Guten Morgen!
Eine Freundin, die ich sehr gerne mag, läuft schon seit langer Zeit immer am Limit. Gestern hatte sie nun einen Zusammenbruch, da sie völlig ausgebrannt und erschöpft ist.
Sie hat ein grosses soziales Netzwerk: Freunde und Familie, die sie stützen, von daher ist sie gut aufgehoben.
Mich hat ihre Nachricht sehr betroffen gemacht und ich habe ein grosses Bedürfnis, für sie da zu sein, sie zu unterstützen, weil ich sie sehr schätze. Und da hab ich gemerkt, dass ich eigentlich nicht genau weiss, wie ich mich verhalten soll.
Wenn jemand Erfahrung hat oder in einer ähnlichen Situation war: Was wünscht man sich als Betroffener in solchen Momenten bzw. wie würdet ihr reagieren?
Muss dazu noch sagen, dass wir nicht gleich um die Ecke wohnen. Wir treffen uns so alle 6 Wochen und ansonsten tauschen wir uns via SMS/Mail und Telefon aus. Aber für mich wäre es auch kein Problem, mich ins Auto zu setzen.
Ich danke Euch allen sehr für eine Antwort, LG Susi
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07.05.2013, 06:59
Unterstützung bei Zusammenbruch
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07.05.2013, 09:04
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Ich war selber schon in der Situation. Da sein, Hilfe bei den sofort nötigen praktischen Dingen anbieten. Ansonsten Zuhören und darin bestärken professionelle Hilfe zu suchen, mehr kannst Du nicht machen. Im Moment ist es wichtig sie aufzufangen und zu entlasten, auf Dauer muß sie ihre Einstellung ändern. Frühzeitige professionelle Hilfe ist entscheidend meiner Meinung nach, denn man muß sein Leben ändern sonst wiederholt sich das Ganze immer wieder, es gibt Gründe warum man sich so überlastet, die muß man herausfinden.
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07.05.2013, 11:05
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Das ist schwierig. Das folgende ist meine Erfahrung, bei ihr kann es ganz anders sein, deswegen mein erster Rat: Frag sie, was sie braucht, was sie tut, und welche Unterstüzung sie schon bekommt.
Ich würde darauf eine vage und unbrauchbare "alles irgendwie OK, alles Sch***, ich sollte mich nicht beklagen"-Antwort erwarten, aus der die Bemühtheit durchklingt. Wenn du eine andere kriegst, ist die Situation wahrscheinlich eine andere als die, die mir vertraut ist.
nmE: Solche Zusammebrüche zeichnen dadurch aus, daß man nichts mehr mag, nichts mehr kann, keine Entscheidungen treffen kann, einem nichts mehr Freude macht, man niemanden sehen und mit niemandem reden will, und sich am liebsten die Bettdecke über die Ohren ziehen und nie wieder hervorkommen würde.
Wenn das so eine Situation ist, könnte ganz für den Anfang praktische Unterstützung brauchbar sein: Dafür sorgen, das was zu Essen auf den Tisch kommt, die Wäsche gewaschen, die Briefe geschrieben/beantwortet, der Müll runtergebracht und der Boden gefegt wird. Ansonsten entsteht ein Teufelskreis, wo einen das Chaos, der Dreck, und die versäumten Termine Trümmer aus dem Leben machen und einen praktisch und emotional immer weiter runterziehen. Niemand erholt sich zwischen Bergen von Müll und unbezahlten Rechnungen.
Manchmal ist es nett, wenn einfach noch jemand anders im Haus ist, daß man nicht ganz allein ist. Der kann lesen oder rumpüttern oder sich mit vor die Glotze hängen wenn ein geistloser Film läuft. Umgekehrt, wenn sie von Familie umgeben ist, die ständig Ansprüche an sie stellen, kann es vielleicht gut sein, eine Zuflucht zu bieten, wo jemand da ist und den Tag ein bißchen strukturiert, wo aber niemand will, daß sie was losmacht.
