Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 18
  1. User Info Menu

    Stirnrunzeln Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    hallo zusammen,

    vorab: ich weiß nicht ob das hier so recht reinpasst, wenn nicht, bitte ich um Verschiebung.

    Ich, Ende 30, habe gerade erfahren, dass meine Mutter sehr wahrscheinlich schwer erkrankt ist, obwohl sie gesundheitlich bisher alles super gemeistert hat und sie sich gut fühlt und voller Lebenslust ist. Die erste Prognose des Arztes war jedoch ziemlich negativ.

    Leider beschäftige ich mich seit Jahren damit, was wäre wenn... und ich kann die Vorstellung absolut nicht ertragen, dass meine Mutter irgendwann nicht mehr wäre....((wir haben seit einigen Jahren ein sehr enges Verhältnis) Jede blöde Prognose würde mich innerlich zerreissen Es geht bei meinen Eltern leider immer wieder auch um das Thema Tod- ständig stirbt jemand in ihrem Umkreis. Sie haben sehr offensichtliche Angst, dass jemand von ihnen der nächste ist.

    Ich weiß nun leider auch nicht mehr, wie ich mit ihren und meinen Ängsten umgehen oder einen auf gute Miene machen soll. Sehr erschwerend kommt hinzu, dass ich Einzelkind bin und keine eigene Familie oder Beziehung habe und mich dazu etwas bzw. reichlich überfordert fühle , was alle eventuelle Regelungen angeht. Zumal mein Vater vermutlich alleine sehr schwer klar kommen würde.

    Bis jetzt ist bei meinen Eltern was OPs und Krankheiten angeht alles gut ausgegangen, aber ich fühle mich derzeit wie ein hilfloses kleines Kind. Mein Umkreis scheint etwas abgeklärt, was das Thema angeht, so ganz nach dem Motto "ist halt so", aber
    die meisten haben alle eigene Familie oder Geschwister und/aber keinen Zugang zum Thema. Und ja, ich habe viele Freunde, aber das ist für mich irgendwie nicht hilfreich.

    Gehts jemandem ähnlich, was diese unfassbaren Verlustängste angeht ? Bei mir ist das das sehr offensichtlich auch ein Grund, warum das Beziehungsthema nicht klappt . :-/ Bitte keine Kommentare in dem Sinne, dass ja jeder mal den Löffel abgeben muss, das weiß ich rational selber...........bleibt gesund!
    Geändert von NEXTYEAR (13.12.2020 um 20:36 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Vielleicht kann es dir helfen, die genauen Bestandteile deiner Angst zu analysieren. Wovor genau fürchtest du dich?

    Geht es dir eher um das körperliche, das deine Mutter nicht mehr körperlich da ist? Hast du Angst, dass sie lange leiden muss, wenn die Behandlung nicht hilft? Geht es dir um das Ungewisse? Wenn ja, welche einzelnen kleinen Punkte könntest du angehen, um die Ungewissheit zu verringern?

    Kannst du mit deinen Eltern über konkrete Schritte der Vorsorge sprechen, also so etwas wie Testament, Patientenverfügung und dergleichen?

    Kannst du deine Mutter zu den Untersuchungsterminen begleiten und mit ihr im Anschluss über das Ergebnis und die nächsten Schritte sprechen?

  3. VIP

    User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Zitat Zitat von NEXTYEAR Beitrag anzeigen
    Gehts jemandem ähnlich, was diese unfassbaren Verlustängste angeht ?
    Es ging mir so. Ich hatte immer diese Angst im Hintergrund, meinen Lebensmenschen zu verlieren. Die Angst hat mich auch eingeholt. Als er mit 49 eine absolute Horrordiagnose erhielt, musste ich mich diesen Gefühlen konkret stellen. Ich war damals fast 44. Wir hatten noch ein halbes Jahr zusammen, bis er starb. Auf diesem Weg gab es noch schwer vorstellbare Komplikationen.

    Wir haben in diesen paar Monaten sehr viel über die Krankheit, die Prognose, den Tod und über das Leben gesprochen. Auch darüber, was wir füreinander bedeuten, wie unser Leben war und sein wird (denn er ist trotzdem überraschend gestorben). Diese Gespräche haben mir diese Angst zwar nicht genommen, aber ich konnte besser damit umgehen und ich habe sie letztlich als Teil meines Lebens akzeptiert. Trotzdem ist meine Welt komplett in Scherben gefallen - ich habe in fast 20 Jahren aber gelernt, die Scherben einigermaßen neu zusammenzubauen.

    Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich dir sagen: Sprich mit deiner Mutter über deine Ängste! Mit ihr allein, vielleicht im Zusammenhang mit einem Arztbesuch oder wann auch immer, und auch mit deinen Eltern zusammen. Was sein könnte, wie sie damit umgehen (möchte/n), wie deine Mutter deine Position in der Konstellation sieht. Menschen, die plötzlich mit einer schweren, potenziell tödlichen Erkrankung konfrontiert sind, brauchen auch erst einmal Zeit, um den Gedanken zuzulasssen, eine behutsame Gesprächsführung ist wichtig. Vielleicht gibt es psychoonkologische Unterstützung, die ist auch explizit für das System Erkrankter und die Nächsten gedacht.

    Ganz wichtig ist aus meiner erlebten Sicht, dass du deiner Mutter nicht vermittelst, dass du es nicht überstehen würdest, wenn sie ginge. Sondern dass du für sie da bist jeden Weg mit ihr gehen willst und gehen wirst, wie auch immer sie sich entscheiden wird. Ich kann mir vorstellen, dass das auch dir gut tun wird.

    Und such dir bitte Hilfe. In dieser Belastungssituation ist eine Begleitung für DICH extrem wichtig. Dabei kannst du vielleicht auch den Ursachen für deine extreme Angst auf die Spur kommen. Das hilft beim Umgang damit.

    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

    PS: Wie ich verstanden habe, steht die Diagnose noch nicht fest. Auch wenn es nicht so schlimm ist, wie du befürchtest: Geh deinen Ängsten auf den Grund.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  4. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Liebe Nextyear,

    ich finde den Tipp von Katelbach gut, dass Du Dir Hilfe suchst. Es gibt Selbsthilfegruppen - jetzt zu Corona bestimmt etwas eingeschränket, aber es gibt sie.
    Ich kam gar nicht dazu, welche zu entwickeln, da als ich 17 Jahre alt war mein Großvater (bin bei Großeltern aufgewachsen) völlig unvermittelt gestorben ist.
    Danach kam meine Großmutter für längere Zeit in eine psychische Einrichtung, da sie komplett durchgedreht ist. Seitdem habe ich mein Leben alleine gemeistert.

    Jetzt gehe ich auf die 50 zu und habe mittlerweile auch den Tod von 2 Freunden miterlebt (Krebs).

    Wichtig war, ihnen zuzuhören und Fragen klar zu beantworten.

    Verlustängste können einen auffressen, daher ist es wichtig, dass Du Dich intensiv damit beschäftigst und mögliche Szenarien auf der Gefühlsebenen zulässt. Aber am besten wirklich mit Hilfe.

    Ich drücke Dir und Deiner Familie fest die Daumen, dass ihr noch viele schöne Jahre miteinander haben werdet.

  5. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Ich bin ein bisschen älter als du, aber in einer ähnlichen Situation.
    Mein Vater ist vor kurzem an Krebs gestorben und meine Mutter ist seit einem Unfall kurze Zeit später geistig und körperlich sehr eingeschränkt.

    Auch ich fühle mich oft "mutterseelenallein" und bin es tatsächlich ja auch.
    Meine Eltern sind nicht mehr für mich da - sondern das Verhältnis hat sich umgekehrt.

    Die Krebserkrankung meines Vaters hat für mich/uns die Chance eröffnet uns näher zu kommen und das hat mir sehr gut getan. Aber es war auch eine sehr kräftezehrende Zeit...

    Ich kenne auch die gutgemeinten Ratschläge von Anderen.
    Natürlich weiß ich seit langer Zeit, dass irgendwann der Abschied von meinen Eltern kommt - und dennoch ist es emotional sehr schwer.

    Mit hilft mein "inneres Kind" zu versorgen und mit ihm zu sprechen.
    Vielleicht wäre das auch für dich etwas?
    Es gibt einige Bücher zu dem Thema.

    Und ich kann dir nur raten schon jetzt alle Vollmachten zu regeln, die nötig werden könnten.
    Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung/Konto-Vollmachten - am besten beim Notar beurkundet.

    Ich bin seinerzeit in Internet über Broschüren aus der Schweiz zum Thema Krebs/Palliativmedizin/Patientenverfügung gestolpert - die fand ich großartig!

    Leben mit Krebs / Wenn die Krankheit fortschreitet - Krebsliga Shop

    Alles Gute!

  6. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen

    Und such dir bitte Hilfe. In dieser Belastungssituation ist eine Begleitung für DICH extrem wichtig. Dabei kannst du vielleicht auch den Ursachen für deine extreme Angst auf die Spur kommen. Das hilft beim Umgang damit.
    das empfehle ich auch...


    ganzer post-wunderbare Zeilen...ermutigend trotz allem...

    im Grunde geht es uns wohl allen so... auch mir....meine Mutter ist Mitte 80....

