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    Ich bleib nicht im Heim

    Meine Eltern sind am Dienstag ins Pflegeheim gekommen. Während es keinen Zweifel daran gibt, dass mein Vater (97 Jahre, Pflegestufe 3) sich nicht mehr selbst versorgen kann, weil es wöchentlich schlechter wird und es keine Alternative zum Heim gibt, hadert meine Mutter (86 Jahre, Pflegestufe 2) mit der Situation und sagte mir heute, sie will wieder raus.

    Vorab: ich verstehe das. Meine Eltern haben zu zweit ein Doppelzimmer im Pflegeheim. Sie waren nie das liebende Ehepaar, sondern eine Zweckgemeinschaft. Statt einer tollen 64 m² Wohnung haben sie nun gemeinsam ein 28m² Zimmer. Zwei Betten, Schrank, Kommode, Tisch, 2 Stühle, eigenes Bad. Erschwerend kommt Corona dazu. Meine Eltern sind eine Woche in Quarantäne, das heißt sie müssen im Zimmer bleiben und ich darf sie derzeit noch nicht besuchen.

    Meine Mutter hat mir heute heulend am Telefon gesagt, sie will da nicht bleiben. Da wären lauter alte Leute, die nicht ganz dicht im Kopf sind, was so nicht ganz stimmen kann, denn sie ist nicht in einer Demenzabteilung. Ich solle die Kündigung der Wohnung zurücknehmen und sie geht wieder nach Hause. Funktioniert aber so nicht. Meine Mutter kann nur unter größten Schwierigkeiten aufstehen. Es besteht jedes Mal eine Sturzgefahr, weil sie nur aus dem Stuhl hochkommt, wenn sie mit dem Oberkörper ganz weit nach vorne geht und sich quasi von der Schwerkraft nach vorne ziehen lässt. Das Rote Kreuz war schon oft genug da um meine Mutter wieder auf die Beine zu stellen, vom Oberschenkelhalsbruch vor zwei Jahren und dem Schlaganfall in diesem Jahr gar nicht erst zu reden.

    Sie kann den Arm nicht über Schulterhöhe heben, sie kann kaum mehr in den Kühlschrank greifen, alle Oberschränke sind unerreichbar. Im Bett zieht sie sich mit einer Bettleiter hoch, sie ignoriert ihren elektrischen Pflegebettrahmen und braucht nach ihren Angaben fast 10 Minuten bis sie zum Sitzen kommt. Dass diese Aktion ihrer Schulterprothese nicht zuträglich ist, ignoriert sie trotz aller Appelle. Meine Mutter kann nur noch unter größten Mühen schlurfend (Schlaganfall) und tief gebückt (schwere Osteoporose) gehen. Sie geht aber immer noch ein, zweimal pro Woche per Lift in den Keller zu ihrer Waschmaschine. Dass sie vor kurzem dort auch zusammengefallen ist und dort am Boden gelegen ist, bis ein Hausbewohner vorbeikam, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

    Aber nach ihren Worten funktioniert alles prima zuhause. Sie käme gut alleine zurecht und verdrängt, dass es all die Zeit deswegen nur so gut geklappt hat, weil mein Vater bis vor kurzer Zeit noch rüstig war und Kaffee kochte und den Teller von der Küche zum Esstisch getragen hat und ihr die Hose wieder richtig hochgezogen hat nach dem Toilettengang. Dass ich bereits vor längerer Zeit die Verantwortung und Organisation des Alltags beider Eltern übernommen habe, weiß sie zwar, aber unterschätzt auch den Aufwand, der dahintersteht. Ich habe da nie Aufhebens gemacht und einfach das Nötige getan/organisiert, wenn es um Pflegestufen und Pflegedienst ging.

    Es gibt in meinen Augen kein Zurück mehr, ich halte es für unverantwortlich sie allein leben zu lassen, aber wie sage ich es meiner Mutter, die von sich einen ganz anderen Eindruck hat und dabei ignoriert, dass ihr ganzer Alltag aus Jammern über ihren schlechten gesundheitlichen Zustand besteht? Die nur aufblüht, wenn ich da bin, aber ich kann und will auch nicht ständig da sein.

