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  1. Registriert seit
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Geht mir ähnlich, nur dass ich keine Kinder habe, dafür eine Mutter mit Pflegegrad 3 und einen schwerbehinderten Bruder, dessen gesetzliche Betreuerin ich bin, und mehrere Immobilien in einer Gegend, in der es schwierig ist, Mieter oder Käufer zu finden. Das alles organisiere ich aus einer Entfernung von 200 km neben einem Job und plus Nebenjob plus x.



    Du musst dich nicht rechtfertigen.
    Es ist menschlich, dass man glaubt zu wissen, was man in einer Situation täte, solange man nicht drin ist.
    Dennoch muss man sich solche Ratschläge nicht anhören, du darfst sie dir kommentarlos verbitten.
    Such lieber den Kontakt zu Leuten, die selbst in der Situation sind - falls es die in deinem Umfeld nicht gibt, es gibt auch spezielle Foren für pflegende Angehörige, z.B. Treffpunkt fur pflegende Angehorige :: Wir pflegen Zuhause - Hilfe zur Selbsthilfe - oder Forum - Elternpflegeforum
    (Auch wenn du deinen Eltern nicht persönlich den Hintern abwischst (pardon my French), hast du doch offenbar einiges mit der Organisation ihres Lebens zu tun, sodass du als Pflegende zu betrachten bist - war mir vorher auch nicht so klar)




    Dazu hatten ja schon einige etwas gesagt. Was konkret würde denn passieren, wenn eine Haushaltshilfe in Eurer Wohnung auftauchen und ihre Arbeit aufnehmen würde?



    Ich fürchte, weitere Symptome werden kommen, wenn du nicht mehr auf dich achtest.



    Das kann ich sehr gut nachvollziehen und geht mir ähnlich, auch wenn ich kontinuierlich versuche, meine Freiräume zu verteidigen gegen die Flut z.B. von Bürokratie, die kein Ende zu nehmen scheint. Ich mache z.b. weiterhin häufig Urlaub auch zu weiter entfernten Zielen. Über die Feiertage, ihre die polnische Pflegerin nicht da ist, gebe ich sie zur Verhinderungspflege in ein Heim. Gottseidank wehrt sie sich da nicht, aber auch wenn sie es täte, muss ich hier rigoros sein.


    Die Gefahr besteht. Auch ich merke, dass ich in den letzten Jahren oft so müde und "durch" war, dass Freunde treffen oder gar einladen mit der Begründung "zu anstrengend" immer wieder verschoben wurde, mit dem zu erwartenden Ergebnis.



    Ja, kann ich bestätigen. Mir hat geholfen, was ein Freund mal sagte: Auch die beste Lösung wird womöglich jemandem wehtun. Es gibt keinen Grund, warum du das sein musst. Wenn du die Verantwortung trägst, dann darfst und musst du auch entscheiden, alle anderen müssen sich dann am Ende eben fügen.

    Noch eine Frage: hast du Geschwister und wie verhalten die sich?


    Ich finde mich in vielem was du geschrieben hast wieder.

    Danke für deine Links, ich seh mich (im Moment zumindest) nicht als Pflegende. Aber ich werde sicher mal Reinlesen.

    Haushaltshilfe würde zu viel Streit, Unmut etc. führen. Aber da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen.

    Ich verteidige schon sehr viele Freiräume für meine Kinder. Sie gehen vor, sie sind jetzt klein und nicht in 10 Jahren. Ich wollte immer Kinder, bin jeden Tag froh, dass ich sie habe, verbringe unheimlich gerne Zeit mit ihnen.

    Was mir Sorgen macht, dass ich in einigen Jahren ohne Freunde da stehe. Vielleicht ergeben sich wieder neue Freundschaften/Bekanntschaften - wer weiß.
    Vielleicht zeigt sich im Moment auch Charakter, bzw was jeweilige Freundschaften werten sind.

    Ich habe leider keine Geschwister.

  2. Avatar von Sneek
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Kannst Du das bitte mal näher erklären, inwiefern eine Haushaltshilfe für Ärger sorgt?

  3. Avatar von Jedimeisterin
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von Bergkirstall Beitrag anzeigen
    Hallo Zusammen,

    ich hab den Begriff "Sandwich-Verantwortung" mal gelesen und finde ihn sehr treffend.
    Ich stecke mitten im Sandwich, zwischen alten Eltern und kleinen Kindern (beide gehen noch nicht in die Schule).

