Hallo, mich packt heute Abend ein akuter Frustanfall. Ich habe bald Geburtstag (werde Anfang nächsten Jahres 40) und habe gerade die Gästeliste erstellt. Und da fällt mir auf, dass niemand dabei ist, mit dem ich ein wirklich enges Verhältnis pflege. Darunter würde ich verstehen, dass man regelmäßig (einmal pro Woche oder so) telefoniert oder mailt und sich natürlich auch in mehr oder weniger größeren Abständen - aber nicht nur dreimal im Jahr - trifft. Ich habe mir immer so etwas wie eine "beste Freundin" gewünscht, eine Beziehung, die ich nicht ständig hinterfragen muss, sondern die einfach da ist, in der man sich gegenseitig sein Herz ausschüttet und am Leben der anderen teilnimmt.
Wie ist das bei euch? Habt ihr so eine Freundin? Wie könnte ich eine finden oder die Beziehung zu bestehenden Freundinnen vertiefen?
Mache ich etwas falsch? An irgendeinem Punkt stockt es bei meinen Freundschaften immer oder wird kompliziert. Das heißt, es läuft einfach nicht selbstverständlich, sondern man muss alles erklären, entschuldigen, es gibt Missverständnisse und Verstimmungen usw.
Zu mir muss ich noch sagen, dass ich glücklich verheiratet und auch glückliche Mutter bin. Im engsten privaten Umfeld stimmt es also.
Danke schon mal für eure Tipps,
Hendrika
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 29
-
07.12.2010, 22:51
Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
-
07.12.2010, 22:56
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
nun ja ... eine beste freundin zu haben geht nur dann, wenn man selbst ebenfalls eine beste freundin ist, glaube ich. und das bedeutet für beide freundinnen dran-arbeiten.
und extrem seltsam finde ich immer diese gesuche "beste freundin gesucht". man kann eine beste freundin nicht als fremde kennenlernen; man kann erst nach einer manchmal lange zeit erkennen, erfühlen, dass jemand zur besten freundin geworden ist durch das gemeinsam erlebte.
-
07.12.2010, 23:02Inaktiver User
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
ich habe einige wenige gute Freundinnen - teilweise sind das auch Freundschaften "von Paar zu Paar".
aber zum wöchentlichen Telefonieren oder häufigen Treffen fehlt mir schlicht und einfach die Zeit - wenn das jemand erwartet, kann sie nicht meine Freundin sein. Dass ich für sie da bin, "wenn Not ist", ist etwas anderes.
jetzt wo die Kinder groß sind pflege ich die Freundschaften wieder bewusster und regelmäßiger - und den Freundinnen geht es ähnlich. Aber in der Rush-Hour des Lebens, mit doppelter Berufstätigkeit und Kleinkindern - da ging es nur sporadisch. Die Freundschaften haben das aber meist überlebt.
-
07.12.2010, 23:10Inaktiver User
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Ich bin über 50 und habe aus meiner Sicht eine beste Freundin noch aus Studentenzeiten. Wir telefonieren jede Woche, sehen uns aber auch nur alle paar Monate, weil wir seit 20 Jahren in verschiedenen Städten leben. Daneben habe ich noch so einen besten Freund seit 35 Jahren, mit dem es ebenso ist
Und dann habe ich sozusagen Themenfreundinnen, die wie Lebensabschnittsfreundinnen da sind. Eine innige und auch gute Bekanntschaft ist da - und dann passiert etwas in einem unserer Leben und die Beziehung wird durch diesen Auslöser inniger, reduziert sich dann aber auch wieder.
Basis für alle Arten der Freundschaft ist für mich, die/den anderen unbedingt so zu nehmen und zu lassen, wie er/sie ist. Es gibt von keiner Seite ungefragte Verbesserungs- oder Veränderungsvorschläge und -ansinnen. Wir respektieren Schweigen und wissen, dass wir füreinander da sind. Wir warten ab, bis der/die andere das Thema eröffnet und kümmern/interessieren uns dann, gehen dann auch kritisch damit um.
Die Beiden begleiten mich - und ich sie - seit weit über 30 Jahren in Höhen und Tiefen, aber wir sind nicht ständig zusammen, nicht mal an Geburtstagen. Aber es gibt dafür keine Erklärungen. Es ist eben so - ganz einfach, aber "nur " mit 2 Menschen aus über 50 Jahren Leben.