Alles das sind aber Sachen für Leute, die vor Ort sind. Reden... ich weiß ja nicht. Reden ist Arbeit. Das eigene Leben in etwas fassen, was mitgeteilt werden kann, ist Arbeit. Sich selber über sein eigenes Leben reden zu hören, das man nicht packt, ist abstoßend und deprimierend. Nicht-reden-müssen ist viel besser...
Wenn du nicht vor Ort sein kannst: Nette, handgeschriebene Briefe ohne Forderungen oder therapeutischen Anspruch sind oft eine nette Sache. Erwarte keine Wunder, keine Dankbarkeit, nicht mal unbedingt Erfolge. Laste diese Frustration, wenn sie kommt, weder dir noch ihr an. Wenn du merkst, daß du Ressentiments spürst, tritt einen Schritt zurück und denk über deine Wahrnehmung und deine Grenzen nach.
Du kannst ihr auch evt. nahelegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, und die notwendige Recherche übernehmen.
Viel Glück!** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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07.05.2013, 11:18
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Ruf sie doch erst einmal an, dann wirst Du erfahren ob sie von Dir Hilfe möchte oder sie versorgt ist....
Das Leben macht was es will und ich auch!
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07.05.2013, 18:07
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Vielen Dank allen für die Antworten!
Sie ist gut versorgt, ist selber therapeutisch tätig und hat entsprechend hier viel Unterstützung und Anlaufmöglichkeiten aus Berufs- und Freundeskreis.
Sie mag nicht reden, also hab ich im Moment einfach angeboten, dass ich da und immer erreichbar bin, falls sie das möchte.
Ich merke allerdings, dass mir schwerfällt, was Wildwusel anspricht: Zu akzeptieren, dass sie keine Unterstützung von mir braucht oder möchte. Das ist nicht so einfach. Aber da sie viele Leute um sich hat, die zudem noch therapeutisch ausgebildet sind und wohl genau wissen, wie man sich verhält, bleibt mir vorerst einfach, abzuwarten. Falls sie einen Schritt in meine Richtung macht, bin ich auf jeden Fall da.
Es ist ja auch immer ein Abwägen, wie weit man sich meldet und nachfragt, ohne aufdringlich zu sein und still zu halten, ohne gleichgültig zu wirken.
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08.05.2013, 13:06
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
So, wie du die Situation beschreibst, hast du meiner Meinung nach schon alles getan, was du in der Sekunde tun kannst:
Sie ist gut versorgt, Profis kümmern sich, auch Nicht-Profis sind zur Stelle, schreibst du.
Das hier:
kann ich nachvollziehen. Das hat aber nur mit dir zu tun, nicht mit deiner Freundin, glaube ich. Hier kann ich nur meine Erfahrung schildern, als es mir mal bescheiden ging: Ich habe mich gefreut, wenn jemand Hilfe angeboten hat - aber erst hinterher. In der Situation habe ich es kaum ertragen. Ein einmaliges Angebot schon, aber wenn sich jemand mehrmals gemeldet hat, fand ich das anstrengend, auch wenn ich wusste, wie gut es gemeint war. Ich habe oft nicht mehr auf Anrufe reagiert, weil ich das Gefühl hatte, ich bin dafür verantwortlich, dass sich der andere - dem es doch eigentlich gut ging - nicht auch noch mies fühlt. Das war mir irgendwie zuviel.
Aber da kann ich ja jetzt nur von mir sprechen, ich weiß nicht, wie deine Freundin da ist. Du hast ihr Hilfe angeboten - sie weiß also, dass du nicht gleichgültig bist. Du überlegst nun, ob du deine Hilfe in Intervallen weiterhin anbieten solltest, damit sie weiß, dass sie dir auch nach längerer "Krisenphase" immer noch nicht egal ist. Du willst aber auch nicht nerven. Das kann ich, wie gesagt, nachvollziehen.
Aber eben, ich glaube, der größte Freundschaftsdienst ist jetzt, diese Anspannung, die in dir herrscht (wenn ich das richtig interpretiere), auszuhalten. Du kennst deine Freundin: Ist sie ein Mensch, der Wert darauf legt, mehrmals versichert zu bekommen, dass man da ist? Oder reicht es ihr im Normalfall, dass man es ihr einmal sagt? Ich glaube, so würde ich entscheiden. Es gibt Menschen, die brauchen die regelmäßige Bestätigung - denen würde ich sie gerade in Krisen geben. Dann gibt es Menschen, die nervt genau das - und hier kommt das "Aushalten" zum Zug.
