Hallo zusammen,
vor einigen Jahren ist der Freundeskreis auseinandergebrochen, das hatte mehrere Gründe ("Das ist nicht persönlich gemeint."). Wir sind verheiratet und führen eine sehr gute Ehe. Die Probleme haben sowohl mein Mann als auch ich.
Enthusiastisch neue Bekannte gesucht, auch gefunden, wieder verloren usw., hauptsächlich verloren.
Die Liste, warum es letztlich nicht passte, scheint endlos.
Wir haben keine Kinder.
Wir müssen sehr viel arbeiten.
Wir stehen mit Anfang 40 nicht mehr auf dem gleichen Level wie mit Anfang 20.
Wir entwickeln uns in vielen Hinsichten weiter, was manchen nicht gefällt.
Wir rauchen nicht und müssen uns nicht zusaufen, um Spaß zu haben.
Wir haben zu wenig Geld.
Wir haben zu viel Geld. (Das liegt im Auge des Betrachters).
...
(Vielleicht liegt es auch daran, dass wir nachgewiesenermaßen in einer Gegend wohnen, wo es sehr wenig normale Leute gibt. Luxus, Hype jeder Art und Lifestyle sind hier wichtiger als die alten Werte. Nein, ich habs mir nicht ausgesucht, bin hier geboren. Umziehen? Nur zu gerne, ist aber zur Zeit aus beruflichen Gründen nicht machbar.)
Und wenn wir uns nach einer Zeitlang "ansehen" weigern, immer für irgendwas missbraucht zu werden, sei es als seelischer Mülleimer oder als Grillstation. Beliebt waren wir auch als Lückenfüller, wenn sonst keiner Zeit hatte. Dafür waren wir uns auf Dauer zu schade.
Immer läuft es auf das gleich hinaus: Es waren keine Freunde, der ursprüngliche Freundeskreis wohl auch nicht, was wir allerdings damals nie wahrhaben wollten.
Ist Freundschaft also nur eine Illusion? Ich glaube es nicht, wirkliche Freundschaft ist genauso wenig eine Illusion wie eine sehr gute Partnerschaft. Beides ist aber eher selten.
Wir suchen schon lange keine Freunde hier am Wohnort mehr, haben auch zufällig keine gefunden.
Viele Leute erzählen uns aber, sie hätten keine wahren Freunde und erzählen uns ganz ähnliche Erfahrungen. Aber auch mit diesen Leuten klappte es letztlich nicht, obwohl wir uns viel Mühe gegeben haben.
Ja, spinnen wir denn alle in unserer Gesellschaft???
Aber: So ganz ohne Freunde sind wir eigentlich und zum Glück nicht, die haben wir nur nicht in der Nähe, sehen sie nur selten. Wie gesagt, wir leben in diesbezüglich in einer komischen Gegend. Das Mysterium der Freundschaft und nicht-Freundschaft bleibt für mich aber bestehen.
Einfach nett sich mit Leuten treffen wo man auch wohnt, was unternehmen, mal grillen oder mal in eine Bar gehen. Eine Freundin zum ratschen, Gespräche, die sich NICHT NUR um die Kinder oder deren Probleme drehen. Nicht realisierbar, leider.
Aber der positive Aspekt ist, dass man definitiv weniger Ärger hat und weniger oft enttäuscht wird.
Ich habe mich damit abgefunden und die Situation akzeptiert, wie sie jetzt ist. Der Thread ist auch kein Hilfeschrei, nur eine nüchterne Zusammenfassung, um die Gedanken zu sortieren.
Allen, die Freundschaften suchen, wünsche ich mehr Erfolg als uns.
Liebe Grüße
nixmama
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 34
-
01.07.2014, 16:56
Die Sache mit den Freundschaften...
-
01.07.2014, 23:55
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Die Frage ist, wie definiert man Freundschaft. Freunde gewinnt man nicht so einfach hopplahopp. Erst einmal ist es eine Bekanntschaft, man trifft sich und lernt sich vertrauen. Das dauert und erfordert viele verschiedene gemeinsam erlebte Situationen, z. B. beim Grillen, das nicht nur den Zweck eines gemeinsamen Essens erfüllt. Wenn euch jemand seine Probleme anvertraut, ist das ein Vertrauensbeweis. Wenn ihr einen solchen dann natürlich als "Benutzung als seelischer Mülleimer" gleich wieder in denselben werft, braucht ihr euch darüber nicht wundern, wenn diese Menschen sich dann irgendwann wieder verkrümeln. Diese werden dann bestimmt nicht euch zur Seite stehen, wenn ihr mal jemanden zum Trösten braucht. Freundschaften haben etwas mit Gefühl zu tun.
-
02.07.2014, 00:03
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Du lebst also dein Leben lang in dieser Lifestylegegend und jeder dritte Satz (gefühlt) fängt mit "wir" an. Hmmm .... was ist mit Freunden ausserhalb? Oder nur Freundin von dir / Freund von deinem Mann?
Vielleicht strahlt ihr ja extreme Symbiose aus ... aber ich rate nur. Wegen der vielen "wir"s.see you on be friends online!
-
02.07.2014, 00:08Inaktiver User
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Ich denke auch, dass es damit zusammenhängt, was man wirklich unter Freunden versteht.
Freunde sind für mich Menschen, die zu mir passen müssen. Die Interessen müssen stimmen. Man muß sich sympathisch sein. Mir fehlen gerade die richtigen Begriffe. Das iost mir alles zu flach was ich hier aufgelistet habe.
Mein Mann und ich wir haben wenige Freunde, aber viele Bekannte. Die wenigen Freunde, die wir haben, sind aber wirkliche Freunde. Das zeigt sich meist in besonderen Situationen.
Bedingt durch eine chronische Erkrankung bin ich sehr eingeschränkt, sehr antriebslos, sehr zurückgezogen, weil ich die Kraft die ich noch besitze, darauf fokussiere, dass ich noch arbeitsfähig bin. Obwohl ich langsam sehe, dass ich den Weg in die Erwerbsminderungsrente gehen muß.
Was passiert unter solchen Problemen? Man zieht sich immer mehr zurück. Unsere Freunde haben zeitweise richtig Arbeit, mich mal ein wenig zu motivieren. Aber sie geben nicht auf. Sie halten seit Jahren zu uns. Sind nicht beleidigt, wenn ich mich mal 3 Monate nicht melde oder vergesse zurückzurufen.
Diese Menschen sind einfach nur toll. Und ich bin sehr dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte.
Und noch eins kann ich sagen. Manchmal gibts im Leben Situationen, da trennt sich die Spreu vom Weizen.
-
06.07.2014, 22:03Inaktiver User
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Ich finde die Kommentare hier ganz schön hart und möchte mal ausdrücken, dass ich Nixmama in einer Kernaussage sehr gut nachvollziehen kann:
Ganz ähnlich geht es mir und meinem Freund auch, ab 40 haben eigentlich so gut wie alle Kinder und dann werden Freundschaften extrem schwierig, wenn man selbst keine Kinder hat, das hat nichts mit persönlicher Inkompetenz in Sachen Freundschaftsaufbau bzw. -erhalt zu tun! Als Paar ohne Nachwuchs heißt es immer Rücksicht nehmen und ich kann die Sprüche in Richtung Manchmal-beneide-ich euch-ja (weil wir uns z.B. teure Urlaube leisten können) oder Ihr-wisst-ja-gar-nicht-was-euch-entgeht (weil zu uns nie jemand Mama oder Papa sagen wird) auch einfach nicht mehr hören.
-
06.07.2014, 23:22
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Es war nicht böse gemeint, aber ich lese in keinem Satz irgendetwas Positives über andere Menschen, immer nur negative Kritik. Ich vermute, dass das vielleicht unbewusst bei den Bekannten auch so rüberkommt. Den perfekten Menschen gibt es nicht. Und wenn deren Leben sich um bestimmte Themen dreht, werden die auch mal angesprochen. Das muss man akzeptieren oder muss Menschen suchen, die genau die gleichen Hobbys, gleiche Ansichten und gleiche Lebensverhältnisse haben. Warum stört es dich, wenn dich jemand um deine Reisen beneidet? Eltern gehen unter Umständen jahrelang auf dem Zahnfleisch und würden dann sehr gerne auch mal etwas anderes sehen. Dürfen sie darüber nicht auch mal reden? Man kann danach ja das Thema wechseln. Natürlich kann man mal einen Satz blöd formulieren, oder vielleicht ist demjenigen auch nicht klar, dass er seinen Gegenüber mit einer Aussage verletzt hat, aber es ist meist nicht böse gemeint und wenn man irgendwelche "Sprüche" nicht mehr hören will, dann kann man doch einfach erklären, warum man das blöd findet. Man sollte andere Menschen mehr nehmen, wie sie sind. Natürlich gibt es immer welche, die man überhaupt nicht leiden kann, aber mit den meisten Menschen kann man doch gut auskommen.