    Warum ich schreibe? Vielleicht kennt jemand diese Situation - mir würde Austausch gut tun.In meinem Umfeld sind zu 90% Großeltern da, die die jungen Familien unterstützen, keine einzigen, die selbst Hilfe brauchen. Es wird gejammert, wie stressig alles ist und ich denk mir nur "ihr habt keine Probleme" - ich weiß, Probleme und wie man Stress empfindet ist sehr individuell.

    Vielleicht hat auch jemand den ein oder guten Rat, hilft sortieren...
    Liebes Bergkristall,

    ich stecke über recht lange Zeit in einer Sandwich-Situation. Ich kümmerte mich eine ganze Zeitlang mit meinen Geschwistern um meine Mutter, mit der ich mich sehr gut verstand. Eine Zeitlang übernahm ich auch für einige Wochen die Pflege meiner Mutter (hatte damals ganz fürchterliche Schmerzen, ihr Wirbelbruch musste so heilen ohne OP), weil mein Bruder wegen einer längerfristiger Erkrankung ausfiel. Das hieß, 3x die Woche von morgens bis mittags hinfahren (10 km eine Tour) und 2x abends hin. Das hieß die alte Ma aus dem Bett helfen, waschen und anziehen helfen, Frühstück richten, Wohnung putzen. Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt nicht. Meine Kinder waren damals 13 und 8 Jahre alt. Mein Jüngster ist schwerbehindert mit frühkindlichen Autismus und geistiger Behinderung. Dazu sehr verhaltensoriginell und Weglauftendenzen. Das Schlimmste in der Zeit, er brauchte sehr wenig Schlaf, teilweise 6 Stunden. Nachmittags standen in der Woche 3 Therapietermine an. Zeit für mich hatte ich überhaupt nicht, mein Mann arbeitete Schichten, war also kaum zu Hause. Ich musste auch viel abwehren. Meine Schwester hätte es gerne gesehen, wenn ich noch nachmittags bei meiner Mutter gewesen wäre, wo ich nein sagte, dafür hätte ich wegen meinen Jüngsten auch keine Zeit und der Große brauchte auch Zuspruch. Abends fuhr ich 2x die Woche hin. Da machte ich nur das Abendbrot und die Mama bettfertig. Beim Zubettgehen brauchte ich nicht helfen. Und was soll ich dir sagen, nach den ganzen Wochen war ich fertig mit der Welt.
    Ich musste mit wenig Schlaf auskommen. Entweder schlief mein Jüngster um 20 Uhr ein und war um 4 Uhr morgens wieder wach oder schlief erst weit nach Mitternacht ein und war um 6 Uhr wach.

    Ich bat meine Geschwister sich einen Pflegedienst zu suchen, was dann aber doch hinfällig wurde, da es meine Mutter wieder besser ging. Konnte das Notwendigste wieder selber machen. Das hielt aber nicht sehr lange an. Irgendwann musste meine Mutter wieder ins Krankenhaus, wieder ein Bruch (der wieder selber heilen musste, da OP lebensgefährlich aufgrund ihres hohen Alters). Nach der REHA kam der völlige Zusammenbruch (Medikamente war zu hoch dosiert). Meine Mutter wurde zum kompletten Pflegefall. Der Hammer war, meine Schwester hatte die Idee, dass wir sie komplett alleine pflegen. Sie fragte nach den Tagen, wo wir Zeit hätten. Das hieße nicht nur ein paar Stunden, sondern komplett über Nacht bleiben bei der Ma. Ich sagte, ich komme gerne ein paar Stunden am Tag. Das war meiner Schwester zu wenig. Ich müsse schon über Nacht bleiben. Das konnte ich beim besten Willen nicht. Ich kann kein autistisches Kind mit dem großen Bruder über einen Tag alleine lassen, wenn mein Mann auch noch Schichten ging. Ich war teilweise selber mit diesem Kind überfordert. Ich war froh, dass der Pflegedienst kam, der sich meine Mutter ansah und sagte, dass wir das hier zu dritt nicht schaffen werden, so wie der Zustand meiner Mutter war. Sie kam ins Pflegeheim und ich fing bald wieder mit einem hohen Teilzeitanteil an zu arbeiten. Ich besuchte meine Mutter 1x die Woche im Pflegeheim (meistens freitags, wo ich wirklich nur einen halben Tag arbeite). Eigentlich dachte ich, jetzt wird es entspannter. Mir setzten aber das gesundheitliche Auf und Ab meiner Mutter doch sehr zu. Dazu drangsalierte mich auch noch meine Schwester, ich besuche meine Mutter zu wenig. Sollte einen kompletten Nachmittag opfern und mit meiner Mutter etwas unternehmen. Was natürlich weder meine Arbeitszeit noch die Therapietermine meines Jüngsten noch meine gewonnene Minimalfreizeit (ging mit meiner Freundin zum Sport abends 1x die Woche). Ich hatte eh keinen, der meinen Jüngsten unter der Woche mal abnahm. Woher auch, es gab keinen dafür.

