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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    Ich merke nun oft, wenn ich in Foren lese oder poste, dass einige Menschen einen sofort als schlecht darstellen wenn man sagt, dass man erleichtert wäre wenn es vorbei ist und wenn es dann soweit ist man natürlich sehr traurig ist aber auch erleichtert ist. Nur das man dies auf keinen Fall äußern sollte, weil man sonst verurteilt wird.
    Denn ich finde es furchtbar dass besonders bei alten, sehr kranken Menschen auf Teufel komm raus Medikamente gegeben werden, Testmarathon gemacht werden und an etliche Maschinen gesteckt werden. Und am Ende diese Menschen in einem fragwürdigen Zustand das Krankenhaus verlassen da dies ihnen so zugesetzt hat.
    Also verspüre ich Erleichterung wenn das Leiden vorbei ist. Ist das falsch, bin ich dadurch moralisch ein schlechter Mensch?
    Nein, du bist kein schlechter Mensch und ich denke auch, dass bei sehr alten Menschen - die in den meisten Fällen sterben wollen - viel zu viel Medizin zum Einsatz kommt. Das sollte man unterlassen. Im übrigen, mache dir keine Gedanken, was andere über dich denken. Das sollte dir total egal sein. "Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann."
    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.
    Wusstest du, dass das Gehirn auf unnötige Informationen nicht antwortet, sondern ignoriert?

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Ich würde auch sagen, dass du Erleichterung verspüren darfst. Weil auch das ein Stück weit einfühlsam ist, denn du gönnst der verstorbenen Person das Ende der Qualen, das Ender der körperlichen Schmerzen, des Siechtums.

    Die Erlösung von all dem.

    Wenn dich jetzt tatsächlich jemand in deinem persönlichen Umfeld darauf anspricht und dir "verbietet", diese Erleichterung zu empfinden, dann frag die Person, ob sie dem kranken Menschen, der jetzt verstorben ist, noch Jahre der Qualen gewünscht hätte. Ob dieser Mensch das verdient hätte.
    Du sollst die Pylone umfahren, nicht umfahren.
    Modern wird manchmal auf der ersten Silbe betont.

  3. Moderation

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Lizot Beitrag anzeigen
    Ist das falsch, bin ich dadurch moralisch ein schlechter Mensch?
    Komplett falsche Frage. Moral zeigt sich in Handlungen, nicht in Gefühlen. Gefühle haben viel zu wenig Trennschärfe und bestehen normalerweise aus mehr Zutaten als eine teure Gesichtscreme.

    Wenn man in einem Forum andere Leute für deren Gefühle runtermachen kann um sich selbst zu erhöhen -- *das* ist eine *Handlung*, und eine die von moralisch fraglichen Charakterzügen spricht.

    Überlege dir, wie viel Gelegenheit du Fremden geben willst, dich in der Öffentlichkeit runterzumachen.

    Wie die Betroffenen, die schwer Kranken, die stark eingeschränkten, die auf technische Hilfe angewiesenem zu ihrem Leben und ihrer Last stehen, was sie als furchtbar empfinden und was als besser als die Alternative -- das kannst du so wenig be- oder verurteilen wie sie deine Last mit der Situation. Schweigen ist Gold.

    Wenn du von deinem Empfinden "ich würde nicht so leben wollen" auf das schließt, was andere fühlen *sollten* -- dann begibst du dich auf dünnes Eis, und einige Leute werden das sehr persönlich nehmen. (Oder als Anlaß, sich aufzuplustern. Man steckt nicht drin.)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  4. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Die Gedanken sind bekanntlich frei.

    Das Thema "Sterbehilfe" oder "Sterben auf Verlangen" im Allgemeinen ist demgegenüber ein ganz dickes Brett und meiner Meinung nach nicht trivial.

    Ich denke, die meisten sind sich darin einig, unnötige Behandlungen unheilbar Kranker zu unterlassen, wobei die Frage bleibt, wer darüber entscheidet, was nötig bzw. unnötig ist. Arzt ? Angehörige? Betroffene anhand einer Patientenverfügung ? Die zu Zeiten verfasst wurde, als die Person noch topgesund war ?

    Das andere ist das selbstbestimmte Recht auf sterben, wer würde das -ganz pauschal gesprochen- aberkennen wollen?

    Aber: ich entscheide jetzt im Vollbesitz meiner körperlichen und geistigen Kräfte, kann mir nicht vorstellen, z.B. im Rollstuhl zu sitzen oder nur noch eingeschränkt mobil zu sein. Wenn man (auch alte) eingeschränkte Menschen fragt und beobachtet, so empfinden sie durchaus Lebensqualität, wollen garnicht sterben, was Außenstehende manchmal nicht verstehen können. Selbst mit einer Patientenverfügung entscheide ich über Lebenslagen, in die ich mich garnicht reinversetzen kann !

