Einige der Stränge hier in der letzten Zeit haben meine Gedanken einmal mehr auf das Thema gelenkt, wie "erfolgsversprechend" Freundschaften zwischen zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Leben/Lebenskonzepten/Lebenserfahrungen sein können.
Mich erstaunt immer -zumindest schließe ich das aus vielen Beiträgen- wie offen anscheinend viele Menschen für solche Freundschaften sind. Viele haben den Tenor, daß es mit Toleranz und gutem Willen klappen kann, etwas, daß ich nicht unbedingt bestätigen kann.
Das ist bei mir völlig anders, ich hatte und habe ausschließlich Freundschaften zu Frauen, mit denen ich möglichst viele Gemeinsamkeiten, auch im alltäglichen Erleben, habe.
Meine Erfahrung ist (und das beobachte ich IRL eigentlich auch bei anderen), daß sich fast immer das Trennende in den Vordergrund schiebt, wenn z.B. die eine berufstätige Mutter ist, die andere seit vielen Jahren Zuhause. Oder die eine sehr kosmopolitisch um die Weltgeschichtet jettet, die andere selten herauskommt. Die eine arbeitet, die andere längerfristig arbeitslos ist. Die einen Kinder hat, die andere nicht.
Wenn die Lebenserfahrung sowie die aktuelle Lebenssituation/Alltag zu unterschiedlich sind, klappt es mit der Freundschaft irgendwann nicht mehr.
Nur ein Beispiel: Ich z.B. habe bis Mitte 30 über Jahre in Beziehungen gelebt, war aber auch zwischendurch über Jahre Single.
Und merke, daß ich dauerhaft gar nicht gut mit Frauen befreundet sein kann, die z.B. sehr früh dauerhaft in einer Beziehung waren, gleich mit dem Freund zusammengezogen sind, früh geheiratet haben usw. und das Singleleben mit seinen Facetten überhaut nicht kennen. Ich stelle fest, daß diese Frauen so anders denken, einen anderen Blick auf das Leben haben, bestimmte Herausforderungen nicht verstehen, die mit dem auf sich allein gestellt sein einhergehen, und die doch die Persönlichkeit mit formen. Alleine verantwortlich zu sein und keinen Partner zu haben, der einen auffangen kann, emotional aber auch finaziell, z.B. ist eine Erfahrung,die man als Single in den 30ern macht und die ich sehr trennennd empfinde.
Auch wenn sich der Familienstand später ändert, formt diese Erfahrung in eine ganz andere Richtung als das Immer-schon-in-Beziehung-sein.
Ich will nicht beaupten, daß Freundschaften, die sehr auf einen Bereich , den man dann doch gemeinsam hat (Hobby etc) konzentriert sind, nicht existieren können, aber ich spreche jetzt eher von einer klassischen All-Round-Freundschaft, einem Verstehen, einem allgemein Auf-der-gleichen-Wellenlinie-liegen.
Empfindet ihr es wirklich als so einfach oder auch so erstrebenswert, mit Frauen befreundet zu sein, die viele eurer Schlüsselerfahrungen nicht teilen?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 51
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16.06.2012, 06:36Inaktiver User
Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Geändert von Inaktiver User (16.06.2012 um 06:42 Uhr)
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16.06.2012, 10:04
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Ich bin nicht befreundet wegen eines 'Lebensstils'.
Eine gute Freundin vom mir war 5 Jahre mit ihrem Freund zusammen, als ich mit meinem Mann zusammen kam. 5 Jahre später trennten sie sich und ich bekam das erste Kind. Wir sind Freunde seit 18 Jahren.
Eine andere war schon immer Single und hatte auch nie einen Mann - zumindest weiß ich es nicht, und es ist auch irrelevant - wir sind Freunde.
Tatsächlich habe ich im nahen Umfeld nur eine Freundin, deren faktischer Lebensstil: verheiratet, Kind - den meinen gleichen. Allerdings habe ich zwei Kinder - das ist ein gewaltiger Unterschied zu einem. 'Trotzdem' sind wir Freunde.
Lebensstile verändern sich und Menschen auch. Soll ich alle Freunde von der Liste streichen, weil deren Lebensstil anders sind?
Wichtig ist doch, das Herz und die Seele. Das ist erstrebenswert. Ob da der Lebensstil passt ist dann eher unwichtig.
Ich habe auch noch nie wirklich darüber nachgedacht.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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16.06.2012, 10:26Inaktiver User
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
natürlich bringen einen gleiche Lebensumstände zunächst einander näher. Aber was ist, wenn sich die Umstände unterschiedlich entwickeln? Ich lese hier so oft, dass dann darüber nachgedacht wird, die Freundschaft zu beenden, weil es nicht mehr so ist wie früher.
Ich hab da andere Vorstellungen von Freundschaft. Ein Freund/eine Freundin muss für mich die Fähigkeit haben, sich in den/die Andere/n hineinversetzen zu können und sich vorstellen können, wie es sich im Leben der/des Anderen anfühlt. Dann muss man sich auch nicht in den gleichen Lebensumständen befinden um zu ahnen, wie es dem Freund/der Freundin geht.
Wenn man immer nur Freundschaften pflegt, mit Menschen, denen es genauso geht wie einem selbst, die das tun, was man selbst tut, so scheint es mir, als ob man eigentlich nur ein Abbild seiner selbst sucht und sich immer nur in der selben Soße suhlt. Wo bleibt denn da die Inspiration für andere Dinge und andere Denkanstöße?
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16.06.2012, 12:03
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Ich denke schon, dass es eine gemeinsame Basis geben muß. Jeder hat so seine Punkte, die ihm wichtig sind, z.B. Familie, Religion, Umweltschutz, Karriere, whatever. Und man hat bestimmte Charaktereigenschaften, zB. eher chaotisch/kreativ oder ordnungsliebend etc... Daraus ergeben sich Gemeinsamkeiten, d.h. gemeinsame Interessen. Die müssen sich nicht zwangsläufig in ähnlichen Lebensstilen manifestieren. Aber sie haben Einfluß auf die Wahl, wer denn nun Freund wird und wer nicht. Und ich denke im Laufe der Zeit verändern sich die Dinge, die einem wichtig sind. Solange es genügend Gemeinsamkeiten gibt, hat die Freundschaft Bestand.
Eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, trägt aber nicht ewig. Mann kann dann von den alten Zeiten schwärmen. Wenn bestimmte Erfahrungen nicht "gemeinsam" gemacht werden ist der Freund irgendwann außen vor. Diese Erfahrung habe ich gemacht, als ich jobmäßig in eine andere Stadt bin.
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16.06.2012, 20:02
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Ich habe mit Leuten Freundschaft geschlossen, weil wir etwas teilten, normalerweise Interessen, nicht weit voneinander entfernt und einander sympathisch waren.
Und dann sind manche der Freundschaften geblieben, während Boyfriends und Ehemänner kamen und gingen, Kinder kamen und aufwuchsen, die wirtschaftlichen Verhältnisse auseinander- und zusammendrifteten, neuen Hobbies kamen und gingen und auch mal wieder geteilt wurden, man hunderte von Kilometern auseinander wohnte und dann wieder nicht, abeteuerliche Berufswege eingeschlagen und verlassen wurden -- was eben so kommt mit den Jahrzehnten.
Und deswegen weiß ich, daß ich mit jedem befreundet sein kann, mit dem ich etwas teile, mit dem ich regelmäßig Kontakt haben kann, und wo gegenseitige Sympathie besteht.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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16.06.2012, 20:44
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Stark oder mäßig unterschiedliche äußere Lebensumstände sehe ich auch nicht als Hindernis für eine Freundschaft an. Da kann man sich irgendwie immer arrangieren. Natürlich ist der wesentlichste Faktor Sympathie. Für mich spielen Übereinstimmungen bei Hobbies nicht eine wirklich große Rolle, ein gemeinsames Hobby kann natürlich ein zusätzlicher verstärkender Faktor für eine Freundschaft sein.
