Ist dem denn nicht so? Sind denn Ratschläge und Tips bei Problemen und Lebenskrisen von zwar nahe stehenden Bekannten und Freunden, aber trotzdem von neutralen Personen, (die mir auch mal den "Kopf waschen können") nicht hilfreicher, als alles mit sich alleine und selbst ausmachen zu müssen? Ganz zu schweigen von der Abwechslung und Ablenkung, die eben Bekannte und Freunde möglicherweise auch bieten können!
Und was machst Du z. B. wenn Dein überschaubarer Freundeskreis ausgerechnet gerade in der Situation, wenn Du jemand benötigst, aus Gründen wie Urlaub, Krankheit, selber Probleme...(man kennt es ja eigentlich), keine Zeit, Kraft, Nerven... hat, Dir bei Deinem Problem zu helfen? Dann stehst Du mit Deinem kleinen Freundeskreis ziemlich verloren wie ein "begossener Pudel" da. Das habe ich alles schon selber erlebt. Daher habe ich mir nun gesagt, dass ich lieber einen größeren Bekannten- und Freundeskreis pflege und unterhalte - und das nicht nur, weil ich auf deren Hilfe und Unterstützung bei Problemen und Lebenskrisen hoffe, sondern auch, weil ich einfach eine gewisse Abwechslung habe und nicht immer mit den gleichen Personen zusammensitze und etwas unternehme. Das wird dann doch auf Dauer irgendwann auch langweilig und öde, oder?
Und nicht jeder Bekannte und Freund lässt sich für jedes Hobby und Interesse von mir begeistern. So kann ich z. B. bei geplanten Freizeitaktivitäten gezielt auf die Personen zugehen, die sich mit der geplanten Aktivität auch identifizieren und begeistern können. Wer möchte schon jemand dabei haben, der eigentlich gar keine wirkliche Lust hat und nur mitkommt, damit der andere dann eben nicht alleine unterwegs ist?
Also ich weiß die Vorzüge und Vorteile von extrovertierten Personen und einem größeren Freundes- und Bekanntenkreis zu schätzen..
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 57
Thema: Seid ihr zufrieden?
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10.10.2015, 20:30
AW: Seid ihr zufrieden?
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In ein paar Jahren wird es nur noch
zwei Gruppen von Fußgängern geben -
die schnellen und die toten!
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10.10.2015, 21:19
AW: Seid ihr zufrieden?
Mir scheint, hier wird vieles zusammengeworfen, was nicht zusammen gehört. Introvertiert sein hat nichts damit zu tun, wieviele Bekanntschaften man hat, es heißt nicht, daß man sich nicht für seine Umwelt interessiert und an ihr teilhaben will, und es heißt auch nicht, daß man nichts von sich preisgibt. Es heit lediglich, daß man Kraft aus sich selbst und aus dem Alleinsein schöpft, während Kontakt mit anderen Menschen, so gern man sie auch hat, einem Energie nimmt, die man dann später- alleine- wieder auftanken muß. Bei den klassisch Extrovertieren ist es halt umgekehrt: die schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit anderen und gehen vor sie Hunde, wenn sie länger allein sind. Beides hat offensichtlich Vor- und Nachteile. (und natürlich werden die meisten von uns im Spektrum Introvertiert-Extrovertiert sich irgendwo zwischen beiden Extremen befinden, halt mit einer gewissen Tendenz zum einen oder anderen)
Wichtig ist: Introvertiert heißt nicht schüchtern, desinteressiert oder verschlossen. Das sind andere Baustellen.
Wenn ich mal von mir ausgehe: Ich habe viele Freunde/Bekannte an verschiedenen Orten, interessiere mich für das, was die tun, gebe gerne Parties und finde nichts dabei, jemandem was "persönliches" zu erzählen. Ich mag Gesellschaft, ohne wär's langweilig. Der springende Punkt ist: Wenn ich z.B. mit meinen Freunden am Sonntag was unternehme, bin ich in Punkto "Geselligkeit" erstmal gesättigt und froh, wenn ich Montag und Dienstag niemanden sehen muß. Mittwoch oder Donnerstag dann wieder gerne. Weil Leute, auch die, die ich mag, für mich Anstrengung sind und ich Zeit allein brauche, um mich zu "regenerieren". Damit ich nachher wieder "voll da" sein kann.