    Hat jemand schon seinem Elternteil sagen müssen: Nein, du bist im Heim und bleibst da auch, tut mir sehr leid. Wie macht man das am einfühlsamsten? Oder hilft hier nur Klartext auf die Gefahr hin, dass die Mutter am Boden zerstört ist?
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Puh, schwierig.
    Mit einer solchen Situation wurde ich noch nicht konfrontiert.
    Ich könnte mir unter Umständen vorstellen, anfangen zu lügen.
    Nach dem Motto, ich habe beim Vermieter angerufen und der hat gesagt,dass die Wohnung schon vermietet ist.
    Dann würde ich sagen, ich schaue dass ich eine neue suche. Das scheitert natürlich an dem und dem. So gewinnst Du Zeit und Deine Mutter gewöhnt sich vielleicht langsam an dem Heim.

    Meine Schwiegermutter ist in der Tagespflege. Am Anfang hat sie sich gesträubt mit allem was sie hatte. Da sind ja nur alte Menschen usw. Wie Deine Mutter. Mittlerweile ist sie fast beleidigt, wenn sie nicht hin kann.

    Das ist ein Gewöhnungsprozess. Doof für alle Beteiligten. Im Heim werden die Menschen versorgt, das muss aber erst einmal ankommen.

    Ach, Deine Mutter tut mir leid. Wie alle alten Menschen, die nicht im Heim bleiben wollen. Aber alleine lassen geht halt auch nicht.
    Nein, mein Nickname hat nichts mit meinem Geburtsjahr zu tun

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Schokolade stellt keine blöden Fragen - Schokolade versteht

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Haben Deine Eltern bzw. Deine Mutter das Heim mit auswählen können?
    Gibt es eine Möglichkeit, sich in einer anderen Einrichtung zumindest auf die Warteliste setzen zu lassen für eine Zweizimmer-Unterbringung?
    In manchen Heimen gibt es für Paare Appartements mit zwei Räumen.
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Hallo Nocturna,

    wir hatten die gleiche Situation mit der Schwiegermutter, 86 Jahre alt damals, gebrechlich und leichte Demenz, allerdings alleinstehend.

    Zuhause ging nicht mehr. Sie stürzte mehrfach, brachte alles durcheinander. Sah die Schwiegermutter selbst natürlich komplett anders.

    Als sie ins Pflegeheim kam, kamen bitterböse Vorwürfe, monatelang. Wir hätten sie hier ins Gefängnis abgeschoben, sie muss jetzt im Knast leben, in einer Einzelzelle usw. (Schwiegermutter hatte ein hübsches Zimmer, das Essen war gut, half aber alles nichts).

    Es halfen nur „Notlügen“ und etwas Ablenkung, um die Situation etwas abzumildern. Klartext reden hätte nichts gebracht.

    Insgesamt dauerte die Eingewöhnung 6 Monate, dann wurde es besser. Nach 9 Monaten hat es Schwiegermutter dann sogar richtig gut gefallen.

    Allerdings gab es damals noch kein Corona, wir konnten sie gut besuchen und standen auch mit der Pflegeleitung in engem Kontakt, um das Einleben zu erleichtern.

    Hoffe diese Erfahrungswerte helfen dir etwas weiter. Man braucht starke Nerven, es war nicht einfach.

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Deine Mutter hatte ja noch gar keine Zeit sich einzugewöhnen, das dauert - ist ja eine grosse Umstellung.

    Mir gefällt der Vorschlag von Loop.
    Alt werden ist leicht aber der Umgang damit nicht.
    Rudolf Dellemann geb.1885 Tierschützer!

    "Die Welt wäre eine Paradies wenn es keine Menschen gäbe"

    Mckenzie

  6. Moderation

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Nein, deine Mutter kann auf keinen Fall allein in einer Wohnung leben, Nocturna. Es ist psychisch leichter für dich, wenn diese Lösung gar nicht infrage kommt. Aber sie muss raus aus diesem Ein-Zimmer-Dasein mit deinem Vater. Ich denke, sie fühlt sich gerade wie im Käfig, und ich kann ihr das nachempfinden. Vielleicht kann man ihr das Heim schmackhafter machen, wenn sie ein eigenes Zimmer bekommt. Kannst du darauf hinarbeiten?
    *
    Der Adler fängt keine Mücken.


