Liebe BriCom,
mich beschäftigt seit geraumer Zeit in einer Freundschaft das Thema Geld, obwohl ich mich eigentlich gerade in Freundschaften nicht mit dem Thema Geld beschäftigen möchteIch habe eine gute Freundin, die ich seit mittlerweile zehn Jahren kenne. Als wir uns beide kennengelernt haben, waren wir Anfang (ich) bzw. Mitte (sie) zwanzig und beide Studentinnen. Heute sind wir entsprechend älter, ich bin im Beruf etabliert (nach dem Diplom erst noch an der Uni, seit mittlerweile 5 Jahren auch außerhalb der Uni in "richtigen" Jobs) -- und sie ist immer noch Studentin. Und zwar tatsächlich Studentin, also nicht am Promovieren o.ä., sondern mit nicht abgeschlossenem Erststudium. Was natürlich auch finanzielle Folgen hat.
Nun weiß ich, dass sie unter ihrer Situation leidet und sehr bereut, dass alles so gekommen ist. Es geht also nicht um eine "Lebensstildebatte" o.ä. Gerade in finanzieller Hinsicht ist es für sie wohl richtig übel. Ich vermute, dass sie (nach Bafög, Bildungskredit und vor langer Zeit aufgegebenen Jobs zwecks Prüfungsvorbereitung) mittlerweile schlicht von Hartz IV lebt (und auf einem Schuldenberg sitzt, siehe Bafög und Bildungskredit).
So weit, so gut (bzw. schlecht). Was mich so massiv stört, ist der (zugegebenermaßern größtenteils unausgesprochene) Anspruch, dass ich für gemeinsame Unternehmungen bezahlen soll. Kaffee, Kuchen, aber auch größere Summen. Wir haben einige Jahre in verschiedenen Städten gelebt und uns oft besucht. Da kam es öfter mal vor, dass wir uns ihre Bahnkarten geteilt haben, um uns sehen zu können (während ich meine immer komplett selber bezahlt habe, ohne dass auch nur darüber geredet wurde). Das habe ich auch immer gerne getan, aber ich möchte eben auch als "nicht selbstverständlich" anerkannt wissen. Das hat aber immer weniger geklappt, bis hin zu Forderungen, dass ich ihre Unterkunft bezahlen sollte, als ich einmal 4 Wochen auf Fortbildung im Ausland war und sie mich dort besucht hat (und eben nicht in meinem Apartment, das ich gestellt bekam, übernachten konnte).
Aber es sind auch die kleinen Sachen, die mich nerven. Z.B. meldet sie sich nie zurück - wie ich vermute, aus Kostengründen. Internet hat sie nicht mehr (zu teuer), auf sms kommt selten eine Reaktion und wenn ich sie - nach mehreren vergeblichen Versuchen - per sms bitte, mich zurückzurufen, ruft sie 1 mal an und lässt es dabei 1 mal klingeln und legt auf -- und wartet stur auf meinen Rückruf. Wir treffen uns ohnehin schon kaum mehr außer Haus, aber auch zum gemeinsamen Kochen braucht man Zutaten, die eingekauft werden müssen... Das leidige Thema Geld ist einfach allgegenwärtig!
Mich nervt das kolossal, und ich weiß nicht recht, was ich tun soll. Sie ist eh schon psychisch labil, weil die Studiumssituation mit allem, was da dranhängt, sehr belastend ist und ich will ihr eigentlich eine gute Freundin sein. Andererseits nervt mich diese seit Jahren anhaltende Asymmetrie einfach. Bei allen meinen anderen Freunden hält sich das die Waage, mal zahle ich, mal jemand anderes, ohne dass ich jetzt Strichlisten führen würde. Im übrigen bin ich auch weder überbezahlt noch Millionenerbin, auch ich muss mein Geld ordentlich zusammenhalten. Klar bin ich reicher als sie, aber auch nur nach TVÖD bezahlt...
