Antworten
Seite 3 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 40
  1. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Moral zeigt sich in Handlungen, nicht in Gefühlen.
    1. steht wo?
    2. Welche Handlung löst denn keine Gefühle aus??

    "Darf man Erleichterung verspüren?"
    Ja sicher darf man- oder WER ist in der Lage, die Gefühle eines anderen zu verbieten?

    Ob man es aussprechen sollte, steht auf einem anderen Blatt- das Thema ist sehr schwierig.
    Der Wunsch nach Erleichterung wird schnell mit "die wünscht den Tod" gleichgesetzt, was so gar nicht gemeint ist obwohl das eine nunmal nicht ohne das andere geht.

    Meiner Erfahrung nach, regen sich vor allem die über solche Sätze auf, die selbst noch nicht erlebt haben, was für eine Belastung es sein kann, wenn man einen Schwerstkranken pflegen muss oder zuschauen, wie unendlich das Leiden bei Krankheit sein kann.

    Bei solchen Sätzen, wird halt an den Grundfesten "des Lebens" gerüttelt und das ist nicht leicht auszuhalten.
    Und- man kann letztlich auch nichts machen, als jedem seine Meinung lassen.
    Sich mit Menschen austauschen, bei denen die gleichen Gedanken vorliegen und sich von den anderen zurückziehen (was im Internet schwierig ist- außer man verlegt solceh Gespräche in private Räume).

  2. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auf Dauer kann das Thema nicht umgangen werden. Ich hoffe, es tut sich etwas, wenn die neue Regierung im Amt ist.
    Das hoffe ich auch!

    Leider ist jeder Tag, bei dem das Thema ausgesessen wird- ein Tag zuviel.

  3. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das hoffe ich auch!

    Leider ist jeder Tag, bei dem das Thema ausgesessen wird- ein Tag zuviel.
    Na ja, kurz nach dem Urteil war die Politik ab März 20 mit der Pandemie beschäftigt. Das ist zwar keine Entschuldigung aber ein mögliche Erklärung warum sich das verzögert hat.
    Und im Wahljahr 21 wollte sich dann natürlich keiner mit "dem heißen Eisen" befassen.....

  4. User Info Menu

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    ......
    Wenn du von deinem Empfinden "ich würde nicht so leben wollen" auf das schließt, was andere fühlen *sollten* -- dann begibst du dich auf dünnes Eis, und einige Leute werden das sehr persönlich nehmen. .....

    Das ist für mich hier der wichtigste punkt.

    Wenn derjenige gerne auch in "miserablen", von aussen betrachtet, zustand noch weiterleben möchte, man selbst mit demjenigen in engem kontakt steht und denkt/äussert, man wär erlöst wenns vorbei ist, ist die situation schon sehr problematisch. Erst recht, wenn man der pflegende ist.

    So für sich sollte/darf man sich aber immer denken - fühlen, dass es eine erlösung, für den anderen und/oder sich selbst wäre.
    Die Gedanken sind frei....

  5. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich habe es bei meiner Schwester so erlebt, dass die Ärzte auf der Intensivstation von sich aus den Angehörigen (Söhnen) geraten haben die Maschinen abzustellen, weil es zu einem Organversagen kam.
    Meine Schwester hatte keine Patientenverfügung.
    Ich war froh und erleichtert, ganz ohne schlechtes Gewissen.

  6. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    Ich merke nun oft, wenn ich in Foren lese oder poste, dass einige Menschen einen sofort als schlecht darstellen wenn man sagt, dass man erleichtert wäre wenn es vorbei ist und wenn es dann soweit ist man natürlich sehr traurig ist aber auch erleichtert ist. Nur das man dies auf keinen Fall äußern sollte, weil man sonst verurteilt wird.

    Habt ihr dies selber schon erlebt? Was denkt ihr darüber so?
    Ich habe selbst diese Erleichterung erlebt. Die ja mit der Trauer einhergeht. Man trauert, weil der Mensch nun gehen muss, aber wenn man sieht, dass er leidet, und der Tod unausweichlich ist, dann ist man doch erleichtert, wenn dieses Leiden nicht zu lange dauert. Ich habe die letzte Nacht meines Vaters im Wechsel mit meiner Mutter durchwacht (er war 68), mein Mann die letzten Tage und Nächte seines Vaters gemeinsam mit Mutter und Schwester (der Vater war 84 und hing viel stärker am Leben als mein Vater, obwohl bei ihm die "Vorwarnzeit" länger war). Und ja, wir waren alle bei allem Schmerz auch erleichtert, als es endlich vorbei war.

