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  1. Avatar von agathe13
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    Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Hallo zusammen,

    vor mehr als drei Jahren hab ich hier zuerst über die Situation mit meiner Mutter geschrieben, nun ist sie vor 3 Tagen verstorben.

    Meine Mutter war 85 und hatte diverse Krankheiten, unter anderem vor ca. einem Jahr einen Myokard-Infarkt, ein Demenz-Delir, Gallensteine, zusätzlich zu den drei Stürzen, die sie in den letzten Jahren erlitten hat mitsamt der daraus resultierenden Brüche und OPs.

    Die letzten Wochen ging es ihr aber wieder relativ gut, das heißt, sie lief am Rollator durch die Wohnung, war halbwegs kontinent, schlief wieder etwas besser, konnte wie immer gut essen, und war vor allem relativ zufrieden und ausgeglichen. Geistig hatte sie ziemlich abgebaut, schien aber nicht allzusehr drunter zu leiden -erkannt hat sie mich noch, aber zeitlich und örtlich orientiert war sie nicht mehr so sehr.

    Über die Feiertage waren ihre polnischen Betreuerinnen in der Heimat und ich habe sie in eine Kurzzeitpflege gebracht, in der sie auch vorher schon zweimal für ein paar Tage war. Dort hat es ihr auch immer gefallen, sie ist gut mit den anderen in Kontakt gekommen und die Pfleger/innen mochten sie auch gerne. Alles prima.

    Am ersten Weihnachtsfeiertag hab ich sie noch besucht, sie war zufrieden, hat sich sehr über meinen Besuch gefreut und sich vielmals bedankt, wir waren noch Kaffeetrinken mit ihr und ich bin gefahren mit dem Gefühl "das war gut, dass ich das gemacht habe, das war genau das Richtige".

    Tja, und am Montagmorgen rief mich das Heim dann an und sagte, sie wäre morgens vor ihrem Bett tot aufgefunden worden. Offenbar ein Sturz mit sofortiger Todesfolge, oder sie ist gestorben und dann gestürzt.
    Sie ist wohl direkt aufs Gesicht gefallen, ohne sich noch abzustützen, und entsprechend sah sie dann auch aus...

    Derzeit ist sehr viel rund um dieses Thema zu organisieren und zu ordnen, im Vordergrund steht aber gerade ein Aspekt:

    Wie ist es zu diesem Sturz gekommen?
    Hat sich einfach wieder ein Herzinfarkt ereignet und daran ist sie sehr schnell (und schmerzlos, hoffe ich) gestorben?
    Oder war es etwas anderes?

    Wie ich darauf komme?
    Sie trug seit einigen Jahren Kompressionsstrümpfe, vom Arzt verschrieben - nicht immer gerne, aber ihre Betreuuerinnen zuhause haben darauf geachtet.
    Im Heim habe ich das bei der Aufnahme auch nochmal gesagt, aber sie kannten sie ja schon durch zwei vorherige Aufenthalte. Und sie haben mir auch bestätigt, dass sie ihr die natürlich immer tagsüber anziehen.
    Als ich sie am 1. Feiertag besucht habe, stellte sich aber heraus, dass sie die Kompressionsstrümpfe nicht anhatte - sie konnte nicht erklären, warum nicht.
    Und als ich dann an ihrem Todestag ihre Sachen abholte, lag ihre Kleidung ,die sie getragen hatte, auf einem Haufen im Schrank und ihre Kompressionsstrümpfe weitab davon in einer Schublade.
    Als ich mal zwischendurch mit ihr telefoniert habe, meinte sie auch so etwas wie, sie würde es nicht schaffen, abends die Strümpfe alleine auszuziehen - ich habe ihr natürlich gesagt, dass sie sich dann doch helfen lassen soll. Aber aufgrund ihrer Demenz musste man ihre Aussagen immer mit etwas Vorsicht genießen.
    Nun mache ich mir jedenfalls Sorgen:
    Kann es zu einem Schlaganfall geführt haben, wenn sie nun wegen der fehlenden Kompressionsstrümpfe eine Thrombose entwickelt haben sollte? Und der war dann die Todesursache?
    Hätte ich noch öfter nachhaken müssen bei den Pflegerinnen, ob sie ihr auch wirklich die Strümpfe angezogen haben?