    Mir ging es so wie dir, keine Zeit für mich (zum Buch lesen war ich abends viel zu müde), mit den Kindern etwas machen nur noch am Wochenende, Haushalt auf Sparflamme mit Hilfe vom Ehemann. Und ganz ehrlich, ich war manchmal von meiner Mutter auch genervt, weil sie mich durch ihren schwankenden Gesundheitszustand auch ab und an nach unten zog. Und dann der Streit mit meiner Schwester wegen dem Zuwenig kümmern um die Ma. Wo ich mich einfach umgedreht hatte und gegangen war, weil ich es leid war ihr zum zigsten Mal zu erklären, dass ich genug um die Ohren hatte. Weißt du manche Leute begreifen das einfach nicht. Ich finde so etwas schlimm, dass man seine Minimalfreizeit auch noch verteidigen muss. Ich bin keinem Rechenschaft schuldig. Nun ja Kontakt hatte ich dann kaum noch zum Geschwisterteil.

    Meine Mutter starb im September diesem Jahres. Ja es ist traurig und es fehlt etwas. Ich bin froh, dass ein großer Teil meiner Freunde sehr viel Verständnis aufgebracht hatten, dass ich in den ganzen Jahren so wenig Zeit hatte. Und diese Jahre haben bei mir auch gesundheitliche Spuren hinterlassen. Ich gehe mit meinen Jüngsten auf Mutter und Kindkur im Mai nächsten Jahres. Wo ich dann endlich mal für mich Dasein kann. Vielleicht auch mal ein Perspektivwechsel. Die Pflege meines Kindes, das Kümmern um meine Mutter und die versuchte emotionale Erpressung meines Geschwisterteil, die ich immer abwehren musste (ja geht auf die Substanz), dass macht mich gesundheitlich fertig. Dazu Zuwenig Eigenfürsorge, weil die Zeit so fehlte.

    Ich kann dir nur empfehlen, mach eine Mutter-Kind-Kur. Und von den anderen Schreibern hast du auch genügend Tipps bekommen.

    LG und viel Kraft
    Jedi


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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    Hallo Bergkristall,

    ich denke, es geht hier um 3 Faktoren:
    1. der rechtliche Bereich- Wohnung betreffend- vielleicht würde es Wege geben, die möglich sind?
    Hier ganz klar einen Anwalt aufsuchen und diese Fragen klären.

    2.Zeitmanagement- wieviel Zeit bleibt dir für was? Das ist letztlich eine ganz klare Rechnung, die aufgemacht werden kann- samt unsicheren Komponenten.
    Hier kannst du für dich eine möglichste genaue Liste anfertigen, was du tun "musst", was du evtl lassen könntest oder wo du Räume hast.
    Mit so einer klaren Liste, ist es viel ersichtlicher, wo es besser zu ändern wäre, wo nicht- oder ob man vielleicht etwas ganz anders planen- aufziehen könnte.
    3. dein seelischer Bereich.
    Hier ist es viel schwieriger, denn der Kopf kann viel sagen- das Herz muss mitgehen und macht das oft genug eben nicht
    So wie du es beschreibst, ist der Zustand von deiner Mutter für dich noch nicht "vollständig angenommen" und du bist noch in der Phase das alles zu verdauen..........wieviel Trauer, Leid und Schmerz musst du dann in deinem Alltag noch "nebenbei" jonglieren? Wie oft wird dich ein schlechtes Gewissen oder Wut begleiten?
    Das sind Belastungen, die sich auch lohnen, mal aufzuschreiben! Hinsehen, wo welche Gefühle sind und überlegen, wie du mit diesen gut umgehen kannst.