Man kann von außen auch oft nicht abschätzen, ob jemand intro- oder extrovertiert ist. Mein Partner z.B. steht beruflich auf der Bühne, und er liebt es, dort strahlt er, gibt eine hinreißende Performance, unterhält auch in der Freizeit in lockerer Gesellschaft alle, und jeder, der ihn sieht, denkt, er wäre extrovertiert. Was die Leute nicht sehen, ist, was er den Großteil seiner Zeit macht, nämlich zuhause sitzen und arbeiten, allein, weil er das so will und gerne so hat, die Zeit alleine braucht.
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10.10.2015, 21:31
AW: Seid ihr zufrieden?
Ich stolpere beim Lesen hier über das Wort "müssen". Es ist ja eben kein "müssen" sondern ein "wollen". Ich könnte mir ja jederzeit Ratschläge von Freunden holen, tue dies aber halt eben nicht, weil ich mich lieber selber um meine Probleme kümmere. Mir hilft es gefühlt nix, wenn jemand anderer seinen Senf dazugibt. In der Zeit, die ich brauche, um das Problem mit jemandem zu diskutieren, hab ich es schon längst selbst gelöst. (Was Anderes ist natürlich, Kompetenz und Expertise anderer Personen in Anspruch zu nehmen, wo sie einem selber fehlt. Wenn ich weiß, daß jemand konkret etwas für mich tun kann, dann bitte ich um Hilfe. Aber dazu muß ich erstmal selbst über die Sache nachgedacht haben und zu dem Ergebnis gekommen sein, daß Hilfe in bestimmter Form sinnvoll ist. Ich diskutiere aber nicht grundsätzlich mit anderen über die mögliche Lösung meines Problems. Ist für Extrovertierte vielleicht schwer nachzuvollziehen, aber mir gibt das einfach nix)
Ein Introvertierter würd's halt einfach alleine machen, wenn's die Freunde nicht interessiert ;)
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10.10.2015, 22:43
AW: Seid ihr zufrieden?
Siehst Du - und das ist der Ansatz, warum mir introvertierte Personen suspekt vorkommen:
Kein Mensch ist (freiwillig) gerne alleine, löst seine Probleme alleine und geht verschlossen und zurückhaltend durch die Welt! Der Mensch war als Lebewesen in seiner Geschichte und Evolution immer schon ein "Herdentier". In früheren Zeiten war es sogar überlebensnotwendig, dass die Menschen in Gruppen lebten, gemeinsam auf die Jagd gingen, Probleme gemeinsam angingen und lösten. Als "Einzelgänger" wäre man damals schlicht gar nicht überlebensfähig gewesen oder jämmerlich zu Grunde gegangen. Und schon in der Bibel steht, "dass es nicht gut sei, dass der Mensch allein bliebe".
Folglicherweise musst Du doch selber zugeben, dass es schon recht komisch und suspekt erscheint, wenn introvertierte Menschen "freiwillig" diesen Weg gehen, sich zurückziehen, viel mit sich alleine ausmachen und für die Gesellschaft mit Anstrengung verbunden ist. Das passt für mich irgendwie nicht mit der Ausgangslage zusammen, wo der Mensch eigentlich herkommt.
Natürlich ist zum Vergleich das andere Extrem sicherlich auch nicht, das Optimum und garantiert ein sorgenfreies unbeschwertes Leben. Aber ich habe doch lieber ein paar Bekannte und Freunde "zu viel", auf die ich in welcher Form auch immer bauen und setzen kann, als "zu wenig" und muss bzw. darf meine Probleme und sonstigen Widrigkeiten des Lebens mit mir alleine ausmachen. Ob das dann immer so freiwillig ist, sei mal dahin gestellt
Und unser gesamtes Leben funktioniert eben hauptsächlich, weil viele einzelnen Rädchen zusammenarbeiten und die Gemeinschaft stark und leistungsfähig macht. Und Genossenschaften wären bei Einzelgängern ebenso undenkbar, wie auch Wikipedia im Internet. Es ist immer die Leistung und der Erfolg der Gemeinschaft, der erreicht wurde, weil sich Menschen zusammengetan haben, gemeinsam das Wissen, das Know-How usw. in einen Topf warfen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das Ziel wurde sicherlich nicht dadurch erreicht, weil jeder das Problem mit sich alleine ausgemacht hat und dann beschlossen hat, das Problem alleine für sich zu lösen.
