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    Sohn in der Psychiatrie

    Liebes Forum,

    ich bin total verzweifelt. Möchte vorausschicken, dass wir nicht in Deutschland leben.
    Die Betreuung hier ist sicher wesentlich schlechter als in DE.

    Da ich nicht erkannt werden möchte, werde ich nicht alles vollständig angeben können. Ich hoffe dennoch hier Hilfe zu bekommen, da mein Mann und ich mit diesem Problem ziemlich alleine sind.

    Vor knapp zwei Wochen mussten wir unseren Sohn in die Psychiatrie einweisen. Er ist 19 Jahre alt. Seit der Pubertät hat er depressive Phasen, die von einem Arzt jedoch nicht als depressiv eingestuft wurden.
    Ich wollte ihn jahrelang davon überzeugen eine Therapie zu machen, was er aber trotz guten Zuredens immer abgelehnt hat.

    Obwohl er sehr intelligent ist hat er seinen Realschulabschluss mit Ach und Krach geschafft. Ich war jahrelang dahinter und habe unzählige Gespräche mit Lehrern und dem Schuldirektor hinter mir.

    Verschiedene Ausbildungen abgebrochen und gejobbt.

    Er ist an sich sehr fleissig und sehr motiviert bei Lob. Kritik verträgt er absolut nicht und wertet sie als Angriff gegen sich.

    Er wohnt noch bei uns zu Hause, allerdings in einer abgetrennten Dachgeschosswohnung.

    Nein er zahlt keine Miete und wir werden ihn auch nicht rausschmeissen (lese solche Ratschläge öfters im Forum).
    Er ist sehr hilfsbereit und beteiligt zu Hause an Reparaturarbeiten und anderen Aufgaben I

    Nur lässt er sich von Lehrern und Vorgesetzten ungern etwas sagen und hatte deswegen häufig Auseinandersetzungen.
    Er ist gleichzeitig sehr schüchtern und freundlich auf der anderen Seite sehr dickköpfig und geht schnell in die Luft..

    Er hatte immer Einschlafprobleme und hat gekifft. Keine anderen Drogen, kein Alkohol.



    In diesem Sommer hatte er sehr viel Stress auf der Arbeit tagsüber mit Überstunden und viel zu wenig Personal.

    Nachts konnte er nicht Schlafen und verbrachte viel zu viel Zeit im Internet. Das hat er mit Energiedrinks "kompensiert".

    Irgendwann wurde er immer merkwürdiger und meinte, dass es die Nachbarn auf ihn abgesehen hätten. Ein bestimmter Nachbar würde ihn umbringen wollen. Ich dachte zunächst , das läge am Schlafmangel und wir brachten ihn in die Notaufnahme. Dort bekam er eine Schlaftablette. Daraufhin hat er 6 Stunden geschlafen , aber die Nacht darauf ist er komplett ausgetickt. Hat Gegenstände aus der Küche in Schlafzimmer gebracht, meinte , dass wir in Gefahr seien, sich verkleidet, ausgezogen etc.... Mein Mann und ich hatte zwei Nächte nicht geschlafen bis wir ihn erneut in die Notaufnahme brachten.

    Dort wurde er sehr schlecht behandelt.
    Er wollte ausreissen, die Security warf ihn brutalst auf den Boden und fixierte ihn minutenlang. Ergebis: Das Kinn musste genäht werden. Ich weiss nicht, ob es sehr hilfreich ist, Menschen mit psychischen Problemen so zu behandeln.

    Er wurde eingewiesen und ist jetzt seit 12 Tagen in der Psychiatrie. Er hat nach wie vor Wahnvorstellungen und wirft uns vor, dass wir Schuld daran sind, dass er in der Psychiatrie ist. Dass er wegen uns fast umgebracht worden wäre ( Security), und dass er nicht verrückt sei und wieder nach Hause will und wann wir ihn hier endlich rausholen.

    Ich bin seit zwei Wochen nur am Weinen. Versuche meine Arbeit zu machen wie ich kann und versuche meinen Sohn fast jeden Tag zu besuchen. Abwechselnd mit seinem Vater, da die Besuche coronabedingt eingeschränkt sind.

    Was die Securitygeschichte anbelangt, haben wir bereits einen Anwalt eingeschaltet.

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    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Du schreibst, er hat gekifft. Durch Kiffen werden bei empfindlichen Personen mit entsprechender Veranlagung (und ob man die hat, weiß man in der Regel nicht) Drogenpsychosen ausgelöst, die sich genau in solchen Wahnvorstellungen äußern können.