-
08.12.2010, 09:10
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Hallo Hendrika,
meine beste Freundin kenne ich noch aus Schulzeiten. Sie wohnt inzwischen zweihundert Kilometer entfernt, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Zwischenzeitlich hab ich mal im Ausland gelebt, wir hatten auch mal Zeiten der Funkstille. Aber die Freundschaft hat das alles überlebt. Und es ist toll, jemanden zu haben, mit dem man so viele gemeinsame Erinnerungen hat (wir waren schon auf derselben Grundschule, allerdings in verschiedenen Klassen, haben uns aber erst in der Oberstufe eng angefreundet).
Eine weitere sehr enge Freundin lebt ca. 1000 Kilometer entfernt. Wir kennen uns aus meiner Auslandszeit. Und die Freundschaft hat auch überlebt.
Beide Freundinnen sehe ich oft nur einmal im Jahr. Aber wir stehen in regelmäßigem Kontakt per Mail und Telefon und nehmen am Leben des anderen rege Anteil.
In meiner unmittelbaren Nähe habe ich seit Jahren keine so richtig enge Freundschaft mehr geschlossen. Da wechseln die Freundinnen öfter mal, und es bleibt auch oberflächlicher. Aber ich glaube, das ist auch normal. Ab einem bestimmten Alter verschieben sich die Bezugspersonen. Wenn man dann die beste Freundin nicht schon hat, wird es schwer, sie noch zu finden. Enge Freundschaften entstehen ja oft in Single-Zeiten, wo man viel Zeit hat und jemanden braucht, mit dem man sich über alles austauschen kann. Diesen Part übernimmt später dann meist der Partner. Zudem fehlt auch zunehmend die Zeit, wenn man mit Familie und Job eingespannt ist. Und gerade enge Freundschaften brauchen in der Entstehungsphase viel Zeit, die man miteinander verbringt. Später, wenn das Fundament gefestigt ist, reicht auch ein sporadischer Kontakt aus, um die Freundschaft aufrecht zu erhalten. Man kennt sich dann einfach schon sehr gut.
Beste Freundin ist m.E. eher ein Phänomen der Schul- und Studienzeit. Wenn man solche Freundschaften bewahren kann, dann bleibt die beste Freundin erhalten. Dass ich heute noch mal eine solche beste Freundin kennelerne, glaube ich eher nicht.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
08.12.2010, 09:49Inaktiver User
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Das sehe ich nicht so.
Ich habe 2 besonders innige Freundschaften: 1 zu einer Freundin aus Studientagen, seit 28 Jahren schon. Sie wohnt 600 km entfernt, wir sehen uns ca. 2x/Jahr und telefonieren - zeit bedingt - ca. 1x im Monat (plus mails dann und wann). Das tut der Tiefe der Freundschaft aber keinen Abbruch.
Meine andere enge Freundin habe ich vor ca. 10 Jahren kennen gelernt. Pikanterweise war sie die "Affaire/Zweitfreundin" meines Freundes/Partners ... Wir haben uns zur Aussprache getroffen, beide mit ihm Schluß gemacht + sind seitdem enge Freundinnen. Zeitbedingt treffe ich sie aber auch nur noch alle 3-4 Wochen, plus wöchentliche Telefonate.
Wenn man in einer guten Partnerschaft lebt, denke ich, daß es schwer ist, so innige Freundschaften neu aufzubauen .... Diese Innigkeit lebt man eben mit dem Partner, der Bedarf ist eben garnicht so da, jemand anders ständig das Herz auszuschütten.Geändert von Inaktiver User (08.12.2010 um 09:52 Uhr)
-
08.12.2010, 10:02
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Hallo Lorelei,
1 spricht ja für meine These.
Und 2 ist eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt
.
Ich glaube auch nicht, dass es unmöglich ist, auch im fortgeschrittenen Alter noch solche engen Freundschaften zu schließen. Nur nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür ab, weil eben viele Frauen gerade in den mittleren Jahren eher in Richtung Partner und Familie orientiert sind.
Und ich stelle auch fest, dass sich mit zunehmendem Alter auch die Lebensmodelle immer weiter differenzieren: Single, mit Partner, mit Familie, berufstätig (Vollzeit oder Teilzeit, angestellt oder selbstständig) oder Hausfrau, unterschiedliche finanzielle Verhältnisse, etc. Es kann auch bei unterschiedlichen Lebensmodellen gelingen, sich anzufreunden, ist aber nach meiner Erfahrung schwieriger, als zu Schul- oder Studienzeiten, wo mehr oder minder alle ein ähnliches Modell gelebt haben. Da ist die Auswahl an potenziellen besten Freundinnen einfach noch größer, während es später eher ein Glückstreffer ist.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
08.12.2010, 10:21
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Die Freundin, die ich momentan als beste Freundin bezeichnen würde, lebt auch einige hundert Kilometer von mir entfernt. Wir sehen uns leider nur 1 - 2x im Jahr, aber wie auch einige, die hier schon schrieben, würde ich auch sagen, dass das der Tiefe der Freundschaft keinen Abbruch tut. Wir schreiben uns, wir telefonieren und wir sind immer füreinander da. Ich habe auch gute Freundinnen hier vor Ort, die ich regelmässiger sehe, die ich auch mag, aber da ist die Freundschaft trotzdem weniger innig. Ich finde also, man muss sich gar nicht häufig persönlich sehen, um eine tiefe Freundschaft zu haben (obwohl es natürlich schöner wäre).