Würdet Ihr das ansprechen? Die Prüfungen abwarten (wobei es seit 5 Jahren heißt: nächstes Semester -- dass sie damit vermutlich psychologische Hilfe bräuchte ist ein anderes Thema, das jetzt aber hier nicht hin muss)? Euch rausziehen? Hat jemand ähnliches erlebt? Ich bin echt an einem Punkt angelangt, wo ich mir nicht sicher bin, ob ich diese Freundschaft weiter führen möchte, auch wenn es mir sehr leid darum täte![]()
Danke
Weihaiwej
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Ergebnis 1 bis 10 von 67
Thema: Finanzielle Asymmetrie
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01.07.2012, 10:31Inaktiver User
Finanzielle Asymmetrie
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01.07.2012, 11:01
AW: Finanzielle Asymmetrie
... Du bist nicht allein:
Arbeitslose Freundin - fühle mich langsam genervt...
Sie hat massive Probleme mit dem Erwachsenwerden.
Du hast, wie jeder andere auch, Erwartungen und Ansprüche an ein Freundschaft. Und wenn die nicht erfüllt werden sieht es schlecht aus. Sie scheint ihre Situation nicht in den Griff kriegen zu wollen. Das hab ich hier schon öfters geschreiben: wenn derjenige selbst seine Situation nicht verbessern will, hat man von außen keine Chance. (Schließlich schreibst du hier und nicht sie, merkst was ?
) Ich vermute, mit dem Ansprechen wirds nix helfen. Aber einen Versuch ist das wert.
Sie erscheint als Opfer, aber im Grunde verbockt sie sich ihr Leben. Zieh dir bitte den Schuh nicht an:" wenn du eine Freundin bist , dann tu xyz für mich"...
Ich würde mich zurückziehen. Es sei denn, sie bittet dich z.B. darum, sie zu unterstützen, einen geeigneten Therapeuten zu finden, oder wenn sie nach einem Aushilfsjob o.ä fragt. Also Initiativen, die von ihr ausgehen, die ihr Problem angehen.Geändert von Wiesler (01.07.2012 um 11:09 Uhr)
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01.07.2012, 11:03
AW: Finanzielle Asymmetrie
Mein erster Gedanke: Du bist ein Mutterersatz für sie.
Schwer zu sagen, was richtig ist.
Erst einmal würde die Kosten die sie betrifft senken. Keinesfalls Übernachtungen bezahlen. Den Rest mußt Du sehen, was Du Dir leisten kannst.
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01.07.2012, 11:09
AW: Finanzielle Asymmetrie
im sommer könnt ihr euch auf einer parkbank treffen, die zwei getränke mit strohhalm, zwei äpfel und ein taschenmesser kannst du ja mitbringen.

spazierengehen kann man bei wind und wetter.
mache mit ihr hauptsächlich treffen, wie sie arme, kulturinteressierte leute haben.lg
legrain
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01.07.2012, 11:09
AW: Finanzielle Asymmetrie
Sie und Du haben sich einfach auseinander entwickelt,das passiert öfter als der Umkehrschluss und der Pfadfinderschwur der ewigen Freundschaft ist zwar in der Theorie einfach,die Praxis ist dann der Hasenfuß wie Du selber erlebst.Wenn man selber kein Geld hat,dann kann man andere Dinge einbringen z.B. wenn sie nicht telefonieren kann/will dann kann sie einen Brief schreiben.
Im Sinne einer Freundschaft würde ich dringend mit ihr reden und ihr sagen dass die Freundschaft sehr einseitig geworden ist.Die Chance einer Erklärung von ihrer Seite wäre wichtig und wenn Du dann noch Zweifel hast würde ich es beenden.Eine Freundschaft ist wie eine Ehe,da scheitert man doch auch manchmal weil man zu unterschiedlich ist.
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01.07.2012, 11:51Inaktiver User
AW: Finanzielle Asymmetrie
Hallo weihaiwej,
das klingt alles ziemlich traurig.
Ich würde sie ansprechen, ob du ihr in irgendeiner Form helfen kannst.
Auch ich kenne diese Problematik von meinen Kontakten in "beide" Richtungen.
Nachdem ich immer wieder herumlaviert habe, würde ich heutzutage das Thema mal ansprechen, denn ansonsten ist eins sicher: der Kontakt ist beendet.