    Alles, was rechnerisch und rational zu sortieren ist-sortieren.
    Erst aufschreiben, dann ansehen und prüfen und verbessern, wo es nur geht - ruhig alle mit einbeziehen- selbst die Kinder.......was muss?, was kann?, was kann gehen?
    Das Rechtliche sehe ich als gut zu klären- ob es tatsächlich gemacht und gebraucht würde, ist erst einmal zweitrangig.

    Worauf ich sehr achten würde- wären deine Gefühle- deine seelische Verfassung.
    Und da- ganz ehrlich- lieber eine zeitlang weniger arbeiten (könntest du das beim Arbeitgeber erfragen?) und dafür zB etwas für dich tun. Dir die ZEIT nehmen, und sie nur für DICH nehmen.
    Nichts für Mama, nichts für Papa, nichts für die Familie.........NUR DU!
    Und sei es, dir das Geld für eine Lebensberatung zu nehmen, wo du schnell einen Termin bekommst und dich dann ruhig öfter mal so richtig ausk*** kannst und unterstützt wirst.

    Unterschätze nicht die Kraft eines Zusammenbruchs!
    Danach wieder hochzukommen, ist ein langer Weg und manch einer ist danach nie wieder in seine alte Kraft gekommen.
    Und- nach deinen Eltern- gibts deine Kinder immer noch und sie werden dich noch lange brauchen.

    alles Gute für dich

    Was den rechtlichen Bereich betrifft, habe ich bereits geantwortet.

    Ich bin auch ein großer Fan von Listen/Zeitmanagement. Ich denke, in diese Richtung haben wir nicht so schlecht gearbeitet. Wobei halt bei uns Jobs und die zwei kleinen Kinder so einige "Unbekannte" mit sich bringen können und dann bringt manchmal die beste Planung nichts und Flexibilität ist eher gefragt. Ich versuche vorausschauend zu planen/arbeiten, damit Puffer da ist.

    Der 3. Punkt ist ein wichtiger Faktor. Ich habe länger gebraucht, bis ich den Zustand meiner Mutter "verdaut" hatte. Denke, da bin ich im Moment an einem sehr guten Punkt.
    Aber das schlechte Gewissen ist ein häufiger Begleiter. Eigentlich sollte XY erledigt sein, ich mehr Zeit für Besuche bei meiner Mutter haben, für meine Kinder eine entsapnnte Mutter sein...
    Wut habe ich zum Glück keine in mir. Immerhin etwas.

    Lebensberatung und Co - ich behalte es im Hinterkopf, im Moment versuche ich alle Zusatztermine möglichst weg zu halten - sie stressen mich sehr.

    Was TZ betrifft. Ich könnte mit Sicherheit weniger arbeiten. Aber.... dann ist die Stelle auf der ich bin weg, ich mache Abstriche und wo ich dann in ein paar Jahren ggf eingesetzt bin, steht in den Sternen.


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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von Jedimeisterin Beitrag anzeigen
    Liebes Bergkristall,