Geändert von ylli (06.07.2014 um 23:43 Uhr)
-
15.07.2014, 18:37Inaktiver User
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Hi, es ist nicht einfach auch nur gute neue Bekannte zu finden mit Ü40!
Freundschaft wird es vielleicht einmal.
Ich habe in Freizeitforen anonciert und wurde fündig. Es gab einige Anläufe, einges zerschlug sich nach einigen Treffen, weil wir zu verschieden waren. Einige klammerten, reagierten eifersüchtig, waren sehr ich-bezogen oder maulten ständig herum.
Aber irgendwann kappt es - eine da war es sofort angenehm, locker, leicht und auch als ich kein Single mehr war - ich hielt den Kontakt und wir trafen uns auch schon zu viert - also ein Pärchentreffen. Bekanntschaften muss man pflegen, wie Freundschaften.
Vielleicht sucht man auch je nach Hobby oder Freizeitinteresse neue Bekannte - du für dich, er für sich und ggf. gibt es dann auch Sachen, die man zu viert machen mag?
Geht da hin, wo ihr euch wohl fühlt in der Freizeit - vielleicht eine Truppe die gern wandert, oder wenn ihr Musik mögt, Theater, Sport - was auch immer.
-
20.07.2014, 01:28
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Hallo zusammen,
ich habe mich oben natürlich sehr kurz gefasst. Wüsstet Ihr mehr Hintergründe, würdet Ihr es besser verstehen. Glaubt mir bitte, wir haben einige sehr üble Erfahrungen gemacht.
Die Definition von Freundschaft ist doch eigentlich allgemeingültig? Freunde sollten ehrlich zueinander sein, sie sollten dem anderen nichts Böses wünschen, also auch nicht neidzerfressen sein, sie sollten in der Lage sein, den Freunden etwas zu gönnen, sich für die anderen auch mal (ehrlich) zu freuen. Und Freunde sollten in erster Linie füreinander da sein.
Logisch entstehen Freundschaften aus Bekanntschaften, aber ohne Bekanntschaften ja keine Freundschaften und genau hier liegt das Problem...
Warum (fast) keine Freunde mehr da sind:
Wir haben z. B. einem vermeintlichen Freund über den frühen Krebstod seiner Frau hinweg geholfen. Wir waren wirklich für ihn da und haben versucht, zu helfen und moralische Unterstützung zu leisten, wo es geht. Wir dachten achte Jahre lang, befreundet zu sein. Irgendwann saßen wir dann (er mit neuer Frau) bei uns beim Grillen und da hat er uns stundenlang mit dem Thema gequält, dass die Hausverwaltung ihm untersagt hat, seine Schuhe vor der Tür abzustellen. Nachdem wir ihn sehr oft gebeten haben, das Thema zu wechseln, weil das Thema über Polizei und Strafanzeige, Gerichtsverfahren etc. einfach durch war und es dann schon nach Mitternacht war, haben wir die fröhliche Runde mit der freundlichen Bitte beendet, sie möchten doch für heute gehen und wir reden ein andermal weiter. Seither kein Kontakt mehr, weil er tödlich beleidigt ist. Ist dann auch besser so, das war nicht das einzige Erlebnis in der Richtung!
In einem anderen Fall hatte ein weiterer vermeintlicher Freund eine Krebsdiagnose, die sie Wochen später Gott sei Dank als falsch herausgestellt hat. Wir waren in diesen Wochen wirklich für ihn da, haben ihn nachts um 3 Uhr besoffen aus dem Krankenhaus abgeholt, weil er mit dem Fahrrad in den Graben gefahren ist usw.
Als mein Mann dann an Krebs erkrankte, war niemand für uns da. Und das nach 18jähriger Freundschafts-Illusion. (Der Krebs zum Glück vorbei und er hat es geschafft, aber es prägt einen halt).
