Hallo,
ich habe eine Freundin, die einen sozialen Beruf ausübt, der nun mal sehr fordernd ist und bei dem man die eine oder andere Geschichte mit nach Hause nimmt und hie und da auch zuhause damit (im Kopf) kämpft.
Ich erzähle auch gerne mal etwas von meinem Job/ Alltag, aber sie macht das sehr, sehr häufig und oftmals geraten wir dann darüber in Streit, weil ich z.B. zum Thema Erziehung eine andere Meinung habe oder einfach von den stories gelangweilt bin, weil ich "leben" will und leider nicht die ganze Welt retten kann.
Ich vermute immer mehr, dass sie von diesem Job überfordert ist, weil eben sehr viele Arbeitsstunden zusammenkommen, auch am Wochenende, und der Kopf nicht wirklich frei wird und wir dann z.B. beim Ausgehen leicht in Streit geraten, weil sie müde/k.o. oder sonstwie gerade vom Job genervt ist. Ich muss sagen meine Freundin ist schon Ü30, d.h. meines Erachtens müsste man auch artikulieren können "du, wir hatten xy ausgemacht, aber heute bin ich ...., können wir das verschieben". Das macht sie nicht und dann rennt sie quasi mitten in der Verabredung weg, weil sie ... ist und ich stehe da und habe eigentlich viel mehr Aktivität/ Zeit eingeplant.
Ich möchte einfach mal einen Rat hören, wie ich mit ihr und ihrem Beruf und ihrer Art (eben nichts zu sagen, dass sie müde o.ä. ist) umgehen kann, ohne, dass ich mich ständig ärgere oder in Streit gerate.
Ciao
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 11
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16.03.2013, 20:03
Job im sozialen Bereich und Freundschaft
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16.03.2013, 20:05
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
es klingt, als mache sie ihre arbeit ohne supervision.
lg
legrain
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16.03.2013, 20:25
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Wenn du ihr Verhalten vom Berufsfeld trennen würdest, wie wäre das dann für dich? Könntest du dich dann besser abgrenzen?
Oder ist es so, dass du weil sie im sozialen Bereich arbeitet mehr soziales Verhalten (abgrenzen, auf dich eingehen - nicht nur von sich reden, sich erwachsen verhalten) erwartest?Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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17.03.2013, 07:13
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Hallo Waldhonig!
Wie lange übt deine Freundin ihren Beruf schon aus? Oder hat sie vor kurzem den Job gewechselt?
Gerade am Anfang kann ein sozialer Beruf sehr fordernd sein, man lernt erst mit der Zeit sich abzugrenzen.
Sprecht ihr im Vorfeld, was und v.a. wie lange ihr was machen wollt? Du schreibst, DU hast mehr Zeit/Aktivität eingeplant, sie vielleicht entsprechend weniger.
Schlag ihr doch mal vor, einen Abend ohne "Berufsgespräche". Wie reagiert sie darauf?
Für mich spricht es eigentlich für die Frau, wenn sie in einem sozialen Feld tätig ist und noch nicht so abgebrüht, wie viele andere, die dann Dienst nach Vorschrift machen.
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17.03.2013, 08:03
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Oh ja das kenn ich!
Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erzieher und Lehrer quatschen in den ersten 2 Jahren ihrer Berufsausübung nur noch über ihre Problemfälle. Das hat sicherlich eine Menge damit zu tun, dass man in die Abgründe menschlichen Verhaltens blicken muss, mit sehr wenig Ausssicht auf Veränderung.
Sogar in Biergärten hört sie weit tönen, völlig vergessend, dass sie Stillschweigen über ihre Klienten halten müssen.
Für die Zuhörer: einfach nicht hinhören und sie auf ihre Verschwiegenheit hinweisen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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17.03.2013, 08:38Inaktiver User
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Warum sprichst Du sie nicht konkret darauf an?
Warum nicht mal sagen "ich muss mit Dir mal über uns BEIDE sprechen!" und dann Deine Gedanken ganz offen äussern?
Man läuft immer in seinen Schuhen und kann sich nicht selber von aussen sehen. Wie soll dann so jemand verstehen, daß das Verhalten nur noch um ihn selber kreist und ein anderer dabei zu kurz kommt?
Sag es ihr und Deine Meinung dazu.
Vielleicht ist sie froh, wenn sie mal so ein feedback bekommt und den auch wichtigen Abstand zu ihrer ARbeit bekommt.
kenzia
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17.03.2013, 10:49
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Hallo allerseits,
vielen Dank mal für Eure Gedanken, die ich mir noch ein wenig auf der Zunge zergehen lassen muss. Sind auf jeden Fall einige viele richtige Gedanken dabei, z.B. der, dass sie erst seit ca. 3 Jahren in dem Job ist und die Problemfälle einfach zum Teil wirkliche menschliche Abgründe umfassen und die "Abgebrühtheit" einfach noch fehlt.
