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    "Was zur Hölle...?!"

    Angesichts des Artikels "Was zur Hölle?! Gedanken, die jede Frau hat, wenn sie Jeans kauft" möchte ich heute mal eine Frage stellen, die mich schon länger beschäftigt, nämlich die Sprachgestaltung in vielen Beiträgen.

    Mal abgesehen von dem mittlerweile obligatorisch gewordenen ewigen "Wir" ("Diese Trendteile wollen wir jetzt alle haben!" - Nein, ich nicht; ihr vielleicht - wer immer "ihr" seid-, aber das interessiert mich nicht) fallen mir immer wieder folgende Formulierungen negativ auf:

    "Was zur Hölle...!"
    "What the f...!"
    "zum Teufel"
    "verdammt noch mal"
    "Kacke"

    und so weiter...

    Warum werden diese Formulierungen verwendet? Sie gehören zur Vulgär- bzw. Fäkalsprache und sind ja
    eigentlich eher Ausdrücke, die man seinen Kindern abzugewöhnen versucht, falls sie sie irgendwo aufgeschnappt haben.
    In der Online-Version der "Brigitte" tauchen sie jedoch auch beispielsweise in Artikeln zu Kindererziehungs-, Lifestyle- und anderen Themen auf; Texten, die man auch sehr gut ohne sie sprachlich aussagekräftig gestalten kann.

    Sollen die Artikel dadurch irgendwie cooler klingen? Versucht man da textlich einen Frauentyp zu kreieren, der als Identifikationsfigur auf die Leserinnen cool, tough, abgebrüht wirken soll? Jemand, der kein Prinzesschen ist, sondern zupackend wirkt, weil man ordentlich fluchen kann?

    Passt dann aber schlecht dazu, dass solche Begriffe auch in Mode-Promotionsartikeln auftauchen, in denen ein ganz anderes Bild vermittelt wird, nämlich das von leicht manipulierbaren Fashion-Victims, die jedem Trend hinterherrennen, der ihnen präsentiert wird.

    Nun ja - immerhin passt es zur teils horrenden Rechtschreibung und Zeichensetzung sowie der Tatsache, dass - wie auch allgemein außerhalb der Website - kaum mehr sprachlich korrekte Imperative verwendet werden (zur Erklärung: Das ist die Befehlsform. "Esse das mal auf", "Gebe mir mal das Salz", "Nehme dir Zeit dafür" sind KEINE korrekten Befehlsformen).

    Natürlich ist Sprache Veränderungen unterworfen, aber alles hat seine Grenzen, finde ich. Haben Onlinemagazine wie die BRIGITTE nicht auch so etwas wie einen Vorbildcharakter (war ja schließlich mal eine der anspruchsvolleren Frauenzeitschriften)? Oder versucht man einfach abzubilden, was außerhalb der Website ebenfalls viele nicht (mehr) können, damit man sich als Leser (und Konsument) auch über die Sprache stärker identifiziert? Oder ist es einfach egal?
    Ich kann mir zwar vorstellen, dass vieles oft schnell gehen muss und einem manchmal Fehler oder Ausdrücke raus- bzw. durchrutschen, aber ist ein Gefühl für Sprache (in Form eines Gefühls für aussagekräftige Sprachgestaltung jenseits von Flüchen und Fäkalausdrücken) bzw. eine korrekte sprachliche Gestaltung nicht Grundvoraussetzung, wenn man solche Texte im Rahmen einer Online-Zeitschriftenredaktion dann auch noch öffentlich ins Netz stellt?

    Vielleicht mag ja jemand etwas dazu schreiben.
    Geändert von skinhype27 (21.08.2020 um 12:05 Uhr)

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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Danke, skinhype, ich empfinde es genauso wie du.

    Ich bin jenseits der 55 und habe das Gefühl, ich gehöre einfach nicht mehr zur Zielgruppe der Brigitte.
    Bei einigen Artikeln könnte ich mir schon bei der Überschrift die Haare raufen.

    Kein Wunder also, dass die Verkaufs- und Abonnentenzahlen rapide gesunken sind.
    Das ist nicht mehr die Brigitte.
    Für immer ab jetzt!
    "Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein.
    Bei allem was du machst. Und wenns so richtig Scheiße ist dann ist
    wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am Allerschönsten ist,
    da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment." ♫



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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Zitat Zitat von fini. Beitrag anzeigen
    Kein Wunder also, dass die Verkaufs- und Abonnentenzahlen rapide gesunken sind.
    Das ist nicht mehr die Brigitte.

