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    Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Liebe Forumsteilnehmer,

    ich mache mir momentan viele Gedanken über eine spezielle "Freundin" von mir und bin mir hier sehr unsicher, wie ich mich verhalten soll. Mich interessieren daher Eure Meinungen oder Tipps.

    Wir sind seit ca. 2010 befreundet und haben ein Hobby gemeinsam, das wir beide gemeinsam damals begonnen hatten und was stets Hauptgesprächsthema war.
    Diese Freundin ist 4 Jahre jünger als ich (ich bin Ende 30) und hat(te) im Leben relativ viele Probleme. Sie hat oft nicht ein gutes Selbstwertgefühl, hatte eine schwere Kindheit (ihr Vater hat getrunken und war dominant). Sie hat früh mit Anfang 20 geheiratet, um ihrem Elternhaus zu entkommen. Ihr Mann ist unglaublich lieb, hat alles für sie getan. Sie leben seit ca. 2 Jahren getrennt, weil sie ihn nicht wirklich liebte.
    Sie hatte ausser diesem Mann keine anderen Beziehungen. Sie war in ihrem Job unglücklich und hat sich beruflich umorientiert in den letzten Jahren. Um dies zu schaffen, hat sie sich erst 1 Jahr krank schreiben lassen und dann 1 Jahr Arbeitslosengeld bezogen. Sie wollte unbedingt mal nach Indien reisen. Um dies möglich zu machen, hat sie ca. 6 Monate lang bei einer Freundin kostenlos gewohnt.
    Ihre Mutter ist Italienerin, sie ist eine im Grunde genommen sehr warmherzige Person. Wir haben auch den gleichen Humor, hatten über das gemeinsame Hobby viele gemeinsame Bekannte und standen uns aufgrund des intensiv betriebenen Hobbies und des Bekanntenkreises oft sehr nahe.

    Trotzdem war sie für mich nie meine "beste" Freundin, für sie war ich allerdings wohl schon so etwas wie ihre "beste" Freundin. Aus meiner Sicht hatte dies 2 Gründe: ich habe sie oft eher wie eine kleine Schwester empfunden. Sie hat(te) stets viele Probleme. Sie ist auch eher ein labiler Mensch, d.h. schwankt oft zwischen großem Elend und großem Überschwang. Und hat eigentlich immer finanzielle Probleme. Ich war oft die erste Person, der sie alles erzählte. Ich habe zu Zeiten auch so meine Probleme, habe aber immer das Gefühl gehabt, dass sie wohl nicht die Erfahrung hat, mir da wirklich gut beistehen zu können. Um es kurz zu machen, ich rede dann lieber mit meiner Schwester oder mit einer anderen Freundin, die ich seit 20 Jahren kenne.

    Zweitens habe und hatte ich oft Probleme mit ihrem Wertesystem oder ihren moralischen Vorstellungen. Bei gewissen Dingen habe ich sie ziemlich gewissenlos und sehr egoistisch erlebt. (Z.B. als es um ihre Krankschreibung ging, die sie vortäuschte, um das Krankengeld zu bekommen und hierfür Gott und die Welt anlog. Oder als sie sich bei dieser Freundin von ihr einnistete, um Miete zu sparen und mit dem Arbeitslosengeld nach Indien fahren zu können).
    Ich habe ihr also oft ins Gewissen geredet ("große Schwester Funktion") und ihr auch öfters meine offene Meinung gesagt.

    Im letzten Jahr hat mich die Freundschaft zu ihr oft überfordert. Es kommt hinzu, dass sie sehr viel redet (also immer nur von sich) und wenn ich erzähle, mir oft abwesend erscheint, d.h. z.B. währenddessen auf ihr Handy guckt, SMSe liest etc. Wir hatten mind. 3x Riesenstreits letztes Jahr und ich habe jedes Mal überlegt, die Freundschaft zu beenden.

    Es ist nun so, dass ich unser gemeinsames Hobby nicht mehr so intensiv betreibe...sie ebenso....es ist also natürlichweise so eingetreten, dass wir uns max. in Person alle 2 Wochen einmal sehen - und auch nur wenn wir uns verabreden - im Gegensatz zu den früheren Hobby-bedingten ca. 3-4 mal pro Woche.