    Du bist moralisch kein schlechter Mensch.

    Ich glaube, dass diejenigen, die so darüber urteilen, wie Du es schreibst, Menschen sind, die bisher wenig Berührung mit Tod hatten. Hatte ich bis zur schweren Erkrankung meines Vaters auch nicht - und es hat meine Welt und meine Sichtweise auf den Tod umgekrempelt. Zum Besseren, wie ich denke. Ich kann inzwischen, so sehr ich auch oft mit zu frühen Todesfällen (ich hatte gerade zwei im Bekanntenkreis, an denen ich immer noch knabbbere) hadere, den Tod als notwendigen Teil des Lebens akzeptieren, und das Sterben als einen Vorgang, der in Würde (so weit möglich) von statten gehen sollte und nicht unwürdig in die Länge gezogen werden sollte. Ich habe keine Angst mehr, einen Sterbenden zu begleiten.

    Ich habe aber auch bemerkt, dass man so offen darüber nur mit Menschen sprechen kann, die Ähnliches erlebt haben oder die von Berufs oder eines Ehrenamts wegen damit zu tun haben. Viele Andere verstehen das nicht.

  7. Moderation

    User Info Menu

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich habe sehr um meine Tante und um meine Großmutter getrauert, aber in erster Linie habe ich getrauer, weil ich einen lieben und vertrauten Menschen verloren habe, der mein Leben sehr bereichert hat und mit beiden habe ich Menschen verloren, die mich sehr gut und natürlich lange kannten, mit denen ich sprechen konnte, ohne viel erklären zu müssen.

    Bei meiner Tante, die viel zu früh gestorben ist (unter 60) war ich auch sehr wütend, aber ich war trotzdem sehr froh, dass sie friedlich sterben konnte, sie hatte keinen Chance gegen den Krebs und jeder weiter Tag hätte nur weiteres Leid bedeutet.

    Meine Großmutter ist alt geworden und nach meiner Meinung eigentlich zwei Jahr zu spät gestorben, ich hätte ihr die beiden Jahre im Pflegeheim und mit vielen Schmerzen gerne erspart - für sie war es eine Erlösung, für mich es unendlich traurig einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben zu verlieren.


    Und letztlich ist eine gute Freundin vom mit gestorben kurz vor ihrem 101sten Geburtstag, den 100sten haben wir noch frühlich gefeiert, sie ist erst mit 99 im Grunde topfit ins Altersheim gegangen (Pflegestufe 1). Sie hatte schon einige Male vorher geäußert, dass sie nicht mehr mag, dass sie müde ist, ein wunderschönes tolles und aufregendes Leben hatte mit vielen Veränderungen - und nun mag sie nicht mehr. Und dann ist sie gestorben und ich freue mich für sie, dass sie nicht noch eine lange Leidenszeit an ein glückliches Leben anschließen musste.


    Ja, ich finde, man darf Erleichterung empfinden, sowohl für den, der gestorben ist und dem weiteres (oder überhaupt) Leiden erspart wurde und ja man darf auch für sich selbst erleichtert sein, einem Menschen, den man liebt nicht weiter beim Leiden zusehen zu müssen.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    .... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/


    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  8. User Info Menu

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    In meinem Fall habe ich zwei Familienmitglieder welche schwer krank sind und ohne 24h Betreuung nicht mehr auskommen, im Prinzip sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst und haben fast nichts mehr vom Leben. Aber ich sage mir immer, dass dann das Leiden für denjenigen der schwer krank ist vorbei ist.
    ...

    Also ich spüre Erleichterung wenn das Leiden vorbei ist. Ist das falsch, bin ich dadurch moralisch ein schlechter Mensch?)
    Du bist durch Deine Gefühle kein schlechter Mensch. Erleichterung kann sich durchaus mit Trauer mischen, das eine schließt das andere ja nicht aus.

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Wie die Betroffenen, die schwer Kranken, die stark eingeschränkten, die auf technische Hilfe angewiesenem zu ihrem Leben und ihrer Last stehen, was sie als furchtbar empfinden und was als besser als die Alternative -- das kannst du so wenig be- oder verurteilen wie sie deine Last mit der Situation. Schweigen ist Gold.

    Wenn du von deinem Empfinden "ich würde nicht so leben wollen" auf das schließt, was andere fühlen *sollten* -- dann begibst du dich auf dünnes Eis, und einige Leute werden das sehr persönlich nehmen.
    Wildwusel, da gebe ich Dir völlig Recht!

    Man kann als Außenstehender nicht beurteilen, wie sehr Menschen an ihrem Leben hängen und was sie als lebenswert empfinden. Auch ändert sich das bei den Betroffenen selbst.

