Liebe Leser*innen,
ich, 60 Jahre, lebe seit vier Jahren mit meinem Lebenspartner, 61 Jahre, zusammen. Obwohl wir noch nicht so lange zusammen sind mußten wir schon so allerhand Probleme bewältigen. Allerdings kam der größte Schicksalsschlag letztes Jahr! Er wurde im Juni unverschuldet in einen Motorradunfall verwickelt. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er in ein Unfallkrankenhaus geflogen. Erst einmal haben die Ärzte um sein Leben gekämpft. 1x hat er dem lieben Gott schon hallo gesagt, die Ärzte haben es aber geschafft ihn wieder zurückzuholen. Neben einem Lungenriss und anderen kleineren Verletzungen ist sein Bein total zertrümmert worden und zwar so schlimm, dass sie am Anfang keine Hoffnung hatten dieses zu erhalten. Es erfolgten x-Operationen, der Oberschenkel konnte gerettet werden, aber der Unterschenkel musste amputiert werden. Entlassung für sechs Wochen nach Hause, in denen ich ihn pflegen musste und mich zur Stumpfwickelexpertin qualifiziert habe. Anfang August kam er in die Reha mit dem Ziel in absehbarer Zeit mit der Prothesenversorgung anzufangen. Und jetzt fangen die Probleme an: Da der Oberschenkel total zertrümmert war/ist wächst er nicht so zusammen, wie er eigentlich sollte. Also erneute Operation mit der Entnahme von eigenem Knochenmaterial, künstlichen Knochen und einer weiteren Platte. Wieder hatten wir Hoffnung: jetzt geht es los! Aber wir bekamen schnell zu hören, ja es tut sich etwas, aber nicht so wie es sein sollte um mit der Prothesenversorgung anzufangen. Wir haben jetzt mittlerweile Februar und wir haben wieder die selbe Aussage zu hören bekommen. Jetzt rechne ich damit, das es Sommer werden kann bis er vielleicht mal nach Hause kommt. Das eigentliche Problem ist, dass wir schon so lange getrennt sind, uns durch Corona und aufgrund der Entfernung nur selten sehen können. Ja, wir telefonieren jeden Abend, aber meine Ressourcen sind langsam erschöpft. Neben den ganzen Sorgen, Ängsten, administrativen und rechtlichen Tätigkeiten und der ganzen Motivationsarbeit fehlt mir auch jemand der mich aufbaut um diese schwierige Zeit zu überstehen. Nebenbei erwähnt bin ich voll berufstätig. Angehörige haben wir nicht und Selbsthilfegruppen für Angehörige von Amputierten gibt es auch nicht. Ich habe danach schon in der Klinik gefragt. Unser Hauptthema ist sein Bein oder nur sein Bein. Er arbeitet wie verrückt an seiner Genesung und ich ziehe den Hut vor ihm, wie er es alles meistert. Aber es kommen langsam so Fragen auf: Wo bleibe ich? Wer baut mich auf? Woher soll ich noch die Geduld und die positive Energie nehmen? Wird in unserem gemeinsam geplanten Leben sein Bein immer das Hauptthema sein? Freunde, ja Freunde.. Am Anfang haben sie sich sehr oft gemeldet um nach uns zu fragen aber jetzt meldet kaum noch jemand.. auch verständlich: Ich kann nicht Neues oder Positives berichten und die sch... Coronazeit tut ihr übriges. Alleine das jetzige Schreiben hat mir gut getan.. aber vielleicht gibt es jemanden, der so eine schreckliche Zeit ebenfalls durchmachen mußte und mir Tipps geben kann... oder Mut???? Der vielleicht meine Fragen versteht und mich nicht verurteilt. Unbekannterweise liebe Grüße
Antworten
Ergebnis 1 bis 8 von 8
-
11.02.2021, 20:49
Meinem Partner wurde das Bein amputiert
-
11.02.2021, 21:24
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Verurteilen... Wer könnte Dich verurteilen?

Ich sag Dir was: Ich bin gerade wutentbrannt aus dem Haus gerannt um mich nochmal durchzulüften, nachdem meine - sehr liebe und kostbare - Familie meine letzte Sicherung durchgebrannt hat: Kind tut mit Fleiß, was es nicht soll, Mann tut nicht, was er verspricht, Kleinkind kriegt buchstäblich alle 5 Minuten irgendwas entzwei oder verdreckt.
Und dann gehe ich ein bisschen Bricom daddeln und lese Dein Post.