Ich hatte auch bisher zum Glück keine Probleme, neue Freunde zu finden, aber es stimmt schon - die Leute sind dann mehr und mehr eingebunden in Beruf und Familie und es ist nicht mehr so wie in Studententagen. Meine Mutter hat das auch sehr stark bemerkt, da kamen noch häufige Umzüge erschwerend hinzu. Sie hat schon lange niemanden, den sie als Freundin bezeichnen würde, weil die Frauen ihres Alters entweder schon in einem festen Freundeskreis sind oder sich mehr auf die Familie konzentrieren. Sie hat mehrere Bekannte, aber sie meinte schon, dass es ihr manchmal fehlt, eine richtig gute Freundin zu haben.
-
08.12.2010, 10:45Inaktiver User
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
hallo Hendrika. Das meiste wurde ja schon gesagt, ist vielleicht eher ein Phänomen der Jugendzeit, die dann eben manchmal die Jahre überdauert. Oder eben auch nicht. Mit meiner besten Freundin aus der Zeit um die 20 kann ich jetzt nicht mehr so viel anfangen. Wir sind noch befreundet, aber haben uns einfach voneinander entwickelt. Ich zähle sie (trotzdem) als gute, alte Freundin.
Was ich noch anmerken möchte: ist denn unter denen, die du auf der Gästeliste hast und mit der du zumindest recht gut befreundet bist, eine, die vielleicht noch zur besten Freundin werden könnte?
Lizzie, danke! Ich bin noch nicht lange dabei, aber über diese Anfragen stolpere ich immer wieder. Ich bin absolut deiner Meinung, beste Freundschaft WÄCHST. Eine beste Freundin zu suchen hat einen viel zu verlangenden, einengenden Charakter, da werden schon von vorneherein viel zu viele Erwartungen hineingesetzt. Ich finde, das schreckt eher ab. Aber ich kann natürlich verstehen, dass jemand sich nach einer besten Freundin sehnt und sie auf diese Weise sucht ...

suzie wong
-
08.12.2010, 11:10
AW: Gibt es eigentlich die "beste Freundin"?
Ich habe drei "beste Freundinnen", die eine kenne ich aus meiner Jugendzeit. Ich hatte keine schöne Jugend, musste viel in der Landwirtschaft helfen. Ich kannte sie aus der Schule, wir saßen nebeneinander. Sie kam dann einfach in den Sommerferien, ohne dass ich je was gesagt hätte,damit ich nicht alleine arbeiten musste. Das fand ich einfach unglaublich.
Auch später hat sie mir oft geholfen, ich ihr natürlich auch. heute wohnen wir weit auseinander und telefonieren, sehen unds einmal im Jahr :-(
Aus meiner Zeit auf dem Dorf kommt meine zweite gute Freundin. Uns hat der Frust auf unsere Kerle verbunden und unser gemeinsames Hobby Gartenbau. Wir sehen uns heute auch selten,telefonieren gelegentlich und treffen uns einmal im Jahr gemeinsam mit einer weiteren Freundin oder zu einer Pflanzenbörse
uns verbindet nochwas, wir können zusammen schweigen
Auch wenn ich diese beiden lange nicht sehe, kommt keine Fremdheit auf.
Hier in meiner neuen Heimat habe ich die Dritte kennengelernt. Wie andere schon geschrieben haben, habe ich sie in Single-Zeiten kennengelernt. jetzt sind wir beide verpartnert. Glücklicherweise mögen sich die Partner auch, sodass wir gelegentlich was gemeindsam machen. sonst telefoniere ich regelmäßig mit ihr und wir machen viel gemeinsam.
Seit ich wieder einen Partner habe, merke ich, dass es schwieriger ist, Kontakte zu intensivieren. Ich habe einfach weniger Zeit, ich will zeit mit meinem Partner verbringen, die bestehenden Kontakte pflegen, ich bin schon auf nettekontakt-Angebote nicht eingegangen, weil mir einfach die zeit gefehlt hat.



Zitieren
