Liebe Marylin
Mir ist nicht ganz klar, was dich momentan so zerreisst, wie du deine Handlungsoptionen siehst. Du hast ihr ehrlich gesagt, was du zu der Situation denkst. Was willst du noch tun? Was ist das Problem, welches an dir nagt?
Ich frage, weil ich gerade beim Schreiben gemerkt habe, dass da für mich eine Unschärfe drin steckt - du schreibst über dein Gefühl der Zerissenheit und ich habe das Gefühl, wenn ich über die Situation deiner Freundin nachdenke, dein Unbehagen nicht ganz zu erfassen.
Viele Grüsse
annapaulemax
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Ergebnis 11 bis 20 von 32
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13.02.2009, 11:33
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
The aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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13.02.2009, 12:15Inaktiver User
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Hallo, annapaulemax
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Ich habe einfach die Befürchtung, dass meine Freundin eine übereilte Entscheidung trifft, die nach meiner Erfahrung nach falsch sein kann. ich weiß, das liegt in ihrer Verantwortung, aber trotzdem.... Zum anderen fühle ich mich in der Rolle als Mitwisserin ein wenig unwohl, solange ihr Mann nicht auch etwas von ihrer Affäre/Zweitbeziehung/Verliebtheit weiß. Ich habe mich das letzte Mal in ihrem Haus auch daher sehr unwohl gefühlt und wir haben nicht wie sonst Silvester zusammen gefeiert, weil ich aufgrund meines Mehrwissens den Umgang mit ihrem Mann, den ich auch sehr mag, sehr schwierig fand. Und meine Meinung eben dazu ja ist, dass er es eigentlich wissen sollte. Natürlich werde ich es ihm nicht sagen, das ist nicht meine Aufgabe, aber das macht die Situation für mich schwerer, als wenn das bereits geklärt wäre.
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13.02.2009, 12:49
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Liebe Marylin

Ok, jetzt verstehe ich besser. Beide Punkte sind für mich vollkommen nachvollziehbar. Es ist immer schwierig, wenn man daneben steht und zusehen muss wie jemand, den man sehr gerne mag, in die für einen selber falsche Richtung rennt. Ich kenne das sehr gut von der Scheidung meiner besten Freundin (und dem, wie sie sich danach ihrem Mann gegenüber benommen hat...).
Hast du denn das Gefühl, du könntest sie von etwas abhalten, wenn du nur die richtigen Worte findest? Hast du einen solchen Einfluss auf sie? Gibt es ja manchmal...
Was das Unwohlsein gegenüber dem Mann angeht - auch das kann ich sehr gut nachvollziehen. Versteht sie dich? Wollte sie denn, dass ihr zu Sylvester kommt?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob es völlig ausgeschlossen ist, dass du ihm die Wahrheit sagst - natürlich nur, wenn du ihr dies vorher angekündigt hast. Vielleicht würdest du ihr etwas abnehmen, was sie einfach nicht kann. Aber genau so wenig sehe ich einen Zwang dazu. Ich habe mich in einem nicht ganz vergleichbaren Fall dagegen entschieden - da hat mir eine Freundin von einer schon beendeten Affäre erzählt. Auch da war ich der Meinung, sie sollte es ihrem Mann erzählen, hat sie aber nie. (Es kam dann irgendwann trotzdem heraus. Die beide sind heute, allerdings nicht deswegen, geschieden. Sie hat bis heute nicht gestanden, dass es sich um eine lange Affäre gehandelt hat, nicht nur einen ONS...)
Es klingt tatsächlich so, als würde ihr diese neue Verliebtheit zur Flucht vor ihren Problemen dienen - was sagt sie denn, wenn du ihr deinen Eindruck so schilderst?
Worauf ich mit meinen Fragen hinauswill: wieviele Möglichkeiten, die Situation zu verändern, hast du im Moment wirklich?
Liebe Grüsse
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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13.02.2009, 12:53Inaktiver User
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
ich sehe es wie annapaulemax, es ist nicht klar, dass Du es ihm nicht sagen kannst. Vielleicht solltest Du es sogar.
wenn ich den Mann auch kennen würde (und das scheinst Du ja zu tun), könnte ich mir selbst wohl nicht treu sein und mich nicht mehr im Spiegel anschauen, wenn ich Mitwisserin bin und er es auf Dauer nicht weiß.
