt.
Reißerisch, neidisch, negativ, drüber herziehend oder lästernd..........das braucht wirklich niemand.
Auch haben die Menschen unterschiedliche Einschätzungen von dem, was privat ist. So hab ich mal etwas Privateres einer Arbeitskollegin erzählt (war fest davon ausgegangen, dass das zwischen uns bleibt- weil wir eng zusammen gearbeitet haben und alles zweisam vertraut wirkte)- als kurz drauf eine andere Kollegin reinkommt und diese Kollegin in den Raum posaunt "stell Dir vor, bei kenzia........"--

War nun nicht wirklich Dramatisches aber ICH hab da erst kapiert,dass es für mich etwas Privates war und für sie nicht.
Ich würde das bei der Freundin einfach mal zum Thema machen und hören, wie sie zu Diskretion steht- wie sie unterschiedliche Themen einordnet.
Für Dich ist Orientierung dazu wichtig- im Zweifel würde ich nichts Wichtiges dort erzählen.
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17.12.2016, 08:41Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Davon kannst du ausgehen.
Für solche Leute sind Indiskretionen über andere eine Art von "Währung", mit der sie sich wichtig machen wollen. Nach dem Motto: Stell dir vor, was XY macht oder was ihr passiert ist....
Bei mir scheiterte eine langjährige Freundschaft daran, dass die Frau persönliche Informationen über mich an Dritte weiter gab.
Überleg dir gut, ob es dir das wert ist oder versuch wenigstens, ihr keine persönlichen Details zu erzählen, von denen du nicht möchtest, dass sie weiter gegeben werden.
Echte Freunde können den Mund halten und geben Persönliches nicht weiter. Alles andere ist indiskrete Tratscherei. Wer vertrauliche Informationen über Dritte weiter gibt (auch an die angeblich "beste Freundin"), ist für mich nicht vertrauenswürdig, denn die beste Freundin erzählt es wieder ihrer besten Freundin. Frauen können manchmal grauenvolle Tratschweiber sein.
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17.12.2016, 09:15Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Ich denke, es hängt davon ab, ob man etwas unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfahren hat, oder ob die Information gewissermaßen "allgemein zugänglich" ist.
Wenn jemand an Magersucht erkrankt ist, dann bleibt das in den meisten Fällen nicht unbemerkt und ist im Bekanntenkreis sowieso kein Geheimnis. Und inzwischen setzt sich ja auch die Auffassung durch, dass eine Depression eine normale Erkrankung ist und nicht unter der Decke gehalten werden muss.
Vertrauliche Informationen weiterzutratschen, geht dagegen gar nicht.
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17.12.2016, 09:25Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Das typische Phänomen: jeder liest die "yellow press" (Skandale, Affären, Sensationen) nur beim Frisör oder Zahnarzt, aber es gibt Millionen Auflagen ! Bei dir dito: eigentlich (und uneigentlich ?) sind dir die Stories unangenehm, andererseits stellst du denn doch die Lauscher....

Wenn du es nicht hören willst, dann sag einfach "will ich nicht wissen, geht mich auch nichts an" (so mache ich das in solchen Fällen, warum nicht ?), wo ist das Problem ? Ich selber erzähle sehr wenig weiter (Vertrauliches überhaupt nicht), aber wenn es zum Thema passt sozusagen, erzähle ich durchaus mal etwas, allerdings ohne Namen zu nennen.
Ich finde den Beitrag in Zeiten des Fratzenbuchs und Instagram ehrlich gesagt etwas merkwürdig, inzwischen scheint es doch üblich zu sein, sich vor der ganzen Welt im Netz zu entblößen. Kommst es denn unter dem Aspekt drauf an, was eine Freundin/Bekannte dann weitererzählt ?
Gruß Elli
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17.12.2016, 10:41Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Danke für eure Beiträge. Interessant für mich, ihr scheint das ja mehrheitlich eher kritisch zu sehen.
Yep und das ist mir auch ganz bewusst.Bei dir dito: eigentlich (und uneigentlich ?) sind dir die Stories unangenehm, andererseits stellst du denn doch die Lauscher...
Mag daran liegen, dass L die Stories immer in einem wertschätzenden Ton zu berichten weiß. Also nicht reißerisch, sondern eher mit dem Ton "wow, ich bewundere sie dafür, dass sie so kämpft, stark ist, usw."
Ich habe selber ein paar Baustellen, L auch, und insofern tut es gut zu wissen, dass man damit nicht alleine ist und es viele Frauen gibt, die auch zu kämpfen haben.
Trotzdem ziehe ich die Grenze einfach enger, was ich preisgebe und was nicht. Glaube ich zumindest.
Das Argumentfinde ich unpassend.inzwischen scheint es doch üblich zu sein, sich vor der ganzen Welt im Netz zu entblößen
Wie geschrieben "sich entblößen", also sich selbst.
Darin liegt für mich ein fundamentaler Unterschied. Was ich selbst über mich preisgebe ist dabei MIR überlassen. Nicht jemand anderem.
Es könnte sogar sein, dass ich bei Gelegenheit Geschichte xyz selber an eine Freundin von L erzählen würde. Aber das ist es eben. ICH entscheide, ich erzähle.
Wie jemand hier schrieb ... so als ob es sich bei (fremden) Geschichten um eine Währung handelt, mit der man sich selbst interessanter macht. Wäre dann ja fast sowas wie Diebstahl.
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17.12.2016, 12:06Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Wenn jemand nur das weiter erzählt, was die Betreffende vorher auf FB preis gegeben hat, ist das kein Problem.
Aber hier geht es doch um Infos, die privat zwischen zwei Freundinnen weiter gegeben wurden.
Natürlich sind interessante Geschichten eine Währung. Man "kauft" sich damit Aufmerksamkeit.
Interessant erzählen kann man aber auch, ohne dass man Indiskretionen begeht
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17.12.2016, 12:36Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Der Vergleich mit dem Fratzenbuch war eine allgemeine Bemerkung, ist mir schon klar, das es etwas anderes ist, ob ich dort aktiv und freiwillig poste oder etwas einer Freundin "persönlich" erzähle. Ich finde es grundsätzlich bemerkenswert, dass einerseits der Wunsch nach Mitteilung an die ganze Welt gestiegen ist, andererseits wiederum es häufig recht "eng" ausgelegt wird, was Dinge betreffen, die man jemand anderem erzählt hat. Auch wieder eine ganz allgemeine, rein subjektive Beobachtung.
Es gab schon immer "Tratschtanten", die alles brühwarm weitererzählen und Leute, die mit Geschichten anderer verantwortlich umgehen: sprich bei ausgemachter Vertraulichkeit wirklich den Mund halten und ansonsten nicht "reisserisch" alles sofort weitergeben. Die "Tratschtanten" sind meist bekannt, folglich ist man selber Schuld, ihnen etwas anzuvertrauen denke ich. Sie gibt es in der Familie, unter Kollegen, Freunden, Bekannten, wo auch immer.
Ansonsten: werden wir nicht langsam hyperempfindlich ? Ich finde es normal, bei einem Thema aus eigener Erfahrung zu berichten, aber auch von Leuten, die man kennt und von denen man dies und jenes aus deren Leben gehört hat. Warum kann ich das nicht in ein thematisch passendes Gespräch einbringen ? Namen muss ich ja keine nennen.
Ich halte es für sehr schwierig, persönliche Gespräche (mit Leuten, die man wirklich gut kennt) immer nur "neutral" zu führen, also strikt nur aus dem eigenen Leben zu berichten. Ich kenne das ehrlich gesagt so nicht..... Und wenn es mal unangenehm werden sollte (was so gut wie nie vorkommt), sage ich einfach "will ich nicht wissen" und wir reden etwas anderes.
Die TE ist an den Stories über andere Leute prinzipiell nicht uninteressiert (wenn es so wäre das könnte sie das der Freundin ja sagen, oder?) und die Freundin scheint nicht zur Kategorie "Tratschtanten" zu gehören, also wo ist jetzt das Problem ? Sie wird sicher Vertrauliches(!), das die TE ihr über sich anvertraut, nicht weitergeben.
Soll man zukünftig nur noch über Frau Merkel und das Wetter reden ? Ist natürlich auch eine Option....
Gruß ElliGeändert von Inaktiver User (17.12.2016 um 12:47 Uhr)
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17.12.2016, 13:54Inaktiver User
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17.12.2016, 16:43Inaktiver User
AW: Was wissen die Freunde eurer Freunde?
Hallo Denique,
ich kenne die von Dir beschriebene Erfahrung auch.
Besagt Freundin/Bekannte erzählte mir zum Beispiel von einer ihrer
Freundinnen, die ich auch kenne, diese habe eine SM-Beziehung zu ihrem
Ehemann. Wollte ich nicht wissen.
Oder neulich hat sie mir brühwarm erzählt, eine andere Freundin, die
ich auch kenne, habe eine schwere Krankheit gehabt...und mit allen
Details (Blut, Körperausscheidungen..) geschildert. Wollte ich auch nicht wissen.
Was mir dann irgendwann aufgefallen ist: ebendiese mitteilungsfreudige
Person taucht zuverlässig IMMER dann in MEINEM Leben auf, wenn es
ein "Drama" bei mir gibt (Trennung, Krankheit, oder ähnliches...).
Da ist sie Feuer und Flamme. Da will sie ALLES wissen. Im Anschluß höre
ich oft MONATELANG nichts mehr von ihr.
In letzter Zeit ist es mir unangenehm, sie zu treffen, da ich inzwischen
davon ausgehe, dass "mein Fall", bzw. meine Probleme, Konflikte auch
exzessiv von ihr mit anderen Leuten/Bekannten "zerlegt" werden,
Wie sollte es anders sein.
Inzwischen habe ich mich von ihr distanziert. Und werde ihr auch nichts
persönliches mehr erzählen. Manchmal ist es auch besser, solche Leute
garnicht erst zu treffen. Ich weiß von mir z.B dass man mir mit gewissen
Techniken (die Menschen dieser Art aus dem Effeff beherrschen)
Dinge aus der Nase ziehen kann, die ich entsprechender Person garnicht
erzählen will. Leider merke ich das erst hinterher.
Zum Glück habe ich auch Freundinnen, die gemeinsam besprochene
"Themen" diskret behandeln. Und diese Menschen sind deshalb noch
lange nicht langweilig.


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