  4. Inaktiver User

    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Zum Thema Sprachverflachung: mich ärgert es immer noch, daß wir als erwachsene Frauen seit ein paar Jahren hier geduzt werden. Das hatte früher viel mehr Charme - mittlerweile ist es so ein xbeliebiges Allerweltsgefasel wie die legendären "zehn Putztricks, die du garantiert noch nicht kanntest".



    Das ist so ähnlich wie früher in den Foto-Love-Stories der BRAVO, bei denen sich die erwachsenen (!) Autoren so verzweifelt um Jugendsprache bemüht haben, daß es unfreiwillig komisch wurde. "Ey, Alter - was geht ab?"

    Zitat Zitat von fini. Beitrag anzeigen
    ... Kein Wunder also, dass die Verkaufs- und Abonnentenzahlen rapide gesunken sind.
    Das ist nicht mehr die Brigitte.
    Ich gehe mit - und erweitere auf das ist nicht mehr die BriCom.

  5. Moderation

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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Ich habe vor allem in der Onlineausgabe stark den Eindruck, dass sehr viel Stoff aus den USA stammt. Gefühlt dutzende Artikel habe ich interessiert angeklickt, weil die Titelzeile ein für mich interessantes aber auch exotisches Problem beinhaltete. Also so im Tenor: "Diese Frau will sich xyz nicht mehr bieten lassen! Das sagt sie zu ihrem Boss!" 'Oha', denkt Flau, 'wusste ich gar nicht, dass es solche Arbeitsplatzproblematik gibt, da bin ich aber gespannt, wie das kam und was sie ihrem Chef gesagt hat.'
    Und dann ist es das FB-Post von einer Frau aus den US. Also schön und recht und ich stimme ihr auch zu, aber erstmal geht es eben nicht um direkte Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber und zweitens kannte ich das Problem deswegen nicht, weil es für unseren Kulturkreis tatsächlich nicht oder kaum relevant ist. Sowas wie Dress Down Fridays, oder Urlaubsansprüche. Das sind jetzt keine konkreten Beispiele aus Artikeln, sondern Beispiele für Sachen, die in Deutschland zwar emotional sehr ähnlich besetzt sind, aber im Alltag völlig anders geregelt.

    Das ist jetzt ein bissl ein anderes Thema, sorry skinhype , aber ich finde es passt zu Deiner Beobachtung. Wenn ein spürbarer Anteil an Inhalt aus amerikanischen oder angelsächsischen FB-Posts besteht, beeinflusst das natürlich die Sprache. Vielfach sind die Übersetzungen überhaupt schludrig und "falsche Freunde" werden falsch übertragen. (So sind die Protagonisten gerne mal "irritiert", statt wie sie selbst posten verärgert/genervt, also "irritated". )

    Und genauso sind viele dieser Lehnausdrücke und Anglizismen - "Was zur Hölle?", "Wtf" - faul oder schludrig übersetzt, denn sie wirken im Deutschen sehr viel kräftiger als im Englischen.

    "Was zur Hölle" wäre in den meisten Fällen ein schlichtes: "Warum (denn) bloss?", oder vielleicht noch: "um alles in der Welt".
    Aktuelle jugendsprachliche Ausdrücke müsste ich erfragen, da bin ich nicht auf dem Laufenden. Aber auch da würde es mich wundern, wenn ausschließlich (schlechte) Lehnübersetzungen genutzt würden.

    Das f*ck-Wort, mit dem manche (!) so um sich werfen, ist dann auch so abgeschliffen, dass maximal dem deutschen Sch***e entspricht. Oft genug wäre es völlig hinlänglich mit verstärkenden Ausdrücken wie "mega" (sagt man das noch?) übersetzt.