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  7. Inaktiver User

    AW: Ich bleib nicht im Heim

    ja, Schwiegervater.

    Wir haben seine Wohnung erst dann verkauft, als er wirklich bleiben wollte. Die Zeit bis er eingewöhnt war, haben wir von Woche zu Woche gedealt " schau mal wie es Dir in dieser Woche gefällt".


    (Vorteil war, dass die Einrichtung ohnehin die Insel der Glückseeligen für Senioren ist, deshalb ging das Eingewöhnen sehr schnell, er konnte auch probewohnen, was im Nachhinein eine gute Idee war.
    Es gibt da alle Nase lang irgendein Kulturprogramm, Essen im eigenen Restaurant, Ausflüge, Vorträge, eigenes Kino. Das fand er ziemlich schnell ziemlich gut beim Probewohnen. Deshalb kamen keine bitteren Vorwürfe, weshalb ich nur von einer leichten Form von " mag es hier nicht" spreche)

    Ansonsten half bei Durchhängern nur um Tage feilschen " schau mal wie es Dir bis Freitag gefällt" und dass die Wohnung unberührt so stehen blieb, bis er selber sagte "brauche ich nicht mehr".
    Geändert von Inaktiver User (28.11.2020 um 17:00 Uhr)

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Du sagst selbst "Sie waren nie das liebende Ehepaar sondern eine Zweckgemeinschaft".

    Wären unter diesen Umständen nicht zwei Einzelzimmer besser gewesen als ein Doppelzimmer? So fehlt jegliche Privatsphäre.
    Auch mir würde es sehr, sehr schwer fallen, mich damit abzufinden, ganz unabhängig von den sonstigen Gegebenheiten in dem Heim.

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Puuh - notgedrungen wegen Corona-Quarantäne auf nicht mal 30qm für 1 Woche zu zweit eingesperrt zu sein, das ist auch für Paare anderer Altersgruppen und ohne gesundheitliche Einschränkungen oftmals eine harte Nummer!

    Bei uns im Heim gibt selbst im Altbau keine Doppelzimmer mehr. Wir hatten schon Paare, die bewusst ihr Zimmer auf unterschiedlichen Etagen haben wollten. Wollen sie gemeinsam wohnen, gibt es die Möglichkeit 2 benachbarter Zimmer mit gemeinsamen Bad dazwischen. Einige richten dann ein Zimmer als Schlafzimmer ein und das andere als Wohnzimmer.

    Aber mögliche andere Bedingungen helfen in der aktuellen Situation nicht weiter - es ist vor Ort nun mal wie es ist. Und ja, Kinder haben dann eine ziemlich blöde Rolle, wenn die Lage so ist, dass man eigentlich nichts verhandeln kann, weil die Wunschalternativen der Eltern einfach keine praktikable Möglichkeit sind.

    Meine Erfahrung auf Heimmitarbeiterseite: Oftmals gibt es leider auch keinen passenden Rat, was nun geschickter wäre. Egal wie Kinder sich verhalten - ob geduldig erklären/manches doch verhandeln oder knallhart die Fakten immer wiederholen ---> Für die Eltern kommt erstmal in jedem Fall immer das raus, was sie eigentlich nicht hören wollen Und das macht das Empfinden auf beiden Seiten nicht besser.

    Man kann sich dann nur von einem Tag zum anderen oder auch nur vom Vormittag zum Nachmittag angeln, je nachdem wie die Stimmung gerade ist. Die Reaktionen der Eltern kann man für den Moment nur schwer beeinflussen, da wird alles irgendwie Unzufriedenheit und Gegenwehr bewirken. Aber man kann versuchen, sich selbst etwas abzugrenzen: sich immer wieder vor Augen führen, dass es wirklich eine scheiß blöde und sehr schwierige Situation ist und deshalb auf beiden Seiten die Emotionen schnell hoch kochen. Dass beide Seiten dann vielleicht Dinge sagen, die ihnen später durchaus Leid tun. Und vor allem auch, sich immer wieder vor Augen halten, dass Verdrängung und Gegenwehr der Eltern eben ihre Art ist, die Situation doch irgendwie auszuhalten, eben weil es einem selbst so schwer fällt, zu zugeben, dass es allein daheim nicht mehr wirklich gut läuft, dass man Hilfe braucht.
    Es ist manchmal ein langer Weg, überhaupt zu realisieren, dass man allein nicht mehr klar kommt im Alter und selbst dann oft schwierig zu akzeptieren, dass dies so ist.