    Ich empfinde es fast ein bisschen arrogant, ein Leben im Rollstuhl oder auf fremde Hilfe angewiesen als nicht lebenswert zu bezeichnen, sei es als Außenstehender oder auch als Standpunkt desjenigen, der diese Entscheidung für sich trifft.

    Außerdem kann sich diese Einschätzung auch für die Betroffenen selbst ändern.

    Ich erinnere mich an den Fall in den Niederlanden, in dem eine Frau verfügte, dass sie im Falle schwerer Demenz Sterbehilfe in Anspruch nehmen wolle.
    Nun, die schwere Demenz kam, die Frau erfreute sich aber ihres Lebens, war glücklich, aber trotzdem trat (auf Initiative ihrer Tochter?) ihre ursprüngliche Patientenverfügung in Kraft - sie bekam die Giftspritze, obwohl sie sich aktiv und sogar vehement dagegen wehrte.

    Im anschließenden Prozess wurde die Ärztin freigesprochen - die Patientenverfügung stand über dem aktuellen Befinden.

    Dieser Fall hat mich sehr erschüttert. Ich bin oft in Pflegeheimen zu Besuch und finde, man kann sich als Nichtbetroffener überhaupt kein Urteil erlauben. Eine allgemeine Todessehnsucht unter den Bewohnern habe ich überhaupt nicht wahrgenommen, eher Freude an den kleinen Dingen.

  9. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Raratonga Beitrag anzeigen
    .....Dieser Fall hat mich sehr erschüttert. Ich bin oft in Pflegeheimen zu Besuch und finde, man kann sich als Nichtbetroffener überhaupt kein Urteil erlauben. Eine allgemeine Todessehnsucht unter den Bewohnern habe ich überhaupt nicht wahrgenommen......
    Eben, und deshalb halte ich es für fatal, mal eben in Bauch und Bogen die Sterbehilfe zu legalisieren bzw. diese "Dienstleistung" zu vereinfachen nach dem Motto "jede/r soll über sein Leben selbst entscheiden können".

    So einfach ist es nämlich bei Leibe nicht. Ich kann mich mehr oder weniger spontan vor den Zug werfen oder vom Dach eines Hochhauses stürzen, das ist problemlos möglich und in der Tat meine eigene Entscheidung.

    Aber für andere zu entscheiden, das ist eine ganz andere Hausnummer. Oder für sich selbst in die Zukunft für ein Befinden, das man aktuell überhaupt nicht kennt und nicht nachvollziehen kann. Ähnliches schrub ich schon im Beitrag #14 hier im Strang.

    Meine Mutter ist dement, erinnert sich an nichts mehr, weder aus der fernen noch aus der näheren Vergangenheit, aber sie ist glücklich, sie lebt im hier und jetzt.

    Etliche, die ich kenne sagen: sollte ich dement werden bringe ich mich um. Ok, können die Leuts natürlich machen (aber nicht andere reinziehen, die dabei helfen sollen), aber wie kommt man zu so einem Urteil ? Demente Menschen sind nicht per se unglücklich. Nur aus unserer Sicht scheint es furchtbar zu sein, nicht mehr zu wissen, was in der Vergangenheit war, für andere ist das schlichtweg ein Segen und sie fühlen sich wunderbar dabei! Das jetzt nur als ein Beispiel.

    Gruß Elli

  10. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich lese im Eingangsposting nichts von Sterbehilfe und verstehe überhaupt nicht, wie der Strang diese Richtung nehmen kann.

    Ich lese im Eingangsposting nur die Frage, ob es sinnvoll ist, wenn Ärzte alles mögliche versuchen, damit ein Patient, der schon todkrank ist, noch ein paar Wochen länger lebt. Das hat für mich nichts mit Sterbehilfe zu tun. Nur mit Ehrlichkeit gegenüber Angehörigen und Patienten. Ärzte tun das in der Regel, weil sie es von Berufs wegen müssen, also alles "anbieten", das medizinisch noch möglich ist. Angehörige und Patienten müssen das aber nicht mitmachen. Und eine hilfreiche Antwort vom Arzt erhält man in der Regel, indem man ihn fragt "wenn das jetzt Ihre Mutter/Ehefrau/Tochter (setze alternativ männliche Form ein) wäre, würden Sie es machen?" Da darf er nämlich auch "nein" sagen. Ich habe erlebt, dass Ärzte genau das dann auch tun. Nachdem sie vorher, wie vorgeschrieben, gesagt haben "man könnte noch dieses oder jenes tun".

Antworten
Seite 3 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •