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Thema: Estnisch


  1. Registriert seit
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    Estnisch

    Ich weiß, ich mache mich vermutlich gerade auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber... hat hier zufällig jemand Erfahrung mit Estnisch?
    Ich hätte gerade die (seltene, das ist der Knackpunkt) Gelegenheit, zumindest mal in die Sprache reinzuschnuppern - und ausgerechnet momentan nicht unbedingt Zeit im Überfluss. Wie es der Teufel immer so will...
    Deswegen wollte ich mich hier mal umhören: hat sich mal jemand am Estnischen versucht? Wie aufwändig ist es wohl, diese Sprache zu "lernen"? Mir ist schon bewusst, dass da 14 Fälle auf mich zurollen (wobei grammatiklastige Sprachen mit mehr Fällen, als das Deutsche zu bieten hat, mich nicht unbedingt schrecken. Das wäre keine neue Erfahrung für mich) und das Vokabular sich dank der Zugehörigkeit zur finnougrischen Sprachfamilie, trotz einiger Lehnwörter aus dem Deutschen, den slawischen und den baltischen Sprachen, sich nicht so ohne weiteres erschließen lassen wird. Dennoch reizt mich diese Sprache momentan enorm...
    Was ich schon immer mal haben wollte: Wissen, das gewisse Etwas und etwas Gewissen

  2. Avatar von Cheerful
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    AW: Estnisch

    Margalotta, ich habe keine Erfahrung mit Estnisch, aber durchaus mit angeblich grammatikalisch einfachen und schweren Sprachen. Ich habe mich an einer Sprache mit drei Zeiten, keinen Artikeln und zwei Farllen versucht und lerne gerade eine mit einem anderen Alphabet und einer fiesen Art, Vokabeln zu konjugieren. Keine Ahnung, wieiviel Faelle die hat, so weit bin ich noch nicht!

    Grundsaetzlich halte ich mittlerweile dieses einfache/ schwere Sprache fuer quatsch. Jede Sprache hat ihre Tuecken und Fallstricke, und in jeder ach so einfachen Sprache musst du trotzdem einen Wortschatz lernen.

    Insoweit: wenn dich estnisch reizt ist das die halbe Miete: Mach einfach!

    Wenn es sich nicht “lohnt - was immer das heisst- dann kannst du immer noch aufhoeren.
    No one ever made a difference by being like everybody else. (P.T. Barnum / Greatest Showman)


  3. Registriert seit
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    AW: Estnisch

    Schon recht exotisch jedenfalls. Finno-ugrische Familie und dann auch noch eine der kleineren Sprachen davon (ich schätze mal 1, 5 Millionen Sprecher maximal?).
    Spielt hier die Liebe eine Rolle?

    Die "kleineste" Sprache, an der ich mich bislang versucht habe, war Katalanisch.
    Und das wird ja so auf 8-10 Millionen Sprecher geschätzt - und ist zudem natürlich viel leichter, zumal wenn man Französisch und Spanisch spricht.

    lg lenita
    Je suis Charlie.


  4. Registriert seit
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    378

    AW: Estnisch

    Also, es kommt ja darauf an, was du erreichen willst und wieviel Zeit du investieren möchtest.

    Ich habe zwar nicht Estnisch, sondern Finnisch gelernt, aber das ist ja eng verwandt. Ich fand es eigentlich nicht besonders schwierig. Allerdings ging es mir "nur" darum, lesen, schreiben und verstehen sowie schriftlich formulieren zu können. Konversation lasse ich beim Sprachenlernen meistens außen vor, denn wirklich vernünftig sprechen lernt man nicht in VHS-Kursen oder mit CDs im Selbststudium. Und ich verfüge über die genannten Fertigkeiten in mehreren Sprachen, zum Teil auch eher exotisch, das macht das Sprachenlernen irgendwann einfacher.

    Wenn du dir also über deine Ziele im Klaren bist und diese erreichbar scheinen - probier es aus.

    Nachtrag: In meiner Nähe gab es bis vor Kurzem die Möglichkeit, Litauisch zu lernen, und ich könnte mich in den Hintern beißen, dass ich da nicht mitgemacht habe.

  5. Moderation Avatar von michaelX
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    11.374

    AW: Estnisch

    Ich kann ebenfalls nur für Finnisch sprechen, immerhin die nächst-verwandte Sprache zum Estnischen.

    Die 15 finnischen Fälle sind problemlos, da man die exotischen im Alltag nicht benutzt. Im Alltag werden so 8 oder 9 davon benutzt und die sind ziemlich eindeutig. Dafür gibt es keine Präpositionen! Und die sind in anderen Sprachen ja schnell mal ein größeres Hindernis - ich werfe hier nur mal die englischen (ist ja so ne einfache Sprache!) modal verbs in den Raum.
    Ja, es gibt eine Prä- und diverse Postpositionen, die werden auch benutzt, aber meistens um die erwähnten komplizierteren Kasus zu umgehen. Die anderen Kasus lernt der Finne auf dem Gymnasium und teilweise erst auf der Uni. Ungarisch hat 21 Fälle, die 6 Stück extra hatte Finnisch vermutlich früher auch mal, heute benutzen sie dafür Postpositionen.

    Das Vokabular ist zu 30% schwedisch und damit indogermanisch. Wenn man erst mal die Feinheiten der finnische Lautung gelernt hat wird es auch erkennbar. bank - pankki ist ja noch erkennbar, strand - ranta wird schwierig und stol - tuoli ist nur noch mit Hintergrundwissen erkennbar. Im Estnischen dürfte eniges mehr an russischem Einfluß zu hören sein. Für die Finnen klingt Estnisch "altertümlich" auf Grund der Wortwahl.

    Die echte Schwiergikeit liegt nicht in den 15 Fällen - das ist lediglich erlernter Horror aus dem Schul-Lateinunterricht. Die Schwierigkeit liegt in der Unzahl der Formen, die sich aus den 15 Fällen ergeben und dem Umstand, daß alles und jedes konjugiert wird - selbst Zahlen und "nein/nicht" - und der Agglutination. Angeblich soll es pro finnischem Nomen über 1200 Formen geben. Und der sog Stufenwechsel, daß Nomen plötzlich Konsonanten im inneren ändern, je nach Kasus. Das ist zwar in die eine Richtung relativ leicht, rückwärts aber teilweise erstaunlich schwierig, da sich einige Formen überschneiden.

    Erstaunlich schwierig ist für deutsche Muttersprachler die Betonung immer auf der ersten Silbe. Wir haben jahrelang an der variablen Betonung des Deutschen geübt, die Deutschlerner verzweifeln läßt. Und jetzt dürfen wir das auf einmal nicht mehr machen! Ach ja, und nix is mit "hinten hochgezogene Satzmelodie wird dann schon als Frage verstanden". Nur Aussagebetonung! No emotions please, we're Finnisch!

    Das ist im Estnischen alles ziemlich ähnlich. Insofern: machen!
    Bitte diese Signatur nicht lesen!

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