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    Erfahrung meiner Gebärmutterentfernung (vaginalen Hysterektomie)

    Hallo zusammen,

    nachdem ich vor meiner Gebärmutterentfernung das Internet auseinandergenommen habe, um so viele Erfahrungsberichte wie nur irgendwie möglich zu lesen, habe ich mir fest vorgenommen meine Erfahrung aufzuschreiben, wenn ich alles überstanden habe. Und jetzt ist es so weit

    Kurz zu mir. Ich bin 48 Jahre alt, happy verheiratet und habe 2 Kinder im Alter von 9 und 13 Jahren.
    Beide Geburten waren nicht gerade sehr Beckenbodenfreundlich, mein Sohn war eine Zangengeburt und meine Tochter war eine Placenta prävia Schwangerschaft, die dann meinen eh gebeutelten Beckenboden auch noch schön nach unten gedrückt hat. Meine Gebärmutter war schon seit jeher nach hinten geknickt, was mir persönlich aber wurscht war, denn mit dem Schwangerwerden hat es ja immer super geklappt.

    Nach den Geburten fing es dann aber an über die Jahre (trotz Beckenbodengymnastik und viel Bewegung) immer mehr Beschwerden zu machen. Die Gebärmutter senkte sich immer mehr nach unten und ich hatte in den letzten Jahren eigentlich nur noch Kreuzschmerzen, ein ständiges Ziehen und Druck nach unten, in den letzten 3 Jahren sogar so schlimm, daß das Fädchen meiner Spirale ohne jegliches Eindringen (sorry) mit dem Finger tastbar war und äußerst unangenehm gepickt hat. Aber irgendwie kam ich damit schon klar... ich war tatsächlich dann immer regelrecht froh wenn ich meine Tage bekam, daß dann die Schmerzen wenigstens einen Grund hatten

    Aber als dann mein Papwert sich über 2 Jahre auch nur noch bei PapIII bewegte, war bei mir der Ofen aus!! Da meine Schwester bereits an Gebärmutterhalskrebs erkrankte und sie leider bereits mit 33 eine Total OP vornehmen musste, war mir klar, daß ich defintiv kein Risiko eingehen und mich von Abstrich zu Abstrich durchzittern wollte und so beschloss ich, mich von meiner Gebärmutter zu trennen, so dankbar ich ihr auch war.

    Am 4.4.2019 war es dann soweit. Ich bin morgens ins KH und war bereits um 9 Uhr schon neben der Kappe dank eines Tablettchens, auf dem Weg in den OP.
    Bei der Vorbesprechung einige Tage zuvor, hatte mich der Arzt vorgewarnt, daß das OP Tag bestimmt nicht auf meiner Favouritenliste der besten Tage auftauchen würde. Und genau so war es. Bei der OP wurde die GM inklusive GM-hals und beide Eileiter entfernt.
    Im Aufwachraum war ich immer noch nicht ganz anwesend, aber ich habe schon da immer wieder nach mehr "Stoff" gebeten, besonders weil ich wahnsinnige Kopfschmerzen hatte.
    Im Zimmer war ich dann wieder gegen 14 Uhr und wie gesagt, der Tag war einfach doof. Mir war schlecht, der Blasenkatheter und die Tamponaden drückten, alles extrem unwohl. ABER MACHBAR!!!
    Die Nacht konnte ich so gut wie gar nicht schlafen, ich Depp hätte mir nur einfach eine Schlaftablette geben lassen sollen, also macht das bitte, wenn Euch danach ist, es hätte echt geholfen. (laut Krankenschwester)

    Am nächsten Morgen ging es dann schon wirklich besser. Ich saß schon auf der Bettkante und habe am Frühstück gemümmelt, Appetit war noch nicht wieder da. Es drückt halt einfach von unten, denn Katheter und Tamponaden wurden erst an Tag 2 nach OP gezogen. Ich habe 3x täglich eine Schmerztablette bekommen, die habe ich auch gebraucht und super vertragen. Ich bin dann sogar schon aufgestanden und im Zimmer rumgelaufen. Ging absolut.

    Am Tag 2 wurden wie gesagt dann Katheter und Tamponaden entfernt. Und das ist DEFINITIV überhaupt nicht wild. Hatte ich mir ganz anders vorgestellt..so das alles verklebt ist oder so...!! Aber das war wirklich ein Witz. Die Tamponaden haben sich nur komisch angefühlt, eher so kitzelig, weil es ja doch ein langes Stück Mullbinde war und den Katheter hab ich eigentlich gar nicht gespürt, nur so ein Minimini ziehen.

    Danach gings steil bergauf, Druck war weg und ich unter der Dusche. Gepinkelt habe ich dann auch zum ersten mal, bissle komisches Gefühl und leichtes Brennen aber das wurde von mal zu mal besser, konnte ja toll üben, musste ja auch wie ein Kamel trinken. Ausfluss hatte ich kaum, nur etwas in Hellrot, aber da hätte eine Slipeinlage genügt. Hatte auch da gedacht, daß es viel mehr wäre.
    An dem Tag hat mich dann auch meine Familie besucht, davor wollte ich es nicht, das war im nachhinein auch perfekt so, hatte bis dahin ja genug mit mir selber zu tun und wollte nur meine Ruhe, aber dann konnte ich sie richtig genießen. Sind dann sogar einen Kaffee trinken gegangen.

    Am Tag 4 bin ich dann entlassen worden. Leider hatte man bei der Abschlussuntersuchung ein Hämatom festgestellt. Deswegen kam auch immer noch etwas Blut, aber ich sollte abwarten.

    Daheim bin ich dann gleich ab auf die Couch. Mehr geht auch nicht. Ich wollte ganz lässig runter kurz eine Waschmaschine anschmeissen, aber ich konnte nicht mal die Waschmittelflasche halten.
    Es ist einfach eine große OP und auch wenn man denkt, es geht, geht halt doch seeehr wenig. Und das ist auch gut so. ES MUSS ALLES HEILEN
    Meine Schwester war 5 Tage bei uns, mein Mann musste arbeiten und ohne sie wäre es sehr schwer gewesen. Denn wie gesagt, Wäsche waschen oder die Kinder rumfahren, das wäre einfach nicht gegangen.
    So konnte ich jeden Tag ein bisschen mehr üben. Gelaufen bin ich jeden Tag, alles halt im Schneckentempo und Autofahren ging dann so nach 4-5 Tagen. Am besten ging es mir im Liegen, Sitzen war so für 25 min ok, aber dann fing es an zu drücken, besonders in der Leistengegend.

    Ich hatte ja viel gelesen und eben auch von vielen Frauen, die gleich beim Heimkommen gar nicht gewusst haben, wohin mit ihrer Energie. Ich finde es klasse, daß es einigen so ergangen ist, ich gehörte da aber leider nicht dazu. Und ich habe mir dann schon Sorgen gemacht, ob bei mir alles eigentlich normal gelaufen ist, weil es mir einfach sehr langsam besser ging und ich immer gleich büßen musste, wenn ich mal mehr gemacht habe. Aber nein, das ist NORMAL. Ich hatte tierische Rückenschmerzen. Im Unterbauch eigentlich gar nicht, nur so ein leichtes Ziehen und eben auch noch dieser unangenehme Druck nach unten, aber das rechte Iliosakralgelenk hat echt wehgetan. Aber was solls, halt immer wieder liegen, die Wärmeflasche war mein bester Freund.

    Kleidungstechnisch war natürlich die Jogging/Kuschelhose die beste Wahl. Aber da meine Bauchdecke ja vollkommen verschont wurde, war nach wenigen Tagen auch mal wieder eine normale Hose drin, aber nicht für sooo lange.
    So verbrachte ich dann meine Tage, mal fitter, mal wieder extrem müde und schlapp, aber immer stetig langsam bergauf. Ich hatte das große Glück das eine meiner besten Freundinnen Oberärztin der Gyn ist, die Arme musste durch meine tausend Fragen durch, ich schulde ich definitv mehr als nur ein Abendessen

    Nach 3-4 Wochen bin ich dann nochmal tierisch erschrocken, als sich plötzlich das Hämatom gelöst hat und ich plötzlich stark zu bluten anfing. Es ging auch ein großer Propfen (Koagel) ab, so das wir gleich ab ins KH gedüst sind. Die waren da aber seeehr entspannt (im Gegensatz zu mir) und meinten nur, daß es doch klasse wäre das jetzt alles raus ist. Ja.. suuuuper!!
    Aber tatsächlich, der Druck in der rechten Leiste war weg und auch der Rückenschmerz hat sich verabschiedet.

    Jetzt liegt die OP fast 7 Wochen zurück und ich kann wirklich sagen, daß es mir richtig gut geht. Ich habe überhaupt kein Ziehen mehr, die Müdigkeit lässt nach, ich fühle mich einfach sehr wohl. Ich passe aber immer noch auf, besonders beim Heben. Gestern meinte ich, ich könnte es ja mal mit einem vollen Wäschekorb versuchen, war noch nix. Hat gleich gezogen, also mache ich mein "Aufteiltragen" weiter. Immer Häufchen für Häufchen...zwar langsam echt lästig, aber irgendwann wird das auch besser.
    Mein Arzt meinte, nach 8 Wochen ist es geschafft und ich muss sagen, Recht hat der Mann!!
    Mit dem Sex habe ich dann auch wieder grünes Licht. Meine Ärzte meinten beide, daß es eben alles und besonders die Naht Zeit braucht zu heilen und wenn ich meinem Körper was Gutes tun möchte, dann sollte ich ihm doch auch bitte diese Zeit geben. Mein Mann hätte sich eh geweigert in.. wie hat er gesagt "in ein Wundgebiet zu stechen" .. und es gibt ja bei Gott noch andere Möglichkeiten.. und die funktionieren prächtig. Nach 6 Wochen hatte ich meinen ersten Orgasmus (komisch das so zu schreiben, aber ich wollte ja auch das wissen, wie es bei anderen abgelaufen ist) und was soll ich sagen.... mega! Ich habe sogar das Gefühl das er jetzt intensiver ist als zuvor, aber das mag auch an der langen "Durststrecke" liegen

    Also mein Fazit:
    Es ist kein Spaziergang! Es wird einem ein Organ entnommen und das muss der Körper erst mal wegstecken. Aber, ich hatte im Vorfeld große Angst, die ich nicht hätte haben müssen.
    Gönnt Euch einfach die Ruhe danach, gebt Arbeit ab und es hat plötzlich niemanden gestört das das Haus nicht perfekt war. Nur mich...aber das war wurscht!! Und was Gutes hat es.. meine Familie ist jetzt voll drin in der Hausarbeit... und ich werde einen Teufel tun, alles wieder an mich zu reißen...gut, ich versuchs

    Ich möchte auch keinesfalls den Eindruck erwecken, daß man diese Entscheidung leicht fällen sollte. Ich habe so für mich entschieden, weil meine Familienplanung eh abgeschlossen war und ich nicht mit dieser Krebsangst leben wollte.

    Für alle die es noch vor sich haben. Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick in meine Erfahrung geben und falls ihr Frage habt...immmer raus damit!!
    Alles Liebe und Gute für Euch.

    Noula
    Geändert von noula70 (21.05.2019 um 17:47 Uhr)

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