    Nocturna für dich finde ich ganz wichtig: Immer wieder das Gespräch mit den Mitarbeitern vom Heim suchen! Sie sind die Profis, sie haben Distanz zu eurem Familiengeschehen, sie haben solche Situationen schon x-mal durch stehen müssen bei Neueinzügen und in ihrer Rolle bekommen sie vielfach auch ganz andere Seiten der Betroffenen zu sehen/zu hören, eben weil sie nicht Familie sind und es ist auch ihr Job, die Angehörigen entsprechend zu begleiten, besonders in schwierigen Phasen!
    Schildere deine Nöte und Ängste, die sich auch den Gesprächen mit den Eltern ergeben. Frage nach Tipps, was das Personal als hilfreich sehen würde und gib im Gegenzug Infos, mit welchen Themen/Dingen. man vielleicht besseren Zugang zu deinen Eltern bekommen kann.
    Und wenn du spürst, die Mitarbeiter der Pflege haben mal wieder viel zu viel um die Ohren (kommt leider gerade in Coronazeiten öfter vor) frage direkt, ob es lieber gesehen wird, wenn du statt spontanem Gespräch den Mailaustausch nutzt oder ob man Gesprächstermine/Sprechzeiten ausmachen kann oder ob du mit jemand anderem sprechen kannst. Bei uns ist auch die Leitung der Sozialbetreuung immer direkter Ansprechparter besonders in der Eingewöhnungszeit.

    Die Quarantäne ist ein recht kurzer Zeitraum verglichen damit, dass die Eltern nun den Rest des Lebens im Heim verbringen werden. Sobald diese Zeit rum ist und das Zimmer verlassen werden darf, hat man wieder eine ganz andere Situation und ist einen Schritt weiter. Nur nicht verzagen, es ist mühsam, aber man kommt da auch irgendwie durch!!!

    Aber ich kann deine Mutter durchaus verstehen mit dem "die spinnen da ja alle" Man findet sich plötzlich wieder in einer zusammen gewürfelten Groß-WG und auch wenn man die Zimmertür hinter sich zu machen kann: Sobald man rauslugt, trifft man diese Spinner im Flur, in den Gemeinschaftsräumen und wenn es blöd läuft, stehen die auch einfach ungefragt plötzlich im eigenen Zimmer ohne anzuklopfen
    In meiner Seniorengruppe macht sich aktuell auch manchmal so etwas wie Lagerkoller breit, monatelang Coronavorschriften im Heimalltag gehen nicht spurlos vorüber, da liegen auch mal bei Heimbewohnern die Nerven blank und selbst ich, die schon vieles erlebt hat, gucke dann ....und bin froh, dass ich irgendwann Feierabend habe und gehen kann. --> Die Senioren müssen aber bleiben und ihre Zickereien untereinander aushalten, bestensfalls wieder ein stressfreieres Miteinander finden!
    LG WhiteTara

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    AW: Ich bleib nicht im Heim

    Zitat Zitat von Macani Beitrag anzeigen
    Wären unter diesen Umständen nicht zwei Einzelzimmer besser gewesen als ein Doppelzimmer?
    Dazu müssen im Heim überhaupt erstmal 2 Zimmer frei sein ---> Leider gibt es da oftmals in konkreten Fall dann keine Wahl und es heißt: JETZT - genau dieses Heim und genau nur dieses Zimmer, im aktuellen Fall eben Doppelzimmer.

    --> Das bedeutet ja nicht, dass dies für alle Zeit so bleiben muss. Später noch ein Zimmer dazu, wenn mal eins frei ist, bzw. wenn das wirklich immer ein Doppelzimmer ist, Umzug in 2 Einzelzimmer, wenn welche frei werden. Kann man mit der Heimleitung besprechen.
    2Einzelzimmer machen unter Umständen aber auch einen Preisunterschied, der nicht für jede Familie zu stemmen ist

    Aktuell müssen sich aber nun mal alle mit diesem Doppelzimmer erstmal auseinander setzen!
    LG WhiteTara

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