DAS sind doch ganz objektiv Hammerprobleme, ja für Deinen Partner, aber selbstverständlich auch für Euch und für Dich! Da ist es doch völlig verständlich, ich würde eher meinen: gesund und notwendig, dass Du auch nach Dir schaust und Deine leeren Batterien aufladen willst und musst.
Die richtige Schxxxsituation ist natürlich die Pandemie, durch die Ihr Partner einander nicht körperlich nah sein könnt und wegen der Du Dir kaum andere Wegbegleiter suchen kannst. Da fällt mir in der Tat auch nur sehr wenig ein. Tut mir Leid.
Vielleicht magst Du weiter hier schreiben, wenn Du Dein EP schon als wohltuend empfunden hast?
Könntest Du virtuell eine Gruppenaktivität machen? Auch wenn es keine gezielte Unterstützung in Fragen der Pflege oder allgemein der Amputation ist, hättest Du dadurch evtl. wenigstens Austausch mit echten Gesichtern. Es gibt ja Sportgruppen, die sich virtuell treffen. Ich selbst bin in einer Bibelgruppe, und wir treffen uns seit einem Jahr auf Zoom. Und das ist schon was Anderes, als einmalig (in längerer Zeit) mit Freunden zu telefonieren und gibt mir viel Austausch und Abwechslung.
Hast Du ansonsten Möglichkeiten, Dich selbst etwas zu verwöhnen? Z.B. bestimmte Zeiten freizuhalten, in denen Du Deine Lieblingserie schaust, oder vielleicht was sportliches machst, oder vielleicht bist Du künstlerisch begabt, oder machst Dir ein schönes Bad, Gesichtspackungen, solche Sachen? Vielleicht magst Du Dir mal wieder was Schönes zum Anziehen gönnen und Dich hübsch zurecht machen, auch dann, wenn Du nirgendwo hingehst?
Keine Ahnung, ob da jetzt was für Dich dabei war, aber halt in die Richtung Selbstverwöhnung.
Ich finde es unglaublich, was Du und Dein Partner gestemmt habt und noch stemmt, und ich habe aufgrund Deiner Darstellung überhaupt keine Zweifel, dass Ihr das schließlich sehr gut hinbekommen werdet. Aber jetzt gerade ist echt eine Talsohle erreicht und die Energieen sind aufgebraucht. Das finde ich auch mehr als verständlich. Ich drücke Dir ganz dolle die Daumen, dass hier noch zündende Ideen kommen, wie Du Dich langsam wieder aufrichten kannst.
Bis dahin echt erstmal Hut ab vor Deiner Ausdauer!
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
-
11.02.2021, 21:45
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Hallo Schuso,
Kennst du die Verkehrsunfallopferhilfe Deutschland e. V?
Es gibt einen Hilfefinder, hier ein Link :
Start
Es sind explizit auch Angehörige angesprochen.
Vielleicht findest du dort eine Kontaktadresse zu einer Gruppe in deiner Nähe. Es muss ja nicht um die Amputation an sich gehen, es ist ja die Situation an sich, die es schwierig macht. Das Leben hat sich plötzlich und unerwartet komplett gedreht...
-
11.02.2021, 22:06Inaktiver User
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Liebe Schuso,

Das Leben ist manchmal sehr unfair und grausam.
Du darfst dich völlig zurecht fragen: wo bleibe ich.....wer ist für mich da.....
Hast du keine Freunde mit denen du reden kannst? Sag offen das du ein offenes Ohr benötigst..... Alternativ auch mal zu einem Therapeuten?
Die Situation ist schwer und von mir hast du alles Verständnis der Welt.....leider hilft dir das nicht.
-
12.02.2021, 09:45
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Oder hast du eine gute Ärztin, oder eine Arzt, dem du die Situation schilderst, und die/der dich begleitet, damit du nicht in eine Depression oder in ein Burnout abrutschst. Dir gegebenenfalls eine Reha oder eine Therapie verschreibt, oder auch Medikamente (und sei es pflanzlich).
Ich denke, es ist sehr wichtig, dass du jetzt handelst, bevor du selber auf der Strecke bleibst.
-
15.02.2021, 12:52
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Hallo Sasapii,
vielen Dank für Deine Mail verbunden mit dem Link. Leider gibt es bei uns keine Beratungshilfe/stellen..... Therapeuten zu finden ist ebenfalls sehr schwierig bzw. sie sind auf Wochen ausgebucht. Ich werde aber mal mit meinem Arzt darüber reden... obwohl er mir schon mitgeteilt hat, dass es fast unmöglich ist einen Therapeuten zu finden... aber ich kann mit ihm das Thema Reha ansprechen....Vielleicht habe ich damit Glück. Aber Danke, dass du mir geschrieben hast. LG
-
15.02.2021, 13:06Inaktiver User
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
ich möchte dir den vdk ans herz legen.
-
15.02.2021, 13:54
AW: Meinem Partner wurde das Bein amputiert
Vielleicht plant ihr eine kleine Reise für die Zeit nach Corona,wenn die rothese angepasst ist.
Ich denke,man brauch einfach ein positives Ziel,eine "Belohnung",auf die man hinarbeiten kann.
Je nach finanziellem Budget reichen schon ein paar Tage in einer kleinen Pension am Meer.
Alles mal hinter sich lassen bzw. einen Neuanfang machen.
Ich würde an Deiner Stelle überdies zu einer Selbsthilfegruppe gehen.
Es gibt z.B. die EmotionsAnonymous,die sind nicht themenbezogen,das heisst,man kann dort alles anbringen,was als belastend empfunden wird.
Dort findest Du sicher Zuspruch und vielleicht auch neue soziale Kontakte.
Zur Beruhigung der Nerven empfehle ich Dir hochdosiertes Baldrian (am besten jeden Abend einnehmen,das stabilisiert die Stimmung insgesamt und man kann abends besser abschalten) und Melissentee.
Gibt´s beides bei Rossman.
Und zum Schluss hart aber wahr: Es wär viel schlimmer,wenn Du Deinen Partner verloren hättest,stell Dir vor,Du müsstest sein Grab besuchen.
In Relation dazu wird der Alltag erträglicher.
Und natürlich werdet ihr wieder glückliche und unbeschwerte Momente haben.
Aber es wird Zeit brauchen,Zeit und Geduld....


Zitieren
