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    Darf man Erleichterung verspüren?

    Hallo zusammen,

    ich bin momentan in einer sehr schweren Phase und würde gerne über ein Thema sprechen dass doch sehr empfindlich ist. Es geht um das Thema "Tod und schwerer Erkrankung bei Angehörigen".
    In meinem Fall habe ich zwei Familienmitglieder welche schwer krank sind und ohne 24h Betreuung nicht mehr auskommen, im Prinzip sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst und haben fast nichts mehr vom Leben.

    Sowas geht für Angehörige natürlich sehr an die Substanz, psychisch, physisch und natürlich auch finanziell.

    Ich merke nun oft, wenn ich in Foren lese oder poste, dass einige Menschen einen sofort als schlecht darstellen wenn man sagt, dass man erleichtert wäre wenn es vorbei ist und wenn es dann soweit ist man natürlich sehr traurig ist aber auch erleichtert ist. Nur das man dies auf keinen Fall äußern sollte, weil man sonst verurteilt wird.

    Habt ihr dies selber schon erlebt? Was denkt ihr darüber so?

    Ich bin jemand, der mit dem Thema Tod relativ locker umgeht. Ich habe schon einige Menschen verloren und es belastet mich emotional besonders wenn es plötzlich ist. Aber ich sage mir immer, dass dann das Leiden für denjenigen der schwer krank ist vorbei ist. Außerdem finde ich selbst bestimmtes Sterben sehr wichtig. Denn ich finde es furchtbar dass besonders bei alten, sehr kranken Menschen auf Teufel komm raus Medikamente gegeben werden, Testmarathon gemacht werden und an etliche Maschinen gesteckt werden. Und am Ende diese Menschen in einem fragwürdigen Zustand das Krankenhaus verlassen da dies ihnen so zugesetzt hat.

    Also verspüre ich Erleichterung wenn das Leiden vorbei ist. Ist das falsch, bin ich dadurch moralisch ein schlechter Mensch?

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    Habt ihr dies selber schon erlebt? Was denkt ihr darüber so?
    Ja, bei meiner Schwester und meinem Vater. Beide waren unheilbar krank und ja, auch ich verspürte Erleichterung, weil der Tod auch Erlösung sein kann. Erlösen vom Leiden.

    Dieses Gefühl hat neben der Trauer halte ich für völlig legitim.

    Wobei bei mir sogar - zumindest bei meiner Schwester - noch eine Mordswut dazukam. Wut insofern, als dass meine Schwester mit 51 "gehen" musste, Intentivkinderkrankenschwester war. Sie hat vielen Frühchen mit ihrer Pflege und Hingabe in ein gutes Leben geholfen. Hat sich die Nächte um die Ohren geschlagen und wenn ich bedenke, dass manch Peiniger über 90 wird und im Leben nix wirklich Gescheites bewerkstelligt hat, außer ....., dann sage ich offen, dass der Tod ungerecht ist.

    Mir ist sicherlich bewusst, dass ich daran nichts ändern kann. Aber könnte mir vorstellen, dass es nicht nur mir so geht.

    Mein Vater ist 86jährig verstorben. Ja, sehr schade und ich vermisse beide heute noch, aber in seinem Fall war ein Alter erreicht, wo es sehr schnell heißen kann, Abschied zu nehmen.

  3. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    (…)Also verspüre ich Erleichterung wenn das Leiden vorbei ist. Ist das falsch, bin ich dadurch moralisch ein schlechter Mensch?
    Nein, bist du meiner Ansicht nach nicht.

    Mein Vater starb nach langem Krebsleiden mit vielfältiger Therapie und vielen Schmerzen zum Glück doch relativ schnell, als es in die Endphase ging…

    Meine Mutter verstarb sehr plötzlich vor 2 Monaten; sie hat kognitiv und körperlich innerhalb kurzer Zeit extrem stark abgebaut…

    Es war für beide eine Erlösung!

    Sie haben schon lange vorher immer betont, welch Gräuel körperliche und geistige Hinfälligkeit für sie wäre.
    So schwer der Verlust auch ist:
    Im Hinblick auf die Schmerzen, dem Verlust der Selbstständigkeit und der Hilflosigkeit bin ich der festen Überzeugung, dass man den Tod als Erlösung sehen kann und Erleichterung verspüren darf.

    Und ich gebe offen zu, dass ich auch erleichtert bin, dass ich mit meiner Mutter den Weg in die volle Demenz und vollstationäre Pflege nicht mehr gehen muss.
    Wenn mich jemand deswegen verurteilt: Bitte, stört mich nicht.

    Man muss mit sich im Reinen sein, Außenstehende sehen nur eine Momentaufnahme.


    Alles Liebe für dich und die alten Herrschaften!

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Klare Antwort: ja!

    Du "darfst" alles verspüren, wonach Dir ist. Das Wort dürfen finde ich in dem Zusammenhang unangebracht, weil wer will Dir irgendwelche Gefühle absprechen dürfen?

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich bin leider jemand der sich viele Gedanken darüber macht was andere denken, wie sie reagieren. Furchtbare Eigenschaft.

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    Ich bin leider jemand der sich viele Gedanken darüber macht was andere denken, wie sie reagieren. Furchtbare Eigenschaft.
    Das kenne ich leider auch nur zu gut. Aber die letzten Jahre habe ich mir eine gewisse Wurschtigkeit zugelegt. Hilft und befreit.

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Sterbehilfe in Deutschland. Es ist erschreckend, wie schwierig und hoffungslos es ist.

    Die niedergelassenen Ärzte wollen alle nicht helfen aus Angst vor juristischen Konsequenzen.

    Sterbehilfevereine helfen nur bedingt und wollen sehr viel Geld (über 10000).

    Herr Spahn tut NICHTS. Trotz zig Petitionen.

    Die meisten Menschen wünschen sich ein selbstbestimmtes Leben und einen selbstbestimmten Tod. Niemand will doch mit unerträglichen Schmerzen monatelang bettlägrig sein.
    Ich bin in einer Gruppe mit über 1000 Mitgliedern, die starke Schmerzen haben, todkrank sind und einfach würdevoll sterben wollen. Niemand hilft. Der Tod wäre so viele eine Erlösung.
    “You are the sky. Everything else- it’s just the weather.”

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ja das stimmt, ich selbst habe Angst das ich mal vor mich hinsichen muss und das vielleicht jahrelang. In anderen Ländern funktioniert es doch auch, aber hier muss noch aus einem todkranken Menschen und den Angehörigen Geld gezogen werden.

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Erstens mal Geld, viele Therapien sind bei Schwerstkranken nur noch sinnlos aber für die Krankenhäuser ist es sehr lukrativ.

    Da werden abartig teure Chemo und Immun- und Antikörpertherapien an Patienten gemacht, wo es absolut kurativ nichts mehr bringt und höchstens besch... Nebenwirkungen erzeugt.
    Die Sterbehilfevereine sagen, sie brauchen das Geld für die ganzen juristischen Absicherungen und Bearbeitung - da muß dringend eine politische Lösung her.

    Es passiert aber nichts aufgrund der deutschen Geschichte, keiner hat den Arsch in der Hose, sich für sterbenskranke Mitbürger einzusetzen.
    “You are the sky. Everything else- it’s just the weather.”

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Hallo Lizot,

    ich schicke Dir eine PN.

    LG Emmi
    Katzen lieben Menschen viel mehr, als sie zugeben wollen,
    aber sie besitzen genug Weisheit, es für sich zu behalten.


    Mary Eleanor Wilkins Freeman (1852 - 1930), US-amerikanische Schriftstellerin

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