    ich stecke über recht lange Zeit in einer Sandwich-Situation. Ich kümmerte mich eine ganze Zeitlang mit meinen Geschwistern um meine Mutter, mit der ich mich sehr gut verstand. Eine Zeitlang übernahm ich auch für einige Wochen die Pflege meiner Mutter (hatte damals ganz fürchterliche Schmerzen, ihr Wirbelbruch musste so heilen ohne OP), weil mein Bruder wegen einer längerfristiger Erkrankung ausfiel. Das hieß, 3x die Woche von morgens bis mittags hinfahren (10 km eine Tour) und 2x abends hin. Das hieß die alte Ma aus dem Bett helfen, waschen und anziehen helfen, Frühstück richten, Wohnung putzen. Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt nicht. Meine Kinder waren damals 13 und 8 Jahre alt. Mein Jüngster ist schwerbehindert mit frühkindlichen Autismus und geistiger Behinderung. Dazu sehr verhaltensoriginell und Weglauftendenzen. Das Schlimmste in der Zeit, er brauchte sehr wenig Schlaf, teilweise 6 Stunden. Nachmittags standen in der Woche 3 Therapietermine an. Zeit für mich hatte ich überhaupt nicht, mein Mann arbeitete Schichten, war also kaum zu Hause. Ich musste auch viel abwehren. Meine Schwester hätte es gerne gesehen, wenn ich noch nachmittags bei meiner Mutter gewesen wäre, wo ich nein sagte, dafür hätte ich wegen meinen Jüngsten auch keine Zeit und der Große brauchte auch Zuspruch. Abends fuhr ich 2x die Woche hin. Da machte ich nur das Abendbrot und die Mama bettfertig. Beim Zubettgehen brauchte ich nicht helfen. Und was soll ich dir sagen, nach den ganzen Wochen war ich fertig mit der Welt.
    Ich musste mit wenig Schlaf auskommen. Entweder schlief mein Jüngster um 20 Uhr ein und war um 4 Uhr morgens wieder wach oder schlief erst weit nach Mitternacht ein und war um 6 Uhr wach.

    Ich bat meine Geschwister sich einen Pflegedienst zu suchen, was dann aber doch hinfällig wurde, da es meine Mutter wieder besser ging. Konnte das Notwendigste wieder selber machen. Das hielt aber nicht sehr lange an. Irgendwann musste meine Mutter wieder ins Krankenhaus, wieder ein Bruch (der wieder selber heilen musste, da OP lebensgefährlich aufgrund ihres hohen Alters). Nach der REHA kam der völlige Zusammenbruch (Medikamente war zu hoch dosiert). Meine Mutter wurde zum kompletten Pflegefall. Der Hammer war, meine Schwester hatte die Idee, dass wir sie komplett alleine pflegen. Sie fragte nach den Tagen, wo wir Zeit hätten. Das hieße nicht nur ein paar Stunden, sondern komplett über Nacht bleiben bei der Ma. Ich sagte, ich komme gerne ein paar Stunden am Tag. Das war meiner Schwester zu wenig. Ich müsse schon über Nacht bleiben. Das konnte ich beim besten Willen nicht. Ich kann kein autistisches Kind mit dem großen Bruder über einen Tag alleine lassen, wenn mein Mann auch noch Schichten ging. Ich war teilweise selber mit diesem Kind überfordert. Ich war froh, dass der Pflegedienst kam, der sich meine Mutter ansah und sagte, dass wir das hier zu dritt nicht schaffen werden, so wie der Zustand meiner Mutter war. Sie kam ins Pflegeheim und ich fing bald wieder mit einem hohen Teilzeitanteil an zu arbeiten. Ich besuchte meine Mutter 1x die Woche im Pflegeheim (meistens freitags, wo ich wirklich nur einen halben Tag arbeite). Eigentlich dachte ich, jetzt wird es entspannter. Mir setzten aber das gesundheitliche Auf und Ab meiner Mutter doch sehr zu. Dazu drangsalierte mich auch noch meine Schwester, ich besuche meine Mutter zu wenig. Sollte einen kompletten Nachmittag opfern und mit meiner Mutter etwas unternehmen. Was natürlich weder meine Arbeitszeit noch die Therapietermine meines Jüngsten noch meine gewonnene Minimalfreizeit (ging mit meiner Freundin zum Sport abends 1x die Woche). Ich hatte eh keinen, der meinen Jüngsten unter der Woche mal abnahm. Woher auch, es gab keinen dafür.

    Mir ging es so wie dir, keine Zeit für mich (zum Buch lesen war ich abends viel zu müde), mit den Kindern etwas machen nur noch am Wochenende, Haushalt auf Sparflamme mit Hilfe vom Ehemann. Und ganz ehrlich, ich war manchmal von meiner Mutter auch genervt, weil sie mich durch ihren schwankenden Gesundheitszustand auch ab und an nach unten zog. Und dann der Streit mit meiner Schwester wegen dem Zuwenig kümmern um die Ma. Wo ich mich einfach umgedreht hatte und gegangen war, weil ich es leid war ihr zum zigsten Mal zu erklären, dass ich genug um die Ohren hatte. Weißt du manche Leute begreifen das einfach nicht. Ich finde so etwas schlimm, dass man seine Minimalfreizeit auch noch verteidigen muss. Ich bin keinem Rechenschaft schuldig. Nun ja Kontakt hatte ich dann kaum noch zum Geschwisterteil.