    Im Leichenschauschein steht als vermutete Todesursache "Schädel-Hirn-Trauma" - mündlich sagte mir aber die Kripo, sie gingen von einem Herzinfarkt aus und hätten dem Staatsanwalt auch empfohlen, keine Obduktion anzuordnen.

    Im Leichenschauschein steht auch zum vermuteten Todeszeitpunkt etwas zwischen Sonntagabend 19 Uhr und Montagmorgen 8 Uhr, als sie sie gefunden haben. Sie hätten sie zuletzt beim Abendessen im Gemeinschaftsraum gesehen.
    Als ich gestern nochmal im Heim angerufen habe, um mir von den Pflegern ihren letzten Nachmittag und ABend schildern zu lassen, wurde mir aber gesagt, sie hätten ihr natürlich beim Ausziehen geholfen später auf ihrem Zimmer.

    Ich bin verwirrt und voller Zweifel - falls der Staatsanwalt morgen keine Obduktion anfordert - bestehe ich dann auf einer? (Und zahle sie selbst).

    ich bin hin- und hergerissen zwischen den Gedanken

    • Sie war eine alte Frau und früher oder später musste so etwas passieren. Wäre es nicht an diesem Tag passiert, dann 1 Woche oder einen Monat später oder 1 Jahr. Lass es dabei, manche Dinge muss man nicht so genau wissen ,sie verfolgen einen dann nur
      und
    • Es ging ihr doch halbwegs gut und das hätte nicht so laufen müssen. Ich kann es nicht einfach dabei bewenden lassen, wenn womöglich nicht die nötige Sorgfalt aufgebracht wurde.


    Ich merke gerade, das ist alles viel weniger strukturiert als ich es von mir kenne, aber tja, das ist schon ein Ausnahmezustand gerade für mich.

    Was denkt ihr dazu? Was tätet Ihr, wenn es Eure Mutter wäre?


  2. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Mein herzliches Beileid!
    Ich denke, dass du alles richtig gemacht hast.
    Und nein, nur fehlende Kompressionsstrümpfe würden nicht sofort zu einer Thrombose führen. Zumindest nicht als einzelner Faktor und auch nicht so schnell.
    Ich kann da keinen groben Fehler erkennen, ältere Menschen stehen nachts auf und können stürzen. Es sitzt auch keine Pflegekraft 24/7 neben der Patientin.
    Die Alternativen sind Bettgitter (gefährlich, da kann man gut rüberklettern), Fixierung (willst du sicher nicht, darf man auch ohne Gerichtsbeschluss nicht so ohne Weiteres) oder medikamentöse Sedierung.
    Alles nicht gut.


    Ich würde mich darüber freuen, dass es meiner Mutter bis zum Schluss noch relativ gut ging und sie nicht lange leiden musste.
    Ehrlich.


  3. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    @Agathe mein aufrichtiges Beileid
    Es ist immer schwer und es tut so weh.

    Ich fühle mit dir.


  4. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Was tätet Ihr, wenn es Eure Mutter wäre?
    Nichts.

  5. Avatar von Mambi
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Zitat Zitat von Colour Beitrag anzeigen
    (...)
    Ich würde mich darüber freuen, dass es meiner Mutter bis zum Schluss noch relativ gut ging und sie nicht lange leiden musste.
    Ehrlich.
    Dito.
    .

    "Mein PC schreibt nur noch Großbuchstaben..." "Haben Sie die Feststelltaste gedrückt?""Nein, das hab ich ganz allein gemerkt.... !"


  6. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Liebe Agathe, mein herzliches Beileid .