Und noch abschließend sei die Frage gestellt, warum in der Tierwelt, die Tierarten, die in Gemeinschaften leben (Ameisen, Bienen, Wespen, Wölfe...) wesentlich überlebensfähiger und auch wesentlich seltener vom Aussterben bedroht sind. Doch sicherlich auch nicht, weil die Tiere genausogut auch freiwillig alleine leben und mit den Widrigkeiten ihres Lebendalltages fertig werden könnten. Nein, auch hier hat wieder die Gemeinschaft dafür gesorgt, dass ein Überleben überhaupt möglich erscheint.
Und daher stelle ich nun mal abschließend die (vielleicht sogar wissenschaftlich bereits nachgewiesene) Behauptung und These auf, dass extrovertierte Personen sicherlich auch in ihrem gesamten Leben (Beruf, privat...) erfolgreicher sind, als im Vergleich zu introvertierten Personen.
In diesem Sinne noch einen schönen Abend wünscht
Arne
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11.10.2015, 02:17Inaktiver User
AW: Seid ihr zufrieden?
Hallo Arne,
wieso gehen solch extrovertierte Menschen wie Du immer davon aus, dass ihre Gesellschaft und ihre Unterhaltungen ein Geschenk für alle Menschen sind? So einen Fall habe ich leider auch in meinem beruflichen Umfeld.
Jemand, mit dem ich leider beruflich zu tun haben muss, will sich ständig mit mir unterhalten und beklagt sich dann bei mir, das ich so schüchtern und introvertiert bin und nicht so viel mit ihr reden will. Die Wahrheit ist aber, ich bin gar nicht schüchtern und erst recht nicht introvertiert, sie nervt mich nur sehr und ich kann sie nicht leiden, nur kann ich ihr das nicht sagen, weil ich ihr gegenüber höflich bleiben muss. Ich bin ihr gegenüber immer höflich und rede deswegen nur das nötigste mit ihr und nicht, weil ich schüchtern bin.
Ich kann ihr auch leider nicht die Wahrheit sagen, weil sie mir beruflich schaden könnte, aber leider denkt sie, sie wäre die beste und tollste überhaupt. Das finde ich nicht und ich würde mich freuen, wenn sie mich endlich allein lassen würde, weil sie mich nervt und sie furchtbar anstrengend ist. Wieso denken solche extrovertierten Leute wie sie immer, dass das Problem bei ihrem Gegenüber (also mir) liegt und kommen nie auf die Idee, dass der andere nur nicht so viel mit ihnen reden will, weil sie einem auf die Nerven gehen mit ihrem langweiligen Gerede?
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11.10.2015, 07:31
AW: Seid ihr zufrieden?
Hallo Julia!
Ganz abgesehen davon, dass ich mich weder zu den Ultra-Extrovertierten zählen würde (und dies glaube ich auch nirgends in einem meiner Beiträge so erwähnt habe) und auch keine Lanze für sie brechen möchte und kann, möchte ich Dir aber doch gerne wie folgt antworten:
Das von Dir beschriebene Problem hat meiner Ansicht nach wohl weder mit dem schwierigen Miteinander zwischen in- und extrovertierten Menschen untereinander zu tun, sondern wohl eher dass hier bei Euch zwei gänzlich gegensätzliche Kommunikationstypen aufeinander stoßen. Zudem kommt, dass Ihr beide Euch auch generell zwischenmenschlich nicht "grün" seid und nicht gerade harmonisiert.
Solche Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es aber überall, wo unterschiedliche Menschen aufeinander treffen bzw. miteinander zu tun haben - sei es am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein oder auch in der Nachbarschaft. Und diese Probleme treten auch zwischen ausschließlich introvertierten Menschen untereinander auf und haben generell nichts damit zu tun, dass extrovertierte Menschen vielleicht ein etwas ausgeprägteres Kommunikationsbedürfnis haben.
Hier ist eben Toleranz und Rücksichtnahme von beiden Seiten gefordert. Während Dein Gegenüber eben sein Kommunikationsverhalten eben etwas zügeln und zurücknehmen muss, darfst Du Dich eben nicht so über seine Gesprächigkeit aufregen. Da muss man auch professionell "drüber stehen" können. Und nur weil Du seine Gespräche als langweilig und nervig empfindest, heißt das ja noch lange nicht, dass er und vielleicht weitere Gesprächszuhörer dies genauso empfinden.
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11.10.2015, 12:06
AW: Seid ihr zufrieden?
Introvertierte Menschen als komisch und suspekt zu bezeichnen zeugt aber auch nicht gerade von viel Toleranz, sorry.
Du verstehst nicht, wie man "so" leben kann/will, weil Du anders gestrickt bist. Musst Du auch nicht unbedingt.
Aber es gibt nun mal viele verschiedene Arten, glücklich zu sein, und ich für meinen Teil hatte bisher in meinem Leben noch nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt, nur weil ich keinen riesengroßen Freundeskreis habe, auch in schwierigen Situationen nicht. Die Menschen, die mir sehr nahe stehen, haben im Notfall Zeit und ein offenes Ohr für mich, außerdem will ich über bestimmte Dinge/Probleme überhaupt nicht mit zig Menschen reden, sondern nur mit einigen engen Vertrauten.
Wie gesagt, Du musst das nicht verstehen, aber es wäre durchaus hilfreich, zu akzeptieren, dass man tatsächlich auf diese komische, suspekte Weise sehr glücklich durchs Leben gehen kann. Im Tierreich gibt es übrigens auch jede Menge Einzelgänger.May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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11.10.2015, 12:13
AW: Seid ihr zufrieden?
Die These kannst Du gerne aufstellen, sie entbehrt aber jeglicher Grundlage. Erfolg im Beruf hat mit Intro- oder Extraversion überhaupt nichts zu tun, da spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Siehe unter anderem hier. Gleiches gilt für Beziehungen.
Ich glaube, Du hast ein völlig falsches Bild von Introversion im Kopf. Noch mal, introvertierte Menschen sind KEINE seltsamen Nerds, die sich zu Hause einschließen, sämtlichen zwischenmenschlichen Kontakt meiden und in Gesprächsrunden wie stumme Fische blöd glotzend am Tisch sitzen. Sie brauchen einfach nur mehr Ruhe und Zeit für sich alleine und können, wie WelchGeistesKind schon so schön geschrieben hat, eher in der Stille auftanken als im Kontakt mit anderen.
Ich habe beispielsweise einen sehr kommunikativen Job, in dem ich mit einer Vielzahl von Menschen in den verschiedensten Funktionen zu tun habe, und genieße das sehr, aber dafür möchte ich abends in aller Regel meine Ruhe haben und lieber fernsehen oder ein Buch lesen, als auszugehen.Geändert von Marie-Madeleine (11.10.2015 um 13:41 Uhr)
May you be surrounded by friends and family,
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Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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11.10.2015, 13:46
AW: Seid ihr zufrieden?
Geht mir exakt genauso!
Ich finde aber, das ist kein Merkmal von "introvertiert"- das ist bei 99% aller Menschen so, die ich kenne.
Zu Studizeiten war ich auch täglich mit diversen Cliquen on tour, aber wer bitte kann sich mit Ü30, Vollzeitjob, Beziehung und kränkelnden Eltern noch jeden Tag treffen? Ich kenne wirklich niemanden, der das in dem Alter noch macht.
Die Beziehung will gepflegt werden und man braucht Zeit zum Auftanken.
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11.10.2015, 13:52
AW: Seid ihr zufrieden?
Bei mir genauso. Wenn man schon acht Stunden geredet und diskutiert hat, ist es doch absolut normal und sogar besser für die Gesundheit, wenn man sich abends ausruht! Wenn man sich dann abends noch mit zehn Leuten zum Essen verabredet, ist das Hirn doch absolut überlastet und kann die ganzen Eindrücke überhaupt nicht verarbeiten.
Das ist wahnsinnig anstrengend und überfordert den Körper.
Das wird dir auch jeder Arzt bestätigen, das hat für mich mit Introvertiertheit nichts zu tun, dass man ab einem gewissen Alter, mit einer gewissen Verantwortung im Job plus Ehe/Familie nicht mehr jeden Abend Halligalli braucht.



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