Aber dazu gibt es verschiedene Ansichten, schon klar.
Gruß, Leonie
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13.02.2009, 13:02Inaktiver User
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
@ leonie
Ich kenne ihn nur über sie. Wir sind also nicht im eigentlichen Sinne befreundet, ich mag ihn, aber die Freundschaft besteht letztendlich zwischen ihr und mir. Eigentlich gilt meine Loyalität ihr, aber ich finde ihre Handlungsweise eben nicht richtig...
@ annapaulemax
Sie war ganz überrascht, dass ich zu Silvester nicht kommen wollte und hat das gar nicht so recht nachvollziehen können. Ich denke, sehr viel Einflussmöglichkeiten habe ich nicht, wir wohnen ja auch mehrere hundert Kilometer auseinander. Dass das ganze eine Flucht ist, dass sie projiziert und dass vieles von dem, was sie belastet in der jetzigen Beziehung auch in ihrer Mitverantwortung steht, weiß sie vom Kopf her auch. Aber hach ja, diese Verliebtheitsgefühle, das ist eben so schön und stark, ich erkenne da meine eigene Situation auch wieder. Was in ihrer Beziehung so schief gelaufen ist, weiß sie ja eigentlich auch und das ist grundsätzlich nichts, was sich nicht auch ändern ließe, aber ich denke, zurzeit ist sie der Meinung, die Gefühle sind weg und deswegen lässt sich das eh alles nicht mehr retten. Und natürlich ist die Sache mit den durch die Verliebtheit und Belastung in der Beziehung verdeckten Liebesgefühlen was vollkommen anderes als bei mir.
Aber vielleicht sind sie ja auch wirklich weg, ich steck in ihr ja nicht drin.
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13.02.2009, 14:31Inaktiver User
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Ich sehe es von einer ein bißchen anderen Seite - mein Mann war stationär (Depri und Burnout) in der Klinik, 3 Monate, auch fast alle Wochenenden zuhause.
Ich denke, eine gewisse Nähe zwischen den Patienten kann gar nicht umgangen werden, da eben - wie schon erwähnt - sovieles gemeinsam durchgestanden werden muß. Ich glaube auch, daß die "Gruppe" sehr viel hilft, und andererseits natürlich auch umgekehrt wieder Situationen schafft, die in der Therapie wichtig sind. So weit wunderbar ...
Ich versetze mich jetzt (ungefragt, aber vielleicht hilft es ein wenig) in den Mann Deiner Freundin ... er hat ja im Vorfeld mit seiner Frau sicher auch sehr, sehr schwierige Zeiten durchlebt. Depression ist ja irgendwie eine "Familienkrankheit".
Vermutlich hat er gehofft, nach dem Zurückkommen seiner Frau ein wenig "aufatmen" zu können, und sich wieder auf sich selbst konzentrieren zu dürfen. Angehörige kommen da ja recht schnell unter die Räder, eben weil sie lieben und helfen wollen. Es wird für ihn eine furchtbare Enttäuschung werden - oder aber er hat eh schon resigniert, ist beides möglich.
Ich finde es in diesem Zusammenhang eigentlich schon sehr, sehr wichtig, daß ihr Mann doch irgendwie von der Situation erfährt. Daß "Gefühle weg sind" - nun ja, ist ja auch ein Teil der Krankheit, aber nun gibt es einen anderen Grund, ich meine, grad jetzt ist es sehr unfair und diese Situation wird auch ihr nicht grad helfen.
Da möchte ich den Bogen schlagen: Daß es auch ihr nicht sehr viel helfen wird - weil sie ja nicht wirklich in der Realität ankommt - wenn sie schweigt.
Ich stelle da auch irgendwie den Therapieerfolg ein klein wenig in Frage: Zu den alten Baustellen hat sie eine neue - das ist so wie ein Zug, an den man immer mehr Waggons anhängt.