Du solltest dich erstmal fragen, ob du sie als Person weiterhin schätzt oder ob es eher Mitleid /Gewohnheit o. ä. ist, das Euch diesen Kontakt halten lässt.
Dann muss man ehrlich schauen, wie weit man gehen kann.
Wenn du 4 Wochen im Ausland bist, muss sie doch nicht zwangsläufig kommen? Und selbstverständlich sollte das alles sowieso nicht sein.
Frage sie doch direkt, wovon sie lebt und wie das alles so weitergehen soll. Und wenn, besprecht gemeinsam eine vernünftige Umgehensweise.
Ich habe auch mehrere Bekannte, von denen ich weiß, dass sie finanziell in äußerst engen Situtationen leben. Das muss ich nicht ansprechen, sondern ich schlage Unternehmungen vor, die dem Geldbeutel angemessen sind. Eher keine Shoppingtouren oder Wochenendreisen...
Ich hatte aber auch eine Freundin, die in finanziell sehr gehobenen Verhältnissen lebt, die dafür nach meinem Empfinden wenig Einfühlungsvermögen zeigte, dass manches eben nicht für mich drin war. Diese Freundschaft gibt es nicht mehr.
LG Birke
P.S. Und wer weiß schon, wie das Leben einem selbst noch mal so mitspielt...
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01.07.2012, 13:53
AW: Finanzielle Asymmetrie
Ich würde in der Situation das Problem eher in der Anspruchshaltung sehen als im Geld -- du wirst da in so eine Mama/Sugar Daddy/Versorgerrolle geschoben, die dir nicht paßt und die auch ein starkes, nicht nur finanzielles, Ungleichgewicht in die Beziehung bringt.
Letztlich fordert sie Geschenke. Und Geschenke kann man nicht fordern (außer man ist Dudley Dursley, und der ist ein abschreckendes Beispiel). Aber vielleicht fordert sie Geschenke, weil du ihr nie gesagt hast, daß sie nicht dein letztes Hemd haben kann? Und psychische Labilität wird nicht besser dadurch, daß man in der Perfekte-Mutter-Rolle immer gut Wetter macht und sich selber verleugnet.
Ich würde zuallererst mal überlegen, was bin ich bereit, zu geben, was nicht, auf welchen Füßen möchte ich die Freundschaft stehen haben? Und dann mit der Freundin sprechen und die Beziehungsebene klären.
Bei mir wären die Punkte:
- Es macht mir nichts aus, dich mal einzuladen, aber ich hab auch keine unendlich tiefen Taschen, so sehr ich das bedauere. Laß uns Sachen machen, die wenig kosten.
- Ich heiß nicht Waldi, und ich kann nicht jedesmal andackeln, wenn jemand pfeift. Nicht mal für dich. Wenn du willst, daß ich zurückrufe, frag *mich*, nicht meine Mailbox. Oder wir machen einen festen Termin aus, wo wir klönen.
- Ich weiß, daß Geld bei dir ein Scheiß-Thema ist. Laß uns nicht über Geld reden. Wenn was nicht geht, ob von deiner oder meiner Seite, geht es eben nicht. Wenn was für dich nicht drin ist, sag mir das, damit kann ich umgehen.
- Ich schätze dich sehr und will dich als Freundin. Diese Abhängigkeit, die sich da entwickelt, diese Versorgerbeziehung, schadet uns und unserer Freundschaft.
Je nachdem, was dabei herauskommt würde ich dann weitermachen.
Die finanzielle Seite läßt sich z.B. handhaben, indem ihr Sachen macht, die sie sich leisten kann. Kocht man eben arme-Leute-Essen, geht in den Park und nimmt sich eine Picknickdecke und ein Butterbrot mit, geht auf kostenlose Events. Das hilft ihr, nicht so abhängig zu sein, wie sie ist, wenn sie versucht, deinen Lebensstil mitzuhalten.