    Halte dir vor Augen, dass dein Sohn sehr krank ist und in der Psychiatrie im Moment am besten aufgehoben ist. Auch gegen seinen Willen und auch wenn es ihm nicht gefällt.

    Auf keinen Fall würde ich seinem Drängen nachgeben und ihn nach Hause holen.

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    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Erstmal - ich schicke dir eine Runde Zauber + Kraft

    Was ist denn die Diagnose? Was sagen die Ärzte?

    Was du schilderst, klingt nach "Kiffer Psychose" (?) - die Problematik gerade bei Vorbelasteten und Jugendlichen Personen ist dir bekannt?

    Wie ist die Therapie?
    Wie die Perspektive?

    Seid ihr im deutschsprachigen Ausland? Es wäre evtl hilfreich das Land zu nennen, um passend Antworten zu können.

    Du schreibst im Angehörigen Forum daher denke ich, du möchtest vorallem Beistand, wie DU mit der sicher sehr belastenden Situation leben kannst?

    Nun, er ist ein erwachsener Mensch. (aber du die Mama, schon klar )

    Dass er dir (euch?) Vorwürfe macht ist imho recht naheliegend. Die Krankheitseinsicht ist auch bei ganz anderen Erkrankungen oft gering - da lass dich nicht so beeindrucken.

    Wurde die Einweisung denn schon überprüft von seiten der Justiz? Wie gesagt, ich kenne das Procedere ja nicht, aber in D würde das überprüft werden müssen, regelmäßig, denn man kann niemanden "einweisen" ohne dass es dafür die Rechtsgrundlage gibt. Med. Notfälle sind was anderes, aber länger braucht es die Gerichte.

    Wie geht es deinem Mann mit all dem?
    Euch als Elternpaar?
    Als Paar?

    Ich lehne mich da aus dem Fenster, aber Kiffen ist meiner Ansicht nach extrem Depri verstärkend.
    Das Klischee vom gechillten Hippie, der halt seinen guten Dope raucht und grün wählt und die Welt rettet ist niedlich und galt if ever für die 1. Generation (heute oft 70+)

    Seit die MEnschheit Pflanzen genmanipulieren oder zumindest "optimieren" kann, ist der gute alte Dope ein extrem auf Wirkung und Vertrieb (nenne es mal so) optimierter Wirkstoff. Mit dem z. b. meiner Jugend und Studizeit 0 vergleichbar. (Bin gut 50)

    Klar, kann das alles auch ganz ganz andere Zusammenhänge haben! Aber bei den beschriebenen Symptomen und Verhalten klingelt es bei mir....

    DU solltest dir für DICH unbedingt Hilfte holen! In D z. B. gibt es bei den bekannten Drogenberatungsstellen immer auch Angebote für Angehörige.

    Lass dir den "Mama + Schuld" Stiefel nicht anziehen und zieh ihn dir nicht selber an.
    Egal was du/er/ihr gemacht oder gelassen habtl, die Karten werden jeden Tag neu gemischt auch für deinen Buben

    Die Sec Story klingt nicht gut, kann eine Verlegung in eine andere Klinik eine Option sein?
    Dass er mehr kooperiert, wenn er eine andere, weniger angstbelastete Umgebung bekäme und dort dann aber erstens einen Entzug durchstünde und eine passende! Therapie und Medikation bekäme.

    Wichtig ist halt die Diagnose. Die wird es inzwischen ja geben, weil er sonst zumindest in einem europäischen Land (meiner Kenntnis nach) nicht weiterhin festgehalten werden könnte - also ohne Diagnose und

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    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Ich würde die Sache mit der Security nicht zu hoch hängen. Aus eigener Erfahrung.
    Vor einigen Jahren hatte ich Dienst (Rettungsdienst) beim örtlichen Stadtfest. Gegen Morgen, es war 5,waren die Not Ärztin, eine junge Rettungsassistentin und ich allein im DRK Zelt, als ein junger Mann erschien, ganz in Schwarz, eine Machete schwenkend und uns erklärte, er sei die Apokalypse. Mit Ach und Krach gelang es uns, ihm die Machete abzunehmen, ihn zu Boden zu bringen, zu fixieren, bis die Polizei und als Helfer ein paar Kollegen der ebenfalls anwesenden freiwilligen Feuerwehr erschienen und er, immer noch unter Gegenwehr, in die Akutpsychiatrie gebracht wurde. Er hatte so einige Blessuren davon getragen, die Familie erstattete Anzeige, das Verfahren wurde allerdings eingestellt, noch bevor irgendwer befragt wurde.
    Ein gutes Jahr später schrieb uns der junge Mann, mittlerweile nach stationärem Aufenthalt in einer Tagesklinik, einen sehr netten Brief und entschuldigte sich.
    Man kann niemanden in einem solchen Zustand einfach gegen lassen, auch zu seinem eigenen Schutz nicht. Und mit gutem Zureden erreicht man dann nichts mehr.