    Ich will jetzt aber gar nicht so die Redakteure schelten, denn ich befürchte, das sind finanziell motivierte Entscheidungen von Leuten, die mit redaktionellem Inhalt sehr wenig zu tun haben.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Vielfach sind die Übersetzungen überhaupt schludrig und "falsche Freunde" werden falsch übertragen. (So sind die Protagonisten gerne mal "irritiert", statt wie sie selbst posten verärgert/genervt, also "irritated". )
    (...)
    Und genauso sind viele dieser Lehnausdrücke und Anglizismen - "Was zur Hölle?", "Wtf" - faul oder schludrig übersetzt, denn sie wirken im Deutschen sehr viel kräftiger als im Englischen.
    "Ich bin irritiert." Ja!JA! Furchtbar. *schüttel* Das kommt dann noch on top obendrauf - so roundabout.

    Das mit dem "Kräftiger-Wirken"... Ich denke, das kommt auf den Kontext an. In GB gilt so was als "strong language" oder "coarse language" und man kann ggf. ordentlich Ärger kriegen, wenn man diese Ausdrücke benutzt. Auf ggf. auftauchende Kraftausdrücke wird dort im Fernsehen ja - quasi als Hinweis auf eine mögliche Gefährdung - sogar vor Filmbeginn extra hingewiesen (zusammen mit ggf. auftauchenden "scenes of nudity").

    Aus dem englischen Sprachgebrauch ist auch seit einiger Zeit die Entwicklung weitergesickert, dass man zusammengesetzte Substantive nicht mehr als ein Wort oder mit durchgehendem Bindestrich schreibt
    (z.B. "Stachelbeer-Baiser Torte" oder "Stachelbeer Baiser Torte" statt "Stachelbeer-Baiser-Torte").

    Aber das auch nur am Rande.
    Geändert von skinhype27 (21.08.2020 um 13:54 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zum Thema Sprachverflachung: mich ärgert es immer noch, dass wir als erwachsene Frauen seit ein paar Jahren hier geduzt werden. Das hatte früher viel mehr Charme - mittlerweile ist es so ein xbeliebiges Allerweltsgefasel wie die legendären "zehn Putztricks, die du garantiert noch nicht kanntest".
    Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass diese schnoddrige Ausdrucksweise System hat und sich die Redakteure und Autoren, die sicher um einiges jünger sind als der überwiegende Teil der BriCom, denkt, sollen die älteren Leser*innen doch die "Women" oder die "Wir" lesen. Dass also die Wort- und auch Artikelwahl für die jüngere Generation gedacht ist und nicht für uns alte Schachteln.

    Ich, liebe BRIGITTE, lese dann doch lieber die Guido, die in einem äußerst herzlichen Ton geschrieben ist oder aber die Donna, deren Mitarbeiter*innen redaktionell nicht so halbgar recherchieren.
    Für immer ab jetzt!
    "Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein.
    Bei allem was du machst. Und wenns so richtig Scheiße ist dann ist
    wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am Allerschönsten ist,
    da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment." ♫



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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    Hat die "Guido" eigentlich auch ein Forum oder ähnliches?
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

    Dialektfreiheit ist kein kulturelles Verdienst

    (Ulrich Maly)

    Was Leute tun, tun sie normalerweise wegen sich. Nicht wegen dir.
    (wieder mal ein wunderbares Zitatgeschenk vom Wusel)


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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

    Ich finde, es wird nicht nur in den Printmedien sondern auch im ganzen gesellschaftlichem Leben sehr viel Fäkalsprache gesprochen und geschrieben.
    Nur ein Beispiel, das mir "alten Schachtel" auffiel, welches eine Userin und eine Moderatorin schreiben: Ich würde hier einfach nur "Damals wurde weniger Bohai (oder auch weniger Theater) gemacht" sagen.
    Liebe Grüsse
    Macaronesia

  10. gesperrt

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    AW: "Was zur Hölle...?!"

    @Skinhype

    Danke

    @all - die Printausgabe der Brigitte hat keine Redaktion mehr.

    ALLE! Printformate des G&J Verlages wurden bereits vor 2? Jahren zu einer "General" Redaktion zusammen geschrumpft.
    Also Brigitte mit Stern, E&T, Eltern, Gala...... hat nur eine Zwergredaktion aus wenigen.

    Aus Kostengründen. Und natürlich werden Inhalte als Lizenzpakete aus z. b. Amerika zugekauft.

    ist billiger und bereits fertig.

    Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Printausgabe Corona nicht überlebt.

    Sei's drum.

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