Oder ein anderes Bild: Eine neue Decke, die man über das verdreckte Sofa mit seinen schon drauf liegenden "Verhülldecken" legt.
etwas ratlos (und somit überhaupt nicht hilfreich),
Morningstar
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13.02.2009, 20:08
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Liebe Marylin
Unter Umständen liege ich ja ganz falsch, aber...- hast du deiner Freundin wirklich eindeutig deine Sorgen, Zweifel und Gefühle erzählt? So, wie uns hier?
Falls nein: Vielleicht kannst du deiner Freundin sogar helfen, wenn du ihr ganz klar machst, wie sehr du Probleme hast, ihrem Mann gegenüber zu treten. Vielleicht würde ihr das die Augen öffnen, wie ihr Verhalten von einer ihr wohlgesonnenen Umwelt empfunden wird? Ihr klar machen, dass dies kein beiläufiges Ereignis ist, dass es ernst ist?
Und mir geht immer noch im Kopf herum, dass du ihr von deinen Gedanken, ihren Mann zu informieren, erzählen könntest. Und es vielleicht tatsächlich erwägen könntest.
Und dann hatte ich noch die Idee, ob es möglich wäre, mit ihrem behandelnden Therapeuten zu sprechen? Oder weiss der/diejenige über die Affäre Bescheid (was zu hoffen ist!)?
Ich hoffe, das Ganze geht so gut wie möglich aus.
Liebe Grüsse
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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13.02.2009, 20:14Inaktiver User
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Nein, hab ich nicht. Mir kam das so extrem moralapostelig vor, dass ich eine Ausrede gefunden habe.

Da käme ich mir noch moralaposteliger vor dem Hintergrund meiner eigenen Geschichte vor.Und mir geht immer noch im Kopf herum, dass du ihr von deinen Gedanken, ihren Mann zu informieren, erzählen könntest. Und es vielleicht tatsächlich erwägen könntest.
Ihre Therapeutin weiß Bescheid, hat es ihr wohl sogar förmlich an der Nasenspitze angesehen. Und hat ihr geraten, sich Zeit für die Entscheidung zu nehmen. Ob sie ihr geraten hat, ihren Mann aufzuklären, weiß ich aber gar nicht.Und dann hatte ich noch die Idee, ob es möglich wäre, mit ihrem behandelnden Therapeuten zu sprechen? Oder weiss der/diejenige über die Affäre Bescheid (was zu hoffen ist!)?
Ich auchIch hoffe, das Ganze geht so gut wie möglich aus.
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13.02.2009, 20:53
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
Liebe Marylin
Hm - ich verstehe, dass du wegen deiner eigenen Geschichte nicht wertend sein willst. ABER
- ist es denn nicht ein Freundschaftsdienst, ihr die Wahrheit zu sagen?
- würdest du vielleicht gerade wegen deiner Geschichte besonderen Eindruck machen? Bist vielleicht besonders glaubwürdig, gerade weil du schon einmal in einer ähnlichen Situation warst?
und vor allem:
- so empfindest du es nunmal, egal, ob es dir "moralapostelig" erscheint oder nicht. Solltest du nicht zu deinen Gefühlen stehen?
Ich denke, wenn es sich um deine beste Freundin handelt - solltest du ihr (und dir) deine wahren Gefühle nicht zumuten können?
Schadet das (Ver)Schweigen deiner Gefühle unter Umständen Eurer Freundschaft?
fragt sich
annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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14.02.2009, 09:28
AW: Wie geht man als Freundin damit um?
ich glaube, nirgendwo gibt es harmonie pur auf dauer und - eine freundschaft sollte es aushalten, wenn man ehrlich zueinander ist.
ich könnte mir vorstellen, dass es für dich sinnvoll sein kann, ihr mitzuteilen, wie es dir mit ihrem verhalten geht und dass du für dich bedenken hast. es kann notwendig sein, dich von ihr in diesem punkt abzugrenzen, was du ja auch schon tust und sie auch merkt, stichwort: silvester.
im übrigen habe ich den eindruck, dass deine freundin noch mitten in der krise steckt, wenn sie nicht in der lage ist, für ihr verhalten die verantwortung zu übernehmen.


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