Letztlich kann ich dir nicht wirklich raten, ich kenne deine Freundin ja nicht. Aber ich glaube, deine Entscheidung, jetzt erst einmal abzuwarten, ist die richtige.
Alles Gute für deine Freundin - und auch dich
+++ Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen. (Johann Heinrich Pestalozzi) +++
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08.05.2013, 21:56
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Vielen Dank Coachpotatoe, du hast es sehr gut getroffen!
Ich bin tatsächlich in einer Anspannung, die ich schlecht aushalte. Und eigentlich weiss ich tatsächlich nicht so recht, zu welchem "Typ" meine Freundin gehört. Wir kennen uns inzwischen zwar einige Jahre, aber so eine Situation hat sich noch nie ergeben und ich kann nur erahnen, was sie jetzt braucht und was sie nur unnötig stresst. Ob ich nachfragen soll? Ist vielleicht bereits zu nervig, aber andererseits: Nur durch Fragen erhalte ich Gewissheit und kann auf das Gegenüber eingehen, alles andere sind Spekulationen.
Ich hab ihr klar gesagt, dass ich für sie da bin und dabei lasse ich es auch bewenden. Und dass sie mir nicht gleichgültig ist, weiss sie. Jetzt heisst es abwarten. Was übrigens auch nicht einfach ist, weil ich nicht weiss, wie es ihr inzwischen geht, was weiter läuft etc.
Wenn ich ehrlich bin, schmerzt es auch ein bisschen zu wissen, dass andere Freunde halt in dieser Phase wichtiger sind und ihr Vertrauen haben, das ich gerne hätte. Da drängt sich dann unweigerlich auch die Frage auf, welchen Stellenwert eine Freundschaft hat und ob es nicht einfach eine Bekanntschaft ist. Aber Und das ist mein Problem, nicht ihres.
Ich persönlich mag es zum Beispiel, wenn sich meine Freunde immer mal wieder melden und sich erkundigen, wie's geht. Mir tut die Wiederholung gut. Nur reagiert ich auch nicht auf alle gleich: Bei den einen freut man sich über jede Kontaktaufnahme, während andere eher stressen.
Während dem Schreiben hier hat sich meine Absicht verfestigt: Ich werd nachfragen, was sie mag/braucht und was nicht.
Liebe Grüsse Susi
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09.05.2013, 13:15
AW: Unterstützung bei Zusammenbruch
Das ist natürlich schwierig, wenn man so eine Situation zum ersten Mal erlebt. Vielleicht kannst du auch durch alltägliches Verhalten Schlüsse ziehen? So viel Erfahrung hab' ich jetzt nicht mit derartigen Krisen, aber ist es nicht generell so, dass man kein komplett anderer Mensch wird, sondern sich die "normalen" Charakterzüge verstärkt zeigen? Damit meine ich: Wenn ich im üblichen Alltag wenig Bestätigung von anderen brauche, wird sich das in der Krise eher nicht ins komplette Gegenteil verwandeln. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, ist nur meine Sicht der Dinge.
Aber du hast natürlich Recht, Gewissheit kann dir nur eine Auskunft deiner Freundin geben, wie sie es halten möchte.
Das kann ich verstehen
Ich weiß nicht, ob das jetzt ein Trost für dich ist, aber das kann auch situationsabhängig sein - oft wendet man sich bei einem Problem auch an jene Menschen, die Erfahrung mit dem Problem an sich haben, in ähnlichen Lagen waren oder so. Das muss nicht unbedingt ein Zeichen dafür sein, dass sie kein Vertrauen zu dir hat oder dich nur als Bekannte sieht.
Aber ja, dass du dich fragst, ob das nun tatsächlich eine Freundschaft in dem Sinne ist, wie du persönlich Freundschaft verstehst und gewichtest, ist nachvollziehbar. Da kannst natürlich auch nur du wiederum deine Schlüsse draus ziehen.+++ Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen. (Johann Heinrich Pestalozzi) +++


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