    Von dem Aspekt, dass Angehörige Druck machen, dass sich jemand endlich in die ewigen Abgründe verabschiedet, damit das Erbe verfügbar ist und nicht noch mehr für Pflege etc. aufgewendet werden muss oder weil pflegende Personen schlichtweg am Ende der eigenen Kräfte sind will ich garnicht anfangen.

    Es müssen Lösungen her, keine Frage, aber trivial ist diese Gemengelage nicht ! Ich wünsche mir darüber endlich einen gesamtgesellschaftlichen, parteiübergreifenden Diskurs bevor da irgendwer (egal welcher politischen Couleur) Gesetze macht.

    Gruß Elli
    Geändert von Inaktiver User (17.10.2021 um 07:14 Uhr)

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Da hat sich schon sehr viel getan, leider noch nicht überall. Gute Palliativ-Versorgung ist zgl jetzt Teil der Ausbildung und ist auch schon an viel kleinen KKH Standard: was nicht bedeutet, dass die Menschen zwingend dort betreut werden - aber von dort. Sterben in Würde ist dabei oberste Priorität, integraler Bestandteil sind Schmerz-Reduktion so weit wie irgend möglich und nicht nur medikamentös, psychologische und (wenn gewünscht) spirituelle Begleitung und ein Vorgehen nach eigenen Wünschen und Vorstellungen. Das beinhaltet tatsächlich keine aktive Sterbehilfe, aber eben auch keine aktiv Lebens-verlängernden Maßnahmen, wenn das nicht gewollt ist.

  6. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Mendo Beitrag anzeigen
    Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Sterbehilfe in Deutschland. Es ist erschreckend, wie schwierig und hoffungslos es ist.

    Die niedergelassenen Ärzte wollen alle nicht helfen aus Angst vor juristischen Konsequenzen.

    Sterbehilfevereine helfen nur bedingt und wollen sehr viel Geld (über 10000).

    Herr Spahn tut NICHTS. Trotz zig Petitionen.
    Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts:

    "Am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht sein lange erwartetes Urteil zu § 217 Strafgesetzbuch (StGB) verkündet. Demnach ist das 2015 vom Deutschen Bundestag beschlossene Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig."

    muss sich die Politik damit beschäftigen!
    Leider hat es vor der Bundestagswahl damit nicht mehr geklappt.

    Chronologie: Debatte um Verbot der geschaftsmassigen Suizidbeihilfe

    Aber das Thema ist hier eigentlich O.T.. Es wurde seinerzeit an anderer Stelle ausführlich diskutiert. Die TE hat ein völlig anderes Anliegen.
    Geändert von Inaktiver User (17.10.2021 um 10:17 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Indirekt hängt es schon zusammen.
    Ich habe dieses Jahr 2 Verwandte in Hospizen. Große Diskrepanz zwischen Werbeprospekt/Website Versprechen und Realität. Liebevolle Begleitung und Pflege ist das nicht. Und dem Wunsch nach einer Beendigung des Leidens wird auch nicht nachgekommen.
    “You are the sky. Everything else- it’s just the weather.”

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts:

    "Am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht sein lange erwartetes Urteil zu § 217 Strafgesetzbuch (StGB) verkündet. Demnach ist das 2015 vom Deutschen Bundestag beschlossene Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig."

    muss sich die Politik damit beschäftigen!
    Leider hat es vor der Bundestagswahl damit nicht mehr geklappt.
    geändert von kenzia

    Da muss ich mal laut LACHEN- Das Urteil fiel FEBRUAR 2020 und die Wahl war jetzt gerade- Herbst 2021!!!

    Das Thema wird von der Politik ganz gezielt umgangen und das zum Leidwesen von all denen, die dringendst für sich selbst entscheiden wollen und nicht dürfen.

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    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von Mendo Beitrag anzeigen
    Und dem Wunsch nach einer Beendigung des Leidens wird auch nicht nachgekommen.
    Weil es dafür leider noch nicht die richtige Grundlage gibt.
    Es wird immer geraten, zu klagen- nur welcher Sterbende hat dafür die Kraft oder Zeit?

    Die heutige Palliativmedizin geht immerhin soweit, dass zB Schmerzmittel gegeben werden, die auch lebensverkürzend sein können- das "ist im Sinne der Palliativmedizin erlaubt".

  10. Inaktiver User

    AW: Darf man Erleichterung verspüren?

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    geändert von kenzia

    Da muss ich mal laut LACHEN- Das Urteil fiel FEBRUAR 2020 und die Wahl war jetzt gerade- Herbst 2021!!!

    Das Thema wird von der Politik ganz gezielt umgangen und das zum Leidwesen von all denen, die dringendst für sich selbst entscheiden wollen und nicht dürfen.
    Die letzte Debatte diesbezüglich war im Juni 21.
    Auf Dauer kann das Thema nicht umgangen werden. Ich hoffe, es tut sich etwas, wenn die neue Regierung im Amt ist.

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