Finde nur ich das, oder sind wir in Sachen Freundschaft besonders streng, wenn es um Mütter geht?
Ich meine damit, wenn es um unsere Freundinnen geht, die Mütter sind?
In meinem Freundeskreis bin ich die einzige Mutter und obwohl ich meiner Meinung nach nie ein extremer Fall von "Ich habe kein anderes Thema mehr als mein Baby/Kind" war und bin, beschleicht mich doch ein ums andere Mal das Gefühl, daß meine Freundinnen kein übergroßes Interesse an diesem Teil meines Lebens haben.
Bis auf eine sehr liebe Freundin wird kaum nach meinem Kind gefragt, wenn ich (beinahe schon ausnahmsweise) etwas erzähle, wird kurz kommentiert aber dann gleich wieder das Thema gewechselt. So kommt es mir zumindest vor.
Bin ich mit einer Freundin am Telefon, meine ich manchmal, das Augenrollen am anderen Ende der Leitung förmlich zu "hören", wenn ich während eines Telefonates 'mal kurz mein Kind bitte, nicht die Katze am Schwanz zu ziehen oder den Schrank auszuräumen.
Sicherlich sind unsere Telefonate nicht mehr so ungestört wie früher, sicher bin ich nicht mehr so flexibel für Treffen, sicher beschäftigen mich manchmal Dinge, die vielleicht für meine Freundinnen nicht wirklich abendfüllend oder spannend sind, aber ...
Macht es nicht gerade eine Freundschaft aus, daß ich auch Themen, die mich nicht vom Hocker hauen, als Teil des Menschen sehe, den ich meine Freundin nenne?
Immer vorausgesetzt natürlich, daß diese Themen (wie umgekehrt auch das Thema "Mein Leben mit Kind") im Rahmen bleiben und sich keiner der beiden als seelischer "Mülleimer" misbraucht sieht.
Umgekehrt kann ich nur sagen, daß ich auch bei der Freundin zuhöre und Fragen stelle, die ein Hobby hat, mit dem ich absolut nichts anfangen kann bzw., das mich eigentlich wirklich langweilt. Oder mich mit einer anderen über den potentiellen neuen Mann in ihrem Leben unterhalten kann, obwohl sich die Beziehungsanbahnung bereits über Monate/Jahre hinzieht und eigentlich wenig Fortschritt zu sehen ist. Also auch nicht gerade das, was ich spannend nennen würde...
Ich muß gestehen, daß ich früher selbst extrem kritisch mit den wenigen Müttern umgegangen bin, die ich kannte. Auch ich habe ihr Sprechen(wollen) über ihr Kind, ihr neues Leben etc als besonders nervig empfunden obwohl ich mit anderen Freundinnen und ihren (manchmal objektiv gesehen auch langweiligen) Themen keine Probleme hatte.
Woher kommt es, daß gerade diese Situation in Freundschaften oft so schwierig wahrgenommen wird und sich plötzlich Trennendes in den Vordergrund schiebt, obwohl wir es bei anderen Dingen auch schaffen, Unterschiedlichkeiten zu akzeptieren?
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21.12.2011, 14:33Inaktiver User
Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
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21.12.2011, 15:19
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Leider kann ich das als Part ohne Kind sehr gut nachvollziehen.
Es nervt einfach extrem, wenn man miteinander telefoniert und dann stets "Unterbrechungen" kommen, weil das Kind weint, nörgelt, anderen Krach macht usw.
Man hat auf die Dauer einfach keine Lust mehr, dann überhaupt anzurufen, weil man NIE ungestört reden kann.
Bei einer Freundin ohne Kind ist das aber auch so, die redet dann zwischen dem Gespräch mal mit ihrem Mann, er redet mit ihr und dann telefoniert sie weiter mit mir. Da rolle ich auch manchmal mit den Augen.
Ich glaub es geht weniger um das Kind an sich, als um die Störungen bei Telefonaten, die dabei entstehen.
Und da ist es egal, wer stört, ob nun das Kind, der Mann, der Hund.
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21.12.2011, 16:03
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Fokus. Für Mütter sind die Kinder ganz wesentlich, ein Großteil ihres Lebens, und die nicht-Mütter können da nichts zu beisteuern, oder höchstens Schwänke aus ihrer eigenen Kindheit. Man sieht so was ähnliches, wenn die Männers alle ihre Memoiren vom Bund austauschen und frau dazwischensitzt und sich denkt, "Ich war mal bei den Pfadfindern..." oder, klassisch, der Pfeiffer mit 3 Eff in der Feuerzangenbowle, der nie zur Schule gegangen ist. Das ist eine Stufe über "mir ist langweilig", das ist eine große geprächliche Leere. Selbst die nicht-gelangweilte, die sich das gerne anhört, tut das ohne etwas beitragen zu können.
Um das zu überbrücken, müssen die Freundinnen entweder in eine sehr passive Gesprächsposition gehen und sich damit abfinden, nichts beitragen zu können, oder die Mutter muß drei Viertel ihres Lebens außenvorlassen. Oder irgendetwas in der Mitte.
Es hilft, wenn man viele intensive gemeinsame Interessen hat. Es hilft besonders, wenn eines dieser Interessen Entwicklungspädagogik ist ;-)
Dazu kommt noch, daß Mütter zeitlich oft weniger flexibel sind oder als weniger flexibel wahrgenommen werden (alle können tagsüber nicht, das fällt nie auf -- die Mutter kann abends nicht, daß merkt jede), und somit die Zeit, die man zusammen hat, ungeduldiger wahrgenommen wird.
Ist also schwierig und erfordert schon einiges an gutem Willen, Einsatz und Selbstdisziplin auf allen Seiten...
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21.12.2011, 16:46Inaktiver User
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Naja, ich (keine Kinder) kann das teilweise bestätigen. Ich kenne auch Frauen, die können abendfüllend nur über Kerle und ihre Dates berichten ;-), das kann auf Dauer auch gähnend langweilig werden. Ich denke, das Maß macht es. Ich erzähle auch nicht stundenlang nur über meinen Job, wenn ich mit Freundinnen zusammenhocke, da kommen viele Themen auf den Tisch :-).....ich kenne also auch Frauen, die Mütter sind, sich aber eben auch für viele andere Dinge interessieren, das ist spannend und schön. Genauso interessiert mich ihr Leben mit ihren Kindern natürlich auch, nur nicht stundenlang. Das macht es doch aus, oder?
Mit der Tochter einer guten Freundin habe ich eine tolle Beziehung, unternehme gerne was mit ihr und hab mich früher gerne als Babysitter angeboten. ABER das Kind stand nie immer und ständig im Mittelpunkt in unserer Freundschaft.
ALLERDINGS habe ich auch ein gruseliges Beispiel beizusteuern: Ich hatte Anfang des Jahres ein Treffen mit drei alten Schulfreundinnen (alle drei Mütter von Kindern im Alter von 4-15 Jahren)....ich glaube, ich hatte noch nie im Leben einen so langweiligen Abend. Es gab 3,5 std. wirklich kein anderes Thema als Kinder, Kinder, Kinder
Wenn ich es "gewagt" habe mal ein anderes Thema einzuwerfen, gab es sofort einen Schwenker à la ach ja meine Tochter, mein Sohnemann.....diese alten Schulfreundinnen schienen in ihrem Leben nichts anderes mehr zu erleben als ihre Kids.....da war nichts, kein tolles Konzert, Theaterbesuch, Party oder interessante Menschen, die man mal kennengelernt hat oder irgend etwas, was man erlebt hätte und einen begeistert hat..... Fand ich recht traurig und aus meiner Sicht bedauernswert...es gibt doch sovieles im Leben. Ich bin dann zu den Nachfolgetreffen nicht mehr hingefahren, habs den Mädels jedoch auch ehrlich gesagt, dass mich Kindererziehung eben nur in Maßen interessiert
Und habe zum Glück Mütter in meinem Freundeskreis, die das genauso sehen :-)
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21.12.2011, 16:56Inaktiver User
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Ich fühle mich gerade angesprochen...
Ist schon lange her, meine erste Tochter war geboren. Eine Freundin aus Studientagen, überzeugte und engagierte Lehrerin und genau so überzeugte Single und Nicht-Mutter, besuchte mich ab und zu (also keine gestörten Telefonate, zumal meine Tochter extrem lieb und ruhig und pflegeleicht war). Ich hatte schon eine Art vorauseilender Hemmung, überhaupt mal was vom Thema Kind zu erzählen. Weil diese Freundin ihre Gesichtszüge kaum unter Kontrolle brachte, wenn ich mal was erzählte. Wenn sie sich aber in erhöhter Lautstärke sehr lange und ausführlich über die ignoranten Kollegen, die dummen SchülerInnen und die renitenten Eltern ausließ, dann hörte ich zu. Und so langsam kühlte diese Freundschaft ab. Und als ich merkte, dass sie nur Interesse an ihren Problemen wünschte und sich im Gegenzug kaum bis gar nicht für meine Situation interessierte, ist diese Freundschaft dann auch beendet worden.
Also gibts das auf beiden Seiten. Nur vielleicht ist das Klischee der Mütter, die kein anderes Thema kennen, so prägnant und bekannt, dass es dann auch Mütter gibt, die sich schon extra zurückhalten um nur nicht als Muttertier oder Glucke zu erscheinen...
Wenn ich mit neuen Freundinnen zusammen war, die auch Mütter waren, redeten wir viel über Kinder und Co, aber genau so auch viel über anderes. War irgendwie entspannter und keine fühlte sich bemüßigt, eine Art Rolle zu spielen...
Jetzt höre und lese ich manchmal etwas ratlos über die Begeisterung von Omas. Und bin insgeheim froh, dass ich (noch) keine bin...
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21.12.2011, 17:17
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Ich (Nichtmutter und Single) habe kein Problem mit meinem Freundinnen mit Kind, was die Themen betrifft, da hält sich bei allen vernünftige die Waage. Natürlich sind die Kinder ein Thema, aber nur in einem Maße, dass mich noch interessiert - auch weil ich mir bisher nie anhören musst, "dass verstehst du nicht".
Aber was ich bestätigen kann, es nervt ungemein, wenn die Telefonate ständig durch die Kinder gestört werden. Ich habe mir dann irgendwann ausgebeten, dass sie mich anruft, wenn sie Ruhe hat und entweder der Vater bei den Kindern ist oder die Kinder schlafen. Es hat uns auch jedesmal völlig aus dem Konzept gebracht.
Aber ich hatte Glück, ich habe offenbar keine Freunde, die nur um ein einziges Thema kreisen (egal welches), sondern wir interessieren uns gegenseitig für unser Leben - wenn ich auch definitv Dinge über Geburten und Babykacke weiß, die ich nicht unbedingt hätte wissen müssen, aber auch das erweitert meinen Horizont.
Die einzige Freundin, die die Auswahl nicht auf Dauer überstanden hat, ist die die ausschließlich von ihrer Katze und ihren Fischen erzählen konnte ....Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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21.12.2011, 18:16
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Das kann ich voll und ganz bestätigen!
Mich interessieren Kindergeschichten durchaus, wenn sie eben ein Thema neben anderen sind und wenn ich zumindest etwas dazu sagen darf. Ich meine nicht Ratschläge oder gar Kritik, sondern einfach eine Meinung haben. Komischerweise wird das anderen Müttern nämlich problemlos zugestanden, egal wie abstrus die Meinung auch sein mag. Als Nicht-Mutter darf man aber oft überhaupt nichts zum Thema beitragen, soll aber gerne und aufmerksam zuhören.
Und das nicht explizit nach den Kindern gefragt wird... Naja, ich frage normalerweise auch nicht explizit nach Hund, Goldfisch, Mann oder Schwiegermutter, es sei denn, da war irgendwas, was eine Nachfrage zumindest höflich erscheinen lässt. Ein Nicht-Nachfragen bedeutet nicht zwangsläufig Desinteresse, sondern ich gehe davon aus, dass meine Freundinnen mir alles erzählen, was in ihrem Leben gerade wichtig ist. Ob das der erste Wackelzahn des Sohns ist oder Stress mit dem Kollegen, das gehört alles dazu. Nur wenn ein Thema auf lange Sicht deutlich Überhand nimmt und ich dazu nichts beitragen kann oder will oder darf, fange ich an, mich zu langweilen und genervt zu sein.
Eine gewisse gemeinsame Basis sollte einfach vorhanden sein. Und normalerweise haben Mütter ja auch andere Mütter aus Krabbelgruppe, Kindergarten, Schule, mit denen sie die Kinderthemen bequatschen können. Meine Freundinnen sind meist ganz froh, auch mal wieder über andere Themen reden zu können.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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21.12.2011, 19:14Inaktiver User
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Ich denke auch, das Maß macht es.
Kinder beschäftigen eben.
Aber Frauen, die (leider zu 80 Prozent) direkt nach der Geburt zu Müttertieren werden, sich die Haare auf Topfschnitt abschneiden, nur noch in Schlabberklamotten rumlaufen und NUR noch vom richtigen Stillen reden ... da hab ich nix mehr gemeinsam. Ganz ehrlich.
Ich frage mich auch, warum es um alles in der Welt nicht möglich sein soll, mit Papi anwesend (!) ein normales Gespräch am Telefon zu führen. Ist es nicht.
Ich biete sogar Babysitting an, organsiere auch mal eine Baby-Shower, und ich mag Kinder sogar sehr gerne. Ich höre mir auch die Freuden und Sorgen an, weil es mich auch interessiert.
Aber manche Mütter bekommen leider den Anspruch, als ob ihre Probleme die alles entscheidenden wären.
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21.12.2011, 19:27Inaktiver User
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21.12.2011, 20:12Inaktiver User
AW: Warum sind Mütter die nervigeren Freundinnen?
Ja, so kenne ich das eigentlich auch. Wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe erzählt jede, was gerade so anliegt, ob das nun das Kind betrifft oder irgendwelche anderen Lebensbereiche. Nachfragen tue ich in der Regel nur, wenn ich weiß, dass da irgendwas besonderes war.
Was ich als Kinderlose bei Gesprächen über Kinder manchmal schwierig finde ist, dass man entweder nur still zuhören kann oder eigentlich ständig irgendwelchen Fettnäpchen ausweicht. Eine Freundin war z.B. mal sehr pikiert, als ich sie fragte, ob ihre Tochter schon alle Zähne hat (was beim gleichaltrigen Sohn von Freunden der Fall war - der war wohl ungewöhnlich weit entwickelt). Wir sind aber zum Glücl trotzdem noch befreundet - sie hat es mir nicht nachgetragen.
Bei Freundinnen wo es nach dem Mutterwerden nicht mehr so gut geklappt hat hatte ich ehrlich gesagt eher das Gefühl, dass von ihrer Seite das Interesse an der Freundschaft mit Nicht-Müttern nicht mehr so groß war, nicht umgekehrt.


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