    Meine Mutter starb im September diesem Jahres. Ja es ist traurig und es fehlt etwas. Ich bin froh, dass ein großer Teil meiner Freunde sehr viel Verständnis aufgebracht hatten, dass ich in den ganzen Jahren so wenig Zeit hatte. Und diese Jahre haben bei mir auch gesundheitliche Spuren hinterlassen. Ich gehe mit meinen Jüngsten auf Mutter und Kindkur im Mai nächsten Jahres. Wo ich dann endlich mal für mich Dasein kann. Vielleicht auch mal ein Perspektivwechsel. Die Pflege meines Kindes, das Kümmern um meine Mutter und die versuchte emotionale Erpressung meines Geschwisterteil, die ich immer abwehren musste (ja geht auf die Substanz), dass macht mich gesundheitlich fertig. Dazu Zuwenig Eigenfürsorge, weil die Zeit so fehlte.

    Ich kann dir nur empfehlen, mach eine Mutter-Kind-Kur. Und von den anderen Schreibern hast du auch genügend Tipps bekommen.

    LG und viel Kraft
    Jedi

    Liebe Jedi,

    vielen Dank für deine nette, offene und sehr persönliche Nachricht. Ich finde mich in sehr vielem wieder was du geschrieben hast.

    Wenn mir von außen schon erklärt wird, was ich wie zu tun habe und wie oft meine Kinder doch bitte die Oma im Heim besuchen sollen und wie verhalten - grrrrrrrrr....
    Wenn einem das Gefühl gegeben wird, zu wenig zu tun/es falsch zu machen....
    Warum sagt niemand einfach mal - "machst du gut", "ich weiß du musst viel leisten"...?

    Den Schlafmangel kenne ich nur zu gut. Das große Kind braucht relativ wenig Schlaf, der Kleine schläft noch nicht druch. In der Akutzeit meiner Mutter dazu heftige Schlafstörungen. Und bis heute schlafe ich zu wenig/schlecht, wenn sich das Gedenkenkarussell wieder dreht oder mir einfach alles zu viel wird.

  6. Avatar von kuhliebe
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Kannst du dir vorstellen bestimmte Tätigkeiten nur zu vergeben?
    Wäsche weggeben. Zweimal im Jahr das Fensterputzen.
    Teilweise feste Lieferdienste nutzen. Das mit den Lieferdiensten nutze ich. Ich habe ein Gemüseabo und nutze den Lieferservice für Getränke über einen Heimdienst.

    Kannst du mal näher beschreiben wie du deinen Haushalt und das drum erledigst bzw. was dich da am meisten
    stresst.

  7. Avatar von Jedimeisterin
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von twix25 Beitrag anzeigen
    Die Sturheit älterer Menschen, sie brauchen u wollen keine fremden Leute geht auf Kosten der Angehörigen und leider funktioniert dann oft das schlechte Gewissen und man kümmert sich mehr, als es einem selbst und der Familie gut tut
    Das kann ich durchaus nachvollziehen. Meine Mutter hatte meine Geschwister auch ab und an zur Weißglut gebracht, da konnte sie auch noch in ihrer Wohnung bleiben. Häufig, nein dass machen wir nicht. Da war auch zwischendurch auch mal
    14 Tage Funkstille. Meine Schwester war selbständig und hatte noch Nebenjob, um über die Runden zu kommen. Kenne ich auch irgendwo her als ich dort über Wochen auch noch abends da war, um die Mama ins Bett zu bringen. Da fragte ich auch mal warum nicht jemand anders kommen könnte von außerhalb. Meine Ma wollte keine fremde Person im Haus. Wollte sogar mit mir Abendbrotessen, wo ich dann aber keinen Nerv hatte, weil zu Hause ein autistisches Kind außer Rand und Band war und der Große zwangsläufig auf ihn aufpassen musste, wenn mein Mann mal wieder Spätschicht hatte. Deswegen schnell Abendbrot machen, Mama bettfertig. Und dann ab nach Hause,Ihre Tabletten hat sie selber eingeteilt. Ich wollte noch Zeit für meine Kinder haben, die schon eh knapp war.