  5. Inaktiver User

    AW: Sohn in der Psychiatrie

    l

    Zitat Zitat von nevernever Beitrag anzeigen
    Ich bin seit zwei Wochen nur am Weinen.
    völig verständlich

    dennoch halte Dir bitte trotzdem vor Augen, dass wir letztlich das Leben nicht steuern oder groß beeinflussen können...

    Vieles ist schicksalhaft und unbegreiflich, so hart das klingen mag...

    Durch Dein Weinen etc. hilfst Du ihm nicht- siehe zu, dass Du erstarkst und tust, was Du für Dich tun kannst- nur Fachleute können Deinem Sohn bei der Besserung seiner gesundheitlichen Probleme helfen- hab Vertrauen- so doof das jetzt klingt (doch, ich habe einschlägige Erfahrungen in der Familie diesbezüglich..)
    Geändert von Inaktiver User (07.11.2021 um 12:18 Uhr)

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    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Danke für eure Antworten. Ich möchte keine Details nennen, da der Wiedererkennungswert relativ gross wäre, sorry. Europäisches Ausland, nicht deutschsprachig.

    Verlegung in ein anderes KH wäre von hier aus nicht möglich.

    Mein Mann sieht es leider etwas anders als ich und meint, dass der Junge nach Hause in seine gewohnte Umgebung soll.

    Ja wir reden über das Thema und ich versuche so objektiv wie möglich zu bleiben.

    Als Diagnose wurde uns Psychose genannt , aber nicht Spezifischeres. .

    Übermorgen haben wir einen Termin bei der Psychiaterin. Ich bin der Meinung, dass er dringend einen Psychologen benötigt, dass Tabletten alleine nicht helfen werden. Aber seit Donnerstag ist die Psychiaterin , die dies anordnen muss, nicht zu erreichen. Absoluter Personalmangel. Mein Sohn hat sich schon beklagt, dass er bisher kaum mit ihr sprechen konnte.

    Ich weiss nicht nicht, wie ich ihm begreifbar machen soll, dass er noch nicht so weit ist, das KH zu verlassen. Er drängt mich jeden Tag , und es ist sehr belastend.

    Es gab einen richterlichen Beschluss, um ihn einzuweisen. (Per Videokonferenz) und er hat die Möglichkeit einen Anwalt zu konsultieren, um entlassen zu werden, allerdings vergeht bis dahin auch eine gewisse Zeit.

    Die Medikation scheint bei ihm nicht anzuschlagen.


    Wir haben in den letzten Tagen das Haus aufgeräumt und uns sehr zurückgezogen. Zwischen meinem Mann und mir ist es trotz der Meinungsverschiedenheit in Bezug auf die Entlassung sehr friedlich und ruhig.

  7. Inaktiver User

    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Zitat Zitat von nevernever Beitrag anzeigen

    Ich weiss nicht nicht, wie ich ihm begreifbar machen soll, dass er noch nicht so weit ist, das KH zu verlassen. Er drängt mich jeden Tag , und es ist sehr belastend.......
    Das k a n n s t Du nicht, weil, es zum Wesen der Krankheit gehört, dies nicht verstehen zu können

    und ja, es i s t extrem belastend- ich rate Dir, nicht täglich zu Deinem Sohn zu fahren, w e i l Du grade wirklich nichts tun kannst und auf Dich achten sollst und zusehen musst. dass Du selbst wieder stabil wirst- es zieht Dir sonst zu viel Kraft ab, die DU nach seiner Entlassung brauchen wirst....


    Zitat Zitat von nevernever Beitrag anzeigen
    Die Medikation scheint bei ihm nicht anzuschlagen.
    das wird eine Weile dauern und oft muss man es "ausprobieren", welches Medikament hilft

    bitte hab Geduld und achte mehr auf Dich!

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    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    l



    völig verständlich

    dennoch halte Dir bitte trotzdem vor Augen, dass wir letztlich das Leben nicht steuern oder groß beeinflussen können...

    Vieles ist schicksalhaft und unbegreiflich, so hart das klingen mag...