    Ich habe einen größeren Abstand zu ihr gewonnen und sehe nun vieles wieder mit klaren Augen.
    Die letzten 3 Male, bei denen wir Kontakt hatten (in Person, per Telefon, und per Sms) ging es nur um sie....sie redete/schrieb ohne pausen ca. 90% der Zeit, auch wenn ich stumm war oder nur knapp auf ihre Nachrichten geantwortet hatte. Ich mache z.B. gerade eine Fortbildung, die mir sehr wichtig ist, und die im Mai begann. Ich wollte ihr davon erzählen, sie hat mir glaube ich keine 3 Minuten lang zugehört....und dann sofort wieder von sich erzählt.

    ich habe mittlerweile eine große Aversion gegen sie entwickelt. Ich ertrage sie einfach nicht mehr! Ich reagiere daher nur noch so wortkarg wie ich kann und auch mit mind. 2 Tagen Zeitverzögerung auf Ihre Smse . Telefonanrufe habe ich abgeblockt. Sie merkt wohl, dass sich etwas ändert (sie bombadiert mich nicht mehr so mit ihrem Redeschwall), aber schreibt mir immer wieder.
    Ich weiss nicht, ob ich sie wirklich komplett aus meinem Leben streichen will oder nur bis zu einem gewissen Grade. Ich weiss nicht, ob sie dies checken und akzeptieren kann, und ob ich diesen Grad durchsetzen kann.
    Ich weiss auch nicht, ob es Sinn macht, nochmals direkter mit ihr darüber zu reden, was mich stört...wie gesagt, hatten wir letztes Jahr mehrfach großen Streit, in dem ich sehr direkt geworden bin. Natürlich hat es sie sehr verletzt und ihr Verhalten letztend Endes wenig geändert. :/

    Was denkt Ihr? Was kann hier helfen?

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    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Ihr habt ja eher eine Mutter/Kind-Beziehung. Als etwas auf Augenhöhe.
    Du hast dich auch ungefragt eingemischt...hm... sowas kann sich sehr ungut anfühlen für den anderen.

    Das hat nie gepaßt, und folglich paßt es auch jetzt nicht.

    Sie scheint gar nicht zu begreifen, wie "Freundschaft" funktioniert. Sie braucht in erster Linie einen Problemlöser, einen Zuhörer?

    Zieh dich zurück...man kann Menschen nicht erziehen.
    Wenn du ihr was gutes tun willst, schenk ihr "Wie man Freunde gewinnt" von Dale Carnegie.
    Ich weiß jetzt nicht, wie man das geschmackvoll tun kann, aber das würde ihr glaube ich wirklich die Augen öffnen.
    The original Karla
    est. 2006


  3. User Info Menu

    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Ich finde auch, dass sich die Beziehung generell etwas unausgewogen anhört.
    In erster Linie solltest Du jetzt aber mal auf Dich hören. Wenn Du noch nicht genau weißt, ob Du wirklich einen Kontaktabbruch durchziehen willst, dann zieh Dich doch einfach für eine Weile komplett zurück und guck, ob sie Dir fehlt. Wenn ja, lohnt sich vielleicht ein klärendes Gespräch, dass es Dich verletzt, wenn sie Dir nicht zuhört und dass Du Dir als seelischer Mülleimer mißbraucht vorkommst, wenn es immer nur um sie geht. Wenn ihr auch was an Dir liegt, findet ihr einen Kompromiss.
    Vielleicht bist Du aber auch einfach nur erleichtert, dass sie "weg" ist. Das ging mir mal mit einer "Freundin" so. Ihr "Prinzessinnentum" ging mir zwar schon "währenddessen" auf den Keks, aber ich dachte, es sei halt einfach ein Teil von ihr. Das war es zwar auch, aber nach der vermeintlichen Pause hab ich gemerkt, wie sehr mich dieses ständige "Das kann ich nicht", "Ich weiß nicht, wie das geht", "Machst du das für mich?", "Das schaff ich nicht" nervt und dass ich keine Lust mehr darauf habe.

  4. Inaktiver User

    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Ein Therapeut kann deiner Freundin helfen. Sie einfach zu viel erlebt und das muss irgendwie raus, damit sie daran nicht erstickt und da ist ein Therapeut der richtige Ansprechpartner.
    War sie denn schon in Indien, vielleicht nimmt ihr die fernöstliche Lebensweise schon viel von ihrem inneren Druck.

    Für dich muss die Freundschaft nicht so einseitig sein. Du kannst ihr Grenzen setzen und dann auch darauf bestehen, dass diese eingehalten werden.
    @ Chaoskind du beschreibst das sehr schön, so eine Freundin hatte ich auch und immer wenn es darum ging, dass sie etwas hätte machen können, kam sie mit Selbmord um die Ecke. Sie lebt immer noch, doch mein Telefon hat keine Ohrenschmerzen mehr. Ich hatte ihr angekündigt, dass sie mich erst wieder anrufen darf, wenn sie eine konkrete Sache für sich getan hat.

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    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Zitat Zitat von eva_75 Beitrag anzeigen
    ich habe mittlerweile eine große Aversion gegen sie entwickelt. Ich ertrage sie einfach nicht mehr!
    Ja nun, dann ist der Fall doch klar. - Was sollte ein Gespräch nützen, wenn Du ihr keine freundschaftlichen Gefühle entgegenbringst.

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    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Du gibst ihr jede Menge und bekommst nichts zurück.

    Für mich kommt so etwas nicht mehr in Frage. Wenn von Beginn an kein Ausgleich da ist, gehe ich und laß den anderen dort wo er ist.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  7. User Info Menu

    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    TE gibt natürlich, wenn sie zuhört. Für eine tiefe Freundschaft ist aber auch absolute Gleichwertigkeit nötig. Wenn, so wie die TE, sich eine der beiden `erfahrener` fühlt und behauptet, sie würde bei heiklen Dingen dieser Freundin keine "Parteienstellung" einräumen wollen, da sie sie für unfähig hält, ist es keine gleichwertige Beziehung. Dann fühlt eine sich überwertig, die andere ist die hilfsbedürftig. Das geht nicht lange gut.
    Durchsage:

    "Achtung, es wurde eine herrenlose Damenhandtasche gefunden ..."

  8. Inaktiver User

    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Ich würde das ganz anders machen.
    Das nächste Mal, wenn DIR etwas auf der Seele brennt, dann triff dich mit ihr und sag gleich offen von Anfang an, dass du ein Problem hast und nun sie mal dran ist. Rede mit ihr, als sei sie deine große Schwester und blende aus, was du von ihren Ratgeberqualitäten hältst.
    Vielleicht überrascht sie dich und du erlebst sie zum ersten Mal anders, weil sie sich diesmal als Ratgeber ernst genommen fühlt.

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    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Hi,
    Vielen Dank fuer all Eure Meinungen, Tipps und Einschätzungen.
    Ich habe zwischenzeitlich keinen Kontakt mehr zu dieser Freundin gehabt und es geht mir ganz gut damit.....
    Aber es gab ja auch gute Dinge, wie z.b. dass wir den gleichen Humor haben und daher immer viel lachen konnten zusammen. Oder dass wir beide tierlieb sind und viel Zeit mit unseren Hunden zusammen verbracht haben...manchmal denk ich, es ist wie nach einer Trennung in einer Partnerschaft, wo man die guten Dinge vermisst, einen aber die schlechten so stoerten, dass man ueber Trennung nachdenkt....
    @Spatz22: ich hatte was Du vorschlaegst paarmal probiert....es hat aber nicht wirklich funktioniert, weil meine Freundin dann immer wieder in ihren Redeschwall kam und mir am Ende Ratschläge gab, die wie ein Selbstgespräch klangen....d.h. sie haetten genauso gut an sie selbst gerichtet sein koennen und ich hab mich nicht wirklich verstanden und gesehen gefuehlt....

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    AW: Wie gehe ich mit dieser (vereinnahmenden) Freundin um? Bin ratlos...

    Liebe Eva

    Glückwunsch! Es ist nie zu spät di eeigenen Grenzen zu wahren

    Der Ausdruck: 'wir hatten auch schöne Zeiten' hat etwas Verräterisches. Es sagt nämlich gelichzeitig aus, dass die guten Zeiten nicht überwogen haben sondern eher die Ausnahme waren.

    Bei einer wirklichen Freundschaft müsste es doch heißen: Schade, wie hatten überwiegend gute Zeiten

    Nenn mich Deutschjunkie, aber manchmal lohnt es, auf die Feinheiten der eigenen Sprache zu achten.

    liebe Grüße

    Türkis

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