    Im Pflegeheim fand ich das wesentlich entspannter. Keine Pflege mehr, Zeit für Klönschnack mit der Mutter (stand während der Pflegezeit immer vor einem Berg Arbeit, der zu erledigen war). Und mein Jüngster fand es auch spannender mit der Oma
    in Ruhe Abendbrot zu essen, weil einfach die Zeit dafür war. Er war damals auch schon viel ruhiger als sonst, also besuchstauglich fürs Pflegeheim.

    Und der ganze Verwaltungskram den man als Pflegender hat, der ist viel. Und die meiste Zeit geht drauf, um hinter irgendwelchen Dingen herzurrennen, die die Pflegekasse, Versorgungsamt oder Sozialamt verzapfen. Und das nervt mich bis heute. Mein Sohn hat Pflegegrad 4.

    LG Jedi


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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von Bergkirstall Beitrag anzeigen
    Aber das schlechte Gewissen ist ein häufiger Begleiter. Eigentlich sollte XY erledigt sein, ich mehr Zeit für Besuche bei meiner Mutter haben, für meine Kinder eine entsapnnte Mutter sein....
    Schlechtes Gewissen ist eine Stimme in dir, die dich antreibt und und letztlich dafür sorgen möchte, dass es allen gut geht.
    Es ist der Wunsch nach Fürsorge und- darin steckt auch das, was wir in der Erziehung und auch Gesellschaft immer wieder hören: "da geht noch mehr".
    Wir reden hier auch von den eigenen Grenzen, die wir selten gelernt haben, zu schützen. Uns selbst so ernst zu nehmen, dass wir für UNS gehen! Für jeden anderen machen wir- für uns selbst..........egal......

    Diese Kombination ist eine, die dich immer nur ins fühlbare Minus bringen kann- denn es gibt gar kein "genug" und was unser Kopf erspinnt, hat mit gelebtem Leben häufig wenig zu tun (Vorstellungen und Wünsche versus Realität).

    Mach dir klar, dass dieses schlechte Gewissen ein Antreiber ist, der nicht mitbekommt, was ansonsten läuft

    Realität hinein bringen ist ein guter Weg- dir und dem Anteil zu erzählen, was in den letzten 24 h alles gemacht worden ist und dass deine 100% erfüllt sind.

    Zitat Zitat von Bergkirstall Beitrag anzeigen
    Wut habe ich zum Glück keine in mir. Immerhin etwas......
    Zitat Zitat von Bergkirstall Beitrag anzeigen
    im Moment versuche ich alle Zusatztermine möglichst weg zu halten - sie stressen mich sehr.
    Gefühle- erleben wir überall und sie sind IMMER eine Teilkomponente in unserem Leben.
    Du magst keine Wut mehr auf die Krankheit oder deine Mutter haben- aber was stresst, macht auch ganz schnell wütend.

    Und dem Körper ist egal, wo die Wut entsteht

    Nur als Betrachtung, dass dich ganz viel emotional bewegt und dieses belastend ist.

    Vielleicht lohnt es sich, sich am Abend mal hinzusetzen und den Tag durchzugehen......wo ist es dir wie gegangen...? Auf die Art kann man gut erkennen, was viel Kraft kostet und wo man vielleicht gegensteuern könnte.

  9. Avatar von Simpleness2
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Zitat Zitat von Bergkirstall Beitrag anzeigen
    Wut habe ich zum Glück keine in mir. Immerhin etwas.
    Das erstaunt mich etwas.
    Die Weigerung des Vaters keine Haushaltshilfe ins Haus zu lassen, würde mich sehr wütend machen.

    Du schreibst Du möchtest keinen Ärger haben. Fällt es Dir schwer Konflikte auszutragen? Dich selbst wichtig zu nehmen?
    Letztlich geht diese Haltung auf Kosten Deiner Lebensqualität und Gesundheit.


  10. Registriert seit
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    AW: In der "Sandwich-Verantwortung"

    Ich muss dringend mal kurz "Piep" sagen.
    Wir haben das absolute Krankenlager hier, inkl. einem Krankenhausaufenthalt. Ich melde mich, sobald etwas mehr
    Land in Sicht ist.

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