    Durch Dein Weinen etc. hilfst Du ihm nicht- siehe zu, dass Du erstarkst und tust, was Du für Dich tun kannst- nur Fachleute können Deinem Sohn bei der Besserung seiner gesundheitlichen Probleme helfen- hab Vertrauen- so doof das jetzt klingt (doch, ich habe einschlägige Erfahrungen in der Familie diesbezüglich..)
    Danke für deine Antwort. Bei meinen Besuchen weine ich nicht und versuche positiv zu bleiben und ihm Mut zu machen sage ihm ihm, dass ich, dass wir ihn lieben und unterstützen. Ich weiss, dass wir vieles nicht beeinflussen können, aber ich kann auch nicht tatenlos zusehen, wie er leidet.

  9. Inaktiver User

    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Zitat Zitat von nevernever Beitrag anzeigen
    aber ich kann auch nicht tatenlos zusehen, wie er leidet.
    auch das ist verständlich, dennoch wirst Du nicht umhin kommen, zu sehen, dass Du jetzt nichts tun kannst, und dass er eher nicht so verstehen kannst, was Du meinst-

    nochmal- obwohl es hart klingt- es ist sein Leben und sein Schicksal und sein Leiden....

    das kannst du ihm leider nicht abnehmen, so bitter das ist....

    und überspitzt gesagt: ihm ist nicht geholfen, wenn Du zusammen mit ihm zugrunde gehst

    Eben fällt mein Blick auf einen Spruch an der Wand, den ich persönlich hilfreich finde:

    "Es gibt kein Zerbrechen, aus dem nicht Leben schlüpft" von E. GRube

    also richte Du Deine Blick a u c h hoffnungsvoll auf positive Dinge in Deinem Leben und in der Umgebung /Natur etc...triff Dich mit Freunden!
    Rückzug, von dem Du berichtet hast, ist keine Lösung

  10. Inaktiver User

    AW: Sohn in der Psychiatrie

    Erst mal eine dicke Umarmung und mein Mitgefühl. Psychische Erkrankungen sind auch für die Angehörigen sehr belastend - man will helfen, kann aber nicht, weil der Erkrankte einfach anders tickt und man das als Gesunder kaum nachvollziehen kann.

    Ihr sollte auch für Euch nach Hilfe suchen, um zu lernen, mit der Erkrankung eures Sohnes umzugehen. Ansonsten: Ihr habt alles richtig gemacht. Wenn jemand so weit ist, dass er sich und andere in Gefahr bringt, ist eine Klinik der richtige Ort.
    Ob es eurem Sohn und euch guttut, wenn ihr euch fast jeden Tag seht, bezweifle ich. Die Gefahr erscheint mir groß, dass ihr alle bei jedem Treffen wieder in alte Muster zurückfallt. Mir erscheint ein kompletter Reset sinnvoller - Abstand, jeder für sich sucht sich fachkundige Hilfe, und dann fängt man neu an. Aber ich bin keine Expertin....
    Könnt ihr es irgendwie erreichen, dass er in eine psychiatrische Klinik in Deutschland verlegt wird. Auch hier läuft in den psychiatrischen Kliniken nicht alles optimal. Ganz generell hätte ich aber größeres Zutrauen als in das System in manchen europäischen Ländern.

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Die Sec Story klingt nicht gut, kann eine Verlegung in eine andere Klinik eine Option sein?
    Dass er mehr kooperiert, wenn er eine andere, weniger angstbelastete Umgebung bekäme....
    So, wie ich es verstanden habe, hat sich der Zwischenfall mit der Security in der Notaufnahme eines Krankenhauses abgespielt, nicht in der psychiatrischen Klinik. Es besteht also kein Zusammenhang - abgesehen davon, dass halt alles mit der Erkrankung des jungen Mannes zu tun hat.
    Ich war nicht dabei, kann mir also kein Urteil erlauben. Aber: wenn in einer Notaufnahme jemand in einer psychischen Ausnahmesituation auftaucht und den Ärzten eine Einweisung geraten scheint, und derjenige versucht abzuhauen - dann ist Gefahr im Verzug. Und dann muss gehandelt werden. Und die Security weiß erst mal nicht, ob der Patient auf eine freundliche Ansprache reagiert, oder ob er womöglich ein Messer aus der Jacke zieht....
    Natürlich ist es nicht schön, wenn man mit ansehen muss, wie der eigene Sohn zu Boden gebracht wird, und natürlich gibt es auch Fälle, in denen die Security überreagiert hat. Aber um das beurteilen zu können, müsste man schon dabeigewesen sein.

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