    Ich denke auch, ob Deine Mutter jetzt die Thrombosestrümpfe trug oder nicht, ist nicht ursächlich für den Sturz. Vermutlich war sie ja ohnehin wackelig auf den Beinen und auch nicht so orientiert nachts wie Zuhause im gewohnten Umfeld. Es ist zwar tragisch, dass es nun so plötzlich kam, aber der Gedanke, dass sie hoffentlich nicht lange hat leiden müssen und sie es zuletzt doch noch unter den gegebenen gesundheitlichen Umständen wieder recht gut gehabt hat, ist doch sehr tröstlich. Ich würde nicht dran rühren.


  7. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Mein herzliches Beileid agathe13,

    schwierige Situation.

    Hier wäre die Frage, welche Klarheit du durch eine Obduktion tatsächlich bekommen kannst?
    Und- was machst du dann damit?

    Ist vielleicht Typsache- der eine kann es irgendwann wegpacken, der andere grast endlos in sich weiter, was gewesen ist.
    Würde es dir helfen, mit dem Pathologen zu reden? Vielleicht kann er dir noch ganz andere Sachen dazu sagen?

    Ich wünsche dir einen Weg, der dir gut tut- wie immer dieser aussieht.
    Alles Liebe kenzia


  8. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Ich kann nachvollziehen, dass du verstehen willst, was passiert ist- wo es deiner Mutter doch beim letzten Besuch (anscheinend) gut ging.
    Aber: sie war 85, hatte diverse Krankheiten und Demenz. Wie du schon selbst schreibst, es war absehbar, dass sie nicht mehr ewig lebt.

    Was hilft es, wenn du jetzt die genaue Todesursache weißt, ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder Schädelhirntrauma ? Und die nicht angezogenen Kompressionsstrümpfe sind höchstwahrscheinlich nicht die Ursache.

    Hast du vor, das Heim zu verklagen ? Ansonsten würde ich die Sache auf sich beruhen lassen, damit auch du in Frieden abschließen kannst.

    (Mein Vater war mit Demenz im Heim, ist zum Schluss mehrfach gestürzt, Verlegung ins Krankenhaus, CT. Hatte immer wieder Phasen, wo er nicht gegessen und getrunken hat, die Anlage einer Ernährungssonde/PEG wurde mehrfach diskutiert. wir haben entschirden, dass er kein Sonde bekommt, dass er bei einem Sturz nicht jedes Mal ins Krankenhaus verlegt wird, dass er nicht fixiert wird. Damit haben wir in Kauf genommen, dass er an einer Hirnblutung sterben kann. Er sollte aber soweit wie möglich bis zum Schluss mobil bleiben, was für ihn Lebensqualität war . Er ist dann mit 87 Jahren gestorben, das ist eben der natürliche Verlauf)-


  9. Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Wirklich, mein Beileid und ja, es ist sehr schmerzhaft und furchtbar.


    Aber alte (ja, 85 ist alt) und demente Leute sind nachts in fremder Umgebung immer unsicher und oft auch desorientiert. Und stolpern und stürzen. Da muss auch nicht mal ein erneuter Herzinfarkt oder Schlaganfall vorliegen, da kann der Mensch nachts auch einfach nur niedrigen Blutdruck haben und schlecht sehen.

    Ich finde es, aus ärztlicher Sicht, nicht zielführend da eine Obduktion zu fordern. Denn - so ekelhaft das jetzt klingt - das Ergebnis, ein schneller Tod und vorher ging es gut, ist doch eigentlich wünschenswert. Ich erlebe viel zu oft, dass sehr alte Menschen so etwas
    überleben, dann im Koma sind und dann noch mehrere Jahre vor sich hinvegetieren. Und das ist etwas, was ich meiner Mutter nicht wünschen würde. Wirklich nicht.
    Und das „sehe“ ich täglich. Das ist nicht schön.

  10. Avatar von agathe13
    Registriert seit
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    AW: Tod in der Kurzzeitpflege - Fragen...

    Danke Euch allen für Eure lieben Worte!

    Zitat Zitat von Colour Beitrag anzeigen
    Und nein, nur fehlende Kompressionsstrümpfe würden nicht sofort zu einer Thrombose führen. Zumindest nicht als einzelner Faktor und auch nicht so schnell.
    Das habe ich auch gedacht. Aber man bekommt ja schon den Rat, bei Flugreisen Stützstrumpfe zu tragen, und die dauern nur ein paar Stunden, maximal vielleicht 24 Stunden. Daher denke ich, dass einige Tage schon einen Unterschied machen könnten, oder?
    (Aber ich bin nicht vom Fach)

    Ich kann da keinen groben Fehler erkennen, ältere Menschen stehen nachts auf und können stürzen. Es sitzt auch keine Pflegekraft 24/7 neben der Patientin.
    Sicher, das stimmt natürlich. Aber ein Sturz von einem Bett, das vielleicht einen Meter hoch ist, auf einen Kunststofffussboden, nicht auf eine harte Kante oder so - der ist doch nicht tödlich?
    Ich vermute schon, dass der Sturz die Folge von etwas anderem war, nicht die eigentliche Todesursache...


    Die Alternativen sind Bettgitter (gefährlich, da kann man gut rüberklettern), Fixierung (willst du sicher nicht, darf man auch ohne Gerichtsbeschluss nicht so ohne Weiteres) oder medikamentöse Sedierung.
    Alles nicht gut.
    Nein, natürlich nicht. Zuhause hatte sie für nachts einen Toilettenstuhl zwei Schritte neben dem Bett, vielleicht hätte ich drauf bestehen sollen, dass sie den dort auch bekommt.... Oder mich vergewissern, dass man ihr den Notrufknopf gezeigt hat...

    Ich würde mich darüber freuen, dass es meiner Mutter bis zum Schluss noch relativ gut ging und sie nicht lange leiden musste.
    Ehrlich.
    Das tue ich auch. Aber es erscheint mir ein verlockend bequemer Gedanke - vielleicht zu bequem.

    Zitat Zitat von schubidu Beitrag anzeigen
    Ich denke auch, ob Deine Mutter jetzt die Thrombosestrümpfe trug oder nicht, ist nicht ursächlich für den Sturz. Vermutlich war sie ja ohnehin wackelig auf den Beinen und auch nicht so orientiert nachts wie Zuhause im gewohnten Umfeld.
    Natürlich haben die Thrombosestrümpfe keinen Sturz ausgelöst, höchstens könnte die Tatsache, dass sie womöglich über 9 Tage keine solchen STrümpfe getragen hat,trotz ärztlicher Verschreibung, eine Thrombose mit anschließendem Schlaganfall ausgelöst haben. Der dann sie entweder sofort getötet hat oder jedenfalls so stark beeinträchtigt, dass sie nicht nur gestürzt ist, sondern sich noch nicht mal mehr reflexhaft abstützen konnte, sondern flach aufs Gesicht gefallen ist.

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    Hier wäre die Frage, welche Klarheit du durch eine Obduktion tatsächlich bekommen kannst?
    Und- was machst du dann damit?
    Das weiß ich noch nicht. Momentan merke ich nur, ich kann nicht einfach die Schultern zucken und denken, tja, egal.

    Würde es dir helfen, mit dem Pathologen zu reden? Vielleicht kann er dir noch ganz andere Sachen dazu sagen?
    Es würde mir sehr helfen, aber wie komme ich an den ran?
    Ich wurde mit meinen Fragen vom Bestatter an die Kripo verwiesen, die hat heute dem Staatsanwalt meine Überlegungen mitgeteilt, morgen erfahre ich hoffentlich, ob er die Bedenken für stichhaltig hält.
    Aber auch da hatte ich schon so ein bisschen das Gefühl, dass alle es lieber darauf beruhen lassen würden und meine Bedenken nicht so nachvollziehbar scheinen.

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