Daß sie Hilfe braucht, und daß es keine Sinn hat, Prüfungen abzuwarten die, wie der Horizont, immer in Sicht sind und nie näherkommen, das ist ein ganz anderes Thema, daß ihr hoffentlich angehen könnt, wenn ihr besser wißt, wo ihr steht.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.07.2012, 15:22
AW: Finanzielle Asymmetrie
Du bist bestimmt eine ganz liebe Frau. Hast noch fast ein schlechtes Gewissen, weil du eine Freundschaft nicht laenger finanzieren willst. Ich schuettel dich jetzt mal virtuell und sage :
Du hast genug gegeben. Du bist an der Grenze zum Ausgenutzwerden. Mal aushelfen ist ok, aber deine Freundin nimmt schon zu selbstverstandlich.
Wenn dir ein Gespraech darueber zu unangenehm ist, dann sag, du sparst ab jetzt jeden Cent fuer eine teure Weiterbildung, Auszeit von stressiger Arbeit oder musst Bafog Schuld zurueckzahlen etc. (lass dir was einfallen) und musst dich deshalb ab sofort total einschraenken. Fertig.
Ich persoenlich wuerde ihr direkt sagen, dass ich nichts mehr fuer sie bezahle und mich ueber ihre Selbstverstandlichkeit (Telefon anklingeln - Frech !!!) sehr aergere - auch auf die Gefahr, dass sie beleidigt ist.
Aber ich denke, du bist zu lieb fuer dafuer. Deshalb entzieh dich mit einer kleinen Notluege (s.o.)
Was besseres faellt mir auch nicht ein.
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01.07.2012, 18:05
AW: Finanzielle Asymmetrie
Das war auch mein erster Gedanke... aber manchmal gerät man in solche unglückseligen Bahnen von Geben und Nehmen hinein, weil man selber zu spät merkt, wie sehr einen das nervt. Und der andere kann ja keine Gedanken lesen, schon gar nicht welche, die noch nicht gefaßt sind...
Deswegen würde ich mich an Stelle der TE zumindest fragen: Habe ich klar und verständlich gesagt, was mir nicht paßt und was ich lieber anders hätte? Habe ich der Freundin eine Gelegenheit gegeben, dazu Stellung zu nehmen?
Es mag auch Fälle geben, wo es dem allgemeinen Seelenfrieden zuträglicher ist, sich mit einer Notlüge zu behelfen, aber das bedeutet schon, daß man dem anderen was vorwegnimmt, was er vielleicht selber gegeben hätte, hätte er die Gelegenheit gehabt, und setzt eigentlich das Versorgungsschema der Beziehung (ich zahle für dich oder nicht, ich entscheide, was gut für dich ist oder nicht) fort. Kann man machen, kann sinnvoll sein, aber ... muß nicht.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.07.2012, 18:10Inaktiver User
AW: Finanzielle Asymmetrie
Lügen in Freundschaften? Wozu dann die Freundschaft? Ich stimme Wildwusel zu: überlegen, ob man der Freundin schon Gelegenheit gegeben hat, ihre Haltung zu ändern, ob man ihr schon deutlich gemacht hat, dass man (zumindest jetzt) mit dem Gleichgewicht in der Freundschaft nicht mehr zufrieden ist.
Ich zahle Freunden nichts Größeres, lade aber oft zum Kaffee oder Eis oder anderen Kleinigkeiten ein, wenn man sich trifft. Das gleicht sich aus, wenn man etwa gleich verdient, das gleicht sich eben nicht aus, wenn man ein Gefälle hat. Egal. Für mich zeigt sich der Wert einer Freundschaft ganz anders, was Freunde mir geben können, hat niemals mit Geld zu tun.


Ich habe eine gute Freundin, die ich seit mittlerweile zehn Jahren kenne. Als wir uns beide kennengelernt haben, waren wir Anfang (ich) bzw. Mitte (sie) zwanzig und beide Studentinnen. Heute sind wir entsprechend älter, ich bin im Beruf etabliert (nach dem Diplom erst noch an der Uni, seit mittlerweile 5 Jahren auch außerhalb der Uni in "richtigen" Jobs) -- und sie ist immer noch Studentin. Und zwar tatsächlich Studentin, also nicht am Promovieren o.ä., sondern mit nicht abgeschlossenem Erststudium. Was natürlich auch finanzielle Folgen hat.
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