Tja, aber irgendwie fällt es mir glaube ich schwer so etwas zu sagen wie "lassen wir heute mal das Thema Job sein" - ist ja doch das Thema mit dem man sich tagein tagaus ständig beschäfftigt.
Komisch finde ich nur, dass z.B. mein Single Dasein ggü. ihrem Job, Mann, Haus irgendwie immer "zu kurz" kommt, also wenig Fragen hierzu oder dann nur "du musst ausgehen / zieh dich ordentlich an/ wenn du so laut sprichst, dann kriegst du keinen" o.ä.
Ciao
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17.03.2013, 11:15
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Hallo Waldhonig,
ich bin auch im sozialen Bereich tätig.
Meine Gedanken zu Deiner Freundin, alles allerdings tüchtig Kaffeeleserei, da wir ja nur indirekte Informationen haben: Soziale Arbeit erfordert es, sich abgrenzen zu lernen. Das gilt nicht nur in der direkten Arbeit, um nicht von den teilweise sehr bedürftigen Klienten völlig vereinnahmt zu werden, sondern auch in der Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Das muss man erst mal lernen (Opelius hat Recht, das beschäftigt einem sehr), das kann auch mal wieder brüchig werden, wenn es gerade stressig ist. Wenn beispielsweise durch einen hohen Krankenstand viele Überstunden anfallen, nimmt die Arbeit eben wieder einen großen Rahmen im Leben ein. Trotzdem ist das immens wichtig, sonst geht man irgendwann vor die Hunde.
Tja, und dann gibt es leider immer noch wieder Menschen, die den sozialen Bereich wählen, um sich selbst zu therapieren. Das können wir hier in Bezug auf Deine Freundin nicht beurteilen, aber bei solchen Menschen hat der Job eine ganz andere Funktion als die des Geldverdienens und sich selbst verwirklichen.
Was Du tun kannst: Ich würde mich an Deiner Stelle auf keinen Fall auf inhaltliche/erzieherische Diskussionen einlassen. Lass sie erzählen, halte Dich mit Kommentaren zurück. Wenn sie gerade viele Überstunden machen muss, ist sie wahrscheinlich zu erschöpft für große Aktivitäten. Ich würde daher die Erwartungen an Verabredungen herunterschrauben oder im Vorfeld klären, was ihr unternehmen wollt. Und wenn es dauerhaft so ist, dass Du Dich in der Freundschaft zu kurz gekommen fühlst, würde ich sie darauf ansprechen. Vielleicht wird ihr dann auch deutlich, wie viel (zu viel) Raum ihr Job in ihrem Leben einnimmt.Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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17.03.2013, 19:49
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Ein Grund mehr, es mal sein zu lassen!
Habt ihr andere Themen als wie ihr euer Leben einrichtet? Kunst, Träume, Bücher, Wissenschaft, Weltverbesserung, Fandom, Katzen... irgendwas?
Eine weitere Möglichkeit ist, sich auf die Finger zu setzen und nicht aus Höflichkeit zu widersprechen ("also, ich sehe das anders", "ich finde, daß", "du könntest doch", "bei mir ist das so") sondern einfach reden lassen, mitfühlhende oder weiterführene Fragen stellen ("wie geht es dir dabei?") oder ein bißchen Babywundcreme auf das vom Job angeschlagene Gemüt zu schmieren ("das ist ja echt übel", "ich finde, das hast du toll gelöst"). Man gerät so leicht in sinnlose Wettbewerbe bei Gesprächen, wo man versucht, eine ergänzende Position zu beziehen, wenn der andere das gerade nicht braucht.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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17.03.2013, 20:55
AW: Job im sozialen Bereich und Freundschaft
Da Deine Freundin bereits Mitte 30 ist, gehe ich davon aus, dass ihr ambivalentes Verhalten und die Schwierigkeiten sich abzugrenzen eher eine Charaktereigenschaft als die Folge einer beruflichen Stresssituation sind. Die "Hin- und Her- Verhaltensmuster" entstehen dadurch, dass sie Dich begleitet, obwohl sie selbst zu müde ist oder keine Lust hat und sich Dir "zuliebe" überwindet, dann aber dieser "selbstlosen" Liebestat kräftemässig nicht gewachsen ist und deshalb einfach geht. Offensichtlich wäre eine freundliche gut begründete Absage weniger verletzend. Auch das übermäßige Reden über Berufliches kann ein Weg sein mangelhafte Kommunikation über ganz persönliche Beziehungsinhalte und die Angst davor, zu verdecken.
Geändert von walkabout (17.03.2013 um 21:03 Uhr)
"Is it my fault if belief in Divinity has become a suspected opinion; if the bare suspicion of a Supreme Being is already noted as evidence of a weak mind; and if, of all philosophical Utopias, this is the only one which the world no longer tolerates? Is it my fault if hypocrisy and imbecility everywhere hide behind this holy formula?"
J.P Proudhon


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