Für mich heute (bin jetzt 62) viel wichtiger ist jedoch ein ähnlich "gestrickter" Horizont in Fragen der Lebenseinstellung, der Politik, und sogar Religion kann eine Rolle spielen.
Egal wie sympathisch mir jemand sein mag, hätte der zum Beispiel eine überwiegend negative, pessimistische Lebenseinstellung, könnte ich mir eine Freundschaft nicht wirklich vorstellen. Das gleiche gilt für Politik: Wenn jemand Lichtjahre von meiner politischen Einstellung entfernt ist, sehe ich ein - vielleicht nicht ganz unüberwindbares - Hindernis, denn im Alltag einer (Freundschafts)Beziehung ist auch Politik immer mal Thema. Und selbst Religion kann eine freundschaftliche Verbindung verhindern, als Beispiel nehme ich mal jemanden, der extrem religiös ist: Zeugen Jehovas, extreme Moslems, extreme Christen - ja ich weiß, ZJ zählen auch zu den Christen.- Nie rechtfertigen -
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16.06.2012, 21:33Inaktiver User
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16.06.2012, 23:34Inaktiver User
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
ich denke, eine Grundvoraussetzung braucht es in Freundschaften, in denen die Lebensstile recht unterschiedlich sind: nämlich den Wunsch und die Fähigkeit, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich in etwas Unbekanntes hineinzuversetzen. Wenn man Angst davor hat, weil z.B. ein ganz anderer Lebensstil die eigenen Überzeugungen in Frage stellen würde, dann entwickeln sich auch kaum "freundschaftliche Gefühle" zu so jemandem.
Ich persönlich habe in jüngeren Jahren auch die Gemeinsamkeiten bevorzugt, da es einfacher war, man wusste recht schnell, was die andere meinte etc. Ganz abgesehen davon hat diese Spiegelung einem selber Bestätigung gegeben. Je älter ich werde, desto spannender finde ich es, mich auch auf Menschen einzulassen, die gaaanz anders leben oder denken (früher fand ich schon Leute "komisch", die morgens NICHT mit ihren Kindern gefrühstückt haben *g). Was für mich mehr zählt als der Lebensstil, ist der Charakter des anderen, ob jemand ehrlich, loyal, hilfsbereit ist oder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, ob sich jemand wirklich für andere interessiert oder nur ein Publikum braucht etc. Und das alles gibt es sowohl bei Menschen mit dem gleichen Lebensstil wie ich ihn pflege, als auch bei Menschen, die ganz anders leben.
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17.06.2012, 00:22
AW: Unterschiedliche Lebensstile und Freundschaft- Möglich oder Mythos?
Zustimmung mit Einschränkungen.
Über den Tellerrand hinausblicken ist zweifellos eine Erweiterung des eigenen Horizontes. Die Einschränkungen, die ich in meinem Posting weiter oben gemacht habe, sind vielleicht für andere überwindbar, und mit der nötigen Anstrengung wären sie vielleicht auch für mich überwindbar. Allerdings ist da die Hürde des Nichtwollens. Mit Menschen, deren Lebens- und/oder Denkweise ich verabscheue will ich einfach keinen näheren Kontakt.
Insofern ist es wohl bei mir gerade umgekehrt wie bei dir. Früher hätte ich im Fall des Falles versucht, einen Nenner zu finden, hätte mich womöglich sogar "verpflichtet" gefühlt, tiefere Kontakte zu leben, weil ich keinesfalls als intolerant gelten wollte. Nun aber will ich das nicht mehr. Es ist mir shyce-egal, was jemand darüber denkt, ob ich vielleicht "menschlich wertvollen" Zeugen Jehovas Unrecht tue. Und ich stehe heute dazu, dass ich intolerant bin, und zwar nicht nur gegenüber den gesellschaftlich akzeptierten untolerierbaren Dingen und Zuständen, sondern ich entscheide, was und wen ich toleriere.
Es geht mir gut damit, richtig gut.- Nie rechtfertigen -
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17.06.2012, 09:39


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geht mir sehr ähnlich.