Haben wir mal Probleme in der Firma oder mit unseren Mitarbeitern, können wir uns schon stundenlang die Schulprobleme der Kinder anhören (weil ein Kind Probleme mit der Handarbeitslehrerin hat, das geht dann stundenlang). Wenn wir dann auch mal was erzählen möchten, ist man gleich wieder weg und hat dann keine Zeit mehr. Weil man ja keine Kinder hat, kann man auch keine wirklichen Probleme haben. (O-Ton)
Dann gibt es noch die Leute, die kommen immer dann auf uns zu, wenn sie gerade nichts Besseres vorhaben, wenn sie Pausenclowns brauchen, oder wir werden nur angerufen, wenn man unsere Hilfe braucht (durch vielfältige geschäftliche Kontakte können wir diese Hilfe meistens auch leisten). Oder eine "Freundin" kommt immer nur dann, wenn sie grade keine Beziehung hat und meldet sich sonst nie.
Wir sind weder oberflächlich noch Sozialkrüppel
noch egoistisch. Im Gegenteil, wir versuchen gerade, etwas gesunden Egoismus zu lernen. Mit einem Unternehmen mit Mitarbeitern benötigt man ein Mindestmaß an Sozialkompetenz und trägt eine große Verantwortung, auch wenn man keine Kinder hat.
Dann gibt es auch "Freunde", die einem persönliche Weiterentwicklung nicht gönnen, weil sie selbst auf der Stelle treten. Da surft man jahrelang auf der gleichen Wellenlänge und irgendwann stellt man fest, dass die Freundschaft in Neid umgeschlagen ist. Nun ja, mit Anfang 40 haben wir halt keine Mietwohnung im Souterraine mehr, sondern ein eigenes Haus. Wir empfinden das als normal, andere nicht.
Wir haben nur festgestellt, dass ein Leben ohne SOLCHE "Freunde" wie hier beschrieben besser ist.
Diese "Freundschaften" haben wir aufgrund der negativen Erfahrungen alle in die Tonne getreten. Übrig ist ein letzter Freund hier am Wohnort (der beim Thema Krebs zwar auch nicht wusste, was er sagen sollte und daher in dieser Phase auch mehr oder weniger weg war), einige weitere weiter weg. "Nachschub" gibt's (hier am Wohnort) eben nicht und das muss man letztlich so hinnehmen.
Wir haben uns und das ist mehr wert. Und wirkliche Freunde anderswo... manchmal hat man dann doch das Glück, ganz außergewöhnliche Menschen zu treffen, wofür wir wirklich dankbar sind.
Ich glaube, jetzt ist alles gesagt.
Liebe Grüße
nixmama
-
20.07.2014, 01:34
-
20.07.2014, 09:31
AW: Die Sache mit den Freundschaften...
Ich habe ebenfalls schon festgestellt, dass Freundschaft nicht "automatisch" dadurch weiter besteht, weil man jemandem (vielleicht sogar jahrelang) geholfen hat. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich glaube aber, dass der "Kosmos" diese Dinge ausgleicht. Ich gebe etwas an A, und bekomme irgendwann von B etwas zurück. Oder ich habe schon längst von C und D viel bekommen, und bin jetzt sozusagen "dran", E etwas zu geben.
Vielleicht fühlen sich Leute, die jahrelang Hilfe brauchten, auch unterlegen. Schämen sich. Möchten nicht mehr als "der, der Hilfe braucht" gesehen werden und mit dem Thema abschließen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen.
Ich kann deine Aufzählung verstehen. Mir fällt aber auch das große "wir" auf. Ihr habt gemeinsam die Firma, das Haus, da ist wirklich ganz viel "wir". Das kann Leute erschrecken, wo es nicht so ist. Die sich das vielleicht aber sehr wünschen würden.
Es heißt ja nicht umsonst, dass Erfolg auch einsam machen kann. Erklär mal jemandem, wie es ist, ein Unternehmen zu führen, der vielleicht noch nie von innen eine Firma kennen gelernt hat. Der kann dein Leben nicht ansatzweise nachvollziehen. Ihr werdet viele Neider haben. So ist Deutschland. Leider. Vermutlich denken einige "Denen geht es so gut, da können sie ruhig mal denen helfen, denen es schlechter geht". Was ihr dafür alles aufgegeben habt, geleistet habt, dass es euch gut geht, wird nicht gesehen bzw. nicht anerkannt. Aufrichtige Bewunderung ist etwas sehr seltenes.The original Karla
est. 2006














Zitieren