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!
    dem schließe ich mich an

  7. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Hallo Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure netten Worte und die Schilderung eigener Erfahrungen. Die Themen Vorsorgevollmacht etc. sind geregelt, zum Glück.
    Ihr habt sehr wahrscheinlich Recht, dass ich mir Hilfe holen sollte. Das Thema Verlustangst wird ein grundsätzliches bleiben, solange ich das nicht angehe. Es wird schwierig sein, mit meinen Eltern über das alles zu reden- sie weichen aus oder lenken sofort ab. Ich hoffe aber dass das momentan nur der Tatsache geschuldet ist, dass noch nichts endgültiges feststeht.

    Bitte wundert euch nicht, wenn ich meinen Ursprungspost möglicherweise demnächst lösche- meine Mutter liest auch ab und an in Foren wie diesem hier und ich habe Angst, dass sie hierauf stößt- da hatte ich gestern nicht dran gedacht... :_/

  8. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Nextyear, bitte lass dein Eingangsposting stehen, deine Geschichte kann auch vielen anderen helfen.

    Aber denk nochmal nach, was du möglichst aus deinem letzten Posting löschen solltest 😉, wenn du die Bedenken hast, die du hast.
    dodadadiamoisongdesisahoidaso!

    Nur ein gebildeter Geist kann einen Gedanken verstehen, der anders als sein eigener ist, ohne die Notwendigkeit, ihn zu akzeptieren. Aristoteles

    Sommer 2021 - mehr als nur nasse Füße...reinklicken und mithelfen!

    Die neue Hilfsaktion der BuntenKuh für Opfer des Hochwassers




  9. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Hallo NEXTYEAR,

    ich würde versuchen, die Dinge zu trennen in Dein Leben für Dich und Dein Leben mit Deinen Eltern, Deiner Mutter. Schwer, keine Frage.

    Hilfe suchen würde ich auch. Therapeuten können wirklich so viel bewirken.

    Was das Löschen Deines EP angeht: Beachte bitte, solltest Du ihn löschen, wird der ganze Strang geschlossen. Falls Du das nicht möchtest, kannst Du den EP ja noch editieren, kürzen etc.

    LG V.

    Edit: Überschnitten mit @Lizzie sehe ich gerade ...

  10. User Info Menu

    AW: Verlustangst , Tod und Beziehungen im allgemeinen

    Hallo Nextyear,

    Ich bin heute erst auf deinen Post gestoßen und dachte gleich: Wow, der könnte von mir kommen. Also zu deiner Frage: Ja, mir geht es genauso. Ich bin in einem ähnlichen Alter, habe ebenfalls keine Familie und finde es gerade sehr schmerzhaft zu erleben, wie meine Eltern älter werden. Je mehr dies offensichtlich wird, desto mehr beschäftigt mich diese „Was-ist-wenn“-Frage und ich male mir zunehmend ängstlich die düstersten Szenarien von Einsamkeit aus. Was aber letzten Endes natürlich gar nichts bringt außer dem Gefühl: Ich muss etwas tun!
    Freundschaften habe ich auch, aber die haben eben meist ihren Bezugspunkt in Form von Beziehung, Familie oder so.

    Deshalb glaube ich, das was zu schreibst, also diese Verlustängste sind gar nichts so ungewöhnliches. Es ist ja kein schönes Gefühl, wenn man irgendwann nirgendwo mehr dazugehört, das finde ich total furchtbar. Aus irgendeinem Grund sind die Eltern diese Bezugspersonen geblieben, an der Stelle, wo andere eben Familie gründen o.ä. Habe neulich mit einer Bekannten gesprochen, die in einer ähnlichen Situation ist und auch die wusste sofort, wovon ich spreche und dieser Austausch tat gut. Wobei ich auch denke, der drohende Verlust naher Bezugspersonen ist für die meisten Leute ein einschneidendes Ereignis, egal wie ihre Situation ist. Nur die Frage, inwieweit habe ich Ressourcen, werde aufgefangen ist eben dann ganz wichtig.

    Tja also was tun? Was mir auf jeden Fall hilft, ist, dass ich nicht ständig an meinen Eltern „dran“ bin, weil ich berufsbedingt vor einiger Zeit weiter weg gezogen bin. Dort habe ich mir ein eigenes Leben aufgebaut und erlebe das als positiv. Die Sorgen kommen vor allem, wenn ich wie jetzt über Weihnachten wieder auf Familienbesuch in der Heimat bin. Und ich glaube, gut ist auch, wie einige hier schon geschrieben haben, wenn man aktiv wird, sich Hilfe sucht, mal schaut, warum es mit Beziehungen nicht klappt, was man ändern könnte. Also aktiv etwas tun statt nur zu grübeln und sich ohnmächtig zu fühlen.. Das ist aber gar nicht so einfach, wie ich selbst weiß.

    Soweit meine Gedanken dazu. Wenn du das liest, können wir uns ja ggf. noch weiter austauschen. Das alleine kann ja auch schon helfen.

    Liebe Grüße
    Maura

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •